Der Kampf geht weiter gegen das Elend in Griechenland!

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griechenlandhilfelogo-300x19442. Bericht zu unserer Spendenaktion „Helfen wir den Menschen in Griechenland!“ „Sollte Hilfe ‚im Kleinen‘ eingestellt werden, weil der Kampf ‚im Großen‘ noch immer nicht gewonnen werden kann? “ Diese eher rhetorische Frage Holdger Plattas haben unsere Spenderinnen und Spender schon vorab auf das Überzeugendste beantwortet: durch in diese Woche besonders reichliche Geldeingänge. Und die kommen an, wo sie gebraucht werden. Evelin Chatzatoglou war wieder in Griechenland und berichtet über einige besonders erschütternde Fälle. Ein Schauspieler etwa bekam eine Rolle nicht, „weil er zu abgemagert ist“. Als Arbeitsloser jedoch wird er es schwer haben, an Gewicht zuzulegen. Depressionen grassieren in diesem sonnenreichen Land, und manche Verarmte können sich weder Strom noch Wasser noch Krankenkasse leisten – mit allen sich daran anknüpfenden verheerenden Folgen. „So etwas gibt es?“ fragte eine Spendenempfängerin ungläubig, als sie von der Sammelaktion der IHW, in Zusammenarbeit mit „Hinter den Schlagzeilen“, hörte. Ja, so etwas gibt es – dank Ihrer Hilfe. (Holdger Platta)

Liebe HdS-Leserinnen und liebe HdS-Leser,

sehr gerne stelle ich heute die Schilderungen von Evelin Chatzatoglou in den Mittelpunkt meines Berichts. Sie zeigen stärker und eindrucksvoller, als ich es je aus dem fernen Deutschland könnte, wie entsetzlich für zahllose Griechinnen und Griechen die Situation derzeit in ihrem Heimatland ist. Deswegen nur kurz die neuesten Spendenzahlen vorweg! Freilich bitte ich um Eure Aufmerksamkeit auch für den Schlussteil meines heutigen Berichts. Er enthält wichtige Auskünfte zur – ich formuliere es einmal so – Seriosität unserer Hilfsaktion seit Ende Juli des Vorjahres 2015.

Hier also, kurz nur, die – überaus erfreulichen! – Spender/Spendenzahlen: in der Vorwoche hatten 3 SpenderInnen 367,50 Euro auf unser Hilfskonto überwiesen. Während der letzten 7 Tage gingen – völlig überraschend auch für uns! – fast 1.200 Euro bei unserer „GriechInnenhilfe“ ein, nämlich 1.191 Euro, gespendet von 22 Unterstützerinnen und Unterstützern! Wir danken allen Spendern sehr, ganz besonders in dieser Woche den neuen Helferinnen und Helfern (jawohl, auch diese gibt es immer noch, fast jede Woche dürfen wir das registrieren, und uns erstaunt das mindestens so sehr wie die enorme und bewegende Beharrlichkeit der vielen Dauerspender unter Euch)!

Damit zu Evelin Chatzatoglous Hilfsreise nach Griechenland (der sehr bald weitere Fahrten von ihr und Tassos Chatzatoglou folgend werden). Ich habe ihren Bericht, den ich am Freitag letzter Woche in meiner Mailbox vorfand, nur an ganz wenigen Stellen etwas gekürzt:

„Liebe Alle,

Ich bin wieder in Griechenland. Start war in Platanos bei Livadiá. Hier wohnt Frau R., über die Tassos bereits berichtete. Frau Stamatia R. wird bald 86 Jahre alt. Sie ist eine sehr herzliche Frau und spricht auch deutsch. Sie erzählte mir aus ihrem Leben, von ihrem Mann, der ihre große Liebe war und an einem Hirntumor verstarb. Das war vor 18 Jahren. Seitdem lebt sie alleine. Alles hier ist sehr einfach gehalten, im Stil der 70er Jahre. Keine Spur von Luxus und Wohlstand. Es ist hier alles so, wie es seinerzeit einmal geplant und angeschafft wurde. Im Haus selbst ist es jetzt bereits sehr kalt. Es gibt zwar Heizkörper, die Heizung war aber die letzten 2 Jahre nicht mehr in Betrieb. Nachbarn schenkten ihr einen kleinen Holzofen, der jedoch die Räume mit Terrazzo-Boden nicht zu heizen vermag. Und das Holzschleppen geht auch nicht mehr so, wie sie gerne möchte. Sie wurde während der letzten 2 Jahre zweimal überfallen, als sie zu Hause war. Zweimal wurde eingebrochen. Es gibt hier nichts mehr, was von Wert gewesen wäre. Ihre Uhr haben sie ihr gestohlen, ihre Halskette mit dem goldenen Kreuz, alles weg. Beim letzten Überfall hatten die beiden maskierten Täter die Telefonleitung gekappt, sodass sie nicht mal um Hilfe rufen konnte. Ihr Haus liegt am Ende der Straße. Dahinter gibt es nur noch Olivenhaine.

