Verheizt: 10 Jahre Hartz IV

 in Politik (Inland)
Sein Name ist so beliebt wie der von Alois Alzheimer: Peter Hartz

Sein Name ist so beliebt wie der von Alois Alzheimer: Peter Hartz

„Wer Hartz IV bezieht, soll sich halt eine Arbeit suchen“. Gern wird von Außenstehenden an die Eigenverantwortung von Menschen in sozialen Schwierigkeiten appelliert. Hier ist die kurze Geschichte eines Menschen, der es versucht hat, der seine Fähigkeiten in Jobs einsetzen wollte, um aus dem Elend herauszukommen und der an der Unbarmherzigkeit des Systems gescheitert ist. Weder erwies sich „der Arbeitsmarkt“ als offen für den Arbeitswunsch eines älteren Hartz IV-Betroffenen, noch gingen die Jahr der Demütigung und Ausgrenzung spurlos an der psychischen Gesundheit von Volker Wulle vorbei. Ein sehr ehrlicher und traurig stimmender Bericht.

Ich glaubte es. Vor zehn Jahren glaubte ich tatsächlich daran, dass es mit der Einführung von Hartz IV eine Entflechtung bürokratischer Strukturen geben werde, ja sogar daran, dass ich mit »meinem persönlichen Fallmanager« besser beraten/betreut wäre, um mit meinen beruflichen Fähigkeiten sowie einem beachtlichen Erfahrungsschatz wieder meinen Lebensunterhalt zu sichern, sprich: eine Anstellung zu finden.

Heute kann ich über meine damalige Naivität nur noch den Kopf schütteln, obwohl sie wohl auch aus der Tatsache resultierte, dass mir zu diesem Zeitpunkt nur öffentlich zugängige Begründungen aus den allgemeinen Medien zu Verfügung standen. Parolen, Verschleierungen sowie Halbwahrheiten. Erst einige Zeit später, nachdem ich das Internet als unverzichtbares Medium erkannt hatte, wurde mir immer mehr bewusst, welche Absichten mit der Agenda 2010 verbunden waren.

Nach diesen zehn Jahren, zwischen Engagement und Hoffnung, stehe ich mit 59 Jahren vor einem persönlichen Trümmerhaufen, aus dem ich mich nicht mehr befreien kann. Nicht einmal durch meine Fähigkeiten, Engagement und Willen.

Von Hartz IV in die Altersarmut.

Demnächst wird man mich dazu auffordern (verpflichten), frühzeitig einen Rentenantrag zu stellen, da dieses unmenschliche System deutliche Spuren hinterließ, ich »den Anforderungen des allgemeinen Arbeitsmarktes« nicht mehr in vollem Umfang zu Verfügung stehen werde. So die offizielle Begründung.

Ich formuliere es anders: Erst durch Hartz IV wurden mir die wenigen noch greifbaren Möglichkeiten verweigert, ein selbstbestimmtes Leben führen zu können. Eine traurige Realität, die uns – gerade in den letzten Tagen – als Erfolgsgeschichte verkauft wird.

Ich glaubte es.
Ich glaubte tatsächlich daran, dass:
– zweiundzwanzig Monate als Ein-Euro-Jobber, mit einem sechs Stunden-Tag, als Mitarbeiter eines Jugenzentrums,
– ein Jahr Hausaufgaben- und Freizeitbetreuung an einer Schule (stundenweise auf Honorarbasis),
– zwei Jahre befristete Festanstellung bei der Stadtjugendpflege, als Betreuer des oben genannten Jugendzentrums (25,5 Stunden-Woche, subventioniert im Rahmen von 50plus)…
mir neue Wege und Möglichkeiten eröffnen würden. Das Jugendzentrum wurde geschlossen. Als Gestalter bin ich nicht mehr gefragt, meine weiteren Fähigkeiten werden zwangsweise frühverrentet.

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