Filomenas erste Rente

 in Monika Herz, Politik (Ausland), Politik (Inland), Wirtschaft
Filomena

Filomena

Filomena Taipe Mendoza, die wahrscheinlich älteste Frau der Welt, hat vor wenigen Wochen ihre erste Rente erhalten. Ein peruanischer Beamter soll sie ihr überreicht haben. 250 Sol pro Monat. Das entspricht 64 Euro. Die Aktion heißt „Pension 65“. Da Filomena seit ihrem 65 Lebensjahr, also seit 51 Jahren Anspruch auf diese Rente hat, oder gehabt hat, müsste ihr der Beamte eigentlich 39.168 Euro ausgezahlt haben. Oder 153.000 Sol. Ob er das gemacht hat? (Monika Herz)

Und wenn ja, was macht die Grande Dame nun mit dem Papier? Oder mit einem Bankkonto in einem Dorf, wo es womöglich gar keine Bank gibt?

Jedenfalls sind diese knapp 40.000 Euro das, was sich der Staat Peru seit 51 Jahren gespart hat, weil er Filomena die Grundrente verweigert hat. Ich will den Staat Peru nicht anklagen. Vielleicht hatte der Staat Peru vorher keine Möglichkeit, den kostbaren Wesen, den Menschen in Peru, eine Grundrente auszuzahlen. Zum Beispiel an alte Menschen, die in äußerster Armut leben.

Filomena hat in 116 Jahren ihr Dorf Pocuto in der östlichen Provinz Huanvacelica nie verlassen. Sie ist Selbstversorgerin und ernährt sich von Kartoffeln und dem, was die Ziegen hergeben. Von Dosen und Getränken in Tüten hält sie nichts. Ab jetzt erhält sie medizinische Versorgung – womöglich gar dritte Zähne.

Wie schaut die medizinische Versorgung eigentlich aus in einem Dorf wie Pocuto?

Und noch mal: Was macht Filomena mit 153.000 Sol? Verschenken? Von ihren 9 Kindern leben nur noch 3. Warum eigentlich?

Komisch, dass Filomenas Anspruch zufällig die gleiche Summe ist, die hier in Deutschland das durchschnittliche Geldvermögen ist. Jeder Deutsche (ab 16, glaube ich) würde 40.000 Euro besitzen, wenn das vorhandenen Geld- und Anlageguthaben gleichmäßig verteilt wäre. Die Studie stammt vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung.

Wie war das gleich? Was habe ich gelernt? Das Vermögen der Einen ist die Schuld der Anderen? Filomena hatte doch keine Schulden bei denen, die ein Vermögen haben. Müsste der Satz nicht vielmehr lauten: Das Vermögen der Einen ist der Rechtsanspruch der Anderen?

Welcher Rechtsanspruch? Der Rechtsanspruch der Zukunft natürlich.

Gestern beim Autofahren hörte ich in Bayern 2 eine interessante Lesung. Musil und sein „Mann ohne Eigenschaften“ – ein unvollendetes Mammut-Meisterwerk. Die ersten Sätze sagen viel. Eigentlich alles. Es gäbe zwei Sorten Mensch und zwei Wirklichkeiten, meint Musil. Die eine, die „normale“ Wirklichkeit, wie sie ist, wird von der einen Sorte Mensch gesehen. Das ist die überwältigende Mehrheit. Die andere, die zweite Wirklichkeit, Musil nennt sie „die Wirklichkeit der Möglichkeiten“, die kann nur von der zweiten Sorte Mensch gesehen werden. Es ist nicht so, dass die zweite Sorte Mensch die „normale“ Wirklichkeit nicht sehen würde, es ist nur so, dass die Möglichkeiten, das Potenzial hinzugefügt wird. Die zweite Sorte Mensch läuft in der Gegend herum und sieht lauter Möglichkeiten. Wenn es um Geld geht, sieht der Mensch der Möglichkeiten zum Beispiel, was man mit Geld sonst noch alles machen könnte. Andere Geldsysteme kann sich die zweite Sorte Mensch schon vorstellen, wenn sie noch gar nicht in der normalen Wirklichkeit angekommen sind. Die erste Sorte Mensch kann sich ein anderes Geldsystem erst vorstellen, wenn es schon Wirklichkeit geworden ist. Musil bechreibt den Menschen der Möglichkeiten als einen, der vor allem aus Konjuktiven besteht: hätte, könnte, sollte oder müsste …

