Corona macht Arme ärmer und kränker

 in FEATURED, Politik (Ausland)

Was machen eigentlich Obdachlose, wenn Ausgangssperre ist? Wie sind Abstandsgebote einhaltbar, wenn man als Familie – auch mit Schulkindern – in einer kleinen Wohnung eingepfercht ist? Wie kommen Hartz-IV-Betroffene klar, wenn die Tafeln überall geschlossen sind? Und sind sie wegen der schlechteren Ernährungs- und Unterbringungssituation und dem andauernden psychosozialen Stress nicht besonders anfällig für Infektionen? Und wie kommen die vielen Neu-Hartz-IV-Betroffenen, die soeben wegen der Corona-Maßnahmen ihre Arbeit verloren haben, mit der Situation zurecht? Die meisten machen sich über solche Fragen gar keine Gedanken. Die Politiker, die dafür zuständig sind, allerdings offenbar auch nicht. Acht- und gnadenlos wird über die Besonderheiten in der Situation dieser Menschen hinweggegangen. Da ist der Strafbefehl für Wohnungslose, die die Ausgangssperre nicht einzuhalten vermögen und vielleicht noch widerrechtlich im Freien Alkohol tranken, für die Ordnungshüter nichts weiter als Berufsroutine. Ein Statement von Frieder Claus, Unabhängige Hartz-IV-Beratung Heimstatt Esslingen e.V.

Arme tragen in der Coronakrise das größere Risiko und die größeren Lasten, bekommen aber die geringsten Hilfen. Nirgends wird das so deutlich, wie beim Blick auf den Globus. Während die riskanten Impfversuche fast durchweg in den armen Ländern stattfanden und die Menschen dort die Versuchskaninchen für uns Reiche spielten, bekommen sie jetzt am Wenigsten vom erprobten Impfstoff. Doch auch innerhalb unseres reichen Landes funktioniert dieser Mechanismus bestens, was in den folgenden fünf Aspekten dargestellt werden soll.

Dabei muss vorangestellt werden, dass wir bereits viele medizinische Daten zu Covid-19 haben, aber nur sehr wenige mit Verknüpfungen zum Sozialstatus, also welche Lebens- und Arbeitsbedingungen abträglich für Erkrankung und Verlauf sind samt den sozialen Folgen für Betroffene, ihre Familien und Kinder. Die Infektiologin Muge Cevik berät die britische Regierung in der Pandemie. Sie sagt: „Viel wichtiger als die Ausbreitung von Mutanten zu stoppen, ist es, die Menschen in den sozial benachteiligten Gegenden besser zu schützen.“

Ohne Bezug auf soziale Daten wird die Impfreihenfolge aber nur nach Alter und beruflicher Erfordernis festgelegt. 14 von 16 Bundesländern haben nach Recherchen von NDR, WDR und SZ keine Erkenntnisse darüber, welche Menschen sich besonders häufig mit Corona infizieren. Die Landesregierung Sachsen teilte etwa auf Anfrage mit: „Zur sozialen Herkunft liegen uns keine Daten vor“. Ein Schelm, der Böses dabei denkt…

1. Arme tragen das größere Risiko

Die schlecht bezahlten Jobs liegen häufig im Risikobereich der Pandemie und/oder sind schlecht geschützt. Das betrifft nicht nur die Pflege im Altenheim oder Krankenhaus, sondern geht über Erzieherinnen, Kassiererinnen, Arzthelferinnen, Friseusen, Post- und Paketzusteller bis hin zu den Hotspots der Schlachtbetriebe mit schlechten Massenunterkünften. Die Beschäftigten können kaum im Homeoffice arbeiten und sind zumeist zur Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel gezwungen.

Doch auch Erwerbslose tragen ein erhöhtes Risiko. Deutlich sichtbar etwa bei Obdachlosen ohne Schutz einer eigenen Häuslichkeit. Sie müssen schon durch ihr bloßes Dasein gegen Ausgangsverbote verstoßen und können im Lockdown Hygienegebote gar nicht einhalten. Nach einer Untersuchung der AOK Rheinland / Hamburg haben Hartz-IV-Bezieher ein um 84% erhöhtes Risiko für einen schwereren Verlauf der Krankheit. Ein wesentlicher Faktor dabei dürften die ungesünderen Lebens- und Wohnverhältnisse sein.

Erste vereinzelte Daten aus Hamburg, Berlin, Bremen, Bochum oder Duisburg zeigen signifikante Abweichungen in den Infektionszahlen armer und reicher Stadteile. So ist das Infektonsrisiko in Berlin-Neukölln etwa fast doppelt so hoch wie im benachbarten Treptow-Köpenick mit gehobener Sozialstruktur. „In Stadteilen mit hoher Wohnraumdichte, niedrigem Durchschnittsseinkommen und höheren Armutsquoten haben wir höhere Neuinfektionsquoten gehabt“, sagt der Sprecher der Bremer Gesundheitssenatorin. Die englische Health Foundation Studie kommt zu diesem Ergebnis: Überlastete Wohnsituation führte zur raschen Corona-Ausbreitung und einer Vielzahl an Todesfällen im Vereinigten Königreich. Das Virus hatte sich vor allem in beschränkten Wohnformen und kleinen Wohnräumen erfolgreicher ausgebreitet. Darum seien auch ärmere Menschen und ethnische Minderheiten in einem höheren Ausmaß von der Virus-Pandemie betroffen.

