Alexanders CD-Tipp der Woche: Lucy van Kuhl – Fliegen mit dir

 In Alexander Kinsky, CD-Tipp

Ein weiteres bemerkenswertes CD-Debüt mit in diesem Fall durchgehend selbst am Klavier begleiteten thematisch vielfältigen Liedern, persönlich und sozial sensibel, lieferte die Liedermacher-Kabarettistin Lucy van Kuhl im Jahr 2017 – „Fliegen mit dir“ erschien im Label Wolke Musik. (Alexander Kinsky)

Lucy van Kuhl heißt eigentlich Corinna Fuhrmann. Ihre Wurzeln und Spuren führen nach Köln, München und Linz, und als Liedermacherin nennt sie sich nun eben Lucy van Kuhl. 2017 war sie Stipendiatin der von der GEMA geförderten „Celler Schule“, und sie ist auch „Hans Bradtke-Förderpreisträgerin der GEMA“. Da wird sie für ihre „Originalität, Lust am Spielen, große Experimentierfreude und ihre virtuosen Texte“ gewürdigt.

Neben ihren Auftritten als Liedermacherin bietet sie unter anderem Programme mit Wiener Burgschauspielerinnen, dem Chanson-Kabarett-Duo Crémant & Chardonnay und mit dem Comedy-Autor Tim Boltz.

Beachtenswert auch Corinna Fuhrmanns Einsatz für den deutschen Komponisten Ulrich Kessler (1905-1984), von dem sie, eine ausgezeichnete Pianistin wie auch die CD eindrucksvoll bezeugt, in der „Akademie der Künste Berlin“ 200 Klavierkompositionen eingespielt hat.

In der Universität der Künste in Berlin entstand auch Lucy van Kuhls erste CD. Die zehn Klavierchansons bieten ein thematisch vielfältiges Spektrum, teilweise eher kabarettistisch angelegt, dann wieder ganz poetisch. Gleich zu Beginn wird sie quasi aufgeschlossen und ist nun bereit, das Leben mit einem neuen Partner zu teilen („Truhe mit Ballons“). Sie plädiert danach für Glück ohne Luxus („Küsse ohne Kaviar“), beschreibt den lebenslangen unerfüllbaren Traum eines Mannes vom Verreisen („Herr Schmidt“), setzt sich keck für Verpackungen aller Art ein („Verpackt“), erkennt einen „Schulfreund“ wieder (er sie aber offenbar nicht), singt ein inniges Liebeslied (das Titellied der CD), muss dann aber eine Beziehung (anders innig) leider abhaken („Taube Augen“) und sich lieber wirklich originell (man stellt sich die Szenerie slapstickartig vor) mit einem liebestollen Koffer befassen („Samson“). Wird sich wenigstens dessen Traum erfüllen? Beim Festhaltenwollen einer Sommerliebe hilft vielleicht Rilke mit einem seiner schönsten Werke („Letzter Sommertag“). Und ein weiteres sehr herzliches Liebeslied (“Mit dir komm ich bei mir an“) rundet die CD zuversichtlich ab – auch wenn sie viel unterwegs ist, weiß sie sich in der Partnerschaft geborgen.

Lieder sind dann gut, wenn man sich selbst in ihnen finden kann, zumindest teilweise. Ich meine bei Lucy van Kuhls Liedern ist das möglich und bereichernd.

Lucy van Kuhl
Foto: Thomas Schweigert

Die Homepage von Corinna Fuhrmann:

https://www.corinna-fuhrmann.de/index.php

Lucy van Kuhl, ihre Musik und ihre CD:

http://www.lucy-van-kuhl.de/

 

 

 

 

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