Vielerlei Dank von den Betroffenen

 in Holdger Platta

37. Bericht zu unserer Spendenaktion „Helfen wir den Menschen in Griechenland!“griechenlandhilfelogo-300x194

Liebe HdS-Leserinnen und liebe HdS-Leser,

nunja, in den letzten sieben Tagen gingen nur 87,50 Euro an Neuspenden auf unserem Hilfskonto ein, überwiesen von 3 UnterstützerInnen. In der Vorwoche waren das 400,- Euro gewesen (aufgeteilt auf 2 Überweisungen). Aber das ist mittlerweile vertraute Erfahrung und sollte uns nicht beunruhigen: zum Monatsende gehen die Beträge fast jedesmal zurück, und ich bin nahezu sicher, daß ich Euch in der kommenden Woche wieder über einen deutlichen Spendenanstieg berichten kann. Auf jeden Fall auch diesesmal Dank an unsere UnterstützerInnen, und dieser Dank kommt wie immer von Herzen!

Dank, das dürfte in diesem Wochenbericht eh die zentrale Botschaft meiner Mitteilungen sein, denn – Zufall oder auch nicht! -: gleich mehrfach findet sich dieses Wort in den Mails, die ich während der letzten Tage von unseren ‚AußenhelferInnen’ bekam. Doch der Reihe nach:

Bereits einen Tag nach meinem letzten Bericht bekam ich von Evelin und Tassos Chatzatoglou einen Abschluß-Report über deren Hilfsreise durch Griechenland, am, Freitag, den 23. September. Hier die wesentlichen Auszüge daraus:

„Die Babysachen für die Jungfamilien in Andros wurden von der Sozialarbeiterin Frau Maria Alexaki übernommen. Auch der Computer ist bereits im Einsatz. Die Patienten, meist ältere Leute, erhalten nun dank unserer Spenderinnen und Spender ihre Online-Psychotherapien an der Uni Athen. Ich darf der IHW und den Spenderinnen und Spendern Maria Alexakis’ allerherzlichsten Dank übermitteln.

Auch von den beiden Mädchen der Familie M., Nektaria und Zoi, gibt es Positives zu berichten. Die Mädchen werden von der Hautärztin nun kostenlos behandelt, nachdem Zoi ihr die Situation ihrer Familie erklärt hatte. Lediglich die Medikamente und Cremes sind zu bezahlen. Diese werden wir, nachdem die Kooperation mit der Apotheke von Orestis Tsikouris ausgezeichnet funktioniert und Herr Tsikouris uns immer wieder Sonderrabatte gewährt bzw. zusätzlich zu unseren Bestellungen spendet, wieder bei ihm beziehen. Die 250 € aus der Patenschaft, die wir der Zoi gegeben hatten, können nun, wie ursprünglich vorgesehen, für Nachhilfeunterricht ausgegeben werden.

Andreas, der Junge mit dem Stigma (Mittelmeeranämie), wurde gestern als Notfall in das Krankenhaus von Pirgos eingeliefert und steht vor einer Operation. Die Milz soll entfernt werden. Der Chirurg wird die Operation kostenlos durchführen, lediglich die Anästhesistin verlangt 150 €. Da sich leider kein Spender für das benötigte Gerät, das Andreas‘ Blut vom überschüssigen Eisen reinigen sollte, gefunden hatte, wollten wir das gebrauchte für 300 € kaufen. Dieses war aber bereits wegverkauft. Es gibt nun ein anderes, fast neues, Gerät, für welches die Klinik 550 € verlangt. Das werden wir jetzt endgültig kaufen, damit Andreas langfristig gesehen nicht immer wieder in lebensbedrohliche Situationen kommt.

Die Hilfe von Konstantin wird vermutlich an 3 Familien mit Migrationshintergrund in Korydallos und auf syrische Familien, welche den Hotspot in Diavatá ( Idomeni-Nachfolger) verlassen haben, verteilt. Die Situation in Diavatá ist auf Grund des Massenandrangs äußerst angespannt. Deshalb entschließen sich manche Familien, den Hotspot zu verlassen. Sie werden von der Vize-Bürgermeisterin und Sozialbeauftragten der Gemeinde Thessaloniki, Frau Kalipso Gouta, betreut. Meistens werden sie in leerstehenden Wohnungen untergebracht, zur Verfügung gestellt von BewohnerInnen aus Thessaloniki. Wenn der Wohnungsbedarf überhandnimmt, werden syrische Familien auch in Hotels und Pensionen untergebracht. Viele Familien haben Kleinkinder und brauchen zusätzlich medizinische Betreuung. Wir würden gerne Konstantins Gelder auch zur Betreuung dieser Familien einsetzen.“

Meine Anmerkung dazu: schön, daß Evelin und Tassos Chataztoglou auch die Aufgabe bewältigen konnten, die von Konstantin Wecker speziell für Flüchtlinge in Griechenland gespendeten Gelder entsprechenden Hilfsprojekten (und: Menschen!) zur Verfügung zu stellen! Das war – bitte verkennt dieses nicht! – auch Mehrarbeit für die beiden, und ein weiteres Mal zeigt sich, wie optimal unsere kleine HelferInnengruppe doch ‚aufgestellt’ ist:
orts- und sachkundiger könnte Hilfe wohl nicht aussehen als mit zwei derart sach- und ortskundigen HelferInnen!

