Weltfriedenstag des Jahres 2017, Meeting auf dem Marktplatz der Garnisonstadt Storkow im Landkreis Oder-Spree

 in Friedenspolitik, Politik (Inland)

Ein paar einleitende Sätze des Mitinitiators Rainer Thiel vorweg: 

Die Frage passt doch in „Hinter den Schlagzeilen“. Oder nicht? Kurz nach dem 2. Weltkrieg war von Friedensfreunden vieler Länder der 1. September, der Tag des Kriegsausbruchs 1939, zum Weltfriedenstag erklärt worden. In Zeitungen und Zeitschriften las man nichts davon. Doch endlich, endlich geschieht etwas am Weltfriedenstag, auch in Städten wie Potsdam und der Kreisstadt Eberswalde im Landkreis Barnim nordöstlich von Berlin und auch in der sehr kleinen Stadt Storkow im Landkreis Oder-Spree. Noch sind die ehrenamtlichen Initiatoren erschöpft von ihrem Management, doch nun beginnen sie zu berichten. Im kleinen Storkow, auf dem Marktplatz, wo gewöhnlich die Highlights der örtlichen Bundeswehr-Kaserne gefeiert werden – Vereidigungen und Verabschiedungen von Soldaten ins Ausland – gab es in diesem Jahr auch ein Meeting von Friedensfreunden. Dort wurden Lieder gesungen, die neueste CD von Konstantin Wecker auf eigener Verstärkeranlage hörbar gemacht und Reden gehalten. Hier zunächst die Ansprache des Filmregisseurs Thomas Jacob:

„Liebe Freunde, sehr geehrte Damen und Herren,

 

die Ankündigung von Ursula von der Leyen, die Bundeswehr auf breiter Front von problematischen Kasernennamen zu befreien, hat sich als heiße Luft entpuppt. Aus der Anfrage der Linksfraktion ergibt sich, dass bereits mehrere Entscheidungen gefallen sind, Bezeichnungen mit Namen der Naziwehrmacht beizubehalten.

 

Für uns ist der Name der Storkower KURMARK Kaserne faschistisch belastet.

 

Kurz nach der Machtergreifung der Nazis 1933 wurde der Gau KURMARK gegründet. Heime der SS – Organisation „Lebensborn“ hießen KURMARK. 1943 wurde zur Verstärkung der faschistischen Kampfgruppen an der Ostfront die Panzergrenadier-Division KURMARK aufgebaut. 1943 wurde mit dem Bau des SS-Truppenübungsplatzes KURMARK bei Lieberose begonnen, nur 50 km von Storkow entfernt. 1945 wurde zum Endkampf gegen die Rote Armee erneut eine Panzergrenadier-Division KURMARK formiert.

 

Die Bundeswehr rechtfertigt sich für die Namensgebung der Storkower „Kurmark“ Kaserne mit der „Goldenen Bulle“ aus dem Jahre 1356. Danach soll „Kurmark“ die harmlose Bezeichnung einer Landschaft sein. Das war sie aber nicht. Es war der politisch-herrschaftlich geprägte Name für die kürfürstliche Herrschaft über die Regionen Altmark, Mittel–Mark, Uckermark, Prignitz und Beeskow-Storkow. Aber die Namensgeber der Kaserne kramten die Fürsten wieder hervor, die sich in der historischen Kurmark beim Kaiser das Recht erstritten, den Kaiser mitbestimmen zu dürfen. Das sei – wenige Jahre nach der Wende – ein politisches Signal gewesen, meint der ehemalige Standort Kommandant Krohm. Doch dieses Ereignis liegt Jahrhunderte zurück und spielt im heutigen Bewußtsein der Menschen keine Rolle. Aber während mehrerer Jahrhunderte führten Kurfürsten auch gegeneinander Krieg und zwangen hunderttausende Bauernsöhne, sich in den Schlachten gegenseitg zu töten.

 

Warum wird 1993 der Name Kurmark für die militärische/militaristische Traditionspflege der Bundeswehr mobilisiert?

 

Schon die Bezeichnung der Teile der Kurmark von der Altmark über die Mittelmark bis an die Neumark zeugen von der Ostexpansion. Und diese Grenze wurde schon damals nicht friedlich, sondern mit Waffengewalt verschoben. Daher ist es  auch nicht zu tolerieren, dass der Name KURMARK in die Traditionspflege der Bundeswehr eingeht.

