Alexanders CD-Tipp der Woche: Kathrina – Aus dem Handgelenk

 In Alexander Kinsky, CD-Tipp

Textintensiv, thematisch vielfältig und sympathisch erdig weil mit unverfälschter und durchgehaltener Livepower durchgezogen hört sich die am 5. und 6.3.2016 im Domhof ihrer Herkunftsstadt Rheda-Wiedenbrück aufgenommene und im Februar 2017 veröffentlichte vierte CD der Band Kathrina an. (Alexander Kinsky)

Kathrina, wie Konstantin Wecker etwa auch für Schule gegen Rassismus dabei, das sind Stefan Goedtke (Gitarre und Gesang), Marc Schüngel (Bluesharp und Gesang), Sebastian Wenk (Bass und Gesang), Marvin Kortenbreer (Tee, Technik und Theater) aus der Gegend um Gütersloh (Nordrhein-Westfalen) und hier auch Christian Freitäger (als Gast am Schlagzeug).

„Aus dem Handgelenk“ ist ihre vierte CD nach „Wind & Wetter“ (2006), „Vorsicht kopflastig“ (2009) und „Ich dachte, wir hätten mehr…“ (2014). Die Lieder haben sie alle selber geschrieben, bei zwei Songs wird auch Moritz Wedler als Autor genannt.

Musikalisch gibt es leichtgewichtigen energetischen, erdigen Folkbluesrock, auch Pop und Rap fließen ein. Da die CD live eingespielt ist (nicht bei allen Titeln ist allerdings der Applaus danach zu hören), atmet sie ein sympathisches Livefeeling des Unmittelbaren.

Die Lieder sind textintensiv, vielfach kriegt man nur dann wirklich jede Textnuance mit, wenn man die Texte im Beiheft genau mitliest. Das liegt nicht an undeutlichem Gesang, ganz im Gegenteil, hier ist Kathrina supergenau unterwegs, es liegt an der Textdichte.

Die textliche Vielfalt ist der Band ganz wichtig, sie breitet eine beachtliche Palette an Themen auf, ansatzweise zeitkritisch, vielfach persönlich, teilweise auch parodistisch pointiert. Das wird mit einer Power durchgezogen, die einerseits durchgehend den Kraftlevel hochhält, andererseits vielleicht doch die eine oder andere ruhigere Nummer zwischendurch verkraftet hätte.

Erstaunlich aber und die große Stärke ist eben die Themenvielfalt: Sich in ein fremdbestimmtes Leben begeben, der unterdrückte Mann, eine explodierende Apfelmusfabrik, das Lob des Dorflebens, die Aufforderung, die Zeit zu nutzen, der Tierpräparator, der sich vorstellt, die Motivation, an sich zu glauben, das Nichts-mit-sich-anfangen-können, die kleinliche Polizei, Schlaflosigkeit mit fatalen Folgen („Schlauer“, existenzialistisch pointiert!), das Plädoyer für ein konturiertes Leben, das originelle Loblied auf den Kanalarbeiter („Peter, der Kanalarbeiter“), irgendwie geht´s weiter, ein Derangierter weiß am Morgen nicht mehr was passiert ist, sich nicht stressen lassen, das Abschiedslied nach dem Scheitern einer Beziehung, zwischendurch eine launige Moderation, und schließlich ein doch wohl als provokante Juxnummer zu verstehendes Pro-Atomkraftlied und das Bekenntnis, weiter zu machen, und dann noch ein Hidden Track, der wie die Faust aufs Auge zum CD-Titel und vor allem zur Covergestaltung (Vorder- UND Rückseite!) passt.

Die Homepage von Kathrina mit allen Infos und Bestellmöglichkeit:

http://kathrina-wd.wixsite.com/kathrina-spielt

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