Aufruf von „Fridays for Future“: Streikt mit uns!

 In FEATURED, Politik, Umwelt/Natur

Klare Botschaft auf einer Demo von Fridays for Future am 24. Mai 2019 auf der Münchner Theresienwiese.

Die Bilder der letzten Tage sind beeindruckend und machen Hoffnung im Kampf gegen Klimawandel und Kapitalismus: Tausende Aktivist*innen versammelten sich ab letzten Mittwoch in einem selbstorganisierten Protestcamp der Bewegung Ende Gelände, am Freitag demonstrierten zehntausende Schüler*innen von Fridays for Future aus ganz Europa in Aachen und dann legten Aktionen des zivilen Ungehorsams mit Blockaden und Besetzungsaktionen die Kohlebagger im Tagebau Garzweiler für 48 Stunden komplett still. Im September will die globale Klimabewegung den nächste Schritt machen. Doch dazu benötigt vor allem die Schülerstreikbewegung von Fridays for Future endlich Unterstützung von allen anderen Generationen: Am Freitag, 20. September 2019, wollen die jungen Klimaaktivist*innen weltweit in den Streik treten und eine globale Aktionswoche starten. „Streikt mit uns!“ ist die zentrale Aufforderung auch an die Gewerkschaften. Der Höhepunkt der Aktionswoche soll ein globaler „Earth-Strike“ am 27. September werden. Für diesen Tag rufen Fridays for Future, Extinction Rebellion, Demand Utopia und weitere Akteur*innen gemeinsam zu Aktionen auf.  Deshalb veröffentlicht HdS den transnationalen Aufruf von Fridays for Future, den Sprecher*innen der Klimastreikbewegung aus vielen Ländern Ende Mai verfasst haben (mb):

„Am Freitag gehen wir in großer Zahl in 110 Ländern bei mehr als 1350 Veranstaltungen auf die Straße und fordern, dass Regierungen umgehend einen sicheren Weg beschreiten, die Erderwärmung unter 1,5 Grad Celsius zu halten. Wir haben Wochen und Monate damit verbracht, diesen Tag vorzubereiten. Wir haben zahllose Stunden organisiert und mobilisiert, in denen wir auch einfach mit unseren Freunden herumhängen oder für die Schule hätten lernen können.

Wir, Kinder und junge Erwachsene, haben festgestellt, dass wir keine Wahl haben: Jahre sind mit Gerede vergangen, mit unzähligen Verhandlungen, mit nutzlosen Vereinbarungen zum Klimawandel. Firmen, die fossile Brennstoffe fördern, durften jahrzehntelang ungehindert in unseren Böden schürfen und unsere Zukunft abfackeln. Politiker wussten seit Jahrzehnten über den Klimawandel Bescheid. Sie haben ihre Verantwortung für unsere Zukunft bereitwillig Profiteuren überlassen, deren Suche nach schnellem Geld unsere Existenz bedroht.

Wir haben begriffen: Wenn wir nun nicht damit beginnen, für unsere Zukunft einzustehen, wird niemand anderes den Anfang machen. Wir selbst sind die, auf die wir gewartet haben.

Einmal mehr wird man unsere Stimmen auf den Straßen hören, aber es kann nicht nur an uns hängen bleiben.

Wir haben das Gefühl, dass viele Erwachsene noch nicht ganz verstanden haben, dass wir jungen Leute die Klimakrise nicht alleine aufhalten können. Tut uns leid, wenn Sie das nicht wahrhaben wollen. Aber das ist keine Aufgabe für eine einzelne Generation. Das ist eine Aufgabe für die gesamte Menschheit. Wir jungen Leute können unseren Beitrag für einen größeren Kampf leisten, und das kann einen großen Unterschied machen. Aber das funktioniert nur, wenn unser Aufschlag als Aufruf verstanden wird.

Fridays for Future: Demo in München am 24. Mai 2019. Foto: Petra Gerschner

Deswegen ist dies unsere Einladung. Am Freitag, 20. September, werden wir mit einem weltweiten Streik eine Aktionswoche für das Klima beginnen. Wir bitten Sie, sich uns anzuschließen. Es gibt in verschiedenen Teilen der Welt viele verschiedene Pläne für Erwachsene, sich zusammenzuschließen, Farbe zu bekennen und sich für unser Klima aus der Komfortzone herauszuwagen. Lasst uns diese Pläne zusammenbringen; gehen Sie an diesem Tag mit Ihren Nachbarn, Kollegen, Freunden und Familien auf die Straße, damit unsere Stimmen gehört werden und dies ein Wendepunkt in der Geschichte wird.

Es geht darum, Linien zu überschreiten – es geht darum zu rebellieren, wo immer man rebellieren kann. Es geht nicht darum zu sagen, „Yeah, was die Kids da tun, ist großartig, wäre ich noch jung, würde ich so was von mitmachen“. Das hilft uns nicht weiter, aber jeder kann und muss mithelfen.