Menschen, die in Häusern mit viel Lebensraum wohnen, hätten hingegen ein weit geringeres Infektionsrisiko. In der Unabhängigen Hartz-IV-Beratung im Landkreis Esslingen hatten wir Infizierte, die mit ihrer 5-köpfigen Familie in 2 Zimmern hausen und keine Chance hatten, den erforderlichen Abstand zur Familie einzuhalten. Mit einem schwierig durchführbaren Homeschooling wurden gerade auch Kinder zu besonderen Opfern beengter Wohnverhältnisse. Nach der Statstik des Jobcenters Esslingen gibt es über 100 vierköpfige Familien, die in Wohnungen zwischen 40 und 60 qm hausen. Und immerhin noch 22 Familien mit fünf Köpfen, die sich dort hineinzwängen. Nach Abzug von 15-20 qm für Küche, Bad, WC und Flur bleibt da nicht mehr viel für die Zimmer.

Bundesweit leben aber ca. 8% der deutschen Bevölkerung in überbelegten Wohnungen. Gesundheitliche Risiken in der Pandemie dürfen nicht nur auf die Infektion begrenzt werden. Die Gesundheit von armen Kindern ist auch in weiterem Sinn besonders gefährdet. Nach einer Studie des Uni-Klinikums HH-Eppendorf war jedes dritte Kind in der Pandemie psychisch auffällig, zuvor nur jedes fünfte Kind. Dabei sind die psychischen Probleme bei armen Kindern nach einer Untersuchung des Deutschen Jugendinstituts doppelt so häufig wie bei finanziell Bessergestellten. Der soziale Zusammenhang zwischen Krankheit und Armut beginnt früh.

2. Arme tragen die größeren Lasten

Nach einer Untersuchung der Hans-Böckler-Stiftung im Oktober 2020 gab es bei Einkommen bis 900 € Verluste von 49%, bei Einkommen von über 4.500 € lagen diese nur bei 26%. Einkommen unter 1.500 € monatlich netto waren zu 40% von Kurzarbeit betroffen, bei über 4.500 € nur von 11%. Die stark Betroffenen zeigten sich deutlich empfänglicher für Verschwörungsmythen zu Corona. Je prekärer Arbeitsverhältnisse sind, umso dünner wird der soziale Schutz. Ein großer Teil der Alleinerziehenden in unserem Esslinger Beratungsnetzwerk hat nur einen Minijob. Für diese Jobs gibt es aber kein Kurzarbeitergeld, Kündigungen in diesem Bereich werden häufig rigoros umgesetzt – ex und hopp.

Auch die kleineren Einkommen, die bei Familien häufig zusätzliche Hartz-IV-Leistungen erfordern, haben bei Kurzarbeitergeld von 60% ohne bzw. 67% mit Kindern noch weitere und unvermutete Einbußen. Behalten werden darf im Hartz-IV-Bezug nur ein Freibetrag mit höchstens 330 €. Der wird normalerweise aus dem Brutto berechnet. Er reduziert sich beim Kurzarbeitergeld von nur noch 60/67% schon mal deutlich. Da es hier aber kein Brutto gibt, rechnet sich der Freibetrag dann überraschenderweise auch nur noch aus dem viel niedrigeren Nettobetrag. Ergebnis: Der Freibetrag sinkt gleich zwei Mal. Einmal durch das reduzierte Kurzarbeitergeld und dann noch einmal durch die Errechnung aus dem niedrigeren Nettobetrag. Je geringer das vorherige Einkommen ist, um so überproportionaler sind die Einbußen beim Freibetrag in Hartz IV, da können ganz unvermutet gleich nochmal 100 € von einem kargen Einkommen wegfallen. Für die Betroffenen sind das enorme Beträge.

In unserer Beratung gibt es viele Familien, die ihre vom Jobcenter auf die Mietobergrenzen abgesenkte Miete mit diesem Freibetrag ins Lot bringen. Das Erschrecken ist groß, wenn bei Kurzarbeit dieser Freibetrag geschrumpft ist und nicht mehr für die volle Miete reicht – oder im Fall des Arbeitsplatzverlustes ganz weggebrochen ist. Auch Beratung kann da nicht vor Verarmung und drohendem Wohnungsverlust schützen.

Generell lässt die dauerhafte Geldnot in Hartz IV keinen Spielraum für Zusatzbelastungen wie Wegfall von Tafeln, Mittagessen, Sozialkaufhäusern, Second-Hand-Läden, Schulessen für die Kinder, Masken, Hygiene u.a.m. Ausgleichende Hilfen gab es dafür über ein Jahr lang nicht. Zur dürftigen Einmalzahlung im Mai 2021 dann im nächsten Punkt.