 

Wollte man mit dieser fragwürdigen Rechtfertigung für den Kasernennamen „Kurmark“ das Recht der Fürsten, den Kaiser zu wählen usw. geschickt die eigentliche Absicht verbergen, die Wehrmachts-Traditionslinie für Kasernennamen im Osten Deutschlands nicht mit einem faschistischen Wehrmachtssoldaten fortzusetzen, sondern mit der harmlos klingenden Bezeichnung KURMARK, vom wahren Grund ablenken?

 

Wehrmachts-Traditionspflege bei Namensgebung für bundesdeutsche Kasernen hat immer noch Konjunktur. Der Kaserne und der damals dort stationierten Panzergrenadier–Division in Storkow wurde ja 1993 der Ehrenname „Kurmark“ verliehen.

Militärische Ehrennamen – liest man bei Wikipedia –  sind Namen für militärische Einrichtungen, Organisationen oder Verbände, die zur Motivation der Truppe und zur Wahrung der Tradition einer Einheit dienen. Ich frage mich,  um wessen Ehre, um wessen Tradition geht es hier? Wer da an die auf Befehl von  Adolf Hitler am 1.2.1945 gegründete Panzergrenadier-Division „Kurmark“ denkt, die im Kessel von Halbe von der siegreichen Roten Armee geschlagen wurde, ist dann selber schuld.

 

Diesen Fakt haben die Namensgeber der Kaserne sicherlich schnell ausgeblendet. Ebenso haben sie bei ihrer verantwortungsvollen Suche nach einem angeblich unbelasteten Namen ausgeblendet, dass  am 1.6.1933 der Gau Ostmark mit dem Gau Brandenburg vereinigt und auf den mittelalterlichen Namen KURMARK getauft wurde. Auch damit hofierten die Nazis  wieder dem Deutschtum, denn der Name Kurmark spielte bis zu diesem Zeitpunkt kaum eine Rolle. Aber ab 1933 rückte der Name KURMARK endlich wieder ins Bewußtsein der  deutschen Bevölkerung. Die Heime der SS- Organisation „Lebensborn“ schossen wie Pilze aus dem Boden. Die Heime, in denen SS-Männer arische Kinder für den Führer  zeugten, hießen oft KURMARK . 1943 wurde die Panzergrenadier–Division KURMARK gegründet, die an der Ostfront eingesetzt wurde.

 

Bei der Namensgebung der Storkower KURMARK Kaserne 1993 wurden auch ca. 8000 jüdische Häftlinge ignoriert, die beim Bau des SS- Truppenübungsplatzes KURMARK ermordet wurden.

Hätten die Namensgeber bei ihrer Namenssuche für die Kaserne wirkliches Interesse für eine Aufarbeitung der jüngeren Geschichte gezeigt und hätten sie sich Zeit genommen, dann wären ihnen sicherlich große Bedenken gekommen, diese Kaserne KURMARK-Kaserne zu nennen. Sie hätten erfahren, dass im Herbst 1943, auf Befehl des SS–Führungshauptamtes, der Bau des SS-Truppenübungsplatzes „Kurmark“ begonnen wurde. Dafür wurden jüdische Häftlinge aus Sachsenhausen, aus Auschwitz, aus allen KZ in ganz Europa herangekarrt, die in Zwangsarbeit, unter großen Entbehrungen, den SS–Truppenübungsplatz KURMARK bauen mußten. Dafür wurde auf dem Gelände des SS-Truppenübungsplatzes KURMARK das KZ Lieberose errichtet. Das Prinzip der Nazis lautete auch: Vernichtung durch Arbeit.

 

Die Namensgeber interessierte auch nicht, dass das SS-Wachbataillion KURMARK bei der Räumung des KZ Lieberose im Februar 1945 1342 kranke und nicht gehfähige Häftlinge am 2. und 3. Februar 45 standrechtlich erschoß. Ihnen ist sicherlich auch nicht bekannt gewesen, dass 1971 in einer Kiesgrube bei Schenkendöbern 577 Opfer dieser Erschießungsorgie gefunden wurden. Die anderen 765 ermordeten Häftlinge wurden bis heute nicht gefunden.

Noch leben einzelne ehemalige Häftlinge, die zum Bau des SS-Truppenübungsplatzes KURMARK gezwungen wurden. Noch hat die Bundeswehr die Chance, dieser Kaserne einen Namen zu geben, der an dasjenige Deutschland erinnert, das trotz SS, Gestapo und KZ Helden des Widerstandes hervorgebracht hat.