Nun ja. 153.000 Sol. Es gibt einen Index, der etwas darüber aussagt, was der Sol in Pocuto wirklich wert ist. Verglichen z.B. mit Peißenberg, einem Dorf in Bayern. Kaufkraftbereinigung nennt sich das. Das BIP pro Einwohner in Peru beträgt z.B. 5.782 $, kaufkraftbereinigt aber 10.062 $. Das heißt, die Durchschnitts-Einwohnerin in Peru verbraucht im Jahr 10.062 $, das sind 7250 Euro, bzw. ca. 28.000 Sol.

Komisch. Filomena kriegt aber bloß 3000 Sol im Jahr. 250 Sol mal 12 Monate. Nun ja.

Wie gesagt, vielleicht kann man in ihrem Dorf eh nicht so viel einkaufen gehen. Filomena ist ja Selbstversorgerin. Und ist 116 Jahre alt geworden mit diesem lifestyle. Scheint ein bewährter Lebensstil zu sein. Aber 6 Kinder verloren, 3 noch am Leben. Wie alt sind deine Kinder eigentlich geworden, Filomena? Und hast du auch Enkelkinder? Wie viele? Meine Mama, die wird bald 85. Die hat auch 3 Kinder. Keins gestorben. Gott sei Dank! Und 10 Enkelkinder. Und zwei Urenkelkinder. Und du, Filomena? Verlässt du diese Erde auch so viel Leben schenkend? Ich würd gern mal deine Familie kennenlernen. Aber Peru ist so weit weg. Du bist jetzt weltberühmt, Filomena! Selbst ich hier in meinem Dorf in Bayern kenne deinen Namen. Filomena. Aus dem Griechischen für „Philo“ = Freundin und „Mena“ = Mut, Stärke, Kraft.

Wo hab ich das gleich wieder gehört, dass man das Brutto-Inlands-Produkt auch in ein Brutto-Inlands-Glück umwandeln kann? In Bhutan, da probieren die Leute das gerade aus. Ob die Wesen in Bhutan trotz geringem BIP vielleicht nicht doch die glücklicheren Wesen sind? Wie misst man das Glück? In Bhutan gibt es dazu Umfragen. Da werden Fragen gestellt, wie etwa, ob der Mensch genug Zeit für Muße und für sein spirituelles Wachstum findet.

Ob Filomena glücklich ist? Obwohl 6 Kinder gestorben sind. Wie sind sie gestorben? Ich habe einmal gehört, dass in der Familie des Präsidenten des Nachbarlands, Evo Morales, auch ziemlich viele Geschwister gestorben sind. Und zwar an den Folgen der Armut. Ich glaube nicht, dass solche Erfahrungen die Eltern und die überlebenden Geschwister glücklich macht. Natürlich kann man dennoch auch immer wieder glücklich sein. Die schönere Variante wäre halt, wenn zumindest die äußeren Lebensbedingungen gewährleisten würden, dass der Mensch nicht an den Folgen von Armut sterben muss. Aber womit kann man das hinkriegen? Mit Geld?

Nicht mit Geld allein. Aber Geld kann auch dienlich sein. Ein Grundeinkommen z.B. Selbst wenn es nur 250 Sol sind, vielleicht ist es ja doch eine gute Sache. Eigentlich wäre es doch schön, wenn alle Menschen so ein Grundeinkommen hätten. In Brasilien experimentieren sie damit. Das Recht auf so ein Grundeinkommen steht dort sogar in der Verfassung. Es ist leider kein Geld da, um es umzusetzen. Außer in Form von Spenden. Aber es funktioniert, zumindest in einem noch relativ kleinen Kreis. Manche Leute möchten das Grundeinkommen nicht annehmen. Sie sind stolz und sagen „Ich schaffe es auch allein“. Niemand muss sein Grundeinkommen annehmen, wenn er nicht will. Es ist ein Angebot. Leider fehlt überall auf der Welt den Staaten das Geld, um das wunderbare Grundeinkommen zu verteilen.

