Beiträge von Roland Rottenfusser

Weltsprache Literatur

Über einzelne Werke der Literatur zu schreiben, ist das eine; treffsichere Formulierungen über Literatur als Ganzes – ihr Wesen, ihre Funktion und ihre Verbindung mit anderen gesellschaftlichen Kräften – zu finden, ist dagegen eine besondere Kunst. Jürgen Wertheimer ist prädestiniert dafür. Er ist Professor für Neuere Deutsche Literatur und Komparatistik in Tübingen, ein aufstachelnder Vortragsredner und dabei politisch nicht abstinent. Nun ist also sein gewichtiges Buch über Weltliteratur erschienen, ein Musterbeispiel für vergleichende Literaturbetrachtung. Denn Goethe war gut, aber wer die frische Luft des „Fremden“ geschnuppert hat, dem wird es in der Umzäunung seiner Nationalliteratur schnell zu eng. Er lernt, wie eines zum anderen gehört – ein Netz gegenseitiger Beeinflussung – und wie das universell Menschliche in jeder Maske und kulturellen Färbung durchbricht. (Roland Rottenfußer) (mehr …)

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In Maaßen antifaschistisch

Während Neonazis in Deutschlands Straßen aufmarschieren, bekennen die Parteien Farblosigkeit. „Freu dich bloß nicht zu früh, spar dein Mitleid dir auf“, sang Gitte Haenning 1980. Dies gilt wohl auch für die Wahlen in Bayern, die aller Wahrscheinlichkeit nach für die repressionsfreudigen Bajuwaren desaströs ausfallen werden. Dennoch wäre Triumphgeheul verfrüht. Vielleicht werden Köpfe rollen, die man aber in Windeseile durch ebenso engstirnige andere Köpfe ersetzen wird. Der Rechtsruck marschiert noch, auch wenn er teilweise an Schwung verloren zu haben scheint. Sein Erfolg ist weniger, dass es jetzt so viele hundertprozentige Nazis gäbe; bedenklich stimmt vielmehr, dass sich kaum noch jemand traut, nicht wenigstens ein bisschen rechts zu sein. Allenthalben wiegeln Politiker ab, um sich opportunistisch ihr Stück vom großen Kuchen des rechten Wählerpotenzials zu sichern. (Roland Rottenfußer) (mehr …)

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Die Retter

Zuwanderung ist, wie wir aus berufenem Munde wissen, die „Mutter aller Probleme“. Wird diese Frage gelöst, verschwinden alle anderen Probleme wie von selbst. Nur wie? Denn immer noch weigern sich nicht wenige Afrikaner und Araber, aus Rücksicht auf die Besorgnis deutscher Bürger einfach zuhause zu bleiben. Eines ist dabei klar: Mit Gutmenschentum werden wir die Krise nicht in den Griff bekommen. Vielmehr findet sich das Gute dort, wo man es auf den ersten Blick gar nicht vermuten würde: in der Verweigerung von Hilfe aus einem tiefergehenden Bewusstsein von Verantwortung heraus. (Satire: Roland Rottenfußer) (mehr …)

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Finger weg von unseren Kindern!

Die Wiedereinführung der Wehrpflicht ist unter Unionspolitikern und in der Presse ernsthaft im Gespräch. Wer davon verschont bleibt, soll wenigstens ein Jahr lang im sozialen Sektor „Deutschland dienen“. Zumindest für letzteres haben viele Menschen Sympathie. Was wäre zum Beispiel gegen mehr Engagement in der Altenpflege einzuwenden? Leider zeigen sich aber auch hier bedenkliche Entwicklungen: eine aufdringliche Dominanz „rechter Themen“, ein zunehmend autoritäres Staatsverständnis und die Umkehr des Prinzips, dass die Institutionen den Bürgern zu dienen haben, von denen sie eingesetzt und bezahlt werden. Das Militär würde junge Menschen beim Erwachsenwerden wieder mit Demütigungen begleiten. Sozialdienste würden ein Heer an Billigarbeitskräften schaffen, und die Verantwortlichen könnten das Dauerproblem Pflegenotstand wieder einmal vertagen. (Roland Rottenfußer) (mehr …)

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Die neue Wirklichkeit

Warum wir wieder politische Utopien brauchen. „Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen“, ist ein häufig zitiertes Bonmot des ehemaligen deutschen Bundeskanzlers Helmut Schmidt. Umgekehrt wird ein Schuh draus: Wer keine Visionen hat, sollte zum Arzt gehen, denn es fehlt ihm etwa, das wesentlich zum menschlichen Potenzial gehört. Das schlechte Image der Utopien und Visionen in den letzten Jahrzehnten hat bewirkt, dass sich fast niemand mehr welche zu spinnen traute. Die Folge ist nun, dass das Alte in seinen Sterbeprozess eingetreten ist, bevor sich das Neue in etwas konkreterer Form am Horizont abzeichnen. Wir müssten praktisch in den Fluss springen, ohne das gegenüberliegende Ufer zu sehen. Das kostet Mut. (Roland Rottenfußer) (mehr …)

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SPD – Kompromisspartei für Anspruchslose

Wer noch den Namen „Schulz“ im Ohr hat, muss sich wenigstens kaum umgewöhnen.

