Wie Altersarmut ganz leicht zu beenden wäre

 in Monika Herz, Wirtschaft
Van Gogh: Schuhe

Van Gogh: Schuhe

„Wir würden ja gern, aber es ist kein Geld da!“ – diesen Stoßseufzer hört man immer wieder von Politikern, wenn es darum geht, nützlichen und kreativen Projekten sowie Not leidenden Menschen die Hilfe zu verweigern. Auf der anderen Seite scheint für bestimmte Zwecke „plötzlich“ unbegrenzt Geld da zu sein. Das muss nicht mal „verdient“ oder Steuerzahlern abgepresst werden. Es wird einfach „geschöpft“, sofern der Schöpfer ein entsprechend mächtiger Mann ist. Die Durchschnittsrenterin lebt an der Armutsgrenze, der Durchschnittsrentner etwas darüber. Und die 80 reichsten Menschen der Welt verdienen so viel wie 3,5 Millarden (!) andere Menschen. Aber Geld ist keins da. Eine bedenkenswerte Rechnung von Monika Herz, die sich wie immer ihres Lieblingsstilmittels der „scheinbar naiven Fragen“ bedient.

Liebe Rentenversicherungsanstalt, liebe Anstaltsleitung,

wer immer Sie sind. Ich hätte da eine Frage, das heißt eigentlich eine Bitte, die geht so: Bitte folgen Sie meinem Rat und beenden Sie die Altersarmut. Sie wissen nicht, wie Sie das hinkriegen könnten? Deshalb rate ich Ihnen ja. Ich muss dazu ein bisschen ausholen und Ihnen ein paar Zahlen, Daten und Fakten (ZDF) präsentieren, die mir heute Morgen über den Weg gelaufen sind. Alles was ich Ihnen nun an ZDF vorrechne, bezieht sich auf Deutschland, das wunderbare, gelobte, reiche Land.

Die relative Armut

Diese wird von EU-Statistikern vom Mittelwert des Netto-Äquivalenzeinkommens errechnet. Der Mittelwert beträgt 1633,3333333333… Euro. Die heilige Zahl 3 hinter dem Komma können Sie getrost vergessen. Ich vermute, Sie haben mit Heiligkeit eh nichts am Hut.

2012 lag die Armutsgefährdungsgrenze (60% des Medianeinkommens) deutschlandweit bei 980 € pro Monat. Die relative Armut beginnt bei 50% des Mittelwertes, also bei 816,50 Euro. Als richtig arm gilt, wer weniger als 40 % des Mittelwertes, also 653,333333… zur Verfügung hat. (Quelle: wikipedia.de)

Interessanterweise fährt hier mein wunderbares reiches Deutschland im Alleingang durch die Welt. Denn die Weltgesundheitsorganisation WHO und die OECD finden, dass der Mensch schon mit 50 % des Mittelwertes, also mit 816,50 Euro netto im Monat richtig arm ist. Deutschland findet das nicht. Denn dann wären noch mehr Menschen richtig arm. Das geht natürlich nicht.

Wer sind denn nun die Menschen, die arm sind? Dass es die ALG2-Menschen sind, ist ja inzwischen bekannt. Und dass die ALG2-Menschen für ihre Armut von Amts wegen häufig schikaniert werden und von ihren weniger armen Mitmenschen verachtet werden, hat sich auch herumgesprochen. Jeder, der (noch) kein ALG2-Mensch geworden ist, hütet sich deswegen tunlichst davor, einer zu werden. Aus Angst. Aber das ist ein anderes Thema und wäre ein Briefchen an die dortige Anstaltsleitung wert. Inklusive gutem Rat, versteht sich.

Also: Ein Schritt nach dem Anderen: Heute ist mein guter Rat gegen die Altersarmut dran.

Die Altersarmut

Hier ein paar ZDF zur allgemeinen Situation:
Frauen in den alten Bundesländern bekommen im Durchschnitt eine Altersrente in Höhe von 521 €, in den neuen Bundesländern von 705 Euro. 3,7 Millionen Rentner leben in Deutschland mit einer gesetzlichen Rente von unter 300 Euro im Monat. Sechs Millionen Rentner erhalten eine bis zu 500 Euro. 13 Millionen Senioren, rund 72 Prozent, erhielten 2012 eine Rente von bis zu 1000 Euro im Monat. (Quelle: wikipedia.de)

Daraus ergibt sich, dass im Durchschnitt alle Frauen, die heute wegen ihres Alters eine Rente beziehen, richtig arm sind. Weil sie weniger als 816,50 Euro Rente erhalten. Haben Sie das richtig verstanden? Nicht erst in der Zukunft irgendwann ist mit Altersarmut zu rechnen, sondern wir haben heute schon eine Altersarmut. Und zwar bei allen Frauen. Im Durchschnitt. Die einen mehr, die anderen weniger. In dem Fall sind diejenigen, die mehr von der Armut abkriegen, zugleich diejenigen, die weniger kriegen. Mehr ist also hier ganz real weniger. In Euro. Bei Männern ist die Situation nicht ganz so schlimm, der durchschnittliche Rentner bewegt sich mit etwa 1000 Euro im Monat elegant ganz leicht oberhalb der Armutsgrenze.