3.Arme erhalten geringere Hilfen

Während für Unternehmen und Selbständige – bei allen Stolpersteinen – milliardenschwere Hilfspakete geschnürt wurden, warteten Sozialleistungsempfänger ein Jahr vergeblich auf Hilfen, die ihre Zusatzbelastungen bei dauerhafter Geldnot erträglicher machen. Ein noch nie dagewesenes Bündnis von 41 Verbänden und Gewerkschaften hatte im Februar 2021 die Erhöhung des trickreich kleingerechneten Regelsatzes von 446 € auf 600 € gefordert, um die Betroffenen endlich einen minimalen haushälterischen Spielraum zu verschaffen. Zusätzlich über die Zeit der Pandemie einen monatlichen Bonus von 100 € für die besonderen Belastungen. Die Antwort der Regierung war – nicht zum ersten Mal – erbärmlich: eine Einmalzahlung im Mai 2021 mit 150 €. Nach 15 Monaten Pandemie gerade mal 10 € pro Monat – erbärmlich eben.

Der Fairness halber sei erwähnt, dass im März 2020 im Rahmen eines erleichterten Zugangs zu sozialer Sicherung die Vermögensprüfung für Hartz-IV-Leistungen übergangsweise außer Kraft gesetzt wurde. Damit wurde verhindert, dass Bessergestellte nach Arbeitsplatzverlust in der Pandemie gleich um ihr Erspartes fürchten mussten, soweit dies nicht erheblich war. Allerdings können Jobcenter diesen Schutz mit kreativer Gestaltung der Bewilligungszeiträume schon nach 6 Monaten außer Kraft setzen. Auch die Absenkung der Mietkosten auf die markzremden „Mietobergrenzen“, mit denen die Jobcenter die zulässigen Mieten von Hartz-IV-Empfängern deckeln, wurde um ein halbes Jahr aufgeschoben. Das Überleben mit dem unzulänglichen Regelsatz – bei Paaren gerade mal 401 € pro Person für den Monat – wurde damit aber nicht leichter. Und wer etwa im April 2020 nach coronabedingtem Arbeitsplatzverlust in die Hartz-IV-Mühle geriet, erhielt schon im Oktober die Aufforderung zum Wohnungswechsel, wenn die Mietkosten über den schäbigen örtlichen Mietobergrenzen lagen.

Enorm schwer haben es Menschen mit Sprachproblemen, deren Beratungsbedarf in der monströsen Bürokratie weder digital noch telefonisch umgesetzt werden kann. Dabei ergeben sich Sprachprobleme in der Hartz-IV-Welt auch für viele deutsche Muttersprachler, die ihre Not nicht in Bedarfe und Ansprüche übersetzen können. Die Jobcenter sind im Lockdown, „Notfallsprechstunden“ werden formal nicht angeboten, Durchwahlnummern der Sachbearbeiter sind geheim und die „Hotline“ führt zu Callcentern unbekannten Ortes, die statt Abhilfe einen Rückruf versprechen. Nach dem Eindruck von Beratungsdiensten scheitert ein Großteil der Ratsuchenden an diesen Hürden. Makabres Beispiel: „Sie werden zurückgerufen.“ „Aber ich hab doch gar kein Telefon.“ „Jetzt seien Sie nicht so ungeduldig, wir rufen Sie zurück.“ „Urx.“ Aufgelegt. Dazu die Rechtslage nach § 17 SGB I: ‚Leistungsträger sind verpflichtet, dass ihre Verwaltungs- und Dienstgebäude frei von Zugangs- und Kommunikationsbarrieren sind…‘. “Urx.“

4. Digitales Lernen verschärft Ungleichheit

Viele Kinder aus armen Familien müssen mit dem kleinen Handybildschirm lernen, in manchen Familien teilen sich mehrere Personen ein Handy. Laut Institut der deutschen Wirtschaft besitzt nicht einmal jeder siebte 12-Jährige aus Hartz-IV-Haushalten einen eigenen Rechner, gerade mal die Hälfte des deutschen Durchschnittswerts. Stabiles W-Lan und Drucker gibt es in vielen armen Haushalten auch nicht. In beengten Wohnungen fehlt es also an einem geeigneten Arbeitsplatz für die Kinder und an einer ungestörten Lernatmosphäre. Das soziale Bildungsgefälle verschärft sich.Anfang Februar hat sich die Bundesagentur endlich dem Druck zahlreicher Gerichte gebeugt und grünes Licht für insgesamt 350 € für Laptop, Drucker und weiteres Zubehör gegeben, soweit für Onlineunterricht an allgemeinbildenden und beruflichen Schulen notwendig und von der Schule kein Gerät gestellt wird.

Schwierig ist für viele Kinder zunächst die Frage, wer ihnen die Bedienung des Rechners zeigt, wenn Eltern nicht helfen können oder ältere Geschwister fehlen. Probleme macht auch die Engführung auf zwei Schultypen, für Gymnasiasten, Studierende u.a. gibt es gar keinen Anspruch. Auch Empfänger von Wohngeld, Kinderzuschlag oder Asylbewerberleistungen sind ausgeschlossen. Kein durchdachtes Konzept, um Ungleichheit in der Bildung für Arme zu beseitigen.

5. Die Ärmsten der Armen: kriminalisiert und nicht besonders schutzwürdig

Menschen, die ganz ohne Obdach auf der Straße leben, wurden in den Lockdown-Regelungen einfach vergessen. Es wurde nicht bedacht, dass sie viele Einschränkungen gar nicht umsetzen können. Zuhause bleiben geht eben nicht, wenn man kein Zuhause hat. Fast zwangsläufig kommt es deshalb zu Verstößen gegen das Ausgangsverbot, dem Verbot von Zusammenkünften von mehreren Personen und dem Alkoholverbot in der Öffentlichkeit. Bei Ausgangssperren müssen Obdachlose einfach aufgrund ihres „Da-Seins“ eine Ordnungswidrigkeit begehen, sie können sich nicht ab 20 Uhr in Luft auflösen.

