Demnächst: Europas Drangsalierungspolitik gegenüber Griechenland im Film und im Internet

 In FEATURED, GRIECHENLAND, Holdger Platta

184. Bericht zu unserer Spendenaktion „Helfen wir den Menschen in Griechenland!“ / Holdger Platta

Zu Beginn ein paar Überlegungen zum Spendenwesen bei HdS. Des weiteren einige Friedensnachrichten aus dem Athener Anarchistenviertel Exarchia. Und schließlich ein paar Informationen zu Costa-Gavras‘ Film über die Griechenland-Krise im ersten Halbjahr 2015. HP

Liebe HdS-Leserinnen und liebe HdS-Leser,

sicherlich erinnert Ihr Euch noch an das gute Ergebnis aus der Vorwoche für unsere Spendenaktion zugunsten der notleidenden Menschen in Griechenland: 435,- Euro gingen auf unserem Hilfskonto ein, überwiesen von 11 UnterstützerInnen an uns. – Nun, in der letzten Woche konnten wir dieses gute Ergebnis nicht halten. Lediglich 30,- Euro durften wir an neuen Spenden verbuchen, lediglich 2 SpenderInnen sorgten für dieses Resultat. Selbstverständlich: wir danken den finanziellen Helferinnen und Helfern sehr. Und selbstverständlich wird sich dieser Betrag in den nächsten Wochen wieder erhöhen. Aber vielleicht sei mir an dieser Stelle doch eine kleine Zwischenreflexion gestattet.

Wir wissen, wir HdS-Macher haben Euch in den letzten Wochen so einiges an Spendenaufrufen zugemutet. Neben unsere Unterstützungsbitte für die verelendeten Menschen in Griechenland trat unsere Hilfsbitte für unsere Website www.hinter-den-schlagzeilen.de. Und kaum eine Woche ist es her, daß wir den Finanzierungswunsch jener Helfergruppe weitergaben, die dem drangsalierten Hartz-IV-Bezieher Ufuk T. bei dessen Revisionsprozeß gegen das Mannheimer Jobcenter zu unterstützen versucht.

Selbst für eine Website wie HdS, die sich seit langem bemüht, nicht nur ein Forum der guten Worte für humane Zwecke zu sein, sondern auch der guten Taten (wenn ich das so einmal formulieren darf), ist das nicht wenig. Und für alle der genannten Zwecke fließen seither auch Gelder an die HelferInnengruppen (was uns – selbstverständlich! – freut). Aber natürlich sind auch für Euch damit die Grenzen der Belastbarkeit erreicht – wobei schon so manche unter Euch über diese Grenze hinausgegangen sind. Selbst Hartz-IV-Betroffene lassen es sich nicht nehmen, mit Geldern zu helfen, wo von Nöten zu berichten war und zu berichten ist. Und mich selber, ganz persönlich, bewegt wieder und wieder das immense Vertrauen, das Ihr alle damit in unsere Mitteilungen setzt. Ein Vertrauen, das zu Recht von Euch aufgebracht wird (darf ich das sagen?), ein Vertrauen aber auch, das letztlich nicht den Beweis für seine Berechtigung antreten kann. Insofern also sollte keiner von uns enttäuscht sein, wenn es hin und wieder bei einzelnen dieser Hilfsaktionen auch – nunja! – leichte Einbußen gibt! Uns jedenfalls, liebe HdS-Leserinnen und liebe HdS-Leser, entmutigen diese bescheidenen Ergebnisse nicht. Und wir bitten Euch darum, auch Eurerseits nicht entmutigt zu sein von Ergebnissen, die uns hinweisen auf die Begrenztheit unser aller Möglichkeiten! Ihr haltet durch, ich weiß es, wir halten durch, das sowieso. Also wird unsere GriechInnenhilfe auch fortgesetzt! Unser Engagement bleibt auch weiterhin auf Dauer angelegt. Versprochen!

