Beiträge von Roland Rottenfusser

Enervierende Hingabebereitschaft

 

Wie soll man zusammenfassend über einen Autor schreiben, dessen Werke manchmal an Jane Austen, manchmal an Franz Kafka und manchmal an J.R.R. Tolkien erinnern? Der Anglo-Japaner Kazuo Ishiguro durchwandert mit jedem seiner Bücher eine andere literarische Welt, und jeder seiner „Ausflüge“ gelingt ihm. Dafür wurde der 63-jährige 2017 mit dem Nobelpreis ausgezeichnet – keine unumstrittene Entscheidung, aber eine interessante. Ishiguros Werk strahlt eine schöne Traurigkeit aus, die aus Hingabe, ja Hinnahme widriger Schicksalsumstände erwächst. Damit bieten seine bisher neun Romane einen reizvollen Kontrast zum Heroismus der Willensstärke, der für unsere westliche Kultur typisch ist. Sein erstes Werk seit der Preisverleihung ist der Roman „Klara und die Sonne“. Er behandelt eigentlich ein typisches Science fiction-Thema, ist aber vor allem eine tiefsinnige Betrachtung über wahres Menschsein in Zeiten des Transhumanismus. Roland Rottenfußer (mehr …)

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Selbstgerechte Grausamkeit

In vielen Fällen sind Strafen ein größeres Verbrechen als die Taten, die bestraft werden sollen. Sie sind der blinde Fleck in vielen vermeintlich zivilisierten Gesellschaften: grausame und übertriebene Strafen. Übermäßiges Strafen ist das vielleicht größte Verbrechen der Menschheit — und jenes, das am wenigsten angeprangert oder sanktioniert wird. Seine Opfer dürfen kaum auf Mitgefühl und Hilfe von unbescholtenen Bürgern hoffen, denn „sie haben es ja verdient“. Gerade in Deutschland wird die Obrigkeit nicht müde, immer neue Straftatbestände zu ersinnen und das Strafmaß in regelmäßigen Abständen zu erhöhen. Corona hat einen neuen Boom der Sanktionsdrohungen ausgelöst. In jedem Land dürfen Menschen Gewalt an Wehrlosen ausagieren, sie berauben, psychisch foltern und ihnen andere Formen jeglichen Übels zufügen — dies geschieht mit staatlicher Billigung und seitens der Täter fast immer mit reinem Gewissen. Strafen sind das Disziplinierungsinstrument Nummer 1 in allen Gesellschaften. Obwohl längst offenkundig ist, dass Gefängnisse die in sie gesetzten Erwartungen nicht erfüllen, dass sie im Gegenteil neue Übel, neue Delinquenz hervorbringen, fordern seine Unterstützer „mehr desgleichen“. Der Strafenwahn hat mittlerweile jedes Maß verloren, nicht jedoch sein Ziel. Dieses laute immer: Unterwerfung unter den Willen der Regelmacher. Roland Rottenfußer

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Die Tyrannei der Kleinlichkeit

Spießertum, Tugendterror und eine neue Lust am Verbieten lassen die Freiräume der Bürgerinnen und Bürger immer weiter schrumpfen. Gesetz ist Gesetz? Okay, vielleicht geht es wirklich nicht ohne bestimmte Regeln, mit denen destruktives Fehlverhalten Einzelner verhindert werden soll. Im Umkehrschluss bedeutet das aber auch: Was nicht verboten ist, ist erlaubt. Den Bürgern bleibt normalerweise ein ziemlich komfortabler Freiraum. In jüngster Zeit ist allerdings zunehmend Schluss mit lustig. In immer mehr Lebensbereichen werden Menschen von „ihrem Staat“, von Unternehmen und Serviceanbietern, aber auch von ganz normalen Mitbürgern gegängelt und eingeengt. Das Spektrum möglichen Verhaltens, das erlaubt ist, ohne sich einer Ermahnung oder Sanktionsdrohung auszusetzen, schrumpft rapide. Corona hat die Drangsalierungsdichte im öffentlichen Raum nochmals dramatisch erhöht. Und wo die Obrigkeit ausnahmsweise keine Vorschriften und Verbote setzt, versuchen uns Tugendwächter anderer Art in die von ihnen gewünschte Richtung zu steuern. Durch Ranken, Liken und Disliken sieht sich der Bürger andauerndem Bewertungsterror und aufdringlicher Verhaltensmanipulation ausgesetzt. Direkt oder indirekt folgt die Welt dem „chinesischen Weg“ eines Social Credit Systems. Intendiert ist die Abschaffung jeder Art von Fehlverhalten — in der Praxis bedeutet dies den Tod jeder Freiheit. Roland Rottenfußer

