Krieg löst keine Probleme, Krieg ist das Problem.

 in Ellen Diederich
Ellen Diederich

Ellen Diederich

Ellen Diederich schreibt zum Friedensfest auf dem Kesselbrink am 30.8.2014: „Krieg löst keine Probleme, Krieg ist das Problem. Gewalt erzeugt Gegengewalt und Hass, was wiederum Gewalt und Hass erzeugt.“ Hier ihre „Bielefelder Erklärung“.

100 Jahre nach Beginn des ersten, 75 Jahre nach Beginn des 2. Weltkrieges sind wir fassungslos, wie schnell sich die Kriegsszenarien weltweit ausweiten. Waren wir mit Beendigung des Ost-West-Konfliktes und mit dem Fall der Mauer davon ausgegangen, Feindbilder abgebaut zu haben, so sehen wir heute, in welch rasender Geschwindigkeit alte und neue Feindbilder wieder entstehen. Dieser Prozess wird von nahezu gleichgeschalteten Medien begleitet. Ein kaum zu fassendes „Geplapper“ ohne Einbeziehung des historischen Kontextes, ohne Analyse macht sich breit. „Es ist auch kaum eine konformere kriegsbegleitende Publizistik denkbar, keine uneingeschränkte Partnerschaft und keine entschiedenere Marginalisierung der Kritik.“ (Roger Willemsen, Kriegstagebuch in: Terrorismus, Öl und die geheime Außenpolitik der USA – oder Der 11. September und die Hintergründe des Krieges gegen den Terrorismus)

Das 20ste Jahrhundert war das blutigste der Menschheitsgeschichte. In dem Jahrhundert sind mehr Menschen in Kriegen getötet worden, als in den 1.900 Jahren unserer Zeitrechnung zuvor.
Grundlegendes hat sich in dem Jahrhundert verändert: Waren
im 1. Weltkrieg etwa
10% aller Getöteten Zivilbevölkerung und 90% Soldaten,
im 2. Weltkrieg etwa
50% aller Getöteten Zivilbevölkerung und 50% Soldaten
So sind seit dem Vietnamkrieg und in allen folgenden Kriegen an die
90% aller Getöteten Zivilbevölkerung und 10% Soldaten.

Ergebnisse dieser Erfahrungen bildeten in Deutschland für Jahrzehnte eine entscheidende Grundlage der Politik: Nie wieder Krieg!
Diese Basis ist verlassen worden. Europa und Deutschland sind an Kriegen weltweit beteiligt, entweder im Rahmen der NATO oder durch Waffenlieferungen in die ganze Welt. Führende PolitikerInnen überbieten sich fast in neuen Begrifflichkeiten wie „Soldaten sind Mutbürger in Uniform“, (Joachim Gauck), „Die Bundeswehr soll familienfreundlich werden“. (Ursula von der Leyen)

Neue Kriege mit der Verteidigung von Menschenrechten oder berechtigten Interessen der Zivilbevölkerung zu begründen, spricht jeder Kriegserfahrung des 20. Jahrhunderts Hohn.

Heute werden die Kriege wird nicht mehr auf „Schlachtfeldern“ geführt. Der Krieg hat jeden Quadratmeter des Landes, auf dem er wütet, erreicht. „Die Ansprüche an Kriege sind gesunken. Verbrecher-Fahndung darf jetzt mit Streubomben (und Drohnen, E.D.) betrieben, ein Land zerstört, ein Massenmord an Zivilisten begangen werden, auch wenn am Ende kein einziger Verdächtiger gefasst ist, die Zahl der Kriegstoten verschwiegen werden.“ Roger Willemsen, a.a.O.
Der so genannte „Kalte Krieg“ während des Ost-West Konfliktes war eigentlich immer ein heißer Krieg. Die Ressourcen der Welt, so dringend gebraucht, um das tägliche Massensterben durch Hunger, Mangel an Medikamenten und sauberem Wasser zu verhindern, wurden und werden bis heute verschleudert, um Massenvernichtungswaffen zu entwickeln, deren Zerstörungsmöglichkeit jede Vorstellungskraft sprengt. „Würde eine Einzelperson derartiges ausbrüten, man müsste sie für wahnsinnig erklären und als öffentliche Gefahr einsperren.“ (Robert Jungk, Vorwort zu: Off limits für das Gewissen, Der Briefwechsel Claude Eatherly und Günther Anders, Hamburg 1961, S. 9)
Widerstand ist das Geheimnis der Freude!
Alice Walker
Was können wir tun? Die aktuelle Entwicklung nicht hinnehmen!

