Kurze Auszeit vor dem Aus

 In FEATURED, Roland Rottenfußer, Über diese Seite

Liebe Leserinnen und Leser von Hinter den Schlagzeilen, unser Magazin wird zwischen Mitte und Ende Juli seinen “Betrieb” einstellen. Die Begründung hierfür steht in meinem Artikel, den ich unten noch mal angehängt habe. Von morgen, 15.06., bis Sonntag, 30.06., werde ich meinen ersten Urlaub seit Weihnachten machen. Da ich dringend Erholung brauche, wird es in diesem Zeitraum auch keine Neuveröffentlichungen auf HdS geben. Im Juli machen wir dann noch ein paar Wochen Programm, bevor unser Magazin nach fast 20 Jahren vom Netz geht. Ein trauriges Ereignis, auch für uns “Macher”. Im Sommer 2024 wird vermutlich auch der Trägerverein Initiative für eine humane Welt (IHW) aufgelöst werden. Dazu hat unser Kassenwart Volker Töbel in seinem Text etwas geschrieben. Informationshungrige lesen in dieser Zeit am besten Manova und andere gute politische Magazine. Bis dann! Wir hören voneinander. Roland Rottenfußer

 

Leider: Unser Magazin „Hinter den Schlagzeilen“ wird sehr bald eingestellt. Grund dafür ist überwiegend der Rücktritt unseres Vereinsvorsitzenden, Herausgebers und Redaktionsmitglieds Holdger Platta aus privaten Gründen, die er in seiner Rücktrittserklärung darlegt. Holdger Platta hat sich für den Verein „Initiative für eine humane Welt“ (IHW), für die über Jahre laufende „GriechInnenhilfe“ sowie für das politische Webmagazin „Hinter den Schlagzeilen“ Verdienste erworben, die gar nicht hoch genug eingeschätzt werden können. Wegen der nahenden Auflösung des Vereins IHW wäre es dann nicht mehr möglich, Spenden für „Hinter den Schlagzeilen“ zu sammeln. Ich selbst könnte mir HdS als ehrenamtliches „Hobby“ zwar grundsätzlich vorstellen, habe aber mit meiner Tätigkeit für Manova eigentlich genug zu tun, sodass ich in diesem Fall lieber mein Gesamt-Arbeitsvolumen etwas reduziere, um das, was ich tue, noch besser zu machen.

Schon in den letzten Jahren, war es mir kaum noch möglich, für HdS eine eigene Redaktion im größeren Stil auf die Beine zu stellen. Dafür reichten Zeit und Kraft nicht mehr aus, und Manova war und ist die Hauptsäule meiner beruflichen Existenz. In der Praxis war Hinter den Schlagzeilen in letzter Zeit vor allem eine Plattform gewesen, auf der Artikel und Videos aus anderen Quellen verlinkt und zweitveröffentlicht wurden. Daran ist grundsätzlich nichts auszusetzen. Tatsächlich hat mir Konstantin Wecker, als er mir die Redaktion des zusammen mit seiner Frau Annik gegründeten Magazins 2005 anvertraute, HdS als genau das vorgestellt: eine Plattform, die wichtige Beiträge aus anderen Magazinen zusammenträgt, um Lesern einen Überblick zu ermöglichen. Später haben wir es dann zum Glück geschafft, genügend Artikel aus eigener Feder – so von Konstantin, Holdger, mir und Gastautoren – präsentieren zu können, sodass das Magazin tatsächlich eine gewisse Reichweite und Qualität erzielte.

Die Folge der in letzter Zeit mangelnden Eigenständigkeit von Hinter den Schlagzeilen war jedoch sicherlich, dass sich Leser lieber gleich den „Quellmagazinen“ zuwandten, vor allem Manova, Nachdenkseiten, Gewerkschaftsforum, der Interviewreihe „Preradovic“ und anderen. Dafür habe ich großes Verständnis. Ich bitte aber auch um Nachsicht dafür, dass ich HdS nicht mehr ganz im wünschenswerten Umfang pflegen konnte, so wie es früher möglich war, als ich anderswo keine Festanstellung als Redakteur innehatte. Natürlich ist meine erste Empfehlung, wenn Leser nach einem Ersatz für HdS suchen, Manova. Dort werden meine eigenen Artikel und die anderer Autoren, die von HdS her bekannt sind, regelmäßig erscheinen. Auch weitere Veröffentlichungen von Holdger Platta auf Manova sind möglich, obwohl er aus privaten Gründen wird kürzertreten müssen.

