Raif Badawi for Friedens-Nobelpreis

 in Monika Herz, Politik (Ausland), Spiritualität
Raif Badawi

Raif Badawi

Barack Obama hat ihn. Die EU hat ihn. Yassir Arafat hatte ihn. Der Friedensnobelpreis ist – obwohl er immer wieder an tolle Leute vergeben wurde – ein recht unzuverlässiger Geselle geworden. Wer kriegt ihn als nächstes: die USA? Mario Draghi? Oder gleich die saudi-arabische Religionspolizei? Nein, wenn das Nobel-Komitee seinen angeknacksten Ruf reparieren möchte, sollte sie den nächsten Preis an Raif Badawi verleihen. Der ist nämlich ein Held, der sich für die Menschenrechte eingesetzt hat und dafür zu einer unfassbar grausamen Strafe verurteilt wurde: 1000 Peitschenhiebe. Monika Herz sympathisiert mit dem Islam und möchte ihn nicht durch derartige „Glaubenswächter“ vertreten sehen. Raif Badawi hat sie besonderns in ihr Herz geschlossen. Also: Wie wär’s mal mit einem Friedensnobelpreis für die Opfer, nicht für die Täter?

Liebes Friedens-Nobelpreis-Komitee,

ich hoffe, ich hab das richtig verstanden: nämlich, dass mein Schützling, der saudiarabische Blogger Raif Badawi für den Friedens-Nobelpreis nominiert wurde.

Falls ich das nicht richtig verstanden habe und Raif Badawi doch nicht vorgeschlagen worden ist, dann möchte ich das hiermit nachholen. Ich bin zwar zu spät dran, weil die Vorschläge für 2015 bis zum 1. Februar bei Ihnen hätten eingehen müssen. Außerdem bin ich gar nicht berechtigt, einen Vorschlag zu machen, weil ich nämlich nicht zu Ihrem Komitee dazugehöre. Ich bin auch nicht Mitglied des Internationalen Gerichtshofs, habe selber noch keinen Nobelpreis abgekriegt und bin nicht einmal Professor für irgendwas. Ich bin quasi in ihren Augen ein Nichts und darf gar niemanden vorschlagen. Aber das macht mir gar nichts aus. Ich schlag den Raif Badawi trotzdem vor.

Weil ich nämlich den Raif Badawi so toll finde. Und den Frieden auch. Der Herr Nobel und Sie mit Ihrem Preis, Sie tragen doch auch dazu bei, dass im Bewusstsein der Menschheit immer mehr ankommt, dass der Frieden etwas Tolles ist!

Schauen Sie: Raif Badawi hat sich wirklich mit Leib und Seele für den Frieden eingesetzt. Er ist ein Held. Ich hätte niemals den Mut, den er hatte. Er hat nämlich in Saudi-Arabien ein Internet-Portal gegründet und dort über die Menschenrechte diskutiert. In Saudi-Arabien darf man das nämlich nicht. In Saudi-Arabien herrschen die Wahabiten mit ihrer Relgionspolizei. Die Wahabiten glauben, dass alles, was der Prophet Mohammed vor 1500 Jahren nicht in den Koran hineingeschrieben hat, dem Islam schadet. Vor 1500 Jahren hatten die ganz andere Probleme als wir heute. Deshalb muss man ein bisschen genauer nachdenken, wenn man den Koran auf heutige Verhältnisse anwenden will. Das tun die Wahabiten leider nicht. Weil in den Menschenrechten drinsteht, dass jeder Mensch das Recht habe, seine Religion frei zu wählen und auszuüben (oder auch nicht), meinen sie, die Menschenrechte wären islamfeindlich. Weil der Prophet gesagt hat, der Islam wäre die beste Religion. Natürlich hat jeder das Recht, seine Religion für die beste zu halten. Sonst wäre er ja bei einer anderen Religion. Man kann darüber diskutieren und man kann mit seinem Verhalten beweisen, dass die eigene Religion die beste ist. Für einen selber. So verstehe ich das mit den Menschenrechten. Anderen Wesen Schaden zufügen mit einer Religion, das war wohl nicht wirklich das Anliegen von Religionsgründern. Und auch nicht das der Menschenrechte. Im Gegenteil: Sowohl die Religionen als auch die Menschenrechte sind dazu da, Schaden abzuwenden. Hoffentlich klappt das auch endlich mal.

Wenn bei uns jemand in einem Internet-Forum über die Menschenrechte diskutiert, würde das gar niemandem auffallen. Es würde auch niemanden interessieren. Menschenrechte – na und? Die stehen bei uns in der Verfassung, und wenn der Herr Schäuble mit seiner Finanzpolitik mal wieder dagegen verstößt, dann kommt der Bundessfinanzhof und zeigt das beim Verfassungsgericht an. (https://hinter-den-schlagzeilen.de/2014/07/10/eigentum-verpflichtet-wann-macht-ihr-endlich-ernst-damit/) Dann spricht das Hohe Gericht und fordert Herrn Schäuble auf, das entsprechende Gesetz so zu ändern, dass es wieder zu den Menschenrechten passt. Der Herr Schäuble ist dann zwar empört und zickt erstmal rum und sagt: „Das mach ich nicht!“ Aber am Ende muss er doch. Wenigstens einigermaßen. Und wenn es dann wieder nicht passt, dann kommt die Sache wieder vors Hohe Gericht. So läuft das bei uns. Es dauert alles ewig, und es wäre nett, wenn Herr Schäuble die Menschenrechte so in- und auswendig kennen würde, dass das gar nicht erst vorkommt. Z.B. ein Gesetz, in dem die Superreichen besser behandelt werden als die Anderen. Aber immerhin. So läuft das bei uns.

