Die Austreibung – ein Sketch

 in FEATURED, Kurzgeschichte/Satire, Monika Herz

Putin ist der einzige Böse. Wenn es also gelänge, ihn in einen Guten zu verwandeln, wäre alles gut. Worauf warten wir also noch? Unsere Autorin ist als Schamanin bestens für so eine Aktion geeignet. Und natürlich wurde sie auch sogleich im Kreml vorgelassen, zusammen mit ihrer Assistentin namens Annalena. Damit aber nicht genug: Eine Bedrohung aus dem Weltall musste dringend abgewehrt werden, und da erwies es sich als günstig, dass aus unserem Putin jetzt der Teufel ausgetrieben worden war und dass er sich ganz der Sache des Guten verschrieben hatte… Aber ich will nicht zu viel verraten, denn der Sketch soll ja spannend bleiben. Unrealistisch? Mag sein, aber Visionärinnen visionieren eben von Berufs wegen, so wie Bäcker backen und Präsidenten präsidieren. Monika Herz

 

Vorwort der Autorin

Es dürfte inzwischen leidlich bekannt sein, dass ich leidenschaftlich gerne den Wahnsinnigen dieser Erde Briefe schreibe und guten Rat erteile. Da dies bisher völlig ergebnislos geblieben ist, habe ich mich nun entschieden, es mit einem Theaterstück zu versuchen. Ich werde mich mit dem Stück bewerben, um es beim G7-Gipfel im Sommer auf Schloss Elmau zu präsentieren.

Falls mich nicht wieder der Mut verlässt und ich mich dann doch nicht bewerbe.

Weil die mich ja sowieso nicht nehmen mit meinem Stück.

Hier nun also das Skript zum Stück.

 

Ein Einakter von Monika Herz

 

Personen:

Ich

Annalena: Jung und taff

Putin: der inkarnierte Teufel

Krispin: ein Attentäter

Dazu allerlei Komparsen, wie verschiedene Politiker, 24 Millionen Schweine und 7 Milliarden Menschen

 

Ich sitze an meinem Küchentisch und schreibe Annalena einen Brief. Annelena, sage ich zu ihr, wir müssen zum Putin. Er ist der Teufel in Person. Wir müssen ihn irgendwie zur Vernunft bringen.

Annalena glaubt mir natürlich nicht, dass Putin tatsächlich der Teufel in Person ist, weil es den Teufel ja gar nicht gibt. Schon gar nicht innerhalb von Personen. Außer vielleicht wenn so eine Person verantwortlich ist für Millionen Tote, die ehemals noch lebendig waren.  So wie diese Landwirtschaftsministerin von anno dazumal, wie hieß die gleich wieder, so eine Blonde. Die Klöckner, genau. Irgendwie ist die jetzt auch in das Stück reingeraten, das mir grad eingefallen ist. Weil die auch verantwortlich war. Aber jetzt nicht mehr.

In der Politik reicht man ja die Verantwortung herum wie eine kalte Kartoffel. Sie war jedenfalls bis vor kurzem verantwortlich für Millionen gefolterte Schweinchen. Millionen! Das Schwänzchen abschneiden – täglich tausende in ganz Deutschland, selbstverständlich ohne Betäubungsmittel. Das würde ja Geld kosten und dann wär das Schnitzel teurer und das kann man doch dem Kunden nicht antun. Noch viel weniger kann man dem Kunden zumuten, Fleisch zu essen, das so komisch riecht. Denn wenn man die Kleinen nicht kastriert, dann schmeckt hinterher das Fleisch so „rollig“ irgendwie. Also sagte die Klöckner: Das machen wir auf alle Fälle noch 5 Jahre länger so! Tierschutz und Grundgesetzt hin oder her! Wir werden Millionen von Schweinen die Schwänze abschneiden! Das ist das Ziel. So sprach sie, die teuer bezahlte Folter-Fachfrau und lächelte dazu gewinnend in die Kamera.

Der Putin aber, der ist da schon ein ganz anderes Kaliber! Der lächelt nicht mehr! Der ist verantwortlich für tote Menschen, nicht für Schweine, die sind ja nichts wert. Und zwar ist er verantwortlich für alle Toten im Krieg da drüben. Und zwar für alle! Egal von welcher Seite sie abgemurkst wurden. Hauptsache sie sind tot und es gibt einen Schuldigen. Putin! Ah! Dieser Putin! Ich sehe ihn direkt vor mir mit seinen funkelnden eiskalten Augen, die wie Kohlen glühen. Der Teufel in Person eben!

Auftritt Putin, nackter Oberkörper, der im Hintergrund die Fäden zieht!

Nachdem Krispin, der Attentäter, der ihn schon umbringen täte – also für 1 Million würde er es schon machen, hat er gesagt -, an Putins Tür im Kreml gekratzt hat, und vergeblich versucht hat, reinzukommen, tauche ich mit Annalena im Schlepptau auf.