Betroffene Obdachlose fanden in vorliegenden Fällen kaum geeignete Beratung. Wenn nach der Corona-Verordnung Verstöße gegen das Alkoholverbot mit einem Bußgeld von 200 € sanktioniert werden, konnten ihnen die Berater i.d.R. nicht sagen, dass das höherstehende Ordnungswidrigkeitsgesetz im Einzelfall auch eine Buße von 5 € oder eine Einstellung wegen Geringfügigkeit zulässt. Einsprüche führten beim Amtsgericht dagegen zwingend zu einem Strafbefehl zzgl. Gerichtskosten, weil dem Amtsrichter eine gesetzliche Handhabe zur Berücksichtigung der Obdachlosigkeit fehlt. Last not least: man stelle sich vor, dass den Bundesbürgern neben den Kontaktbeschränkungen zuhause auch noch ein monatelanges Alkoholverbot auferlegt worden wäre – wohl der Beginn einer Revolution.

Am 26.2.2021 hat das Sozialministerium BW die Impfberechtigung für Wohnungslose auf Kategorie 2 hochgestuft, was grundsätzlich zu begrüßen ist. Dabei kam es jedoch zu sinnwidrigen Regelungslücken, die ausgerechnet die vulnerabelste Gruppe von der Impfung ausschließen.

Es ist die besonders gefährdete Gruppe der Menschen ohne jegliche Unterkunft, die in Kälte, Dreck und Regen und damit ohne den Schutz eigener Häuslichkeit leben. Impfberechtigt sind nämlich nur Personen, die in der Einrichtung einer Wohnungslosenhilfe „untergebracht oder tätig“ sind. Beides ist bei Menschen gänzlich ohne Unterkunft nicht der Fall. Dabei sind sie viel ungeschützter als die große Masse der „Untergebrachten“ in gesicherten Wohnformen.

Insgesamt hat die Pandemie die Kluft zwischen Arm und Reich vergrößert. Einen ganz wesentlichen Teil dazu hat die armutspolitische Ignoranz der maßgeblichen Akteure beigesteuert. Die Pandemie hat die soziale Spaltung als chronische Erkrankung unserer Gesellschaft offengelegt, die nicht durch Virologen gelöst werden kann.

6.März 2021, Frieder Claus, Unabhängige Hartz-IV-Beratung Heimstatt Esslingen e.V.

Mehr infos: https://www.heimstatt-esslingen.de/

https://www.die-anstifter.de/

Showing 8 comments
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    Ulrike Spurgat
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    Vielen Dank und genau da liegt der Hase im Pfeffer.  Diese unfassbaren Sauereien werden hingenommen, schön geredet, überredet oder gar ignoriert. Noch besser, man beschäftigt sich besser mit Themen die sich in der Birne abspielen und keine Auseinandersetzungen oder gar Diskussionen zur Folge haben…

    Selbst hier wird erkennbar wie die Prioritäten gesetzt werden.

    Es ist ein gesamtgesellschaftliches Armutszeugnis, dass Menschen täglich verloren gehen. Sie nicht mehr auffindbar erzählen Kollegen. Unter Brücken, auf Park Bänken und stillgelegten Bahnhöfen überleben sie, meist alleine und sich selbst überlassen.

    Der Kälte Bus mit den Kollegen der Obdachlosen Hilfe hier vor Ort hat eine großartige Arbeit in den kalten Nächten geleistet die deutlich zeigt, dass der Mensch dem Menschen in tiefster Not und Einsamkeit mit einem freundlichem Wort und einer Umarmung, mit einem warmen Essen, einem heißen Getränk, Hygieneartikeln , einer warmen Decke und Bekleidung begegnet.

    50 000 obdachlose Menschen leben IMMER auf der Straße, so die Info der Wohnungslosenhilfe e.V. Berlin.

    Es ist und bleibt die soziale Frage die unverhandelbar ist. Diese Gesellschaft hat mehr als kläglich versagt. Vor Corona hat man sich bereits den relevanten Themen verweigert. Der neue Armuts- und Reichtums Bericht liegt als Entwurf vor und ist erschreckend in dem was ich dort lese.

    Verfahren und Widersprüche verzögern sich mit der ewigen Corona Begründung

    Allen ist zu danken die seit Jahrzehnten die Rechte derer verteidigen die es selber zur Zeit nicht können und dabei nicht selten über Grenzen gehen.

    Frieder Claus, sie machen eine unverzichtbare Arbeit und ich danke der Redaktion für die Veröffentlichung.

    In einem „Rechtsstaat“ sollte doch zumindest die Möglichkeit des Widerspruchs bestehen gerade bei „Verstößen“ gegen ein dem GG gegenüber untergeordnetes Infektionsschutzgesetz. Wobei es egal ist ob es sich dabei um die ollen Maulkörbe oder um das  menschenunwürdige Verhalten des Staates und seiner Institutionen handelt.