Etwas unglücklich ist – in diesem Zusammenhang -, daß ich auch heute noch einen Bericht zu den aktuellen Hilfsaktionen von Uschi und Kalle schuldig bleiben muß. Ich weiß, daß beide mittlerweile in Griechenland sind, ich vermute sehr stark, daß beide inzwischen auch die medizinischen Hilfsmittel beim Kreiskrankenhaus in Neapolis und bei der Landarztpraxis in Kyparissi/Südpeloponnes abliefern konnten. Aber: da die beiden ihren letzten Griechenlandaufenthalt aufgrund eines schweren Unfalls von Uschi vorzeitig abbrechen mußten, erwarteten sie derart umfangreiche Aufräumarbeiten in Griechenland, daß sie noch nicht zu einem Zwischenbericht an mich gekommen sind. Selbstverständlich wird das nachgeholt. „Sendepause“ in dieser Hinsicht ist also nicht zu verwechseln mit Aktivitätspause!

Vermutlich interessiert Euch, was nun aus dem „Großkampftag“ der Anarchisten (und anderer) aus dem Athener Stadtviertel Exarchia geworden ist. Für den vergangenen Samstag, den 14. September, waren ja diese Demos angekündigt worden. Nun, ich sage es mit Erleichterung, zu gewaltsamen Auseinandersetzungen kam es am letzten Wochenende nicht. Viele tausend Menschen demonstrierten vor wenigen Tagen ganz friedlich in Athen. Das Bündnis NO PASARAN und andere Gruppen hatten dazu aufgerufen. Anarchisten, Flüchtlinge, Künstlerinnen und Künstler, selbst „Normalbürger“ demonstrierten Seit‘ an Seit‘. Auffällig die Vielzahl neuer und junger Mitdemonstranten dabei. Aber die große Schlacht zwischen Szene-Verteidigern und martialisch bewaffneten Polizisten blieb aus! Stattdessen wurde von den „Kiez“-Bewohnern aufs deutlichste Front gemacht gegen die Drogen-Mafia in diesem Viertel. Und durchgesetzt hatte sich die Position, daß man nicht gegen die Mehrheit, sondern mit der Mehrheit im betreffenden Athener Stadtteil vorgehen sollte gegen den – so wörtlich – „sozialen Kannibalismus“, den die Mitsotakis-Regierung in Exarchia durchsetzen will. Was, wie Ihr wißt, den Rauswurf weiterer MigrantInnen aus den besetzten – vormals leer stehenden! – Häusern meint, was die brutalen Prügel- und Tränengaseinsätze der Polizisten meint, was, nicht zuletzt, den Erhalt des Athener „Montmartre“ meint, in dem nach wie vor die Armen wohnen und leben können und nicht nur immobiliengeile Millionäre und Milliardäre, die aus ganz Europa ein Auge auf Exarchia geworfen haben. Zwischenfazit mithin:

Solidarität hat die Massen der Menschen mitzunehmen, sonst wird allzu schnell aus gutgemeinter Anarchie freiheitlich-gesonnener Freiheitskämpfer ein Putschismus der Wenigen, der sogenannten „Eliten“, die anderen ihren Willen aufzwingen wollen. Gerne räume ich an dieser Stelle ein, daß sich mein Denken in dieser Hinsicht der großartigen Rosa Luxemburg verdankt, nicht aber Lenin, dem „Führer“ der Russischen Oktoberrevolution, dessen Konzept einer alleinbestimmenden autoritären Kaderpartei schon lange vor der stalinistischen Ära Schluß machte mit vollgültiger, mit ökonomisch wie politisch sich realisierender, mit einschränkungslos sich verwirklichender Demokratie!