Wir stellen „Hinter den Schlagzeilen“ nicht von heute auf morgen ein, auch weil wir nicht möchten, dass Leserinnen und Leser, die mit der Absicht Geld spenden, unsere weitere journalistische Arbeit zu unterstützen, nicht das Gefühl haben, dass wir die Spenden zwar annehmen, die „weitere Arbeit“ aber gar nicht leisten. Wer jetzt noch spendet, möge sich aber bewusst sein, dass er damit ggf. nur noch die bisher geleistete Arbeit honoriert, nicht mehr zukünftige. Was den Zeitraum bis zum endgültigen Aus für HdS betrifft, gehe ich von einigen Wochen aus. Genau können wir es noch nicht sagen, weil einiges vorher zu bedenken ist. Ihr könnt gern noch für eine Weile Kommentare hinterlassen und Fragen stellen, die ich dann zu beantworten versuche.

Mir fällt es naturgemäß schwer dieses Magazin loszulassen, das auf eine fast 20 Jahre andauernde, wechselhafte Geschichte zurückblickt. Zum Glück kann ich aber bei Manova fast alles fortsetzen, was HdS bisher ausgemacht hat – auch wenn es dort nicht so viele Sach- und Musikvideos geben wird, allenfalls eingebettet in einen Artikel. Holdger Platta hat trotz immenser Belastungen HdS auch während der letzten Monate noch sehr regelmäßig mit Textpostern und mit Aphorismen versorgt sowie hin und wieder auch mit Musiktiteln. Dafür möchte ich ihm an dieser Stelle herzlich danken. Ebenfalls unserem zuverlässigen Kassenwart Volker Töbel, der nun auch mit der Vereinsarbeit betraut ist, solange es die IHW gibt. Unser anderes Projekt, die GriechInnenhilfe, mussten wir ja leider schon vor einiger Zeit einstellen. Mein Dank gilt auch unseren treuen Leserinnen und Lesern, die es durch ihr andauerndes Interesse, ihre Kommentare und Anregungen, vielfach auch durch ihre Spenden möglich gemacht haben, dass unser kleines Magazin in politisch –  vorsichtig gesagt – sehr „anregenden“ Zeiten so lange durchgehalten hat.

Auf jeden Fall wird es vor dem endgültigen Ende noch eine Art Abschlussartikel geben, in dem ich auf die HdS-Historie zurückblicke, eventuelle Fragen beantwortet und letzte Anmerkungen „loswerde“.

Herzlich Euer

Roland Rottenfußer

Anzeigen von 9 Kommentaren
  • Peter
    Antworten
    Das Ende einer Ära ist fast immer eine bittere Erfahrung. Umso mehr, wenn so viel Herzblut in ein Projekt geflossen ist.

    Aus Sicht eines Lesers möchte ich aber auch sagen: Es gibt nicht zu wenige, sondern zu viele Angebote. Vielfalt ist nicht immer ein Mehrwert. Die Arbeitskraft für kleinere Projekt mit geringer Reichweite ist vielleicht nicht immer gut investiert. Auf der anderen Seite kann die Bündelung der Kräfte Qualität und Reichweite erhöhen.

    Insbesondere für die heute so wichtige Wartung und Modernisierung der Webauftritte ist oft kein Budget vorhanden.

    • piggyinthemiddle
      Antworten
      Dem möchte ich mich in der Sache anschließen. Leider habe ich die Seite erst vor einem guten Jahr entdeckt. Darum bedaure ich ihr Ende besonders, denn selten findet man ein Portal, auf dem praktisch jeder Beitrag lohnenswert zu lesen war.

      Aber die Begründung ist nachvollziehbar und ich wünsche alles Gute!

    • rr
      Antworten

      Hallo Peter,

      vielen Dank für Deine Anregungen. Es stimmt schon, dass sich ein kleines Magazin bezüglich des Verhältnisses von Aufwand und Wirkung kaum lohnt. Das “Lockmittel” war in meinem Fall die fast unbegrenzte Gestaltungsfreiheit. Und natürlich wollten wir die Griechenlandhilfe nicht gern aufgeben. Schließlich war ein kleines Zubrot.