    Es sind unzumutbare Härten die die Ärmsten der Armen treffen.

    „Es rettet uns KEIN HÖHERES WESEN, kein GOTT, kein Kaiser, noch Tribun, uns aus dem Elend zu erlösen können wir nur selber tun!“

     

     

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    Volker
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    Ah ja. Rentenerhöhung für dieses Jahr auf Null gesetzt, somit gibt es nächstes Jahr keinen einzigen Überlebens-Cent zusätzlich für Existenzminimierte im Almosenbezug Grundsicherung. Macht ja nix, ärmer als arm ist zwar erwünscht wäre ein nicht messbarer Wert oder Zufall. Und: halbtot ist immerhin nicht ganz tot – so die ausschlaggebende Logik.

    Im Mai winken 150 Euro einmaliger Krisenzuschlag für das Krisenjahr 021, dank Hellsicht sozialen Krisenmanagements in düsteren Armutszeiten, die da kamen aus heiterem Himmel. Man war wohl überrascht wie auch bestürzt darüber, konnte niemand ahnen, nicht einmal Armut selbst, dabei ist sie Experte*in, und anerkannt dazu. Muh – wir spielen Blindekuh mit Knüppel für das Pack.

    Immerhin, und dies ist der Trick, um selbstverantwortlich ++ glucks ++ seinen Grundsicherungsdefizit auszugleichen, in beide Hände nehmend, mit kalkulierten Blick auf 022: spare 021, so generiert sich dein Gewinn für 022. Klar, völlig logisch. Man muss es nur wollen, Disziplin ist angesagt, sonst Loch im Warenkorb.

    Bin schon glücklich darüber, dass meine Existenz als Härtefall noch steuerfrei und ohne Strafzins belastet. Obwohl, genauer betrachtet….

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    Juergen W
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    Die heutigen Bilder aus Kassel machen mir tatsächlich Mut – null Asbest-Masken, null Abstand, klasse. Das würde ich mir in der synthetisch-grünen Stadt Oldenburg auch wuenschen. Die Realität sieht leider, gerade für Obdachlose ganz anders aus – sie stören, irgendwie, das Bild. Das Bild einer florierenden Stadt, die man sich irgendwie zurechtgeredet hat. Das letzte Jahrzehnt würde ich, bezogen auf mein Oldenburger Umfeld, als hedonistisch bezeichnen. Das Jetzt wird wohl für viele als Apokalypse empfunden werden. Kein Urlaub! Sorry, Mitgefühl für Obdachlose wird es in dieser Zeit, in der jeder bereitwillig seinen rrrechten Arm hebt, um sich freiwillig impfen zu lassen, wohlwissend, dass diese Impfung riskant ist, nicht geben. Punkt. Besucht mal Oldenburg. Aber lasst euch bloss vorher testen, testen, testen! In Oldenburg ist alles voll korrekt, da wird nicht geschludert. Alles 100% Gates/Merkel/Baerbaum/Habeck-Konform. Total hygienisch und – leblos steril. Tot. Kein guter Ort für euch, liebe Obdachlose.

    Denn: Hier, in dieser reichen, grünen Oase könnt ihr nicht mal pinkeln.

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      Freiherr
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      Ja – kenn ich auch, solche sterilgmachten Städte.

      Oldenburg in Oldenburg, richtig ?

      München – damals ein sehr lebendiger Ort, südländisch – legeres Flair, Schwabing, Giesing, Laim, Pasing, Neuhausen u,sw, –

      fast alle Stadtteile mir eigenständiger Kultur, sprudelndes Leben… es hat gemenschelt.

      Die Ausgegrenzten gehörten noch zum Stadtbild, da hatte die “ Weltstadt mit Herz “ auch noch Herz .

      Dann hat man begonnen das Leben aus der Stadt zu vertreiben, kein schöner Anblick für Touristen, steril gemacht, ja. Die Kultur sterilisiert – kalt, unpersönlich, synthetisch – no place to be anymore.

      Der cut zwischen ca. 1970 und heute ist dramatisch fürchterlich.

      Aber so ist es wohl überall, das ist der deutsche saubergekehrte bürgerliche Faschismus, leblose Postkartenansichten.

      Kalt ist es geworden in Germany – bitterkalt, gesellig ist man nicht mehr, vor allem in den Städten, sterile Gesellschaft. ( auch schon vor diesem Pandemieschwindel ).

      Hier im Wald grüsst man sich noch, Jeder Jeden, auch Fremde – Kleinkinder sagen Sevus oder Griass Di…

      trotzdem aber auch hier in den etwas grösseren Kleinstädten wie Deggendorf die Sterilität längst zu spüren.

      Diese Entmenschlichung in der Gesellschaft ist ein ständig spürbarer seelisch krankmachender Druck.

       

       

       

       

       

       

       

       

       

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    Ulrike Spurgat
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    Moin sagt man in Oldenburg – und dass – zu jeder Tages und Nachtzeit.

    Da ist sie wieder die Wehmut die sich ungefragt  in mein Leben einschleicht.

    Oldenburg hat linke Geschichte geschrieben.

