Das Übermaas

 In Egon W. Kreutzer, FEATURED, Politik (Inland)

Heiko Maas, Foto: Susie Knoll, Quelle: www.spdfraktion.de

Als Justizminister war er eher rechte Hand als „Gegenspieler“ des CDU-Innenministers. Das Netzwerkdurchsuchungsgesetz wird von Heiko Maas bleiben, wenn er mal nicht mehr ist. Als Außenminister ist er der Nachrücker par excellence, eine eher uninspirierte Personalentscheidung. Die Generation Hartz IV in der SPD sichert mit solchen bewährten „Mitspielern“ den Fortbestand ihres Lebenswerks. Egon W. Kreutzer zählt schon mal auf, welche Fähigkeiten ein idealer Außenminister mitbringen muss. (www.egon-w-kreutzer.de)

Ein lauter Ausruf des Entsetzens entfuhr mir just in dem Augenblick als ich gestern am Nachmittag, gerade vom Wocheneinkauf zurück, die Schlagzeile las:

Heiko Maas wird Außenminister.

Mag sein, dass er das sogar kann. Schließlich ist er Jurist, und Juristen ist alles zuzutrauen. Außerdem hat er gedient und sogar einmal ein Jahr lang richtig gearbeitet. Das war bei Ford in Köln, nach der Bundeswehr und vor dem Studium. Seitdem ist er mehr oder minder nur noch bei der SPD gewesen und hat dort für die SPD nachhaltig Wahlen verloren. Schenkten ihm 2003 die Wähler an der Saar noch 30,8 Prozent der Stimmen, waren es 2009 nur noch 24,5 Prozent. 2011 verlor er schließlich gegen Frau Kramp-Karrenbauer die Stichwahl um das Amt des Ministerpräsidenten.

So etwas macht einen Menschen entweder demütig oder duckmäuserisch und rachsüchtig.

Heiko Maas muss wohl unter die Demütigen gezählt werden, denn in aller Demut schuf er im Auftrag von Angela Merkel eines der vollkommensten Gesetzeswerke, die die Welt seit dem Codex Hammurapi je gesehen hat. In Kenntnis der Tatsache, dass Netzwerke durchsetzt sein können, womit auch immer, schuf er unvergängliche Regeln zur Förderung der Selbstreinigungkräfte von Netzwerken, wobei er jedoch nicht auf Einsicht oder Sachkunde setzte, sondern allein auf horrende Strafen, wie sie ansonsten nur von US-Anwaltskanzleien gegen europäische Automobilkonzerne gefordert werden.

Nun muss dem Demütigen nach langem Wahlkampf und innerparteilichen Saalschlachten offenbar zu Ohren gekommen sein, dass sein Wirken als Justizminister unter richtigen Juristen, gelinde gesagt, umstritten war. Mein Gott! Wie muss er, der alles richtig machen wollte und innerlich auch davon überzeugt blieb, alles richtig gemacht zu haben, von diesen ihn betreffenden, ungeheuerlichen Umtrieben verletzt worden sein!

Es kann nur vermutet werden, weil er zu bescheiden ist, sein Innerstes nach außen zu kehren, doch in dieser Situation muss er eigentlich, ein aufrechter und loyaler Charakter, der er nun einmal ist, zwingend daran gedacht haben, sein Gastspiel im Bund zu beenden und sich ins Saarland zurückzuziehen, wo man von ihm sowieso nichts mehr erwartet, was auch weitere Enttäuschungen unmöglich macht.

Doch dann kam wohl Andrea Nahles und appellierte an seine Loyalität. Schau, lieber Heiko, als Justizminister bist du nun ja verbrannt. Gut, das haben wir alle vorausgesehen, aber deine Gesetze werden dein Andenken, wenn du einst dahingeschieden sein wirst, weit überdauern. Es sei denn, du ergreifst eine neue Chance, die sich gerade jetzt auftut, Schau, ich weiß doch wirlich nicht, wie ich die sechs Ministerämter besetzen soll, die uns die Merkel überlassen hat, um weiterregieren zu können. Außer mir und dem Olaf ist da doch niemand mehr übrig in der SPD, auf den man sich verlassen könnte. Also bitte ich dich, nimm in aller Demut das Amt des Außenministers an. Das hat viele Vorteile:

Erstens gibt es keinen Studiengang „Deutscher Außenminister“, also kann dir auch keiner neunmalklug an die Karre fahren.

Außerdem kommst du viel in der Welt rum, und keiner rechnet deine Spesen so akribisch nach, wie damals an der Saar. Das war ja gan schön peinlich – wittewittewitt!

Dann lernst du viele wichtige Persönlichkeiten aus aller Welt kennen, die vielleicht irgendwann einmal, wenn wir nach 2021 nicht mehr mitregieren, eine Verwendung für einen tüchtigen Juristen, wenn schon ohne Berufserfahrung, so aber doch mit guten Kontakten haben könnten. Du darfst da nicht nur an das Land denken. Denk ruhig auch an dich. Selbstlosigkeit hat sich noch nie ausgezahlt.

Ach ja, was ich noch sagen wollte: Für das Amt des deutschen Außenministers reichen sieben einfache, kurze Ansagen, die nur an der richtigen Stelle gesagt werden müssen, um eine glänzende Figur abzugeben:

  • Das Existenzrecht des Staates Israel ist im Grundgesetz verankert und noch unantastbarer als die Würde des Menschen.
  • Die Freiheit des internationalen Handels ist im Grundgesetz verankert und unantastbar wie die Würde des Menschen.
  • Unsere besondere Verantwortung für den Weltfrieden ist im Grundgesetz verankert. Daher werden wir unseren Verbündeten jederzeit alle gewünschten militärischen Fähigkeiten zur Verfügung stellen, sollte es jemand wagen, diesen Frieden zu gefährden.
  • Ein Engegenkommen gegenüber Russland kann es erst geben, wenn die völkerrechtswidrige Annektion der Krim beendet ist und sich die russischen Truppen vollständig aus Syrien zurückgezogen haben.
  • Deutschland braucht eine starke EU und einige EU und wird daher gemeinsam mit Frankreich den Reformprozess zügig vorantreiben.
  • Waffenlieferungen in Krisenregionen wird es, wie schon in der Vergangenheit, unter einem SPD-Außenminister nicht geben.
  • China darf heute weniger denn je unterschätzt werden.
Und sollte irgendwann eine Frage auftauchen, auf die keine dieser Antworten auch nur annähernd passt, dann sagst du einfach: Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass ich mich vor einer abschließenden Beurteilung durch die gesamte Bundesregierung dazu jetzt nicht äußern kann.
Ob man bei einem Staatsbesuch Hände schüttelt, Nasen reibt oder sich stumm verbeugt, das bringen dir die Jungs vom Auswärtigen Amt schon bei.
Also, hab ich dein Ja?
Maas könnte dann gesagt haben: O.k., ich nehme es in aller Demut an. Aber bitte schreib mir die acht Sätze auf, damit ich sie mir bis zur Vereidigung einprägen kann.

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