Beiträge von Roland Rottenfusser

Kontemplation – die Praxisform der Mystik

„Schauen ins eigene Selbst, Schauen des Göttlichen in uns“ – so beschreibt Willigis Jäger die Kontemplation. Der Alltagsreligion im Westen hat mit Mystik nicht viel am Hut – vielleicht auch weil uns eine tiefe, intime Verbindung zum Selbst unabhängiger machen würde von geistlichen und weltlichen Autoritäten. Insbesondere kennzeichnet den christlichen Kulturkreis ein Defizit an spirituellen Übungen – ob Körper-, Energie- oder Meditationsübungen. Der Gegensatz zwischen aktivem und kontemplativem Leben ist noch geläufig; unter dem Druck der ökonomischen Verhältnisse hat sich aber ein starkes Übergewicht der (effizienten) Aktivität herausgebildet. Reflexion, Besinnung, Konzentration, Versenkung kommen zu kurz – mit schwer wiegenden Folgen für die geistige Verfassung der Einzelmenschen wie auch der Gemeinschaft.  Roland Rottenfußer (mehr …)

0 weiterlesen

Drei Engel für Angela

Der Schaukampf um den CDU-Vorsitz zeigt vor allem eines: Es ist in Deutschland viel zu einfach, Kanzler zu werden. Wer am kommenden Freitag gewinnt, hat es geschafft: den fast barrierefreien Zugang zur Kanzlerschaft. Merz, Kramp-Karrenbauer oder Spahn werden eines der gewichtigsten Ämter der „freien Welt“ einnehmen. Dem oder der Vorsitzenden ist die Kanzlerkandidatur dann nicht mehr zu nehmen. Und da die SPD als ernsthafte Konkurrenz ausfällt, kann selbst der „Souverän“, also der Wähler, den Durchmarsch dieser Person zur Macht nur noch theoretisch verhindern. Wie konnte es so weit kommen? Und was haben wir von den „fantastischen Drei“ zu erwarten?  Roland Rottenfußer (mehr …)

1 weiterlesen

Grüner wird’s nicht!

Die öko-neoliberale Republik und die Entsorgung der sozialen Frage. Das werden die anderen Parteien grün vor Neid: Die SPD hat Platz 2 innerhalb der Parteienlandschaft für die AfD freigemacht, und nachgerückt sind – die Grünen. Selbst ein Kanzlerkandidat Robert Habeck scheint in Reichweite. Der Vogel mit den zwei „realpolitischen“ Flügeln hebt ab. Federn gelassen haben vor allem die Ideale des Anfangs. Daran ändert auch halbherzige Kosmetik an den Sozialsystemen nichts.  Roland Rottenfußer (mehr …)

16 weiterlesen

Warum wir uns den Schuld-Schuh anziehen

„Macht macht Schuld, weil sie die Regeln festlegt, nach denen diese bemessen wird. Und Schuldgefühle sind oft der Versuch, den inneren Moralkompass wieder auf die Macht auszurichten.“ Zu einer Schuldkultur gehören immer zwei Seiten: Die Neigung von Einzelpersonen und Institutionen, Schuldvorwürfe zu erheben, ist die eine Seite; die offenbar grenzenlose Bereitschaft vieler Menschen, Schuldvorwürfe auch anzunehmen, ist die andere. In diesem leicht bearbeiteten Auszug aus seinem Buch „Schuldentrümpelung“ (mit Monika Herz) geht Roland  Rottenfußer vor allem der Frage nach, warum wir oft so leicht bereit sind, uns Schuldgefühle „in die Schuhe schieben“ zu lassen. (mehr …)

11 weiterlesen

Anpassung an Rechte ist kein Antifaschismus

10 gebräuchliche Un- und Halbwahrheiten zur Flüchtlingsfrage. Wir kennen alle solche Argumente: „Man muss Fluchtursachen bekämpfen statt eine naive Willkommenskultur zu pflegen“. „Zuwanderung wird von den Wohlhabenden befürwortet, aber die kleinen Leute müssen die Last tragen“. „Die Systempresse bauscht den Rechtsruck nur auf.“ „Großkonzerne habe Migranten ins Land gelockt, deshalb sollten Linke gegen Zuwanderung sein.“ Und natürlich der Klassiker: „Rechte bekämpft man am besten, indem man möglichst hart mit Flüchtlingen umgeht.“ Diese Argumentationsmuster begegnen wir überall, manchmal auch in unserem eigenen Geist. Nicht alles an den Narrativen der Zuwanderungsskeptiker ist komplett falsch. Vielmehr handelt es sich oft um Halbwahrheiten, und manches ist einfach nicht gut zu Ende gedacht. Wir sollten uns davon nicht ins Bockshorn jagen lassen und bei unserer Wahrheit bleiben. (Roland Rottenfußer) (mehr …)