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Spitz auf Knopf

Die nächsten Monate können uns einen ewigen politischen Karfreitag oder die Wiedergeburt der Hoffnung bescheren. Eine Kanzlerin, die ins Straucheln gerät und zurückrudern muss. Eine Bevölkerung, deren Stimmung sich gegen die Corona-Politik der Regierung dreht. Die erste erfolgreiche und friedliche Großdemonstration im neuen Jahr. Um die Buschwindröschen tanzen die ersten Zitronenfalter in der Frühlingssonne. Manches scheint sich momentan zum Besseren zu wenden. Auf der anderen Seite aber auch: ein scheinbar endloser Lockdown. Krude Repressionsfantasien der Mächtigen, einschließlich Ausgangssperren. Fortgesetzter Testwahnsinn, der weiter für hohe Infektionszahlen sorgen und eine faktische Apartheid zwischen Corona-Mitmachern und -Kritikern etablieren würde … In der jetzigen Lage könnten sich die Dinge in beide Richtungen entwickeln, zwei „Erzählungen“ konkurrieren miteinander. Die eine läuft auf eine Voll-Diktatur zu, die andere darauf, dass sich das System selbst ad absurdum führen und durch wachsenden Widerstand in der Bevölkerung gestürzt werden könnte. Obwohl viele jetzt erschöpft sind, ist es nicht an der Zeit, in Lethargie zu versinken. Wir müssen unsere Anstrengungen noch einmal bündeln und auf die Hoffnung setzen. Roland Rottenfußer

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Big Brother Bill

Bill Gates, Bildquelle: United States Department of Health and Human Services

Sven Böttcher skizziert in seinem neuen Buch, wie wir die Gates-Agenda durchkreuzen und stattdessen unsere eigene neue Weltordnung errichten. Das Cover hat eigentlich zwei Titel. Im Fragesatz „Wer, wenn nicht Bill?“ ist das letzte Wort durchgestrichen und durch „wir“ ersetzt: „Wer, wenn nicht wir?“. So fährt Sven Böttchers neues Meisterstück von Anfang an zweigleisig. Der Autor entwirft darin zwei alternative Zukunftsvisionen. Die eine beschreibt eine Welt, wie sie wohl auf uns zukäme, wenn wir Bill Gates die Führung überlassen. Die andere ist ein postapokalyptisches Worst-Case-Szenario. Der Autor macht keinen Hehl daraus, dass er letztere Variante vorziehen würde. Denn während der omnipotente Microsoft-Macher wohl in Richtung einer technokratischen, transhumanistischen Weltdiktatur steuern würde, sucht das andere Team — „Wir“ — kreative Lösungen nach dem zu erwartenden großen Zusammenbruch. Wir wären arm, auf Improvisation und Gemeinschaft angewiesen — dürften aber noch Menschen bleiben. Unter King Bill wäre das nicht so sicher. Roland Rottenfußer

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Die neue Umsonst-Kultur

Auf dem Karlshof in Brandenburg kann sich jeder gratis Kartoffelsäcke abholen. Der Künstler Peter Frank betreibt in Weilheim/Oberbayern eine «Freie Küche», in der er umsonst oder gegen Spenden Mittagessen kocht. Nur zwei Beispiele von vielen. Vielleicht sind Regionalgeld und Tauschkreise nur Übergangsphänomene auf dem Weg zu einer viel weiter greifenden Vision: einer Welt ohne Geld. Roland Rottenfusser (mehr …)

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Roland Rottenfußer: Der letzte freie Tag

Eine spontane Elegie zum Zeitgeschehen, geschrieben am 20. und 21. März 2020. Anmerkung der Redaktion (23.03.2021): Deutschland und der Despotismus feiern in diesen Tagen ihren ersten Hochzeitstag, und noch immer scheinen beide unzertrennlich. Seit dem Start des 1. Lockdowns ist uns nichts erspart geblieben – außer der in dem Gedicht an die Wand gemalten ganztägigen Ausgangssperre. Aber leider: Es war der letzte freie Tag, sofern man die alte Normalität vereinfachend als „Freiheit“ bezeichnen möchte. Weil nichts geschehen ist und die meisten sich abgefunden haben. Noch mal so ein Jahr gefällig – oder ein schlimmeres? Wenn wir das wollen, müssen wir nur so weitermachen. Roland Rottenfußer (mehr …)