Annalena jung und taff. Ich, älter und schon etwas dement. Was wollte ich gleich wieder im Kreml? Ach so, ja genau! Dem Putin den Teufel auskehren. Ich könnte meinen Besen mitbringen. Ob die mich in den Kreml reinlassen mit dem Besen? Ach bestimmt! Wenn die Annalena mit dabei ist. Da geht schon was! Annalena und mir werden wie von selbst die Türen geöffnet, die direkt zu Putin im Kreml führen.

Dann, nachdem die Annalena mit ihrem Charme den Putin eingelullt hat und ich mit dem Besen den Teufel glücklich heimgekehrt habe in seine Hölle – wenn also das Werk vollbracht ist, dann werde ich dem Putin die Wahrheit ins Gesicht sagen. Weil seitdem der Teufel aus ihm ausgetrieben ist, kann man ja wieder normal mit ihm reden. Ich werde ihm die Wahrheit sagen, dass nämlich draußen – also direkt vor der Haustür des Planeten – ein interstellarer Kampf um unseren Planeten stattfindet. Der Planet ist tatsächlich sehr begehrt. Die Bösen lieben nämlich das Fleisch von humanoiden Zweibeinern. Es ist eine Delikatesse für sie. Das Fleisch wird teuer gehandelt. Es geht also um was!

Die Guten aus dem All, also die wollen uns vor den Bösen retten. Damit wir von denen nicht gefressen werden. Die Bösen sind natürlich sehr erbost darüber. Wenn sie uns nicht fressen dürfen, dann wollen sie gleich den ganzen Planeten kaputtmachen. Die Guten sollen dann auch nichts davon haben. So läuft das. Wie im Kleinen, so im Großen. Momentan schmeißen sie gerade mit einem Kometen nach uns, so groß wie der Mount Everest.

Putin würde beim KGB nachfragen, ob das auch stimmt, was ich da sage. Aber auch ohne KGB würde er es glauben, weil es ja im Internet steht. Er ist ja jetzt, nach der Teufels-Austreibung, ein ganz normaler Mensch. Wenn etwas wissenschaftlich belegt im Internet steht, dann ist es auf jeden Fall glaubwürdig. Das Ding hat auch einen wissenschaftlichen Namen, nämlich 2009JF1. Am 6. Mai würde der Komet auf den Planeten treffen. Außer – ja außer wenn „jemand“ den Berg, der da auf uns zufliegt noch im Weltall draußen zertrümmern könnte.

Ob er, der Putin, das auf die Reihe kriegen könnte? So werde ich ihn dann fragen.

Wenn Putin ablehnt, dann geh ich halt mit der Annalena zum Stoltenberg oder zum Biden. Ob sie vielleicht eine von den zahlreichen Atombomben opfern könnten, um den Planeten zu retten? Nein? Also bitte. Eine täte schon reichen! Es müssen ja nicht gleich alle Atombomben gleichzeitig auf den Berg aus dem Weltall geschossen werden. Das wäre dann doch zu viel des Guten. Nur eine! BITTE!

Putin, inzwischen vollkommen geläutert, vor Reue triefend, er stimmt schließlich zu. Er opfert eine Atombombe. Geld spielt keine Rolle. Der Feind ist groß. Da muss man eben über sich selbst hinauswachsen. Ja. Genau.

Biden und Stoltenberg sind platt. Auch in ihnen wächst der Heldenmut und sie richten nun ebenfalls jeweils eine Atomwaffe hinaus ins All. Es ist jetzt eine Frage der Ehre! Jawohl!

Kurz vor dem 6. Mai sind alle Staaten, die irgendwas mit Atomwaffen am Hut haben, scharf drauf, mit „ihrer“ eigenen Atombombe in die Geschichte einzugehen. Jeder Staat will plötzlich derjenige sein, welcher die Welt vor dem Angriff mit rasenden Bergen aus dem All gerettet hat. Alle Atomwaffen werden auf 2009FJ1 gerichtet.

Aber Putin war der Erste. Damit hat er sich schon wieder unbeliebt gemacht. Er kann es nicht lassen. Aber diese rotglühenden Augen, die sind ihm wenigstens abhanden gekommen. Die habe ich ihm jetzt aber echt ausgetrieben!

Im Mai ist es schließlich so weit!

Alle, also alle, die irgendwie Fernseher oder Internet haben, sie alle starren wie gebannt auf den Feind, den rasenden Berg. Alle Waffen zielen auf ihn. In den USA zielen sogar die Kinder mit ihren extra für Kinder angefertigten rückstoßabfedernden Spezial-Waffen auf den rasenden Brocken.