Gleich zweimal Post bekam ich in den letzten Tagen von Bettina Beckröge aus Griechenland. Ihr erinnert Euch: ‚eigentlich’ macht sie derzeit ja nur ihren Urlaub dort, verbunden allerdings mit dem Wunsch, die von ihr mitbetreute ‚Patenfamilie’ kennenzulernen. Doch Bettina Beckröge hat ihre Ferienwochen im schönen Hellas auch dazu genutzt, ihre Augen offenzuhalten für die Probleme dort, uns darüber zu berichten und sogar das Gespräch zu suchen mit zahlreichen HelferInnen bei unserer Spendenaktion vor Ort. Aber auch hier der Reihe nach, und deswegen erst Auszüge aus ihrem Bericht an mich vom Montag dieser Woche, den 26. September:

„Die wirtschaftliche Situation in Griechenland ist schlimmer, als ich es erwartet hatte. Unsicherheit und depressive Gedanken scheinen sich bei vielen GriechInnen auszubreiten.
Es ist Ihnen nicht zu verdenken. Wer heute nicht weiß, wie er morgen überleben soll, wie er eine notwendige Arztrechnung für sich oder seine Angehörigen bezahlen soll, der unter dem Berg an Steuern, Versicherungsbeiträgen, Sozialabgaben und (!) vollkommen überhöhten Stromrechnungen in die Knie geht, dem ist ein Hang zum Pessimismus nicht zu verdenken.
Es ist schwer, lösungsorientierte Gedanken zu finden, zu verfahren scheint das System des griechischen Schuldenbergs und einer überholten Verwaltungsstruktur zu sein.

Die GriechInnenhilfe ist für viele, die ich gesprochen habe, ein Lichtblick, ein Rettungsanker, auch wenn nicht jeder partizipieren kann.

Allein die Tatsache, nicht vergessen zu werden, scheint schon Motivation und Aufbau zu sein.“

