Alexanders CD-Tipp der Woche: Denis Fischer singt Leonard Cohen – Live im BKA Theater Berlin

 In Alexander Kinsky, CD-Tipp

Der im November 2016 verstorbene große kanadische Singer-Songwriter, Dichter und Maler, der einmalige Lebensphilosoph Leonard Cohen lebt mit seinen Aufnahmen sowie in den Erinnerungen der weltweiten Fangemeinde weiter – und mit Neuinterpretationen seiner Songs, hier zum Beispiel durch den Liedermacher und Schauspieler Denis Fischer. (Alexander Kinsky)

Denis Fischer, der 1978 in Delmenhorst geborene jüngere Bruder des Chansonniers und Schauspielers Tim Fischer, ist vielseitig aktiv, als Schauspieler genauso wie als Entertainer. Er singt eigene Lieder, bietet aber auch Schwerpunktprogramme an – zu Elvis Presley, zum Club 27, zu Harald Juhnke, aber eben auch zu Leonard Cohen. Das 2018 bei Fuego veröffentlichte Album „Denis Fischer singt Leonard Cohen – Live im BKA Theater Berlin“ (CD Fuego 2891-2) ist bereits die zweite Leonard Cohen CD von Denis Fischer.

Das Zeitalter der akustischen Nachprüfbarkeit von Originalinterpretationen erhebt diese (vielfach zurecht) zur unvergleichlichen Unsterblichkeit, aber jedes Lied, jeder Song sollte, ja muss auch weiterleben dürfen, indem er wo und wie auch immer live vorgetragen wird. Wahrscheinlich hat Johann Nestroy als Quasi-Wiener-Entertainer in seinen eigenen Stücken seine Couplets im Wien des 19. Jahrhunderts absolut unvergleichlich vorgetragen, niemand konnte sich vorstellen, jemand anderer schaffte das. Heute gibt es einige namhafte Nestroydarsteller, deren künstlerische Qualität außer Zweifel steht. Niemand singt auch etwa Leonard Cohens „Halleluja“ so wie Leonard Cohen, aber es gibt mittlerweile hunderte Coverversionen, und die meisten davon haben ihre ganz eigene, spezifische, anders innige Qualität. Im Jahr 2019 versucht um ein anderes Beispiel zu nennen das polarisieren könnte die Sängerin und Schauspielerin Sarah Straub, Konstantin Weckers Lieder neu zu verlebendigen, man darf gespannt sein auf Liedauswahl wie auf die Interpretation.

Los geht es im Berliner BKA Theater mit einem „Trommelwirbel“ von Klavier und Kontrabass, und der mündet direkt ins sanft beschwingte Grundfeeling eines der bekanntesten Cohen Songs, „Dance me to the end of love“, und schon sind wir mittendrin in der großen Leonard Cohen Songwelt.

Denis Fischers Respekt vor dem Vorbild ist enorm und erkennbar demütig, das hört man sofort wenn er zu singen beginnt und bis zum letzten Ton, aber der Respekt ist geborgen in selbstbewusst eindringlicher Neuinterpretation der Songs. Die angenehm tiefe dunkle Stimme des Chansonniers wirkt eine Spur schärfer und kantiger als die Cohens, aber genau diese spezifische Klangfarbe macht den Reiz aus, vermag es, die Lieder neu authentisch zu vermitteln. Fischer kopiert Cohen nicht, er singt die Songs auf seine Art als lebendige Bekenntnislieder und spielt auch bei einigen Liedern Gitarre.

Getragen wird er dabei von phantastischen musikalischen Mitstreitern die den Songs individuelle, vielschichtige facettenreiche Farben und Spannungsbögen geben, zwischen mysteriöser Dunkelheit und mitreißendem Groove, ob balladesk, im sanften Swing oder beim suggestiven Drive: von Carsten Sauer (Klavier und Orgel) sowie von Ralf Stahn (Kontrabass).

Die insgesamt 16 Songs werden so wieder einmal ganz neu mitlebbar. Wie sich etwa „The Gipsy´s Wife“ gegen Schluss hin kurz ins Hymnische aufschwingt, wie das suggestiv Fließende von „Hey, That´s no way to say Goodbye“ mitreißt, auch der spannend leichtgewichtige Groove bei „Lover Lover Lover“, wie manche Songs wie innige aber musikalisch ungemein lebendige Gebete ans Leben erscheinen, wie gerade auch bekanntere Hits wie „Suzanne“, „Bird on the wire“ oder „So Long Marianne“ zum inneren Mitsingen und Mitschwingen anregen – das hat schon etwas bewundernswert Eigenständiges an sich.

Der Lieblingssong des Schreibers dieser Zeilen was dieses Album betrifft ist „Famous Blue Raincoard“, dessen eindringliche Moll-Düsternis sowohl musikalisch harmonisch als auch interpretatorisch durch immens einfühlsame Innigkeit aufgefangen wird.

„Halleluja“ findet sich überraschenderweise nicht auf der CD. Es „fehlt“ aber auch nicht wirklich, die ausgewählten Titel bilden auch so einen absolut würdigen großen Leonard Cohen Liederbogen.

Ist es ein Wermutstropfen (möglicherweise rechtlich bedingt), dass Denis Fischer alle Songs in Berlin nicht auf Deutsch, sondern im Original singt? Reizvoll wäre es allemal, all diese Songs von ihm auch in eigenen deutschen Übersetzungen hören zu können.

Die Gesamtstimmung der Liveaufnahme vermittelt echte begeisterte Clubatmosphäre, allerdings wird jeder Applausjubel mit einem fade out abgeblendet, was alles etwas seltsam bruchstückhaft anmuten lässt. Für den Außenstehenden erschließt sich nicht, warum hier nicht zumindest authentisch erscheinen könnende Live-Übergänge geschnitten wurden.

Conclusio: Denis Fischer verneigt sich demütig aber künstlerisch selbstbewusst vor Leonard Cohen und als Hörer darf man sich demütig und ehrlich hochachtungsvoll vor Denis Fischer und seinen Mitmusikanten für diese Reverenz an den großen Kanadier verneigen.

Die Homepage von Denis Fischer: http://denis-fischer.de/

Fischer singt Cohen beim Label Fuego: https://www.fuego.de/music/22614

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