Und sonst noch? – Voilà, weil ich es mehrfach in meinen letzten Berichten für Euch angesprochen hatte: Cost-Gavras‘ Film über das griechische Krisenjahr 2015 „Adults in the room“ – mit Schwerpunkt auf dem ersten Halbjahr 2015 – scheint im Trubel der Filmfestspiele in Venedig eher untergegangen zu sein. Dazu beigetragen hat sicherlich, daß dieser Film, der auf dem gleichnamigen Sachbuch von Yanis Varoufakis beruht – bis Mitte Juli des Jahres 2015 Finanzminister der Regierung SYRIZA – außer Konkurrenz im Wettbewerb lief. Heißt: irgendeinen Preis hätte dieser Film eh nicht erringen können. Aber auch sonst scheint vielen dieser kritische Blick auf die Euro-Staaten-Politik gegenüber Griechenland nicht in den Kram gepaßt zu haben. Pointiert ausgedrückt: zu viel authentisch dargestellte „Politik“ enthielt für viele Kritiker dieser Film, zu wenig „Thriller“ bot er manchem Cineasten. Obwohl einige Rezensenten durchaus dieser Sachbuch-Verfilmung künstlerische Qualitäten zuzuschreiben wagten, dem Altmeister des politischen Films Costa-Gavras durchaus auch in diesem Werk wieder zu begegnen vermochten, bis weit in poetische Visualisierungen der historischen Ereignisse aus dem Jahre 2015 hinein. Die Gesamtheit der europäischen Filmkritik schien eher eingeschworen zu sein auf schlichtes Ignorieren dieses Films – was einiges verraten könnte über das Maß an Freiheit, das heute noch den Feuilletons in Europas Massenmedien verblieben ist – egal, ob im Print- oder im TV-Bereich. Gleichviel:

Wir in Deutschland dürften wohl in einigen Wochen, ab November des Jahres, die Möglichkeit haben, den Film in den Kinos anschauen zu können – nebenbei: mit Ulrich Tukur in der Rolle von Wolfgang Schäuble, dem bundesdeutschen Finanzminister seinerzeit und dem Hardcore-Vertreter der europäischen Drangsalierungspolitik gegenüber Griechenland schlechthin. Und zur Erinnerung noch: der gesamte Film – wie schon die Buchvorlage von Yanis Varoufakis – basiert auf originalen Tonbandmitschnitten von Gesprächen, die der griechische Finanzminister in diesen Wochen und Monaten des ersten Halbjahres 2015 mit diversen Politikerinnern und Politikern geführt hat (auch Angela Merkel kommt wohl in der Verfilmung vor), auf Mitschnitten, die Varoufakis demnächst auch ins Internet stellen will. Mehr Transparenz von Politik geht eigentlich nicht – und mehr Demokratie im Informationssektor wohl auch nicht! Ich jedenfalls bin schon jetzt sehr gespannt auf diese Tondokumente und auf diesen Film.

Und damit auch dieses Mal wieder zu meinem Aufruf zu Spenden für unsere Hilfsaktion „Helfen wir den Menschen in Griechenland!“.

Wer uns Gelder für unsere Hilfe für Menschen in Griechenland zukommen lassen will, der überweise uns diese bitte unter dem Stichwort „GriechInnenhilfe“  auf das Konto:

Inhaber: IHW

IBAN: DE16 2605 0001 0056 0154 49

BIC: NOLADE21GOE

Wer eine Spendenbescheinigung benötigt – ab 201,- Euro erforderlich -, wende sich bitte an unseren Kassenwart Henry Royeck, entweder unter der Postanschrift Sültebecksbreite 14, 37075 Göttingen, oder unter der Mailadresse henryroyeck@web.de.

Und wer, wie gesagt, noch etwas mehr tun will: auch unser gemeinnütziger Verein, die „Initiative für eine humane Welt (IHW) e. V“, ist immer wieder erneut auf neue Hilfsgelder angewiesen, zur finanziellen Absicherung unserer Arbeit ganz generell. Diese Spenden bitte dann an dasselbe Konto, wie oben angegeben, jedoch mit dem Stichwort „GR-IHW“ versehen. Es sei wiederholt: wir würden uns riesig auch über diese Unterstützung freuen.

Mit herzlichen Grüßen wie stets

Euer Holdger Platta

 

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