      Richtig ist natürlich, dass der Aufwand, als Leser so viele Magazine “im Auge zu behalten” groß ist und dass eine gebündelte Seite gut wäre. Aber wer sollte diese betreuen? Die Redakteure haben in der Regel genug mit ihrem eigenen Magazin zu tun. Und bei einer Art Medienzusammenschluss gäbe es immer noch Meinungsverschiedenheiten darüber, wer noch “dazu gehört” und wer nicht. Solange ich das selbst entscheiden konnte, gab es keine Konflikte. Aber bei HdS ergab sich halt das Problem, dass Leser, die vor der Aufgabe stehen, 10 oder 15 Magazine, die ihnen gefallen, täglich zu checken, vermutlich meinen, auf HdS noch relativ leicht verzichten zu können, da sie viele der Artikel auch auf Manova, Nachdenkseiten und ein paar anderen finden.

      Gelegentlich höre ich auch, die Musikbeiträge wären ein Alleinstellungsmerkmal von HdS, das Menschen motiviert, regelmäßig draufzuschauen. Aber Musikbeiträge werden auch relativ wenig angeklickt. Sicherlich liegt es daran, dass Musik sehr stark Geschmacksache ist. Und obwohl wir diesbezüglich ein plausibles “Profil” entwickelt haben (überwiegend gute Texte, anspruchsvollere Musik, oft mit politischem Inhalt), will doch nicht jeder regelmäßig Musikvideos anschauen, nur weil ein Herr Rottenfußer sie empfiehlt. Eher noch hat eine größere Anzahl an Menschen Interesse an “coronaskeptischen” Essays, pazifistischen Artikel oder dergleichen. Diese aber waren meist auch auf Manova Nachdenkseiten usw. zu finden, sodass viele Leser nicht mehr das Gefühl, hatten, “unbedingt” regelmäßig oft auf HdS schauen zu müssen.

  • Ernesta Finoto-Belladonni
    Antworten
    Wie schade, das sind traurige Nachrichten! Da tut sich eine mediale  Lücke auf. Ich  werde HDS vermissen. Aber irgendwann hört eben die wackerste Bordkapelle auf zu spielen, und jeder muss  sehen, dass er noch eine Planke erwischtbzw. ein Stückchen von der Torte. Hm, naja, ich hoffe , es gibt wenigestens  noch eine zünftige  Abschiedsfeier, mit Rollbraten? Das wäre ja wohl das mindeste.

    https://youtu.be/tvKoW5y9x9M

    Und falls nicht (die Hoffnung dürfen wir nicht aufgeben) ich träume  insgeheim von einem  Revival , in nicht allzuferner Zukunft. Mit einer hoffentlich völlig altmodischen Website, also zB. mit Kommentarfunktion und ohne Werbung. Und wenn Walter vielleicht doch noch Indendant des WDR …

    😉

  • Brunhild Krüger
    Antworten
    Es ist sicher schade, dass HdS zu existieren aufhört.
    Dabei wäre der Name gut geeignet, eben das zu sein, als was es angedacht war:
    eine Plattform, auf der andere Anbieter ihre neuen Artikel einstellen und verlinken. Ohne zusätzlich eigene Artikel erstellen zu müssen.

    Auch als Leser hat man so seine Zeitprobleme. Wenn ich täglich 5 bis 10 Webseiten aufrufen muss – ich verkneife mir hier die Liste, aber auch Manova oder Nachdenkseiten und Norbert Häring sind dabei – um mich zu informieren, dann aber  auf allen Seiten  mehr oder weniger zahlreiche Kurztexte mit  Verlinkungen   auf andere Seiten oder gar den gleichen Text noch mal finde, stresst das mehr als das es wirklich hilft.

    Da habe ich in letzter Zeit schon mehrfach gewünscht,
    alle interessierten Anbieter würden sich zusammentun und eine gemeinsame Angebotsseite für ihre neuesten Artikel erstellen – erst einmal chronologisch.
    Dann genügt ein Blick auf diese Angebotsseite  und man kann sehr schnell die Auswahl treffen, was man auf welcher Seite lesen möchte.

    Ob dann auch noch themensortierte Listen  möglich sind – was auch wünschenswert wäre – kann ich nicht sagen.

    Andererseits halte ich so eine gemeinsame Info-Plattform für objektiv und dringend notwendig. Es wäre mehr Aufwand, sie NEU gründen zu müssen.