Als „gefühlter Sieger“ im Asylstreit mit (und zwischen) den Unionsparteien wurde die SPD von Teilen der Presse gefeiert. Ebenso oft wurde Horst Seehofer als „Verlierer“ abgekanzelt, verspottet und zum Rücktritt aufgefordert. Diese auf Personen fokussierte Königsdramen-Dramaturgie verschleiert jedoch, dass Europa in den letzten Wochen – wieder einmal – einen Riesenschritt in Richtung Flüchtlingsbekämpfung und Hilfevermeidung gemacht hat. Würden die „Sozialdemokraten“ wenigstens versuchen, das Land halb so penetrant in eine soziale und humane Richtung zu ziehen, wie es von der CSU derzeit in die Gegenrichtung gedrückt wird – es wäre einiges gewonnen. Aber die SPD begnügt sich. Und auch wenn sich immer weniger Menschen mit ihr begnügen wollen, ist eine realistische Machtalternative derzeit noch in weiter Ferne. (Roland Rottenfußer) (mehr …)

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Geeint in die Barbarei

Die Union hat sich „zusammengerauft“ – der eigentliche Verlierer beim Unions-Sommertheater ist die Humanität. Erleichtertes Aufatmen in Deutschland: Die Unionsschwestern bleiben zusammen – und Geflüchtete werden künftig in Internierungslagern konzentriert. Das unerträgliche Hickhack der letzte Tage und Wochen beweist vor allem eines: Eine Clique entschlossener Akteure vermag es, der Republik durch Penetranz, Erpressung und Theaterdonner ihren Willen aufzuzwingen. Oder wollte auch Merkel schon lange den Rechtsruck? Eine „gesamteuropäische Lösung“ jedenfalls ist gefunden: Ganz Europa tanzt jetzt nach der Melodie rechter Scharfmacher und entsorgt seinen humanen Wertekanon auf dem Müllhaufen der Geschichte. (Roland Rottenfußer) (mehr …)

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Die Arroganz der Unmenschlichkeit

Wehren wir uns endlich gegen die Seehoferisierung Deutschlands! „Heute gehört uns Bayern, morgen die ganze Welt.“ Die Anführer eines von 16 Landesverbänden der Union demütigen die gewählte Kanzlerin und treiben das Land in der Flüchtlingsfrage vor sich her – im Verein mit ihrer eigentlichen „Schwesterpartei“, der AfD. In maßloser Selbstüberschätzung fordert Seehofer nun auch noch, ganz Europa solle sich an die CSU-Doktrin einer harten Linie gegen Zuwanderer anpassen. Wie lange lässt sich Merkel, wie lange lassen wir alle uns das noch gefallen? Wer eine menschlichere Flüchtlingspolitik wünscht, hat es nicht nötig, vor den Hardlinern zu kuschen. Nicht nur die Humanität ist auf seiner Seite, auch viele schlagkräftige Argumente. (Roland Rottenfußer) (mehr …)

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Armenbeschimpfung (2)

Saw III oder Hartz IV – es geht darum, sein Leben zu verdienen.

Armut ist sexy – nur in Berlin. In Fernsehen und Presse findet das Thema zunehmend Gehör und wird in prominent besetzten Talkrunden ausdiskutiert. Sicher ging es den Betroffenen hinterher besser – oder? Große Teile der Medienlandschaft fahren im Moment eine Doppelstrategie: Einerseits: „Wir sind sozial total bewusst und Euer Schicksal kümmert uns“. Andererseits: „Ihr müsst aber schon auch was tun. Ihr müsst arbeiten wollen. Und wenn Ihr ehrlich seid: so schlimm ist Hartz IV auch wieder nicht.“ (Lesen hierzu auch den Artikel „Armenbeschimpfung, Teil 1“) (mehr …)

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Armenbeschimpfung

Systemmedien liefern die ideologische Begleitmusik zum Sozialabbau. Lange war das Menschenverelendungsprogramm Hartz IV als Säule unseres „Sozialsystems“ unangefochten. Doch in den letzten Jahren bröckelt die Zustimmung ausgerechnet bei jener Partei, die das Kind seinerzeit aus der Taufe gehoben hatte. Die SPD zündelt mit dem Vorschlag eines „solidarischen Grundeinkommens“, und 28 Prozent der Delegierten wollten unlängst eine Frau zur Vorsitzenden, die gegen Hartz IV ist. Bei solchem Teufelswerk werden die Profiteure dieses Projekts nervös. Sie fürchten um ein lieb gewordenes Disziplinierungsinstrument, das nicht nur Betroffene wirksam einschüchtert, sondern auch Arbeitende in ständiger Angst vor Arbeitslosigkeit hält. Die Systemmedien parieren diesen Angriff auf den Repressionsbesitzstand der neoliberalen Ära mit einer Doppelstrategie: 1. das Thema aufgreifen und sich unheimlich sozial geben, 2. die Verantwortung dann doch wieder auf Arbeitslose abwälzen, denn: „Es kommt darauf an, was du daraus machst.“ (Roland Rottenfußer) (mehr …)

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