    Die Stadt war voller Leben mit Eck Kneipen in den Vierteln, kleine familiengeführte Handwerksbetriebe, eine Vielfalt an kulinarischen Genüssen gab es fast zu jeder Zeit. Das „Casablanca“ könnte man fast legendär nennen. Ein echter Treffpunkt für alle Nachtschwärmer mit alten Kinoplakaten bestückt ,geiler Mucke und den besten alten und neuen Filme. Irgendwann rund erneuert….

    Oldenburg war eine lebendige Stadt die zu feiern verstand.

    Alternative Künstler haben hier ein Zuhause gefunden. Der jährliche Kultursommer und das Stadtfest. Die Straßenmusikanten die die Innenstadt zum Klingen brachten, und der Verkauf von Asphalt der Obdachlosenzeitung waren ein fester Bestandteil einer Stadt die offen war und wofür Ausgrenzung kein Platz gewesen ist.

    Der Kampf um die Namensgebung der „Carl von Ossietzky Universität“ begann zu Beginn der siebziger Jahre des letzten Jahrhunderts und ging bis in die sogenannte Mitte der Gesellschaft.

    Bedenkt man dabei, dass Oldenburg als eine Angestellten und Beamtenstadt galt die 1933 den größten NSDAP Stimmenanteil im Land hatte umso leichter lässt sich in der Rückschau verstehen was das für ein Erfolg für unseren gemeinsamen Kampf der Studenten, der Mitarbeiter und der Lehrenden und letztendlich darüber hinaus für die ganze Republik gewesen ist.

    Das Land Niedersachsen mit dem Hofnarren Schröder und all ihren reaktionären Stiefelleckern die gegen die kämpfenden Studenten und Universitätsmitarbeitern, den Hochschullehrenden und Professoren alles anderes als zimperlich vorgegangen sind haben wir uns mit allem Widerstand entgegengestellt.

    Das Banner mit der Friedenstaube als Symbol auf dem Dach der Uni, dass den Geist des Friedens, der Freundschaft und der Solidarität sich über die Stadt und ihre Bevölkerung legte ist zu einer bleibenden Erinnerung geworden.

    Vergessen darf man dabei aber nicht, dass ein ganz großer Anteil in der Bevölkerung mehr als konservativ ist. Man wollte von Seiten der Stadt und einflussreichen Kreisen im Land, dass der Namensgeber „“Graf Anton Günther“ sein sollte. Elitäre Kreise wollten ihren „Graf Anton“….

    Dieses haben wir zu verhindern gewusst. Wir haben mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln gekämpft gegen eine Bezirksregierung und gegen alle, die mit den schmutzigsten Methoden uns bekämpft haben.

    Was hat man uns mit Berufsverboten und Rufmord überschüttet. Doch wir wurden immer mehr. Aus allen Teilen des Landes, der DDR, Europa, Lateinamerika sind wir im Geist des Internationalismus „getragen“ worden….und haben diesen Kampf gegen den Staat und gegen das Land Niedersachsen gewonnen.

    Erst Mitte der 1980ziger Jahre war der Kampf um die Namensgebung „Carl von Ossietzky“ offiziell beendet.

    Die Entscheidung für den Namen hat der Gründungsausschuss noch als  Pädagogische Hochschule so begründet: Carl von Ossietzky, Antifaschist und Friedenskämpfer. Im Konzentrationslager Esterwegen als Häftling mit der Nr:. 561 bestialischen Folterungen und Demütigungen ausgeliefert wie viele seiner Mit Häftlinge. Herausgeber der Weltbühne. Bei der u.a. Kurt Tucholsky, Erich Kästner, Erich Mühsam, Arnold Zweig ihre Artikel schrieben. Der Friedensnobelpreisträger Ossietzky und nicht zuletzt das „Nieder wieder Faschismus und Krieg“  als eine fortwährende Mahnung mit der Namensgebung daran erinnern über die Zeiten hinweg erinnern soll.

    Polizeieigewalt war leider ein ständiger Begleiter in dieser rebellischen Zeit.

    Die Uni war unter ständiger Beobachtung des Verfassungsschutzes.

    Nichts und niemand hätte uns davon abhalten können im Geiste Ossietzkys für die Freiheit von Forschung und Lehre, die für eine Wissenschaft die dem Menschen  und dem Frieden dient.

    Eine gute und sinnvolle Zeit.

    Immer wieder treibt es mich nach Esterwegen an den Ort des Grauens den die Häftlinge „Die Hölle im Moor“ nannten. Wo das berühmte Widerstandslied entstanden ist „Die Moorsoldaten“ und die Erde von Blut getränkt bleibt. Wo die Staatsmacht alles dem Erdboden gleich gemacht hat was an das Grauen erinnern hätte können. Wo russische Kriegsgefangene immer dem Tod näher als dem Leben waren. Des nachts bei Minus Temperaturen nackt mit Wasser übergossen ihrem Schicksal überlassen. Ich könnte weinen und weinen… (Doktorarbeit – Die Geschichte der Emslandlager – 1989, Oldenburg)

    Selbst heute kämpft man wieder um Gelder um das Erbe Ossietzkys weiter führen zu können.

    Die fünfzehn Emslandlager waren der „Test“ für die Konzentrationslager Auschwitz, Buchenwald u.a.