Tja. Was sieht da der Mensch der unbegrenzten Möglichkeiten? Der Mensch schaut sich das Geld genauer an und dreht ein bisschen an den Schräubchen herum. Er könnte dann z.B. ein Weltgeld sehen. Wieviel Geld gibt’s eigentlich auf der Welt? Und wo ist es? Warum ist es nicht an den Stellen, wo es gebraucht wird? Braucht es nicht besser so etwas wie eine Transnationale Rechts-Einheit (TRE)? So ein Mensch der Möglichkeiten kreiert eben mal auf die Schnelle eine Transnationale Rechts-Instanz. (TRI). Klingt ein bisschen nach „tree“, dem Baum. Gibt es da nicht sowieso schon eine Initiative, die recht wissenschaftlich an den Funktionen einer möglichen Weltwährung arbeitet, die vielleicht „Terra“ heißen könnte? TRI und Terra. Versteht das jeder? „Terra“ ist Lateinisch für Erde oder Land. Ob Filomenala Latein versteht? Was heißt eigentlich Erde und Land auf Quechua? Oder in Aimara, das sind zwei der Sprachen, die in Peru gesprochen werden. Die dritte Amts-Sprache ist Spanisch. „La Tierra“ heißt hier die Erde. Vielleicht würde Filomena also verstehen, dass die neue Währung, die Terra, ein Kind von Sol ist. Von Nuevo Sol, der neuen Sonne, so heißt nämlich das Geld in Peru.

Komisch wirklich, dass der Rechtsanspruch von Filomena ziemlich genau dem deutschen Durchschnittsvermögen entspricht. Angenommen, ich hätte tatsächlich 40.000 Euro irgendwo rumliegen. Könnte ich das nicht einer Bank geben, mal für eine Weile, als Sicherheit sozusagen, und diese Bank nimmt dann ihr Vervielfältigungsrecht energisch in die Hand, macht daraus die 20-fache Summe, also 800.000 Euro und zahlt damit 50 Jahre lang 18 Personen in Peru jeden Monat 250 Terra aus? Die restlichen
500 Terra soll die Bank mir selber auszahlen. 25 Jahre lang. Dann bin ich 83. Leb ich dann überhaupt noch? Will ich auch so alt werden wie Filomena?

Mein Rentenanspruch beträgt ja leider nur ca. 400 Euro. Das soll jetzt mehr werden. Karnickelrente heißt sie glaub ich auch bei manchen? Was für ein Wort! Pro Kind gibt’s dann auch für die älteren Frauen einen Rentenpunkt, der etwa 25 Euro pro Monat beträgt, noch dazu. Dann krieg ich ungefähr 500 Euro. Die Durchschnittsrente für Frauen in Deutschland. Ich hätte aber gern genauso viel Rente wie meine männlichen Mitmenschen, die auf 1000 Euro pro Monat – im Durchschnitt – kommen. Deshalb brauch ich eine Bank, die das mitmacht. Weil mit diesen Geldschöpfungs-Privilegien könnte die Bank doch machen, was ich mir so vorstelle. Gibt’s irgendwo so eine Bank?

Vielleicht die Vatican-Bank? Dem Papst einen Brief schreiben? (https://hinter-den-schlagzeilen.de/2013/12/02/ein-verteufelt-kluger-brief-an-papst-franziskus/)

Oder doch lieber die Gemeinwohl-Bank? (http://www.mitgruenden.at/idee) Die GeBa. Geba. Klingt bayrisch wie „geben“. Schön oder?

Die Frage ist bloß, ob ich die 40.000 Euro Durchschnittsvermögen habe. Oder ob Filomena die jetzt hat? Ob ihr der Beamte wirklich 153.000 Sol ausgehändigt hat? 40.000 Euro in Bar?

Das war die Geschichte von Filomena aus Pocuto, Peru. Die älteste Frau der Welt. Geboren am 20.12.1897
http://www.t-online.de/nachrichten/panorama/menschen-schicksale/id_69249948/116-jaehrige-peruanerin-bezieht-erstmals-rente.html

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