 

12 Jahre Faschismus, die mörderischsten und furchtbarsten Jahre in der Deutschen Geschichte  dürfen nie vergessen werden. Und darum sind wir als die Nachgeborenen VERPFLICHTET, all das zu bekämpfen, was leichtfertig mit Wehrmachtstraditionen begründet wird.

 

 

Für unser Bündnis gilt: Die Opfer des SS- Projektes  „KURMARK“ wiegen in unserer Erinnerung, in unserem Geschichtsverständnis so schwer, dass man auf den Namen  KURMARK  an der Kaserne verzichten sollte. Aus diesem Grunde appellieren wir heute von dieser Stelle an alle Storkower:

 

Gebt Eure Unterschrift für die Umbenennung der KURMARK Kaserne, denn dieser Name verhöhnt die Opfer des SS- Truppenübungsplatzes „KURMARK“. „

 

Und hier die Rede von Rainer Thiel bei derselben Kundgebung:

 

 

Noch ein Mal Weltfriedenstag? Wirklich noch ein Mal? Oder das letzte Mal?

 

 

„Liebe Freunde, ich wurde 1930 geboren und will Euch in 8 Minuten drei Geschichten erzählen:

 

Erstens: Zu Beginn des 2. Weltkriegs war ich neun Jahre alt. Und wie begann der Weltkrieg? Mit Tricks und einem Kopfschuss per Pistole. Am frühen Morgen des 1. September 1939 hatte Hitler über alle deutschen Radio-Sender gerufen: „Seit 5 Uhr 45 wird zurückgeschossen.“ Nanu, zurückgeschossen? Das sagte Hitler im Radio. Deutsche Truppen durchbrachen die Grenze zum Nachbarland Polen. Meine Eltern waren besorgt. Doch die allermeisten Deutschen  waren zufrieden. Im Laufe des Krieges starben 6 Millionen Polen durch deutsche Waffen. Die meisten Deutschen waren immer noch zufrieden. Doch die Polen hatten gar nicht geschossen. Es waren Hitlers eigne Leute. Sie hatten im Grenzgebiet zu Polen einen Polen gekidnappt und mit ärztlichen Spritzen betäubt, in den deutschen Rundfunksender Gleiwitz geschleppt und eine polnische Uniform verpasst, als hätte der polnische Zivilist den deutschen Sender erobern wollen. Das sollte die ganze Welt glauben. Im Sendehaus wurde der Zivilist von Hitlers Leuten erschossen, damit er von niemandem befragt werden konnte, wer ihn gekidnappt und eine polnische Uniform übergestreift hatte. Die polnische Armee aber hatte überhaupt nicht geschossen. Und so erklärt sich die paradoxe Rede Hitlers: Weil Polen nicht geschossen hatten, wurde ab 5 Uhr 45 zurückgeschossen. Doch die allermeisten Deutschen glaubten: Wenn Hitler sagt „zurückgeschossen“, dann müssten wohl die Polen zuerst geschossen haben? Also begann der zweite Weltkrieg. 60 Millionen  Menschen in Europa und Umgebung starben eines unnatürlichen Todes. Allein schon Sender Gleiwitz betreffend kann man im Internet bei wikipedia recherchieren. Kopien in meiner Umhängetasche.

 