Seitdem schluckt sie Antidepressiva. Frau R. versucht, so gut sie kann, sich selbst zu versorgen. Sie kocht ihr Essen und macht die Wäsche. Manchmal, erzählt sie mir, geht es aber gar nicht mehr. Es gibt Tage, da kommt sie kaum aus dem Bett heraus und ist auf fremde Hilfe angewiesen. Dann springen Nachbarn ein. Für 20 € gehen diese für sie einkaufen (der nächste Supermarkt liegt im rund 5 km entfernten Livadiá) und helfen ihr, so gut sie können. Aber das Geld, das sie aus ihrer Rente bekommt, reicht nicht mehr. Alles hier ist teuer. 1 kg griechische Weintrauben kostet z.B. € 2,94. Ich war für sie einkaufen: ein paar Jungzwiebelchen, ½ kg Weintrauben, etwas Dill, Blätterteig, etwas Spinat, kleines Stück Käse, Milch, ein paar rote Bete. Kein Fleisch. Ich zahlte doch tatsächlich 25 €! Und das im billigsten Supermarkt im Ort, vergleichbar mit Aldi und Lidl. Lidl gibt es hier nicht. Der nächste befindet sich im 65 km entfernten Lamia.

Ich erzählte ihr von der IHW, von Menschen mit Herz, die in Deutschland, Österreich und der Schweiz Geld sammeln für Menschen in Griechenland – die nichts mehr haben. Sie schaut mich mit aufgerissenen Augen an. „So etwas gibt es?“, fragt sie. „Ja“, erwidere ich, „so etwas gibt es“. „Kannst du mir helfen?“ Diese Frage aus ihrem Mund wird von Tränen aus ihren Augen verstärkt. „Deswegen bin ich da!“ Ich packe sie in meinen Leihwagen, und wir fahren nach Livadiá, um ihre Wasserrechnung zu bezahlen. Der Mann beim dortigen Amt fragt, wieviel sie denn zahlen möchte. „Ola – alles“. Er sieht uns ungläubig an. Niemand hier begleicht seine Schulden auf einen Schlag. „Ich zahle für sie“, erkläre ich ihm. Er stellt die Rechnung aus, gewährt uns 15 € Nachlass für die Bezahlung der gesamten Schulden. Weiter geht’s zur I.K.A., der griechischen Krankenkasse. Auch da hat sie Schulden: 205 € der letzten 4 Monate sind offen. Auch hier selbige Frage: „Wieviel möchten Sie zahlen?“. „Alles“, sagt sie wieder und lächelt diesmal. Der Mann hinter der Glaswand lächelt ungläubig zurück. „Haben Sie den Jack-Pot geknackt? „Ich bin ihr Jack-Pot“, erkläre ich ihm. Wir zahlen alles! Nicht genug damit. Auch er erfährt von der IHW und den Menschen, die Geld sammeln. „Hier brauchen die meisten Hilfe“, erwidert er. Mit diesen Worten verlassen wir die I.K.A. und begeben uns zur nächsten Station: Die D.E.I. in Atalanti, die den Strom liefert. Wir wollen bar zahlen. „Geht nicht“, meint der Mann im Glaskasten. Bar kann man hier nur am Montag, Dienstag und Freitag zahlen. Heute, Donnerstag, geht es nur mit Karte. Kein Problem, ich zücke meine EC Card. Sie funktioniert nicht. Also nehme ich die Kreditkarte. Auch kein Erfolg. Er probiert es mehrmals. Anscheinend funktioniert der Apparat nicht. Wir kommen morgen wieder – zwecks Barzahlung.

Ein großes Problem stellt die Lieferung von Heizöl dar. Es gibt in der ganzen Region nur 3 Tankstellen, die Heizöl liefern. Allerdings reglementiert der Staat nicht nur den Preis, sondern auch, innerhalb welchen Zeitraums diese das Heizöl liefern dürfen. Das bedeutet, keine der 3 Tankstellen kann Heizöl liefern. Der Preis liegt derzeit bei 97 Cent/Liter. Im Sommer, wenn das Heizöl billiger ist, gibt es keine Möglichkeit, es zu beziehen. Ich habe Heizöl für Frau Stamatia für den 7. November bestellt und werde das Geld von Österreich aus überweisen. Ich hoffe, der Preis ändert sich bis dahin nur nach unten.

