Beiträge von Roland Rottenfusser

Die Arroganz der Unmenschlichkeit

Wehren wir uns endlich gegen die Seehoferisierung Deutschlands! „Heute gehört uns Bayern, morgen die ganze Welt.“ Die Anführer eines von 16 Landesverbänden der Union demütigen die gewählte Kanzlerin und treiben das Land in der Flüchtlingsfrage vor sich her – im Verein mit ihrer eigentlichen „Schwesterpartei“, der AfD. In maßloser Selbstüberschätzung fordert Seehofer nun auch noch, ganz Europa solle sich an die CSU-Doktrin einer harten Linie gegen Zuwanderer anpassen. Wie lange lässt sich Merkel, wie lange lassen wir alle uns das noch gefallen? Wer eine menschlichere Flüchtlingspolitik wünscht, hat es nicht nötig, vor den Hardlinern zu kuschen. Nicht nur die Humanität ist auf seiner Seite, auch viele schlagkräftige Argumente. (Roland Rottenfußer) (mehr …)

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Armenbeschimpfung (2)

Saw III oder Hartz IV – es geht darum, sein Leben zu verdienen.

Armut ist sexy – nur in Berlin. In Fernsehen und Presse findet das Thema zunehmend Gehör und wird in prominent besetzten Talkrunden ausdiskutiert. Sicher ging es den Betroffenen hinterher besser – oder? Große Teile der Medienlandschaft fahren im Moment eine Doppelstrategie: Einerseits: „Wir sind sozial total bewusst und Euer Schicksal kümmert uns“. Andererseits: „Ihr müsst aber schon auch was tun. Ihr müsst arbeiten wollen. Und wenn Ihr ehrlich seid: so schlimm ist Hartz IV auch wieder nicht.“ (Lesen hierzu auch den Artikel „Armenbeschimpfung, Teil 1“) (mehr …)

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Armenbeschimpfung

Systemmedien liefern die ideologische Begleitmusik zum Sozialabbau. Lange war das Menschenverelendungsprogramm Hartz IV als Säule unseres „Sozialsystems“ unangefochten. Doch in den letzten Jahren bröckelt die Zustimmung ausgerechnet bei jener Partei, die das Kind seinerzeit aus der Taufe gehoben hatte. Die SPD zündelt mit dem Vorschlag eines „solidarischen Grundeinkommens“, und 28 Prozent der Delegierten wollten unlängst eine Frau zur Vorsitzenden, die gegen Hartz IV ist. Bei solchem Teufelswerk werden die Profiteure dieses Projekts nervös. Sie fürchten um ein lieb gewordenes Disziplinierungsinstrument, das nicht nur Betroffene wirksam einschüchtert, sondern auch Arbeitende in ständiger Angst vor Arbeitslosigkeit hält. Die Systemmedien parieren diesen Angriff auf den Repressionsbesitzstand der neoliberalen Ära mit einer Doppelstrategie: 1. das Thema aufgreifen und sich unheimlich sozial geben, 2. die Verantwortung dann doch wieder auf Arbeitslose abwälzen, denn: „Es kommt darauf an, was du daraus machst.“ (Roland Rottenfußer) (mehr …)

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Faires Arbeiten – was ist das?

Erschöpfung am Arbeitsplatz ist weit verbreitet

Jeder sollte arbeiten (können) – dafür aber weniger Stunden. Zwischen dem „Recht auf Faulheit“ und der Überforderung durch Arbeitszwang wäre ein gesunder Mittelweg wünschenswert. Der Kapitalismus setzt aber lieber auf eine gedemütige Minderheit von Arbeitslosen und eine Mehrheit oft überforderter „Malocher“ mit Absturzängsten. (Roland Rottenfußer) (mehr …)

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Eine bayerische Überwachungsmaßnahme

Filmszene aus „Das Leben der Anderen“

„Bayern muss sauber bleiben“, heißt es schon in Konstantin Weckers Lied „Bayernpower“. Noch geht es im größten Flächenstaat überwiegend gesittet zu – der längsten Einparteienherrschaft auf deutschem Boden (noch vor der SED-Regentschaft im Osten) sei Dank. Aber wird das auch so bleiben? Und die noch brennendere Frage: Sollte man eine zu befürchtende Erosion bayerisch-christlicher Werte erst dann bekämpfen, wenn das Desaster schon weit fortgeschritten ist? Bayerns dynamische neue Regierung setzt auf präventive sicherheitserzwingende Maßnahmen. Überall lauernde Gefährder müssen dingfest gemacht werden, lange bevor sie selbst auch nur ahnen, welche Gefahr von ihnen ausgeht… (Satirischer Sketch von Roland Rottenfußer) (mehr …)

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Wozu sind Kriege da?

