Stets begleitet von der eignen Melodie

 in FEATURED, Kultur

Bis Ende des Jahres ist Konstantin Wecker nun mit seinem Jubiläumsprogramm „Poesie und Widerstand“ anlässlich seines 70. Geburtstags unterwegs. Begleitet wird er von den Glückwünschen treuer Freunde und Wegbegleiter. Hier eine kleine Sammlung von Statements über Konstantin – von Joan Baez bis Oskar Lafontaine, von Eugen Drewermann bis Reinhard Mey.

Für die US-amerikanische Singer-Songwriterin Joan Baez war seine Musik stets Inspiration: „’Wenn unsere Brüder kommen‘ bleibt mein Lieblingslied in deutscher Sprache, und wenn ich zu Hause bin, passiert es mir, dass ich es einfach so, nur für mich, vor mich hinsinge – ein ganz wunderbarer Song.“

Den liebt auch Esther Bejarano: „Ich hoffe, dass auch wir bald wieder zusammen singen.“ Die Holocaust-Überlebende freut sich, dass ihr jüngster Urenkel Konstantin genannt wird: „nach Dir!“. Der israelische Soziologe Moshe Zuckermann zog für seinen aus Tel Aviv gesendeten Glückwunsch Walter Benjamin heran, der meinte, dass man der großen Masse der Menschen etwas Herzerwärmendes geben müsse, damit sie mit der Kunst der Avantgarde überhaupt in Berührung kommen könne: „Konstantin Wecker ist ein bedeutender Mann des politischen Protest des 20. und 21. Jahrhunderts, der mit seinen Liedern eine Form gefunden hat, um Bewegungen anzustoßen.“

Radikal und sinnlich zugleich

Oskar Lafontaine schätzt Konstantin Wecker als engagierten Künstler, der sich immer wieder für die Schwachen und diejenigen, die im Abseits stehen, einsetzt. „‚Tobe, zürne, misch dich ein/ Sage nein!‘ – das ist nicht nur der Refrain eines bekannten Wecker-Liedes, das ist seine Grundhaltung. Aber ich fühle mich auch dem anderen Wecker verbunden, demjenigen, der die Menschen und das Leben liebt und genießt. Der sich nicht verbiegt und nicht unterkriegen lässt.“ Die Politikerin Heike Hänsel sieht in Konstantin Wecker einen der wenigen politischen Liedermacher unserer Zeit, der der Doppelmoral und der Gleichgültigkeit den Kampf angesagt hat: „Seine Lieder sind immer auf der Höhe der Zeit und doch zeitlos, radikal und sinnlich zugleich. Seine Musik rührt an. Die Menschen strömen ermutigt und voller Kraft aus seinen Konzerten.“

Für den Theologen Eugen Drewermann ist Konstantin Wecker einer von denen, die unermüdlich dafür eintreten, dass man mit Töten nicht Leben, mit Kriegen nicht Frieden und mit Lügen nicht Wahrheit schafft. „‚Wir müssen Verantwortung tragen.‘ O ja! Für die wachsende Ungerechtigkeit zwischen Arm und Reich, für die fortschreitende Zerstörung der Natur, für die Ursachen des Flüchtlingselends, für die Geschäftemacherei mit der Verschuldung ärmerer Länder – für all das und vieles mehr ‚tragen wir Verantwortung‘, und sie ist unerträglich. Mit allem, was er vermag – als Dichter, Musiker, als Person und als Mensch –, tritt Konstantin Wecker dieser Entwicklung entgegen.“

Der Journalist Heribert Prantl sieht in Konstantin Wecker einen Demokraten und Anti-Nazi mit Leib und Seele und Stimmbändern und Kopf und Bauch und Herz: „Konstantin Wecker singt und schreit, er wimmert und klagt, er wütet, wenn aus dem ‚Nie wieder‘ ein ‚Schon wieder‘ wird. Er ist einer von denen, die man unbedingt braucht, um die Demokratie zu erhalten. Manchmal ist er ein singendes Verfassungsgericht.“

Für Henning Zierock, Vorsitzender der Gesellschaft Kultur des Friedens (GKF), bildet Konstantin Weckers Musik seine reichen Lebenserfahrungen im Gelingen und im Scheitern ab – immer intensiv, immer authentisch: „Er fördert junge Künstler und mischt sich mit seinen Liedern in das aktuelle Geschehen ein, so wie Bertolt Brecht und Hanns Eisler es in den 1930-Jahren taten. Er ist ein genialer Poet und Komponist in einer Person. Dank seiner künstlerischen, intellektuellen und politisch rebellischen Begabung hat Konstantin immer etwas zu sagen, rüttelt uns auf, bleibt nie an der Oberfläche. Er sucht nach dem Sinn – den er dann gleich wieder parodiert in einem Lied zum Sinn. Sein Werk und Wirken wird Bestand haben.“