Soweit Bettina Beckröges Mitteilungen aus ihrem ersten Bericht, der mich in dieser Woche erreichte. Und hier auch gleich die Informationen, die ich gestern von Bettina Beckröge zugeschickt bekam:
„Gestern hatte ich Gelegenheit, Frau Giavridou, die Leiterin der Hilfsorganisation Apikia auf Andros, kennenzulernen. Sie ist eine herzliche, aufgeschlossene ältere Dame, die sich bereits seit ca. 30 Jahren als Leiterin dieser sozialen Organisation, vernetzt mit der couragierten und liebenswerten Maria Axelakis, der (einzigen) Sozialarbeiterin des Health Centers, um die Bedürftigen der Insel kümmert. Frau Giavridou hat über die Jahre ein großes Hilfsnetz auf Andros aufgebaut,bei dem die bessergestellten Insulaner den Bedürftigen regelmäßig finanzielle Unterstützung zukommen lassen.
Hier, in der spürbaren Armut auf der Insel kommt die selbstverständliche Solidarität der GriechInnen untereinander zum Tragen. Es greift eine Hand in die andere. So entsteht ein Netz aus Geben und Nehmen, von dem wir im gesättigten Teil Europas nur träumen können.
Ursprungsort der Solidarität ist die griechische Familie. Sie ist aus der Tradition heraus gewachsen und nach wie vor gut intakt. So unterstützen die Großeltern ihre Kinder und Enkelkinder, um ihnen in diesen wirtschaftlich schwierigen Zeiten eine Ausbildung, einen Job, ein Dach über den Kopf oder eine Familiengründung zu ermöglichen. Umgekehrt pflegen die Kinder ihre Eltern, wenn sie krank oder alt geworden sind rund um die Uhr, bis zum Schluss. Ohne diesen Zusammenhalt der Familien würde Griechenland nicht funktionieren.
Zurückkommend auf die Spendenorganisation „GriechInnenhilfe“:
Ich wurde in Horaz (ich habe gelernt, Horaz ist die Bezeichnung für die Hauptstadt von Andros) sehr freundlich empfangen. Alle waren gespannt, etwas zu hören und zu erfahren von der Spendenorganisation GriechInnenhilfe, die in Teilen auch den Bedürftigen der Hilfsorganisation Apikia zugutekommt.
Bei meinen Erläuterungen zur Entstehung und Entwicklung dieser deutsch-österreichisch- griechisch vernetzten unbürokratischen Hilfsorganisationen, die mit viel Sachverstand, Ortskenntnissen und Empathie durchgeführt wird, wurde mir selber erneut deutlich, dass diese Spendenorganisation in der Tat eine besondere Hilfsorganisation ist, die sich von vielen anderen unterscheidet.
Ich wurde beauftragt, allen SpenderInnen, all den vernetzten HelferInnen mit ihrem Initiator und Organisator Holdger Platta den herzlichsten Dank und die besten Grüße aus Andros auszurichten.“
Herzlichen Dank, liebe Bettina Beckröge, für Deine ausführlichen Berichte!
Laßt mich meine heutigen Mitteilungen abschließen mit Ausschnitten aus einem Artikel, der am vergangenen Sonntag, am 25. September, in der „Zeit“ erschien – präziser gesagt: auf deren Web-Portal. Unter dem Titel „IWF hält weiteren Schuldenerlass für unumgänglich“ teilt uns darin der – ungenannt bleibende – Autor mit, daß selbst der „Internationale Währungsfonds“ mittlerweile die Erwartungen der Euro-Staaten an Griechenland für „unrealistisch“ hält. So heißt es da unter anderem:
„Selbst wenn Griechenland alle geplanten Strukturreformen und Sparmaßnahmen <…> umsetzt, ist ein weiterer Schuldenerlass seitens der Gläubiger aus Sicht des Internationalen Währungsfonds (IWF) unausweichlich. Dies ist das Ergebnis einer Prüfung des hoch verschuldeten Landes durch den IWF in der vergangenen Woche. Die Schulden Athens seien trotz aller bisherigen Reformen weiter gestiegen – was belege, dass die griechische Wirtschaftsleistung nicht mit den anspruchsvollen Maßnahmen in Einklang zu bringen sei, teilte der Fonds am letzten Wochenende mit <…>
Die Ziele der Gläubiger seien unrealistisch, heißt es darin weiter. Es könne angesichts der wirtschaftlichen Situation mit einer zweistelligen Arbeitslosenquote nicht davon ausgegangen werden, dass Griechenland ‚einfach aus seinen Schulden herauswächst’. Um wieder ein nachhaltiges Wachstum zu erlangen, seien weitere Schuldenerleichterungen notwendig.“
Soweit, so gut, könnte man sagen! Und gerne räume ich dieser Organisation damit auch eine gewisse Lernfähigkeit ein. Allerdings sollte auch der Rest des Textes nicht verschwiegen werden. Und der zeigt überdeutlich, daß auch der IWF die Idiotie wie Bestialität der sogenannten „Austeritätspolitik“ gegenüber Griechenland noch immer nicht begriffen hat. Ich zitiere, was im genannte „Zeit“-Artikel im Schlußteil unter der Überschrift „IWF fordert weitere Rentenkürzungen“ zu allem Überfluß auch noch zu lesen ist:
„Aber nicht nur mit den anderen Gläubigern, sondern auch mit dem Land selbst geht die Institution hart ins Gericht. Zwar habe Griechenland enorme Opfer gebracht, um so weit zu kommen, wie man jetzt sei. Dennoch seien weitere umfassende Maßnahmen unumgänglich, darunter erneute Rentenkürzungen sowie die Abschaffung vieler Steuerleichterungen.“
Ich greife hier nur auf: „erneute Rentenkürzungen“! – Weitere Menschenverelendung also? – Weitere Nachfragevernichtung in einem Land, das eh schon – auch in puncto Konjunktur – gänzlich am Boden liegt? Damit zeigt der IWF nur, daß auch er festhalten will an der kapitalismusfrommen Politik, einem Land angeblich aufhelfen zu wollen, indem es dieses Land tatsächlich, auch von seiner Seite aus, weiterhin zerstört! Bewegten wir uns in einem anderen Bereich, befänden wir uns in der Psychiatrie, im geschlossenen Trakt dort, gäb’s wohl einzig die Diagnose noch: Schizophrenie! Komplettiert durch die Diagnose: Soziopathie! Was bedeute dürfte:
Kapitalismus zerstört nicht nur, wie im Falle Griechenlands, ganze Staaten und Volkswirtschaften, Kapitalismus zerstört nicht nur die allerletzten Reste von Humanität, Kapitalismus macht auch krank: er zerstört auch die Seelen und das Denken seiner Akteure!
Und damit – wieder einmal – zu den obligaten Schlußhinweisen. Also:

Wer uns bei unserer Hilfe für Menschen in Griechenland unterstützen will, den bitten wir um unterstützende Spende, unter dem Stichwort „GriechInnenhilfe“, auf das folgende Konto:
Inhaber: IHW
IBAN: DE16 2605 0001 0056 0154 49
BIC: NOLADE21GOE
Und hier nochmal die Kontaktdaten von Peter Latuska, an den Ihr Euch wenden könnt, wenn Ihr Patenschaften übernehmen wollt oder eine Spendenbescheinigung benötigt (für Spendenbeträge bis 200,- Euro genügt fürs Einreichen beim Finanzamt Kopie oder Original Eurer entsprechenden Kontoauszuges):
Peter Latuska
Theodor Heuss Str. 14
37075 Göttingen
Email: latuskalatuska@web.de
Mit herzlichen Grüßen
Euer Holdger Platta

Holdger Platta

Holdger Platta

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