    Keine Gnade kannten die Faschisten…. Ossietzky der körperlich schwere Arbeit als Mann der Worte und des Schreibens nicht gewohnt war hatte es wie auch Erich Mühsam extrem schwer….Erich Mühsam war Jude und Anarchist, der der „Rote Jude“ genannt wurde. Carl von Ossietzky hieß der „Bonzen Häftling.“  „Von dir wird gesprochen….,sonst würden wir dich tot schlagen!“

    Auf internationalen Druck kam Ossietzky frei. Dem Tod näher als dem Leben.

    1938 stirbt Carl von Ossietzky in einem Berliner Krankenhaus. An den Folgen von Folterung, ständiger Demütigung und Entmenschlichung.

    Spreche ich heute mit Studenten wird mir kotze schlecht: Brav, angepasst, auf Karriere getrimmt und langweilig.

    Es klappt mit der weiteren Verblödung. Die schlimmste Geißel der Menschheit ist die Dummheit. Die machen den Vogel Strauß und übersehen dabei den oder die die ihnen in den Arsch treten.

    Wessen Töchter und Söhne sind das denn nur ?

    Vielleicht gibt es Ausnahmen. Bislang noch keiner begegnet. Will aber die Hoffnung nicht aufgeben.

    Beste Grüße, Ulrike

     

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      Juergen W
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      Moin Ulrike, wie schön!

      Deine Wehmut für eine einstmals flotte Stadt spricht mir aus dem Herzen, bewahr dir diese Wehmut. Puh, aber irgendwie hat sich der Wind hier im Norden wohl gedreht. Das Pulsierende dieser kleinen Stadt ist durch fragwürdige Investment-Aktionen sehr, sehr gedämmt worden, sprich – alles Wohnen ist schrecklich teuer geworden. Wie überall.

      Um 1990 habe ich diese Stadt lieben gelernt, weil ich hier als Musiker Arbeit, super Kollegen und tolle Auftrittsorte fand. Alles gefiel mir.

      Am Beispiel der Lindenstrasse, in der meine Frau lange wohnte, lässt sich die Entwicklung eigentlich ganz gut illustrieren. Diese Strasse hat damals echt gelebt. Vom Opa bis zur Studenten-WG, vom Handwerker bis zum Beamten – hier fand sich alles. Sogar meine heiss geliebte Stamm-Eckkneipe „Litfaß“. Das hat mir sehr gut gefallen.

      So ab 2000 ist dann massiv abgerissen worden in der ganzen Stadt, bis jetzt, erbarmungslos! Der Neoliberalismus hat den Menschen komplett den Kopf verdreht, die individuellen Ansprüche schossen in´s Galaktische. Der saturierte LINKS/GRÜNE Bürger war kaum noch zufriedenzustellen, immer nörgelnd – und so satt. So kam es dann, dass ein xter Vermieter (eine Ratte) meiner Frau nach 16 Jahren Lindenstrasse gekündigt hat. Eigenbedarf. Basta.

      Dann folgte dieser Phase des Hedonismus, der logischerweise nur die Apokalypse folgen konnte, so eine Art „bräsige“ Entschleunigung (Framing). Leute, ihr habt so dermaßen dekadent gelebt, sorry, das konnte hier in Oldenburg doch nicht gut gehen. Dieser zelebrierte hohe Lebensstandard hat mich oft zu Wutanfällen verleitet, zu Streit. Ich habe dieses schnöselige Oldenburg gehasst. Bitte richtig lesen – nicht aus Neid. Das war mein Motiv für Unmut definitiv nicht.

      So, nun ist sie da, die Apokalypse, Corona. Puh, ist das anstrengend geworden. Sich aus der Schockstarre zu befreien, munter und heiter zu bleiben in einem überwiegend konformen Umfeld von verängstigten Beamten – denn OL ist eine Beamtenstadt. Irgendwie. Alles trauert der rebellischen Zeit nach und hängt doch der Kanzlerin am Rockzipfel. Das ist hier oben echt anstrengend geworden. Ich verstehe es nicht. Testen, testen, testen, Asbest-Lappen tragen und schnell, schnell impfen. Nicht mein Credo.

      Von dem Flair der Stadt ist m.E. wenig geblieben. Die kleinen und großen Läden werden aufgeben (müssen), die wirklich wunderbare Oldenburger Gastronomie wird dicht machen (müssen), die weltweit beste Uni-Veranstaltung „Komponisten-Colloquium (Violeta Dinescu)“ darf nicht und viele meiner mir vertrauten armen Menschen ohne Wohnsitz haben den Ort entweder verlassen oder sind wohl verstorben. Man sieht sie einfach nicht mehr.

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    Ulrike Spurgat
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    Nun bin ich aber baff !!!

    So ist das im Leben…..

    Eine echte Überraschung die mich freut.

    Nadorst ist mir sehr vertraut….. Im „Litfaß“ gibt es handgemachte irische Musik…., aber wem sag ich das.

    Du rennst offene Türen bei mir ein !

    Wer nicht vorwärts geht wird rückwärts wieder ins gestern stolpern.

    Sie sind alle wieder auch aus ihren braunen Löchern heraus gekrochen….“Der Schoß ist fruchtbar noch aus dem das kroch“ (Brecht)

    Deiner Einschätzung über die Lage des aktuellen Wohnungsmarktes auch in Oldenburg ist zuzustimmen.