Mein guter Rat ist nun ganz einfach. Er ist auch nicht neu. Aber irgendwie werden diejenigen, die vor mir den guten Rat auch schon gegeben haben, einfach nicht gehört. Wir haben schließlich ganz andere Probleme. Zum Beispiel das Problem, dass „der Bachelor“ gestern schon wieder eine Abfuhr kassiert hat. Das ist nicht gelogen und deshalb darf man die Medien, die diese Wahrheit verbreiten, auch nicht „Lügenpresse“ nennen. Sonst würde man nämlich lügen. Mein guter Rat also: Geben Sie doch allen Rentnern und Rentnerinnen auf alle Fälle so viel Rente, dass sie nicht arm sein müssen. Also zum Beispiel 1000 Euro. Dann muss man nicht mehr so viel Angst vor dem Alter haben. Und wenn man weniger Angst hat, lebt man viel gesünder und länger.

Sie würden das gerne machen, haben aber kein Geld? Wissen Sie, wo man Geld herkriegen kann? Beim Herrn Draghi! Der gute Mann kann Geld zaubern. Allerdings ist er etwas eingeschränkt in seinem Denken. Er denkt nämlich, er könne nur Geld für Banken zaubern. Zur Rettung der Banken. Super-Mario hat noch gar nicht gemerkt, dass die Banken gar nicht soooo arm sind und gar nicht gerettet werden müssen. Oder haben Sie schon mal eine Bank gesehen, die weniger als 850,- Euro im Monat zur Verfügung hat, bzw. einen Banker? Sehen Sie!

Mein guter Rat lautet also: Gehen Sie zum Herrn Draghi und verlangen Sie von ihm die 60 Milliarden Euro jeden Monat, die er ab sofort jeden Monat aus dem Hut zaubern wird. Wir haben ungefähr 30 Mio Rentner und Rentnerinnen. Das heißt, Sie könnten jedem sogar 2000 Euro im Monat zahlen. Oder aber Sie könnten den Rest des Geldes den oben erwähnten ALG2-Menschen der anderen Anstalt rüberschieben oder für eine Grund“rente“ für Kinder einsetzen. Die Idee, Kindern eine Grundrente auszuzahlen schwirrte in den Anfangszeiten des Sozialstaats mal in ein paar Köpfen herum. Hat sich aber leider nicht dort festgesetzt. Am Ende ist ein bisschen Kindergeld rausgekommen. Für die Reichen mehr als für die Armen. Wie immer halt.

Wenn Sie die 60 Milliarden vom Super-Mario dann bekommen hätten, bräuchten Sie die noch nicht mal vervielfältigen, so wie die Banken das tun. Irgendwie hat man als Nicht-Bänker gar keine rechte Vorstellung, wie viel Geld 60 Milliarden Euro eigentlich sind. Besonders für diejenigen, die es dann vervielfältigen dürfen. Das ist wirklich richtig viel Geld! Und man kann mit Geld so tolle Sachen machen!

Ich fordere ja: Gleiches Recht für alle! Wenn Banken Geld vervielfältigen dürfen, warum dürfen wir das dann nicht auch? Sie als Renten-Anstalt zum Beispiel. Mal eben die 10-fache Summe aus den monatlichen 60 Milliarden zaubern, schon wäre alle Armut in ganz Europa zu beseitigen. Und Sie könnten sich so viel Mühen ersparen. Diese Rechnerei mit den Renteneckpunkten, dieser ganze Wust, den Sie so an der Backe haben. Kann man alles wegzaubern. Mit dem Zauberstab von Super-Mario!

Man muss dem guten Mann nur den Zauberstab wegnehmen! Und dann dafür sorgen, dass die Armen mit dem wunderbaren Geldzauber versorgt werden – und nicht die Reichen! Es wäre so einfach! Wenn Sie Rat brauchen, weil Sie mit dem Rechnen und mit den Vorstellungen nicht hinkommen, dann können Sie sich ja an mich wenden. Es ist wirklich gar nicht soooo schwer. Sondern ganz einfach. Wenn man den Zauberstab von Super-Mario selber in der Hand hat!

Mit freundlichen Grüßen

Quellen:
http://de.wikipedia.org/wiki/Gesetzliche_Rentenversicherung_%28Deutschland%29#H.C3.B6he_der_Renten

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