Alexanders CD-Tipp der Woche: Hans Söllner – Genug

 In Alexander Kinsky, CD-Tipp

Gradeheraus singt das bayerische Liedermacher-Urgestein Hans Söllner auf seiner im Oktober 2018 bei Trikont veröffentlichten 25. Studio-CD „Genug“ den Menschen ins Gesicht, was ihnen zu Herzen gehen möge – empathisch denen gegenüber die alle Empathie verdienen, anklagend und sich kein Blatt vor den Mund nehmend denen gegenüber, an denen es wohl (hören sie es überhaupt) abprallt, aber allen anderen können diese Lieder umso mehr ans Herz wachsen – in ihrer klaren Ansage. (Alexander Kinsky)

Gegen Rassisten, Krieger und dumme Polizisten, für Flüchtlinge, schattenhafte Existenzen, Individualität, empathische Erziehung, Frauen, ein Straßenmädchen, ja sogar für einen Christbaumdieb, für den Naturschutz und für eine Frau, die in einer Beziehung übrigbleibt singt Hans Söllner seine ehrlichen, graden, volksliedhaft eingängigen Strophenlieder, nur mit Gitarre und manchmal mit Harmonika begleitet.

Eins nach dem andern dieser Lieder geht ans Herz, weil Söllner die Menschen direkt anspricht, weil er Einzelschicksale schildert, ohne diese auszustellen, vielmehr mit seiner empathischen Hinschau echtes, unmittelbares Mitgefühl zu schärfen und wo notwendig vielleicht auch erst zu wecken vermag.

Der „Rassist“ kriegt um die Ohren gesungen, wie verblendet und kurzsichtig er ist. Beim Flüchtlingsthema zeigt sich Söllner empathisch wie analytisch klarsichtig („Flucht“). Trotzige Selbstbehauptung („Biff Baff“) und eine köstlich süffisante offenbar persönliche Abrechnung mit einem dummen Polizisten („MaxMoerfi“, vgl. Wolfgang Ambros´ „Polizist“) dürfen da auch nicht fehlen.

Zwei Lieder singt er hochdeutsch, das erste ist im Booklet auf Farsi abgedruckt. Das Titellied der CD „Genug“, ein klassisches Antikriegslied, knüpft an „Sag mir wo die Blumen sind“ an, und „Macht euch schön“ ist ein ergreifendes Solidaritätslied mit den Frauen dieser Welt.

Eindringlich fordert Söllner mehr Umweltbewusstsein („Untersberg II“), und extrem einfühlsam blättert er das Schicksal einer Frau auf, die sich in einer Beziehung liebend aufopfert und in Geduld übt, ohne etwas zurückzubekommen („A kloans Herz“).

Es genügen den Liedern der ehrliche Gesang und das Gitarrenspiel Söllners, aber für den letzten Track wird dann doch voll aufgedreht, da gibt´s nämlich den „Rassist“ noch einmal, aufgenommen live zusammen mit den tollen Bläsersätzen der Banda Internationale aus Dresden auf dem Afrika-Karibik-Festival in Wassertrüdingen.

Das Album ist dem vor kurzem verstorbenen Trikont-Gründer und Freud Achim Bergmann gewidmet.

Hans Söllners Homepage: http://www.soellner-hans.de/

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