„Mach´s gut und mache weiter“

Der Schauspieler Rolf Becker weiß, das (auch) das Leben von Konstantin Wecker von Widersprüchen geprägt ist: „Das Wichtigste ist jedoch, dass wir dazu beitragen, dass es eine Welt ohne Kriege gibt, in der die Menschen unter sozial lebenswerten Bedingungen leben können und in der die verbreiteten Lügen weniger werden. In dem wir die Wahrheit erzählen. Mach´s gut und mache weiter.“

Der Kabarettist Claus von Wagner lernte Konstantin Wecker vor vielen Jahren kennen, als er ihn vor einem Konzert interviewte: „In dem Moment, als ich die Garderobe betrat, wurde ich zum absoluten Wecker-Aficionado. Die Art, wie er mich wahrgenommen, mit mir geplaudert und über die Welt gesprochen hat, nahm mich ein. Es ist eine große Ehre mit ihm zu arbeiten. Wenn ich einmal 70 Jahre alt werde, dann möchte ich so sein wie er.“

Die politische Wachheit und das musikalische Talent sind die Dinge, die dessen Kollege, der Kabarettist Max Uthoff an Konstantin Wecker schätzt: „Danke dafür, dass Deine Präsenz, Deine Auftritte und Lieder sich wie Mosaiksteine in meine Vergangenheit eingefügt haben. Das zu schaffen, ist ziemlich groß.“

Dem kann auch der Liedermacher Hannes Wader nur zustimmen: „Ich bin selten jemandem begegnet, der wie du vor Ideen nicht nur sprüht, sondern auch noch über die Zähigkeit und den Elan verfügt, sie umzusetzen; manchmal unmittelbar – so entstehen, ich habe es erlebt, viele Deiner besten Lieder. Beispiellos auch, wie leidenschaftlich und vorbehaltlos Du die Bühne und Dein Publikum liebst, so dass beiden, Bühne und Publikum, keine andere Wahl bleibt, als Dich ebenfalls zu lieben. So ist es, und so soll und so wird es hoffentlich noch lange bleiben.“

Dem deutschen Lied eine italienische Note gegeben

Die kraftvolle Musikalität, Spielfreude und seine Hingabe an das Publikum, schätzt der Liedermacher Reinhard Mey: „Ich bewundere seine Wachsamkeit, sein Engagement und seine kompromisslose Geradlinigkeit. Ich liebe Konstantin für seine Herzlichkeit und seine menschliche Wärme. Lass dir von einem, der das Kap der 70 schon umschifft hat, sagen: Das Leben geht weiter und es ist schön. Bleib gesund und wachsam und singe und sage, was keiner wagt!“ Für Liedermacher-Kollege Wenzel ist Konstantin Wecker eine stilprägende Leitfigur für das Lied, das in deutscher Sprache singt: „Er gab ihm eine italienische Note. Seine Diesseitigkeit, Sinnenfreude und Streitlust haben ihn oft in die Zwiste der Zeit getrieben, und er hat ihnen mutig und kraftvoll getrotzt in allen Wetterlagen. Dass er schon 70 Jahre alt sein soll, scheint mir unwahr. Seine Energie zeugt von einer anderen Lebensphase.“

Für Musiker Roger Stein ist Konstantin Weckers Werk gewaltig, beeindruckend, überbordend: „Denn hinter diesem genialen Schaffen steht ein liebenswürdiger, herzenswarmer Mensch, der keine Angst hat, sich immer wieder einzumischen, wenn es darum geht, eben genau jene Herzenswärme zu verteidigen. Darüber hinaus gelang es ihm wie keinem Zweiten, die urdeutsche klassische Liedtradition, wie wir sie von Schumann oder Schubert kennen, in die Gegenwart zu tragen – und gerade damit steht er ziemlich allein.“

Und Liedermacher Heinz Ratz hat anlässlich der Jubiläumstour sogar ein Gedicht verfasst:

Konstantin

So viele Flüche trafen ihn. Und so viel Segen.
Sein ganzes Wesen Kampf und Kraft.
Und trotzdem träumerisch bewegen
und zwischen Trümmern suchend nach den Wegen
der Lebensfreude und der Leidenschaft.

Es scheitert leicht, wer sich das Weh von Fremden
ans eigne Schicksal kettet, für das Wohl der Welt.
Doch was heißt scheitern? Denn das Sich-Verschwenden
vermag das Dunkelste noch umzuwenden,
bis man es leicht und licht zurückerhält.

So lebt er in der Suche nach den tiefsten Fragen,
und stets begleitet von der eignen Melodie.
Ihn trafen Zweifel. Und ihn trafen Klagen.
Wie kann er, fragt man sich, die alle tragen?
Mit seiner Menschenliebe trägt er sie.

Zusammengetragen wurden all die Glückwünsche von der Redaktion der Zeitschrift „Musik & Rhythmus“. Dafür vielen herzlichen Dank!

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