Während der Französischen Revolution sind Mütter in Scharen für ihre Kinder auf die Straße gegangen. Heute kämpfen wir Kinder alleine für uns selbst, während so viele unserer Eltern damit beschäftigt sind zu diskutieren, ob unsere Noten gut sind, ob wir unsere Ernährung umstellen sollen oder was im „Game of Thrones“-Finale passiert ist – während unser Planet brennt.

„Wir zählen auf Sie“

Dieser Moment muss kommen. Der Bericht über den Klimawandel des Weltklimarates hat deutlich gemacht, was die noch nie dagewesenen Gefahren einer Erwärmung über 1,5 Grad Celsius bedeutet. Emissionen müssen rapide sinken, damit wir in unseren Mitt- und Spätzwanzigern in einer vollkommen anderen Welt leben.

Aber um alles zu verändern, brauchen wir alle. Es ist Zeit für uns alle, massenhaften Widerstand zu leisten – wir haben gezeigt, dass kollektive Aktionen funktionieren. Wir müssen den Druck erhöhen, um sicherzustellen, dass der Wandel passiert. Und wir müssen ihn gemeinsam beschleunigen.

Dies ist also unsere Chance – schließt euch unseren Klimastreiks und -aktionen in diesem September an. Die Menschen haben sich schon oft zusammengetan, um Taten zu fordern und Wandel loszutreten, wenn wir das in großer Zahl tun, haben wir eine Chance. Wenn uns das wirklich wichtig ist, müssen wir mehr tun, als zu sagen, dass das wichtig ist. Wir müssen handeln.

Dies wird nicht der letzte Tag sein, an dem wir auf die Straße ziehen müssen, aber es wird ein neuer Anfang sein.

Wir zählen auf Sie.“

Greta Thunberg (Schweden), Kyra Gantois (Belgien), Luisa Neubauer (Deutschland), Eslem Demirel (Schweiz), Noga Levy-Rapoport (Großbritannien), Isra Hirsi (USA), Angela Valenzuela (Chile), Martial Breton (Frankreich), Nurul Fitrah Marican (Malaysia), Asees Kandhari (Indien), Jessica Dewhurst (Südafrika), Alexandria Villasenor (USA), Jonas Kampus (Schweiz), George Bond (Großbritannien), Lena Bühler (Schweiz), Kallan Benson (USA), Linus Dolder (Schweiz), Beth Irving (Großbritannien), Zel Whiting (Australien), Marenthe Middelhoff (Niederlande), Lubna Wasim (Indien), Radhika Castle (Indien), Zhang Tingwei (Taiwan), Parvez Patel (Indien), Wu Chun-Hei (Taiwan), Anjali Pant (Indien), Tristan Vanoni (Frankreich), Luca Salis (Deutschland), Brian Wallang (Indien), Anisha George (Indien), Hiroto Inoue (Japan), Haven Coleman (USA), Maddy Fernands (USA), Feliquan Charlemagne (USA), Salomée Levy (USA), Karla Stephan (USA), Anya Sastry (USA), Claudio Ramirez Betancourt (Chile), Vicente Gamboa Soto (Chile), Julia Weder (Kanada), Lilly Platt (Niederlande), Balder Claassen (Niederlande), Kassel Hingee (Japan), Maria Astefanoaei (Japan), Pavol Mulinka (Slovakei).

weitere Infos unter:

https://www.ende-gelaende.org/de/

https://fridaysforfuture.de/

Kommentare
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    Volker
    Antworten

    (…) und dann legten Aktionen des zivilen Ungehorsams mit Blockaden und Besetzungsaktionen die Kohlebagger im Tagebau Garzweiler für 48 Stunden komplett still.

    Das passte Wirtschaft und Politik nicht und schickten Militär Polizeitruppen. Soll ja wieder heftig gewesen sein, und RWE will zivilen Ungehorsam sogar verklagen, weil – man staune und reibe sich die Augen – Schaden wegen Verdienstausfall für Konzern und Aktionäre entstanden sei. Äh, noch einmal: Klimakiller und Krebsverursacher erleiden Schaden! – verdrehte Welt, echt jetzt. Dazu klagen Landwirte wegen Trampelspuren auf Feldern, obwohl sie – einst fruchtbare Böden – systematisch kaputtackern und krebserregende Chemie versprühen. Äh, noch einmal: Bauern finden zivilen Ungehorsam für eine intakte Umwelt gar nicht toll, lassen sich lieber subventionieren.

    Man kann ja froh sein, dass in Deutschland noch keine Kinder/Heranwachsende verprügelt werden, oder Staatspädagogen Eltern an den Kragen wollen, weil sie ihre Kinder als nicht-systemkonform verloddern lassen, das Sorgerecht entziehen und Nachwuchs auf Linie bringen, unter staatlicher Aufsicht in privatisierten Besserungsanstalten. Klar, sowas wird hier nicht und niemals geschehen, man muß nur fest daran glauben.

    Sollte RWE, wegen kleinen Cyberattacken, ernsthaft belästigt werden, war’s nicht der böse Russe, wohl eher eine Schüler-AG mit digitaler Ausrüstung, gesponsert vom Kultusministerium zwecks Weiterbildung for future – nur mal so als Tip.

     

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