Es gab in den letzten Jahren zwei herausragende weltweite Aktionen gegen Krieg:
1. Am 15. Februar 2003 gingen etwa 15 Millionen Menschen gegen den drohenden Irak-Krieg auf die Straße. Von Neuseeland bis San Francisco, von Barcelona bis Südafrika. In Spanien demonstrierten 10% der gesamten Bevölkerung. Dort stürzte die konservative Regierung. Die spanischen Soldaten kamen aus dem Irak Krieg zurück. In Italien weigerten sich Hafenarbeiter, Schiffe mit Waffen für den Irak Krieg zu beladen. Wir haben den Irak Krieg nicht verhindern können. Die Absurdität der Bush Regierung aber wurde mehr als deutlich. Selbst die New York Times kam zu der Erkenntnis: Es gäbe jetzt zwei Supermächte auf der Erde: Die USA und die öffentliche Meinung der Welt. Die zweite Supermacht brauchen wir wieder!
Unsere Situation ist nicht einfacher geworden. Die Hoffnung auf Barak Obama ist total enttäuscht worden.
Aktion: Anträge an das Nobelpreiskomitee stellen: Aberkennung des Friedensnobelpreises an Obama
Und an den, der an die EU gegeben wurde. Beide Male gibt es genügend Begründungen!
2. In den letzten Wochen des Sommers 2014 fordern weltweit Menschen Gerechtigkeit für Palästina und Israel, es gab Demonstrationen und Aktionen in Kapstadt, Washington D.C., New York, Neu-Delhi, London, Dublin, Sydney, Berlin und vielen anderen Städten, es war „der größte öffentlicher Aufschrei für ein einzelnes Anliegen in der Geschichte der Menschheit!“ (Desmond Tutu)
Frauen haben in vielen Ländern erfolgreich für Frieden gekämpft, einige Beispiele:
Die „Mütter der Verschwundenen“ in Lateinamerika. Sie forderten von den Diktaturen ihre ver-
schwundenen Angehörigen zurück. „Lebendig habt ihr sie genommen lebendig wollen wir sie wieder!“
Trotz aller Bedrohungen und Repressionen haben sie nicht aufgegeben, bis die Diktaturen fielen.
Die Frauen von Greenham Common in GB belagerten die Cruise Missile Basis 10 Jahre lang, bis diese
Atomraketen abgezogen wurden.
Bei den Frauenfriedensmärschen gingen Frauen Tausende von Kilometern durch Europa und die USA.
Wir informierten jedes regionale Parlament, jede (n) Abgeordneten über die Gefahr der atomaren
Bewaffnung und forderten sie auf, ihre Region zur atomfreien Zone zu erklären.
Bei den Weltfrauenkonferenzen schufen wir Orte, an denen Frauen aus so genannten Feindesländern
in den Dialog kommen konnten, um Feindbilder abzubauen.
„Eine Frau, die aufsteht, ist so schön, dass man erschaudert, wenn man sie sieht.
Es gibt Frauen, die Gerechtigkeit fordern, anstatt um Verzeihung zu bitten.
Euch zuhören, heißt die Wirklichkeit sehen zu lernen.
Ein Hoch auf die Werte, die Ihr uns lehrt! Und dass Ihr uns das Bewusstsein vermittelt,
wenn wir dieses System nicht ändern, sind wir alle seine Komplizen!“ (Marcos)

Weitere Aktionen, die wir machen können:
– Zeigen, dass die Zivilgesellschaft der Welt gegen Krieg ist!
– Die Definitionshoheit über die Sprache zurück erobern, sie nicht den Massenmedien überlassen!
Was heißt Pazifismus, Terrorismus, radikal-islamisch, Antisemitismus, Antiamerikanismus, usw.
– Rückeroberung des Zugangs zu den Massenmedien. Den hatten wir mal!
– Was sind gewaltfreie Aktionen? Lernen von da, wo solche Aktionen Erfolg hatten, z.B. in Südafrika!
– Solidarität denjenigen zeigen, die vom Krieg betroffen sind, ihre Erfahrungen öffentlich machen!
– Kriegsflüchtlinge unterstützen, sich um die traumatisierten Kinder, die hier sind, kümmern!
– Die Konzerne, die Krieg vorbereiten, an ihm verdienen, benennen und boykottieren!
– Auch dann Aktionen machen wenn wir sofort keinen Erfolg haben. Veränderung braucht Zeit!
– Aktionen gegen die Werbung der Bundeswehr in Schulen und Jugendzeitungen!
– Diskreditierung der Pläne, die Bundeswehr „familienfreundlicher“ zu machen!
– Die weitere Militarisierung der EU verhindern, jeden Einfluss auf Abgeordnete zu nutzen!

V.i.S.d.P. Ellen Diederich, Internationales Frauenfriedensarchiv Fasia Jansen – friedens@aol.com

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