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Grüne neue Welt

Die Forderungen von Habeck und Co. nach Alternativen zum Lockdown sind ein vergiftetes Geschenk — in Wahrheit drohen verschärfte Gängelung und Überwachung. Ab Herbst werden wir vielleicht von der Union, jedoch sicher von den Grünen regiert werden. Die neue Lieblingspartei der Deutschen, die von Anfang an zum harten Kern der Maßnahmen-Befürworter zählte, profitiert von den derzeit massiven Fehlern der Konkurrenz und vom Fehlen wirklicher Alternativen. Es ist daher hilfreich, sich rechtzeitig klarzumachen, was von einer grünen Regierungsbeteiligung in puncto Corona zu erwarten wäre. Hier gibt ein Positionspapier der Partei Einblick, das unlängst veröffentlicht wurde. Mit dem Verkaufsargument, mehr Freiheiten und Alternativen zur Lockdown-Politik zu gewähren, stoßen Robert Habeck und sein Mitautor in neue Dimensionen der technikgestützten Überwachung und Drangsalierung der Bürgerinnen und Bürger vor. Die Freiheit, die uns die Politik grundgesetzwidrig gestohlen hat, sollen wir uns nun scheibchenweise und zu einem hohen Preis zurückkaufen können. Zu erwarten sind verschärfter Impfdruck, Aufrüstung bei den Nachverfolgungs-Tools, eine extreme Verdichtung des Test-Geschehens sowie der Einstieg in die innerdeutsche Visumspflicht. Roland Rottenfußer

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Frühlingserwachen

Mit dem Winterende wachsen auch die Chancen, dass es politisch wieder heller wird — wenn wir sie ergreifen. Hoffnung muss sich nicht erfüllen. Sie hilft uns aber weiterzumachen und erhöht so die Wahrscheinlichkeit, dass wir eine Wende zum Besseren gemeinsam herbeiführen können. Schreckensszenarios gibt es derzeit zuhauf: vom elektronischen Impfpass, der die Gesellschaft in zwei Klassen spaltet und „Verweigerer“ vom öffentlichen Leben ausschließt, bis hin zur ewigen Lockdown-Nacht, die aus uns ein Volk verarmter Sklaven machen könnte. Wenn wir uns jedoch in Gefühle von Aussichtslosigkeit hinabsinken lassen, sehen wir vielleicht nicht die Chancen, die sich bieten, oder sind zu demoralisiert, um sie zu nutzen. Es gibt, wenn man hinsieht, durchaus Anzeichen für eine Trendwende. Die Stimmung kippt. Kaum eine politische Sendung, die nicht einige Schattenseiten der Lockdowns beleuchtet; kaum ein Politiker, der nicht mit Lockerungsankündigungen Volksberuhigung zu betreiben versucht. Derweil braut sich über den Verantwortlichen ein Verhängnis zusammen, das ihnen — wie ganz Corona-Deutschland — ein böses Erwachen bescheren könnte. Roland Rottenfußer

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Züchter und Denker

Szene aus Leni Riefenstahls „Olympia“-Film

Philosophen, Politiker und Transhumanisten wollen dem „Übermenschen“ den Weg zu bereiten — das Ergebnis dürfte vor allem eines sein: unmenschlich. Im Filmschaffen der großen Studios dominieren Superhelden und Wunderfrauen — meist in unterirdisch schlechten Filmen. Daran hat auch das Streaming-Zeitalter nichts geändert. Menschen wie du und ich haben als Filmheldinnen und -helden weitgehend ausgedient, der Kult um unbezwingbare Mutanten ist offenbar die Antwort Hollywoods auf drängende Gegenwartsprobleme. Die Idee, dass wir über unseren höchst unvollkommenen Ist-Zustand hinauswachsen könnten, ist nicht neu. „Der Mensch ist etwas, das überwunden werden soll“, sagte Friedrich Nietzsche. Diese Vision wird gegenwärtig mit den Mitteln der Fantasie und — was potenziell gefährlicher ist — auch mittels Technik und Biotechnik vorangetrieben. Werden wir wie Goethes Zauberlehrling bald nicht mehr Herren unserer eigenen Schöpfungen sein? Roland Rottenfußer

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