29 weiterlesen

Gegen den Kältestrom

In seinem neuen Buch „Zwischen Anarchismus und Populismus“ zeigt sich Götz Eisenberg als linker Romantiker. Die brillante Essay-Sammlung zeichnet das teilweise bedrückende Bild einer nekrophilen Kultur, in der Rechtsruck, Ökonomismus und Digitalisierung zusammenwirken, um den Menschen auf seine traurige, entseelte Verkümmerungsform zu reduzieren. Das Ganze ist mit psychologischem Scharfblick geschrieben und wechselt virtuos zwischen der individuellen und der gesellschaftlichen Ebene. Dabei bedient sich der Autor eines teilweise grimmigen Humors, hinter dem aber die ernst gemeinte Bitte um eine menschlichere Welt spürbar wird. (Roland Rottenfußer) (mehr …)

2 weiterlesen

#Aufstehen muss nachsitzen!

(mehr …)

76 weiterlesen

Gestreamtes Glück

Netflix-Serie „Bodyguard“

Streaming-Dienste revolutionieren das Fernsehen. Auch wegen des gleichzeitig grassierenden Serien-Booms haben die neuen Formen der Volksbespaßung hohes Suchtpotenzial. „Dematerialisierung“ und Digitalisierung bekommen wir aufgedrückt, ob wir wollen oder nicht – und nicht immer überwiegen die Vorteile. Denn Anbieter spionieren uns aus, lassen statt Anspruch Algorithmen über das Dargebotene entscheiden und löschen alles, was nicht neu und kommerziell ist, aus dem kollektiven kulturellen Gedächtnis. (Roland Rottenfußer) (mehr …)

0 weiterlesen

„All the lonely people“

Einsamkeit macht krank – und ist politisch gewollt. Das Wort kennt jeder, das Gefühl auch. Dennoch ist Einsamkeit als Gegenstand der Gesundheitsfürsorge unerschlossenes Terrain. Im Gegensatz zu Depressionen, Alkoholsucht und Übergewicht hat man es einfach nicht auf dem Schirm, wenn es darum geht, die drängendsten Probleme unserer Zeit zu benennen. Zu Unrecht, denn Einsamkeit breitet sich aus, macht krank und erhöht die Wahrscheinlichkeit, früher zu sterben. Politik und Wirtschaft sollten endlich was dagegen tun. Tun sie aber nicht, denn einsame Menschen halten still und sind die besseren Konsumenten. (Roland Rottenfußer) (mehr …)

14 weiterlesen

Weltsprache Literatur

Über einzelne Werke der Literatur zu schreiben, ist das eine; treffsichere Formulierungen über Literatur als Ganzes – ihr Wesen, ihre Funktion und ihre Verbindung mit anderen gesellschaftlichen Kräften – zu finden, ist dagegen eine besondere Kunst. Jürgen Wertheimer ist prädestiniert dafür. Er ist Professor für Neuere Deutsche Literatur und Komparatistik in Tübingen, ein aufstachelnder Vortragsredner und dabei politisch nicht abstinent. Nun ist also sein gewichtiges Buch über Weltliteratur erschienen, ein Musterbeispiel für vergleichende Literaturbetrachtung. Denn Goethe war gut, aber wer die frische Luft des „Fremden“ geschnuppert hat, dem wird es in der Umzäunung seiner Nationalliteratur schnell zu eng. Er lernt, wie eines zum anderen gehört – ein Netz gegenseitiger Beeinflussung – und wie das universell Menschliche in jeder Maske und kulturellen Färbung durchbricht. (Roland Rottenfußer) (mehr …)

0 weiterlesen

Start typing and press Enter to search

Do NOT follow this link or you will be banned from the site!