Ich verlasse Livadiá und fahre nach Athen, um mich mit Frau Lambrini Manou zu treffen und Konstantin Weckers Auftrag zu erfüllen. Wir wollen zu den Flüchtlingen, die Ihrer Meinung nach Hilfe benötigen, fahren. Als ich bei ihr bin, erzählt sie mir, dass es sich ursprünglich um 3 Flüchtlingsfamilien handelte, eine Familie ist mittlerweile verschwunden. Diese Flüchtlinge entstammen noch dazu aus einer der vielen vorangegangenen Flüchtlingswellen.

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Ich verabschiede mich von Frau Manou und fahre weiter zu Sklavenitis, um Lebensmittelbons zu besorgen, die ich in weiterer Folge an die Bedürftigen in Athen verteile. Ich treffe die Familie K. in Megara, meine Schwägerin Martha hatte alles organisiert. Ich überreiche Ihnen Lebensmittelbons.

Am Sonntag besuche ich noch Chara M. und treffe mich mich Alexander D., dem arbeitslosen Schauspieler. Alexander erzählt mir, dass er bei einem Job-Casting war. „Sie haben mich nicht genommen“, erzählt er traurig „’weil ich zu abgemagert bin’. Aber wie soll ich mir was zu essen kaufen, wenn ich nicht mal meine Stromrechnungen zahlen kann. Mit meiner kleinen Rente schaffe ich es einfach nicht…“ Alexander ist 67 Jahre alt. Zu alt, um noch einen Job zu bekommen, zu jung, um zu sterben.

Auch Chara M. ist mit ihren Nerven am Ende. Ihr Mann hat noch immer keinen Job gefunden, die Kinder werden größer, essen mehr, der kleine Dionysis hat laufend Untersuchungen und benötigt immer wieder andere Diätika. Die Ärzte versuchen, ihn sehr langsam an mehr Normalkost zu gewöhnen. Die von den Ärzten vorgeschriebenen Nahrungsmittel sind in Griechenland sehr teuer. Wir beziehen sie in der Apotheke von Orstis Tsikouris mit Rabatt.

Der kleine Dionysis ist ein sehr liebes und aufgewecktes Kind mit blondem Haar und großen schwarzen Augen. Im Jänner wird er 3 Jahre alt. Diamantia, seine ältere Schwester, sieht aus wie aus einem Film. Ich kann den Blick nicht von ihr wenden. Sie ist ein extrem hübsches Mädchen, wenn auch sehr abgemagert, mit großen schwarzen Augen. Und Andreas, den Ältesten, nennen Sie Einstein. Auch er erscheint mir total unterernährt wie auch die Eltern der 3 Kinder. Es ist wirklich eine Tragödie.

Martha vermittelt mir noch ein Treffen mit Spiros K., dem Mann mit der Multiplen Sklerose. Er lacht mir schon von weitem entgegen. „Giasas, ti kanete? Guten Tag, wie geht es Ihnen?“ Sein Gangbild erscheint mir etwas mechanisch, aber sein Lachen verdeckt alles. Er wirkt sehr optimistisch, was seine Erkrankung betrifft. Seine Ärzte haben ihm aufs dringlichste Nahrungsergänzungsmittel empfohlen. Doch unser Apotheker in Athen konnte sie nicht besorgen, weshalb ich unseren Freund und Mithelfer Karlheinz Apel bitten muss, sich darum zu kümmern. Ich bekomme von Spiros die Liste.

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Es wäre so viel zu tun hier in Griechenland. Eines habe ich jedoch gelernt: die wirklich Armen klagen nicht und ergeben sich ihrem Schicksal, sind aber mehr als dankbar, wenn man ihnen Hilfe zukommen lässt. Ich glaube, ich komme in den Himmel, so oft wie sie für mich beten. Aber nicht nur für mich, sondern auch für die Spenderinnen und Spender, ohne deren Hilfe dies alles nicht möglich wäre. Und das wissen sie auch. Deswegen möchte ich Euch auch den Dank aller von uns Versorgten weitergeben.

Herzliche Grüße

Eure Evi“

Natürlich wissen wir, liebe HdS-Leserinnen und liebe HdS-Leser, dass dieses alles nur „Einzelfälle“ sind und auch wir die großen, die politisch-sozialen und politisch-ökonomischen Probleme Griechenlands mit solcher Hilfe, wie Evelin sie beschreibt, nicht lösen können (obwohl wir ja auch „an der politischen Front“ zu kämpfen versuchen!). Doch sollte Hilfe „im Kleinen“ eingestellt werden, weil der Kampf „im Großen“ noch immer nicht gewonnen werden kann? – Nein, da sind wir alle im OrganisatorInnenteam einer Meinung: auf keinen Fall! Und Eure beeindruckende Unterstützung – nunmehr über mehr als ein ganzes Jahr hinweg! – bestärkt uns darin!

