Paul Hemaro: Und da wundert ihr euch?

 in Poesie, Politik (Inland)
Wozu noch wählen? Wir werden immer mehr oder minder von ihnen regiert.

Wozu noch wählen? Wir werden immer mehr oder minder von ihnen regiert.

Wenn von Politikverdrossenheit die Rede ist, dann meist mit dem Vorwuf an die Verdrossenen verbunden, die sich gefälligst zusammenreißen und Gefallen an dem Politiktheater sollen. Sind einige Parteien an der Macht, geben die anderen Parteien Anlass zu unberechtigter Hoffnung – und umgekehrt. Paul Hemaros Ausruf „Und da wundert ihr euch?“ wirkt da sehr erfrischend, so traurig seine lyrische Diagnose klingt.

Ein Blick auf die Titelseiten suggeriert,
auch der einst‘ge Hoffnungsträger – verrissen, geschmiert.
Vorbei das Gepose, in den bunten Gazetten,
Vorbei die Minibars und edlen Hotelbetten.
Verklungen die ersehnten, mahnenden Worte,
wohl doch nur leere Phrasen, aus der Polit-Retorte.
Wir dachten er sei einer, der es mal gut mit uns meint,
kein unsäglicher Blender der wenn’s hart kommt – nur sich selbst beweint.

Der Gong der Hochrechnung ist grad erst verklungen,
die Niederlage wird zum Jahrhundertsieg hochgerungen.
Man erkennt selbst im Verlust, die steigende Tendenz,
im Scheitern der anderen, die eigene Essenz.
Ein Schwenk der Kamera, Mundwinkel werden hochgerissen,
besser man wird nur von sich selbst beschissen.
In Abend erstreckenden Debatten wird verschroben schwadroniert,
verbogen und gelogen bis selbst der Letzte – vor Scham kapituliert.

Und da wundert ihr euch,
dass bald keiner mehr an eure Urnen geht?
Und da wundert ihr euch,
dass bald kein einz’ger Hahn mehr nach euch kräht?
Und da wundert ihr euch,
dass die Verdrossenheit durch alle Gassen kursiert,
es ist erbärmlich wie ein Mensch zum Politiker mutiert.
Und da wundert ihr euch,
dass ihr beim Zappen keine zehn Sekunden übersteht,
eure Selbstgefälligkeit ist zäher als das eit‘rigste Sekret.
Kinder der gelben, grünen, schwarzen und roten Gruppe,
streiten über die schönste Sandburg, versalzen sich gegenseitig die Suppe.
Die braune Gruppe, die in dieser Runde noch nicht mitspielen darf,
wartet geduldig ab, die Geschichte lehrt, Unmut erzeugt stets Bedarf.

Der mit Süffisanz gespickte feldweblische Generalsekretär,
muss jeden Kurs eisern vertreten, Antworten stets ohne Gewähr.
Auf keine Frage direkt antworten, so lehrt ihnen die Rhetorik,
Gestik, Mimik fleißig einüben, bloß keine Grobmotorik.
Das höchste Ziel der heutigen politischen Karriere,
ist nicht das Dienen und Verändern oder so ein Quatsch wie Ehre.
Mit den Bonzen auf große Reise, meine Frau, mein Auto, mein Haus,
nur wer zu Lebzeiten gut vorsorgt, dem geht das Gas nie aus.

Und da wundert ihr euch,
dass bald keiner mehr an eure Urnen geht?
Und da wundert ihr euch,
dass bald kein einz’ger Hahn mehr nach euch kräht?
Und da wundert ihr euch,
dass die Verdrossenheit durch alle Gassen kursiert,
es ist erbärmlich wie ein Mensch zum Politiker mutiert.
Und da wundert ihr euch,
dass ihr beim Zappen keine zehn Sekunden übersteht,
eure Selbstgefälligkeit ist zäher als das eit‘rigste Sekret.
Kinder der gelben, grünen, schwarzen und roten Gruppe,
streiten über die schönste Sandburg, versalzen sich gegenseitig die Suppe.
Die braune Gruppe, die in dieser Runde noch nicht mitspielen darf,
wartet geduldig ab, die Geschichte lehrt, Unmut erzeugt stets Bedarf.

Und da wundert ihr euch,
dass junge Menschen reihenweise resignier’n?
Sich bei Volksfesten in die Arme der braunen Zuhörer verlier’n.
Und da wundert ihr euch,
dass ihr jedwedes Vertrauen für immer zerstört,
Und bald niemand mehr euren Daueraschermittwoch zuhört?
Ein Volk, das eure Rettungsschirme schon bald nicht mehr annimmt,
Wundert euch nicht, wenn euer Ableben,
wieder mal keiner wahrnimmt.

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