Alexanders CD-Tipp der Woche: Erika Pluhar – Bossa à la Pluhar

 In Alexander Kinsky, CD-Tipp

Geh deinen Weg, dann handle doch dagegen – Alltagsphilosophie und individuelles Engagement sowie sanft treibender Bossa Nova Rhythmus prägen Erika Pluhars aktuellste CD-Veröffentlichung. (Alexander Kinsky)

Die als Burgtheaterschauspielerin bekannt gewordene Erika Pluhar, 1939 in Wien geboren, ist seit vielen Jahren auch schriftstellerisch tätig. Zuletzt erschien ein Buch, in dem sie die ersten Lebensjahre ihrer 1999 mit 37 Jahren nach einem Asthmaanfall verstorbenen Tochter Anna aus deren Sicht nachzeichnet („Anna. Eine Kindheit“).

Und sie singt deutschsprachige Chansons – anfangs produziert und mitgeschrieben von ihrem damaligen Ehemann André Heller, sich aber bald ausschließlich auf eigene zunächst hochdeutsche später vielfach (ur)wienerische Texte konzentrierend. In den 80er Jahren trat sie hauptsächlich zusammen mit dem portugiesischen Pianisten Antonio Victorino d´Almeida und dem bulgarischen Gitarristen Peter Marinoff auf, und seit vielen Jahren ist der österreichische Gitarrist Klaus Trabitsch ihr musikalischer Hauptpartner. Die drei Genannten haben auch die meisten von Erika Pluhar getexteten Lieder vertont.

Eine Auswahl dieser Lieder, ältere und neuere, haben Erika Pluhar (Gesang), Klaus Trabitsch (Gitarre), Christoph Petschina (Kontrabass) und Peter Rosmanith (Percussion) am 18.11.2016 im Stadtsaal zu Wien in neuen sanften Bossa Arrangements live präsentiert. Der Mitschnitt dieses Konzerts wurde im April 2018 bei E.T.E. (Broken Silence) auf CD veröffentlicht.

Alltagsphilosophisch Humanistisches steht neben dem Aufruf zum individuellen Engagement. Was das betrifft solle man – so das Credo der entsprechenden Lieder – seinen eigenen Weg gehen und wenn es notwendig ist gegen das Inhumane handeln und/oder zumindest ansingen.

Wichtig ist Erika Pluhar auch der Versuch des Vertrauens und der Wunsch nach Geborgenheit im Zusammenleben – schön ist es, zu zweit unter einem Akazienbaum zu liegen (vgl. das LP Cover „John Lennon – Plastic Ono Band“), gib ma die Hand, wenn ich dich ansehe ist unsere Welt gut…

Den Themen Lebensträumen und Alter widmen sich sehr sensibel die Lieder „Die unerfüllbaren Wünsche“ und  „Mehr denn je“.

Augenzwinkernd originell ist das Gedankenspiel 2 statt 1 im „Lied der Zwillinge“. Da könnte man an den charmanten Altwiener Schizophrenen-Witz denken „Sitzt ana und glaubt er is zwa“.

Dies und alles wird mit herzlichem, unverkrampft weisem Gesang in einfühlsame Bossa Nova Arrangements (mit einigen reizvollen Instrumentalsoli!) eingebettet.

Frei nach Hesse singt Erika Pluhar auch ein poetisches „Nebellied“.

Wir sind alle eins, die ganze Welt, Konstantin Weckers „Ohne Warum“ wird auch hier deutlich, in der „schirchen Welt“ (Erika Pluhar) gibt es doch die Wunder der Natur („Was schön ist“), und die Mitmenschlichkeit darf niemals auf der Strecke bleiben („Sing dagegen an“).

Erika Pluhar bringt ihre Lebenserfahrung bei alldem nicht aufdringlich, aber sehr bestimmt in all diese lebensphilosophischen, nachdenklichen und poetischen Lieder ein. Und das großartige Instrumentaltrio swingt den Bossa dazu.

 Erika Pluhars Homepage: http://www.erikapluhar.net/

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