Alexanders CD-Tipp der Woche: Florian Paul und die Kapelle der letzten Hoffnung – Dazwischen

 In Alexander Kinsky, CD-Tipp

Oh je, da hat einer eine ganze CD lang echten, großen, zutiefst schmerzenden Liebeskummer. Freilich: Wer den umzulegen versteht in so starke Chansons und akustische Deutschpoplieder wie Florian Paul das tut und wer das dann noch mit exzellenten Arrangements zu würzen versteht, der belegt einmal mehr die mögliche persönliche wie universelle Heilkraft qualitätvoller Kunst. (Alexander Kinsky)

Eine Menschenmenge. Der innerlich Gebrochene bewegt sich allein gelassen und verloren darin,  er kommt nicht los von der gescheiterten Beziehung (Aber trotzdem). Die Menschenmenge kümmert´s nicht. Ein Cello singt. Paris, die Stadt so vieler gelebter und verflossener Lieben. Was bleibt, sind akustische Rock-Schmerzensschreie (Die blaue Katze) – und wieder die Menschenmenge. Eine Ballade zeigt uns Briefe, musikalisch erinnert sie ansatzweise an Herbert Grönemeyer, das hier ist aber ungleich textdeutlicher und alles andere als qualvoll herausgeknödelt. Man bedauert den Sänger, der sich nicht aus seiner Niedergeschlagenheit lösen kann. Ganz im Gegenteil, jetzt herrscht Endzeitstimmung (Manchmal fürcht ich mich), mit einer weiteren, großen Ballade. Aber immerhin, die Nacht tröstet und beschützt den Sänger, per Klavierballade. Noch einmal Paris, eine Drehorgel, die große Chansontradition, die Liebeshoffnung als Zirkus. Der Clown scheint aber nur mehr gequält zu lachen. Die Stadt hat resigniert, der Idealismus ist erloschen, griechische Tanz-Lebenslust bleibt als schale Erinnerung, was für eine traurige Ballade nun (Alles wie immer). Da sucht man den Halt selbst in der Konfusion. Der Teufel erscheint hier freundlich und weiblich. Die Verführung die droht hat staunenswert ungleich mehr Tröstliches, Geborgenheit Verheißendes als Beängstigendes. Ha, Hoffnung, südlich beschwingte Klänge, ein Hauch von Südamerika, aber das scheint alles schal oberflächlich, nur eine Illusion (Bella Maria). Eine Deutschpopballade macht den Schluss, Dazwischen – der allein Gelassene fragt sich, wo sein Weg ist, welche Perspektive er hat.

Das seelisch Wolkenverhangene, das Düstere der Stimmung des im Liebeskummer Versinkenden wird von Florian Paul, der fast alle Lieder allein geschrieben hat, mit sorgfältig ausgefeilten Liedtexten und exzellenten musikalischen Arrangements zwischen französischer Chansontradition und akustischem Deutschpop auf eine künstlerisch qualitativ beachtliche Höhe umgepolt. Lieder wie „Manchmal fürcht ich mich“, „Die Nacht“ und „Zirkus“ reihen sich würdig in die Tradition herausragender Chansons aus Deutschland ein.

Der 23jährige aus dem Ruhrgebiet stammende Florian Paul studiert an der Münchner Musikhochschule Filmmusik und verwirklicht seine Projekte vielfach zusammen mit Mitstudentinnen und Mitstudenten. Seine erste CD „Dazwischen“, bei der unter anderem Mitglieder des legendären Well Clans und der Hochschullehrer, Filmmusikkomponist, Gitarrist und ehemalige Konstantin Wecker Produzent Gerd Baumann mitspielen und wo schon alleine die ausgefeilten Arrangements verblüffen erschien im Mai 2019 bei Millaphon Records.

Die Homepage von Florian Paul: https://www.florian-paul.de/

Kommentare
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    Volker
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    Auch Liebeskummer noch,
    mir reicht der Armutskummer schon.
    So pfeif ich aus dem letzten Loch –
    dies sei mein kümmerlicher Lohn.

    Könnte wohl der Anfang einer Ballade sein, der Balladist, wenn fertig ++glucks++, fix und fertig, balladiert herumziehend bei Hofe, bis zur letzen Bitterstrophe.

    Tränen auf CD pressen und teuer verkaufen, das mach ich doch fix…
    🙂

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