  1. Mitten im Krieg, als ich 12 Jahre alt war, sangen wir das Hitlerlied „Bomben auf Engelland“. Kurz vor Ende des zweiten Weltkriegs, im März 1945, war ich 14 Jahre alt. Da flogen englische Flieger über meine Heimatstadt Chemnitz und warfen Bomben. Und ich kleiner Lümmel saß mit zwanzig andren Hausbewohnern im Keller, im sogenannten Luftschutzkeller. Die Bomben krachten rings um unser Haus. Besonders heftig krachten die sogenannten Luft-Minen. Sie erzeugen eine ungeheure Luftwelle, Menschen-Lungen werden zerrissen und Feuer kann sich rasch verbreiten. Plötzlich ein besondrer Krach. Eine Bombe hatte in unser Nachbarhaus eingeschlagen. Die Druckwelle ließ den Fußboden in unsrem Keller erzittern. Die Kellertür sprang aus den Angeln. Durch die Öffnung leuchtete rötlich-gelber Feuerschein. Da brach im Luftschutzkeller Panik aus. Doch nach einigen Sekunden klickte es in meinem Kopf: Hinterm Hause stehen doch Holzschuppen, und darin lagern Aluminium-Späne aus einer Metall-Fabrik! Aluminium-Späne – die sind doch als Thermit, verwendbar, um Straßenbahnschienen zu schweißen! Also Thermit, genau derselbe Stoff, der mit Brandbomben zweitausend Grad Hitze macht, um alles Brennbare in Brand zu setzen! Der Klick in meinem Kopfe verscheuchte alle Angst. Also raus aus dem Keller, drei Brandbomben lagen direkt am Holzschuppen! Zum Glück lag auf dem Hof ein Haufen Sand. Also mit einer Schippe schnell Sand auf die Thermit-Bomben. Da ließ auch meine Spannung nach. Und weil die Spannung nachließ, hörte ich rings um mich die Bomben wieder krachen und sah die Feuerblitze in den Rauchwolken zucken. Da kriegte ich wieder Angst und floh in den Keller. Doch da klickte es wieder in meinem Kopf: Wenn nun Brandbomben auch auf dem Dachboden liegen? Also schnell die Treppenstufen vier Etagen hoch. Ja, dort brande es schon. Wo kriegt man aber Wasser her? In der Wasserleitung kein Druck. Das städtische Pumpwerk war zerbombt. Doch auch meine Eltern waren die Treppen hochgestiegen. Heute an der Friedenseiche fehlt die Zeit um zu erzählen, was wir alles ausprobiert haben, um eimerweise mit Wasser aus einem Fass das Feuer zu stoppen. Doch etwas kann ich nicht verschweigen. In unsren Köpfen machte es Klick: In der 3. Etage liegt doch die alte demente Frau Schulze. Wir brechen die Wohnungstür auf und finden die Frau in ihrem Bett. Also angepackt. Feuersturm rast schon durch die ganze Innenstadt von Chemnitz, erhitzte Luft steigt nach oben und saugt unten durch die Straße aus dem Vorort Frischluft an. Das ist der Feuersturm! Und der Sturm blähte gewaltig das Nachthemd der alten Frau auf. Zum ersten Male sah ich, wie eine Frau zwischen den Beinen beschaffen ist. Immerhin, diese Frau konnten wir retten. Doch zwei Kilometer weiter südlich verbrannte meine Oma. Sie verbrannte in ihrer Wohnung. Vielleicht hatte sie schnell noch die Pulsadern aufgeschlitzt. Menschen verbrannten auch in Luftschutzkellern. Ihre Leiber waren zwischen Mauertrümmern eingeklemmt. Drei Tage später sahen wir verkohlte Leichen auf der Straße liegen. Am Abend vorm großen Feuer lagen im Stadt-Zentrum 10 Zentimeter Schnee. Am Morgen waren 10 Zentimeter Schnee geschmolzen. Wer mehr wissen will, kann meine website besuchen: www.rainer-thiel.de .

 

  1. Nun meine 3. Erzählung: Die heutige Weltkriegsgefahr und was spielt sich in meinem Kopfe ab? Vorm Krieg habe ich Angst. Doch furchtlos will ich Widerstand leisten. Ich bin voller Sorge. Ich hoffe, liebe Freunde, auch eure Köpfe sind voller Sorge. Auch voller Energie und nicht von Feigheit voll. Wenn ihr voller Energie und nicht voller Feigheit seid, dann werdet bereit, euch aufzustellen, aufrecht zu gehen und laut zu rufen: Weil Deutschland unerhört reich und mächtig ist und schon die halbe Welt unter Druck setzt, kann Deutschland in der ganzen Welt vieles in Bewegung setzen: Runter mit gegenseitigen Bedrohungen der Länder! Anpacken wie die Freiwillige Feuerwehr unsrer Dörfer! Doch nicht mehr nur im Dorf! Anpacken wie Feuerwehrleute überall in unsrem Land! Widerstand gegen Waffen-Exporte ins Ausland! Schrittweise die Armeen umwandeln in technische und soziale Nothilfe. Zumindest schrittweise, doch energisch. Dann verlieren auch Terroristen an Boden. Und in allen Ländern viel mehr Bildung für Jung und Alt! Dann fallen wir nicht mehr auf Tricks herein.

 

Frau Merkel kann sich freuen….

 

Und was in meinem Kopfe ist, das habe ich auch aufgeschrieben. Drei Blatt Papier in eure Hände!“

 

 

 

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