In Saudi-Arabien aber, wenn da einer wie Raif Badawi öffentlich darüber nachdenkt, dass die Menschenrechte eine gute Sache sein könnten, dann wird er gleich verhaftet. Und dann wird er verurteilt. Und zwar so, wie die Wahabiten den Islam auslegen: so als ob sie gar nicht verstanden hätten, was im Koran steht. Eigentlich will der Islam nämlich eine Religion des Friedens und der Barmherzigkeit sein.

Das macht die Macht mit den Menschen. Man kann das überall beobachten. Die Macht ist ein Zustand, der offenbar so geil ist, dass diejenigen, die sie haben, nie mehr von ihr lassen wollen. Macht-Haber haben scheinbar eine riesige Angst davor, ihre Macht zu verlieren. Deshalb machen sie den Menschen, über die sie Macht haben, Angst. Damit die Angst der Menschen vor den Macht-Habern noch größer ist, als ihre eigene Angst vor der Macht-Losigkeit.

Am allermeisten Angst kann man verbreiten, wenn man nicht nur ein Macht-Haber ist, sondern auch noch ein Recht-Haber.

Sie verstehen schon, was ich meine, oder?

Wenn also jemand wie Raif Badawi daherkommt und einfach keine Angst hat, dann kann er damit das ganze Angst-System irritieren. Man weiß ja heute aus der Chaos-Theorie-Forschung, dass jedes System irritierbar ist. Sogar dann, wenn es noch so stark und wohlgeordnet erscheint. Wenn ein System an einem empfindlichen Punkt irritiert wird, dann kann es einen Kollaps kriegen. Das macht aber nichts, weil dann laut Chaostheorie aus dem Kollaps heraus etwas Neues, ein schönes, wunderbares, neues System entsteht. Man braucht also auch vor dem Chaos überhaupt keine Angst haben. Neue Sterne werden aus Chaos geboren.

Da kommt also Raif, hat keine Angst, obwohl er Familie hat und drei kleine Kinder, und irritiert das Macht-System der Wahabiten. An dieser empfindlichen Stelle mit den Menschenrechten. Daraufhin kommen gleich noch mehr junge Leute und machen da mit. Sie machen nichts anderes als im internet zu diskutieren! Dafür riskieren Sie 10 Jahre Haft, 1000 Peitschenhiebe und 200.000 Euro Strafe.

Liebes Komitee, das müssen Sie sich mal vor Augen halten! Raif und die anderen jungen Leute, die übrigens auch im Gefängnis sitzen, hatten keine Angst! Sie haben sich für den Frieden und für die Menschenrechte eingesetzt, obwohl sie wussten, dass mit den Wahabiten nicht zu spaßen ist. Und obwohl sie wussten, dass die Macht-Haber in Saudi-Arabien von den Macht-Habern aus den USA und Deutschland riesige Mengen an Waffen kaufen, damit ihnen niemand ihre Macht wegnehmen kann. Schon gar nicht die jungen Leute mit ihrem Internet.

Sind Menschen wie Raif es also nicht wert, mit dem Friedens-Nobelpreis geehrt zu werden? Wer denn sonst? Nach Barack Obama vielleicht noch Mario Draghi? Immerhin rettet er eine Bank nach der anderen…

Wenn Sie also statt Super-Mario dieses Jahr lieber Raif Badawi den Preis geben würden, das wäre ziemlich gut für Ihren Ruf. Sie müssen schon ein bisschen auf ihren Ruf aufpassen. Vor allem auf den Ruf, unabhängig zu sein. Der ist wichtiger als gute Beziehungen zu Waffenhändlern, Macht-Habern und Recht-Habern.

Es ist eigentlich ganz einfach: Ohne Weltfrieden keine Menschenrechte. Und umgekehrt. Als nächstes: Religionsfreiheit gehört zu den Menschenrechten dazu. Daraus folgt: Ohne Religionsfreiheit auch kein Weltfriede. Außerdem: Viele Waffen – kein Friede. Und umgekehrt: Keine Waffen – viel Friede.

Und weil sich Raif Badawi für den Frieden, für die Religionsfreiheit und die Menschenrechte eingesetzt hat, obwohl das die Macht- und-Recht-Haber in Saudi-Arabien massiv in ihrer Angst- und Waffenkauf-Politik irritiert hat, deshalb hat er den Friedens-Nobelpreis verdient!

Wenn er den Preis von Ihnen nicht kriegen sollte – dann kriegt er ihn eben von mir. Im Geiste!

Mit freundlichen Grüßen

Monika Herz

Quellen:

http://www.salzburg24.at/fall-badawi-wird-moeglicherweise-neu-verhandelt/apa-s24_1422264854

http://de.wikipedia.org/wiki/Friedensnobelpreis#Nominierung_und_Vergabe

https://secure.avaaz.org/en/petition/To_The_Royal_Swedish_Academy_of_Sciences_infokvase_Box_50005_SE104_05_S_Nobel_Preis_fur_Raif_Badawi/?pv=19

http://www.stern.de/panorama/raif-badawi-nobelpreistraeger-fordern-saudische-wissenschaftler-zum-protest-auf-2167557.html

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