Damit bin ich auch beim letzten Punkt meines heutigen Berichts. Und auch da ist ein kurzer Rückblick erforderlich.

Erinnert Ihr Euch noch? – In meinem ersten Zwischenbericht zu unserer GriechInnenhilfe – am Freitag, den 31. Juli, des vergangenen Jahres war das – teilte ich Euch unter anderem das Folgende mit:

„Selbstverständlich wird es unsere eigene Kassenprüfung geben (wie es noch jede Vereinssatzung vorschreibt), außerdem, da unser Hilfskonto Gemeinnützigkeitsstatus besitzt, Kassenprüfung durchs zuständige Finanzamt in Göttingen. Selbstverständlich werden wir auch weiterhin über Spendeneingang und Geldvergabe an dieser Stelle berichten, kontinuierlich und detailliert, und alle Fragen zu beantworten versuchen, die Ihr uns stellt. Selbstverständlich werden wir uns von allen Spendenempfängern Bescheinigungen ausstellen lassen, die den Erhalt von Geld und/oder Hilfsgütern bestätigen. Wir sind aber derzeit und darüber hinaus auch bemüht, einen Notar ausfindig zu machen, der zu Beginn des kommenden Jahres unser ‚Geschäftsgebaren’ einer genauen Überprüfung unterziehen soll.“

Nun, es sei eingeräumt: wider Erwarten türmten sich einige Schwierigkeiten auf, diese Überprüfung in die Tat umzusetzen. Erspart mir die Einzelheiten! Doch nunmehr liegt endlich der detaillierte Prüfbericht vor, erstellt vom Göttinger Notar Ullrich Amthauer, mit Datum vom 1. November des Jahres, und ich zitiere den entscheidenden Schlußabschnitt aus diesem Prüfbericht:

„Aus den vollständigen Kontoauszügen und den fragmentarisch vorgelegten ergänzenden Belegen ergeben sich keine Anhaltspunkte dafür, dass die an den Verein Initiative für eine Humane Welt e.V. im Rahmen der im Juli 2015 angelaufenen Aktion GriechInnenhilfe/Griechenlandhilfe geleisteten Spenden zweckwidrig verwendet wurden.

Die Darstellung des Einsatzes der Mittel durch den Vorstand ist schlüssig und wird durch die Unterlagen, soweit vorhanden, bestätigt.

Die Art der unmittelbar gewährten praktischen Hilfe vor Ort für notleidende Personen oder Institutionen in Griechenland schließt es nachvollziehbar aus, die einzelnen Hilfeleistungen an den Endempfänger in jedem Fall konkret zu belegen.

Mit freundlichen Grüßen

Amthauer
Notar“

Natürlich freuen wir uns sehr über diese notarielle Bestätigung unserer Tätigkeit für die Hilfsbedürftigen in Griechenland. Und ich verbinde dieses mit einem großen Dank an Peter Latuska, den Kassenwart unserer „Initiative für eine humane Welt (IHW) e. V.“, der auch die Spendenverwaltung bei unserer „GriechInnenhilfe“ übernommen hatte und seit nunmehr über 16 Monate dieser Arbeit aufs zuverlässigste nachgekommen ist, nicht vorn an der Rampe, sondern eher im Hintergrund (deswegen Anlass um so mehr, diese Tätigkeit wieder einmal in Erinnerung zu rufen)! Wir alle scheinen also „gut gerüstet“ zu sein, auch weiterhin anzukämpfen gegen die schlimmsten Auswüchse des Elends in diesem von Europa kaputtreglementierten Griechenland. Versprochen deshalb: auch wir lassen in diesem Kampf nicht nach! Und wissen Euch dabei – gut, das schreiben zu dürfen! – auf unserer Seite!

Deswegen auch heute wieder unsere Angaben für Spenden an uns. Also:

Überweisungen gegebenenfalls, unter dem Stichwort „GriechInnenhilfe“, auf das folgende Konto:
Inhaber: IHW
IBAN: DE16 2605 0001 0056 0154 49
BIC: NOLADE21GOE
Und hier erneut die Kontaktdaten von Peter Latuska, an den Ihr Euch wenden könnt, wenn Ihr Patenschaften übernehmen wollt oder eine Spendenbescheinigung benötigt (für Spendenbeträge bis 200,- Euro genügt fürs Einreichen beim Finanzamt Kopie oder Original Eurer entsprechenden Kontoauszuges):
Peter Latuska
Theodor Heuss Str. 14
37075 Göttingen
Email: latuskalatuska@web.de
Mit herzlichen Grüßen
Euer Holdger Platta

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