Alexanders CD-Tipp der Woche: Clemens Bittlinger – Bleibe in Verbindung

 In Alexander Kinsky, CD-Tipp

Das im August 2018 bei Sanna Sound veröffentlichte 13. Soloalbum des 1959 in Mannheim geborenen evangelischen Pfarrers, Buchautors und Liedermachers Clemens Bittlinger überrascht mit vielfältiger Themenwahl zum Nachdenken.

Seit der Jugendzeit ist Clemens Bittlinger musikalisch aktiv. Eine langjährige Zusammenarbeit verbindet ihn mit dem Produzenten, Komponisten, Pianisten und Arrangeur David Plüss, der auch die meisten Lieder von Bittlingers neuer CD komponiert hat. Die Texte schreibt Bittlinger alle selbst, auch die Musik zu einigen Liedern.

Zwei „Arten“ von Liedern lassen sich erkennen: bewusst schlicht aber nie billig angelegte einprägsame Mitsinglieder (gut geeignet für den Gemeindegesang) und ambitionierte Liedermachersongs. Beide vereint die umfangreiche, sensible Themenwahl – das Urvertrauen, sich Zeit nehmen, Risikobereitschaft, Vertrauen, Ballast abbauen, die ausgebeuteten Arbeiter (auch Kinder!) in der Dritten Welt, der Fremde den man ablehnt und der doch man selbst sein könnte, die Frage des kritiklosen Gehorsams, Gnade, die Integration auch von Verrätern, Intersexualität, Verständnis für die Flüchtlinge, die Erdung und die positive Energie auch der Melancholie.

Sorgfältig durchgearbeitet sind die transparenten Arrangements der Lieder, bereichert etwa mit Querflöte und Percussion. Sanfte Exotismen geben den Liedern verschiedentlich ganz eigene Farben. Zweimal gibt es Klezmermusik („Aufgeräumt“ und „Diese schöne Traurigkeit“). Zum Flüchtlingsthema mahnt die deutsche Hymne („Dieses Land“).

Das bekannte Traditional „Amazing Grace“, Clemens Bittlingers in neuer deutscher Übersetzung vorgelegte Auseinandersetzung mit dem Begriff Gnade, wird mit dem Gesang der A-capella-Gruppe Maybebop bereichert.

Musikalisch reizvoll ist auch das Judas-Lied „Jemand streicht um´s Haus“ angelegt – indem es sich „mitmenschlich“ zum Gospelsong wandelt.

„Er – Sie – Ich“, das Lied zum Thema Bisexualität, hat Oliver Gies komponiert.

Besonders unter die Haut gehen „Kleider machen Leute“ (für die Textilarbeiter in der Dritten Welt), „Könnte ich sein“ (der Fremde) und „Ich stell mir vor“ (Musik hier von Timo Böcking, Thema bedingungsloser Gehorsam, ausgehend von Abraham und Isaak).

 Die Homepage von Clemens Bittlinger: https://www.bittlinger-mkv.de/

Anzeige von 2 kommentaren
  • Vossi
    Antworten
    Ein wirklich tolles Album!

    Danke dafür!

  • Peter Boettel
    Antworten
    Ich habe gestern Clemens Bittlinger mit seinen Begleitern in Göppingen erlebt. Eine wahrhaft erlebenswerte Veranstaltung.

    Gerade auch die oben erwähnten Lieder regen zum Nachdenken an. Den Applaus hatte er verdient.

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