    Nichts für ungut. Ich würde mich SEHR freuen, wenn diese Idee umsetzbar wäre.
    Herzlichst
    Brunhild Krüger

  • Kunhilde Enigma-Breuningstedt
    Antworten

    … RIP, HDS. … Erinnert sich nochjemand an die Seite des ehemaligen “Fokus”-Russland-Korrespondenten und Blumentopfopfers? Irgendwann ist sie in die blau-gelb-montenegrische Bedeutungslosigkleit abgerutscht, tja, woran  liegt das wohl, und die Kommentarfunktion, die ist auch nicht mehr das, was sie mal war, aber es ist doch gut zu wissen, Boris überrascht schlecht bezahlte Kassiererinnen gern mit einer Schachtel Pralinen oder Schokolade, und ein Herz für obdachlose  Katzen hat er auch, ganz Gentleman der alten Schule, das alles ist doch großartig, und widerspenstig genug, oder etwa nicht? Nun ja, HDS ist bald weg, aber a Falvio von Witzleben bietet doch eine eigene Medienproduktion, auch weiterhin, und  Jens Lehrich, und dann bitte nicht vergessen, Sven und Mathias, diese genialen Plaudereien dort,  ja, zugegeben,  es ist alles leider eher ein wenig  unübersichtlich, und zerfasert, aber wenn wir Herrn Meyen lesen, Manova  und den Demokratischen Widerstand, dann bekommen wir doch  einen guten Eindruck der Alternativmedienszene, oder etwa nicht. Bitte spendet jetzt, es war noch nie so wichtig,und kauft unsere Bücher; entfaltet auch Euer Potential,und stärkt die Resilienz der Zirbeldrüse,  es gibt  nichts wichtigeres — nichts für ungut, und jetzt noch ein Musiktipp, aber nur, wenn ihr Lust habt, und vergesst nicht, bald ist Europawahl, und zwar nicht nur in Bielefeld.

    https://www.youtube.com/watch?v=8sJrF6D0-9o

  • katharina wappler
    Antworten
    Nach jedem Ende von Etwas kann und wird Neues beginnen. Und sowohl aus dem ursprünglichen Kontext der “Macher” wie auch von den Kommentaren flackern ja bereits Ideen und Ansätze hervor. Die Gründe für das Ende von HdS sind für mich schlüssig und nachvollziehbar, wenn natürlich ebenfalls ein Bedauern mitschwingt. HdS war für mich ein treuer und oft tröstlicher Begleiter durch die von Corona dominierten Jahre und ich habe erstaunt und glücklich festgestellt, wie sich meine eigene Wahrnehmung und die sich daraus ergebenden Ansichten und Einsichten in vielen Artikeln wiedergespiegelt hat.

    Ich bin sicher, nicht nur mir hat es geholfen, mich immer wieder neu auf- und auszurichten.

    Bleibt mir zum Schluss also ein ganz herzliches Dankeschön für die lange und wirklich erhellende, mit Herzblut verfasste Berichterstattung.

    Und dies natürlich verbunden mit den besten Wünschen für die Zukunft!

     

  • Vive la diversité
    Antworten
    Die Idee einer “gemeinsamen Angebotsseite”, das  klingt ja erstmal sehr gut…. Man könnte aber auch , nach einiger Zeit des Grübelns,  zu eher  gegenteiligen Schlüssen kommen, ausgeschlossen ist es nicht .. –

    War das nicht  gerade ein Merkmal von HDS, dass es eine Blume  war, die etwas abseits stand und dort gedieh? Und dort evtl. gerade  umso besser.? Tja, und nun kommt bald niemand und will sie giessen ? Ick kanns ja noch ganich richtig  globen! . 😉

    “Medenkompetenz”, ist  das nicht auch: die Fähigkeit sich selbst aus verschiedenen Quellen zu informieren? Ja, so ein Silbertablet, am besten noch eine App, auf der einem alles übersichtlich serviert wird, das scheint verlockend. ich würde da allerdings gern ein größeres Fragezeichen in Erwägung ziehen, wenn ich darf.. In diesem Sinne ein Hoch auf die Vielfalt, lasst sie uns doch möglichst bewahren; wenn’s noch geht, ebenso wie  die  Unübersichtlichkeit, den wilden Garten und die  überraschende Vegetation,  die Entdeckungen,  die dort möglich sind bzw. wären ….  —que ce ne soit pas impossible!

  • Steffen
    Antworten
    Ihr werdet mir fehlen!

    Viel Erfolg weiterhin danke für euren Einsatz!

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