Von Schande und Solidarität

 in Politik (Inland)
    Pogrom in der Frankfurter Judengasse 1614 - schon damals besorgte Bürger

Pogrom in der Frankfurter Judengasse 1614 – schon damals besorgte Bürger

„Täglich Kristallnacht“ – die Gruppe „BAP“ warnte seinerzeit vor der wieder drohenden „Normalität“ gewalttätiger Intoleranz. Einen neuen Tiefpunkt erreichte der Volkszorn in den beiden Krawallnächten von Heidenau. Deutsche Bürger, die sonst – von Krieg bis Überwachung – jede gefährliche Entwicklung verschlafen, wachen auf, wenn es darum geht, ohnehin erschöpften, verunsicherten Neuankömmlingen ihren nackten Hass zu zeigen. „Sage nein!“ sang der Autor dieses Beitrags, Konstantin Wecker.

Liebe Freunde,

vor einer Notunterkunft für Flüchtlinge in Heidenau bei Dresden ist es die zweite Nacht in Folge zu Krawallen gekommen. Aus einer Gruppe von etwa 150 rechten Demonstranten flogen am späten Samstagabend Flaschen und Feuerwerkskörper. Bereits in der Nacht zu Samstag hatten Hunderte Rechtsextreme und „besorgte Bürger“ gegen die Unterkunft randaliert, in der Flüchtlinge ein notdürftiges Heim gefunden haben. Sie bepöbelten Asylbewerber und gingen auf Polizisten los. Es ist eine unsägliche Schande.

70 Jahre nach dem Hitlerfaschismus, der wohl grausamsten Epoche der Menschheitsgeschichte, nutzen unbelehrbare Rassisten die Flüchtlingsdebatte für ihre menschenverachtenden Zwecke. Was für ein Schock für asylsuchende, verzweifelte Menschen muss allein schon aus ästhetischen Gründen der Anblick dieser geballten Hässlichkeit sein. Nazis, „besorgte Bürger“, Fremdenhasser, Rassisten – ihr seid keine Heilsbringer des deutschen Volkes, als die ihr euch gerne seht – ihr seid unsere Schande.

Und die Frage sei gestattet, warum nur ein einziger dieser Gewalttäter verhaftet wurde. Angesichts der Übergriffe auf Demonstranten in den vergangenen Jahren und der „Knüppel aus dem Sack“-Methode, mit der z.B. die Gegner von Stuttgart 21 eine sehr wörtliche Auslegung des Begriffs „Gewaltmonopol des Staates“ buchstäblich am eigenen Körper erleben durften – so ein kluger Leserkommentar in der SZ – kann man sich den Seitenhieb nicht verkneifen, dass man friedliche Demonstranten ja auch mit Wasserwerfern und Pfefferspray beschießen und sie zusammenschlagen kann. Warum also nicht auch Straßenschläger und Hooligans? Spielen die etwa gewissen Interessen in die Hände? Sind vielleicht die entsetzten Aufschreie mancher Politiker nur Lippenbekenntnisse?

Warum eigentlich schweigt unsere Kanzlerin?

P.S.: Am Samstag hatten daraufhin mehrere Hundert Menschen vor der Unterkunft ihre Solidarität mit den Flüchtlingen demonstriert. Danke!!!

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Pogrom in der Frankfurter Judengasse 1614 – schon damals besorgte Bürger

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