Patronenhülsen im Film „Lord of War“

Die derzeitige Spannungspolitik braucht einen wehrhaften Pazifismus als Antwort. Warum können die nicht endlich mal Ruhe geben?“ Man rauft sich die Haare, wenn man die aktuellen Nachrichten verfolgt, zuletzt über den Raketenangriff der „Westalliierten“ auf Ziele in Syrien. Da wird jedes fragwürdige, unbewiesene Detail aufgebauscht, um buchstäblich um jeden Preis Spannungspolitik zu betreiben. Mit Syrien, mit Nordkorea, mit dem Iran – mit Russland, dem vertrauten Feind, ohnehin. Als Bürger werden wir so ständig in einem Zustand ängstlicher Anspannung gehalten. Wer würde in einer derartig gefährlichen Welt die Regierung nicht anflehen, im Interesse unserer Sicherheit die Rüstungsausgaben zu erhöhen? Man braucht eine gewisse Zeit, um zu merken, dass das Ganze System hat. Wir leben eben nicht zufällig gerade jetzt in einer besonders „schwierigen“ Zeit, in der sich die Bedrohungen häufen. Solange dieser politisch-militärisch-industrielle Komplex mit seinen Unterstützermedien regiert, wird und muss es Kriege geben – immer. (Roland Rottenfußer) (mehr …)

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Michael Ende – Der Aufstand der Fantasie gegen die Macht

 

Filmszene aus „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“

Scheinriesen, Oberbonzen, Halbdrachen, Graue Herren, die Kindliche Kaiserin – viele der Kreationen Michael Endes sind heute Gemeingut. Eine aufwändige Realverfilmung des Kinderbuch-Klassikers „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“ erweckt den Zauber für eine neue Generation zum Leben. Wer aber war Michael Ende (gest. 1995)? Mit Sicherheit ein ernsthafter Mann, der eine Botschaft hatte und in seinen Romanen Wirtschaftstheorie wie Machtkritik publikumswirksam verarbeitete. Ende war aber auch ein Nachfolger der Romantiker, die eine Wiederverzauberung unserer Wirklichkeit herbeisehnten und das kreative Subjekt zum Mittelpunkt des Universums erhoben. (Roland Rottenfußer) (mehr …)

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Das Glück der einfachen Dinge

Annett Kuhrs CD „Sommerlandtraum“ ist eine Ausnahmeproduktion in der Liedermacherszene, handwerklich glänzend gemacht, dichterisch inspiriert und musikalisch im guten Sinne „konservativ“. Statt auf Kritik und Agitation zu bauen, strahlen diese Lieder ein großherziges Einverstandensein mit den Dingen des Lebens aus. Kuhrs gelassene und biophile Welthaltung steckt an und beglückt den Hörer auf stille Weise. (Roland Rottenfußer) (mehr …)

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«Tu doch, was dein Herz dir sagt» – die Flüchtlingskrise

Völlig aus der Mode gekommen: der Teddybärwerfer. Heute wirft mal lieber geistige Brandbomben. Bildquelle: www.papiton.de

Flüchtlingsthemen, Pegida, brennende Asylbewerberheime – solche Themen beschäftigen uns heute etwas weniger als noch vor einigen Jahren. Aber wir sollten uns nicht täuschen: Eine relative Ruhe ist diesbezüglich eingekehrt, weil eine „harte Haltung“ gegen Flüchtlinge mittlerweile in den meisten Parteien Konsens geworden ist. Obergrenzen, schnelle Abschiebung, Null Toleranz – solche Ideen sind vom rechten Rand in die Mitte der Gesellschaft gerückt und werden kaum mehr hinterfragt. Staatsräson ist vor allem, die Herzen der abtrünnigen AfD-Wähler für die Altparteien zurückzugewinnen. Und dementsprechend sieht unsere Republik jetzt auch aus. Es tut gut, in diesem Zusammenhang an die konsequent menschliche Haltung zu erinnern, die Konstantin Wecker ab 2014 in seinen Liedern und Tagebucheintragungen in der Flüchtlingsfrage eingenommen hat. (Der Beitrag von Roland Rottenfußer ist ein Auszug aus der großen Biografie „Konstantin Wecker: Das ganze schrecklich schöne Leben“, erschienen im Gütersloher Verlag) (mehr …)

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Maria Magdalena – Hure, Heilige, Ehefrau, Feministin?

Filmszene aus „Maria Magdalena“ mit Rooney Mara

„Ein Geheimnis, das, wenn es enthüllt würde, das Gebäude des Christentums zum Einstürzen brächte“ – so verkündet großsprecherisch „Der DaVinci-Code“, die Verfilmung von Dan Browns Bestseller „Sakrileg“, die 2006 in den Kinos lief. Das Geheimnis war natürlich ein aus Kirchensicht Skandalöses: Maria Magdalena sei die Geliebte und Ehefrau Jesu gewesen und es gebe auch leibliche Nachfahren des Paares. „Maria Magdalena“, Garth Davis neuer Bibelfilm, bringt nichts zum Einstürzen. Es „sexualisiert“ nicht, zeigt aber dennoch eine Liebesgeschichte und erzählt eine gemäßigt feministische Version des Evangeliums. Mag die Neuverfilmung auch Ausdruck eines heute wieder „braveren“ Zeitgeists sein – sie ist ein Beitrag zur Rehabilitierung einer Frau, die über Jahrhunderte als „Heilige Hure“ diffamiert wurde. (Roland Rottenfußer) (mehr …)

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