    Unwiderbringlich bleibt der Verlust von Menschen die eine Bedeutung im und für das eigene Leben haben.

    Das Recht auf Wohnen ist ein Menschenrecht, dass dem schnöden Mammon geopfert wird und dem „freien Markt“ in den Rachen geschmissen.

    Geopfert werden Menschen die dringend unser aller Hilfe brauche. Und das sehr konkret und nicht als Gedankenspiel. Davon ist noch keiner satt geworden…

    So sind sie aus dem Schneider und sie sitzen warm und trocken in ihren Amtsstuben weit ab vom wirklichen Leben und spitzen ihre Bleistifte an…

    Eine schlimme Lebenssituation in dem sich viele meiner Mitmenschen befinden und es werden mehr. Die Not, die Ängste das „kleine Leben“ und damit die Kontrolle über sich und sein Leben nicht zu verlieren bedeutet einen Kraftakt den sich niemand vorstellen kann den viele Menschen nicht begreifen können.

    Brechen sie es runter und schauen was bleibt von ihrem Leben lässt sie der Kummer darüber krank werden. In all den vielen Gesprächen mit betroffenen Menschen ist eines ganz deutlich sichtbar: Wenn der Mensch dem Menschen nicht Freund sein kann in den stürmischen Zeiten wo vielleicht nichts mehr so ist wie man es kannte, wo die Ängste vor dem Morgen einem den Schlaf rauben können, dann hat eine Gesamtgesellschaft mehr als versagt. In Krisen zeigt sich wo man selber steht und was man bereit ist in die Waagschale zu werfen.

    Selbst die, die noch ein Dach über dem Kopf haben werden von Zukunftsängsten geschüttelt, denn das Geld reicht oft trotz einer Arbeit die meist schlecht bezahlt ist nicht für den Monat aus.

    In Oldenburg stehen Häuser in „bester Lage“ „leer“, weil sie von den Parasiten und Schmarotzern vielleicht einmal jährlich als „Domizil“ genutzt werden um Urlaub an der Nordsee zu machen.

    Tagtäglich bei Wind und Wetter um sein Überleben zu kämpfen, angefeindet von denen die letztendlich auf Kosten derer mit leben denen sie oftmals mit Verachtung, Nase rümpfen und einem „Selber schuld“ begegnen.

    Armer Mann trifft reichen Mann: „Wärst du nicht reich wär ich nicht arm“…(Brecht)

    Dabei freundlich zu bleiben und auf ein Almosen angewiesen zu sein erfordert so unendlich viel Kraft und Mut nicht aufzugeben und weiter zu machen.

    Dass soll erstmal einer nach nachmachen…mit diesen ständigen Ablehnungen und Demütigungen am Lebe zu bleiben…

    Und wieder geht der Satz einer Kollegin aus Hamburg durch meine Gedanken: „Zu uns kommen Menschen mit eingewachsenen Socken“.

    Nun bin ich wieder bei der sozialen Frage gelandet. Ich kann nicht anders.

    Darf ich die Frage stellen ob du ein Dach über dem Kopf hast oder noch auf der Suche nach Wohnraum bist ?

    Und eben fällt mir Kästner ein: „nicht von dem Kakao zu trinken durch den man gezogen wird.“

    Sei herzlich gegrüßt, Ulrike

     

     

     

     

     

     

     

     

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      Juergen W
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      Hallo Ulrike, danke für deine Zeilen. Ja, so klein ist die Welt zuweilen . . .

      Zu deiner Frage: Ich habe eine Wohnung und komme auch sonst ganz gut klar, denn ich habe noch eine Arbeit im sozialen (Drogen) Bereich gefunden. Gottlob! Ganz kurz zu meiner Person: bin 64, war mit Leib und Seele 48 Jahre davon im eher kleinen Rahmen als Musiker unterwegs, habe jede Sekunde davon genossen und bin eigentlich sehr, sehr dankbar für jeden Bereich meiner Vita. Sorgen bereitet mir natürlich die zunehmende soziale Ungerechtigkeit (Kälte) im Zuge der Corona-Maßnahmen und – natürlich – die allgemeine Akzeptanz totalitärer Maßnahmen, gerade im ROT/GRÜNEn Bildungsbürgertum, indem ich mich so bewege. Wie kann man so mit Kindern und Alten umgehen? Ich kapier´s nicht.

      Das Schicksal von Obdachlosen hat mich irgendwie schon immer gefesselt, ich spreche ganz gerne mal mit den Leuten und hatte auch noch nie irgendwelche Berührungsängste, in welcher Form auch immer. Auf diesem Weg habe ich halt schon einige Menschen „auf der Walz“ kennengelernt und evtl. auch mal unterstützt, mit meinen bescheidenen Möglichkeiten halt.

      Die Frage „Wo sind sie nur alle geblieben“ hat sich übrigens auch die Bahnhofsmission hier in OL schon gestellt. Schon auffällig. Das Corona-Hygiene Konzept trifft die Obdachlosen garantiert mit geballter, doppelter Wucht. Man mag sich gar nicht vorstellen, was es bedeutet, wenn alle öffentlichen sanitären Einrichtungen geschlossen sind . . . Zum Heulen.

      Ganz herzliche Grüße von Juergen

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