Dann, kurz vor knapp geben die Wissenschaftler plötzlich Entwarnung. Der rasende Berg hat es sich anders überlegt. Er wird ganz knapp am Planeten vorbeischrammen. Der Planet hat ihn mit einem eleganten Hüftschwung mit seiner gesamten Schwerkraft auf eine neue Bahn gelenkt. Die Atomwaffen können im Halfter steckenbleiben. Sie hätten sowieso nicht getroffen. Aber das hätten wir erst hinterher gewusst.

Am 7. Mai dann erwacht die Menschheit aus der Schockstarre und unterschreibt den Atomwaffen-Sperrvertrag. Also jeder für sich unterschreibt.

Und ich, die Alte, werde die Erste sein, die unterschrieben hat und werde einen Ruhmesring erhalten für meine großartigen Taten. Aber anders als Krispin, der den Friedens-Nobelpreis wegen seines missglückten Attentats abgehlehnt hat, werde ich den Ruhmesring annehmen. Schließlich habe ich ihn mir selber verliehen. Gelegentlich werde ich ihn an meiner rechten Hand tragen.

Der Vertrag, der schließlich den Weltfrieden besiegeln wird, lautet:

Ich, (Name), unterzeichne hiermit den Atomwaffen-Sperrvertrag. Meine Regierung tut es nicht. Also muss ich es selber tun. Alles muss man selber tun!

Ich werde meine Adlerfeder in ein Tintenfass stecken und unterschreiben!

Genau. Und dann werden es alle nachmachen. Alle 7 Milliarden. Das wird eine Weile dauern. Stoltenberg und Biden werden Putin die Hand schütteln und gegenseitig auf Anzeige beim Internationalen Strafgerichtshof verzichten. Schließlich sind weder die USA noch Russland, noch China oder Israel Mitglied bei dem Verein. Wenn sie nämlich Mitglied geworden wären, dann könnten sie auch angezeigt werden. Wegen Völkermord (den Rassen-Mord in den USA lassen wir mal lieber unerwähnt), wegen des Anzettelns von Kriegen, wegen Foltern und Vertreiben. Deshalb sind sie natürlich nicht Mitglied geworden. Aus Selbstschutz. Aber jetzt, wo ich den Teufel ausgetrieben hab, wird sich alles ändern! Genau.

Auch die Bösen aus dem Weltall ziehen weiter. Weil doch die Guten gewonnen haben. Zusammen mit unseren vereinten Atomwaffen haben sie gewonnen. Die Guten werden dann auch noch die Schweinchen retten. Eine der Göttinnen der Guten aus dem All ist nämlich die Ahnfrau dieser Spezies. Sie hat sich eigentlich wegen der Schweinchen auf den langen Weg gemacht, nicht in erster Linie wegen der Menschen. Vom Sirius bis hierher. 8 Lichtjahre! Deshalb hat sie auch so lange gebraucht, bis sie angekommen war. Aber dies nur nebenbei.

So, jedenfalls ist dann damals der Krieg ein für alle Mal beendet worden. Die Atomwaffen wurden abgeschafft, weil sie ja nicht mehr gebraucht wurden. Und so nach und nach wurden dann alle Waffen abgeschafft. Und das Geld, das zuvor dafür gebraucht wurde, das konnte nun endlich in all die schönen und guten Dinge fließen, wie etwa blühende Gärten und Streuobstwiesen, und der Regenwald würde auch wieder zuwachsen, wenn man ihn einfach in Ruhe lässt.

Das Stück wurde in Schloß Elmau uraufgeführt, neben den Schauspielern unterzeichneten auch die anwesenden Regierungschefs den Atomwaffen-Sperrvertrag. Natürlich ebenfalls mit der von mir großzügig zur Verfügung gestellten Adlerfeder und dem Tintenfass. Und Putin, der ja schon zuvor unterschrieben hatte, wurde als Überraschungs-Gast aus dem Hut gezaubert und trat lächelnd hinter dem Vorhang hervor.

Ja. So war das damals.

Eine mögliche Zukunft.

Oder so:

Ich, Monika Maria Herz, unterzeichne hiermit den Atomwaffen-Sperrvertrag. Meine Regierung tut es nicht. Also muss ich es selber tun. Alles muss man selber tun!

Genau. Und dann werden es alle nachmachen. Alle 7 Milliarden Menschen. Das geht. Beim Impfen ist es ja auch gegangen. Und nach und nach werden dann die blühenden Gärten zurückkehren und die Eichhörnchen auch und die Schneeleoparden, und die Regenwälder werden auch wieder zuwachsen. Weil dann die ungefähr 600 Millionen Dollar pro Tag, die der Krieg kostet – oder lass es eine Millarde sein, und das sind ja nur die Kosten von russischer Seite, wir, die Guten ,zahlen ja auch – für etwas anderes ausgegeben wird. Für die Eichhörnchen. Und die kleinen Schweinchen werden auch befreit. Und die Klöckner, diese Kuh, die wird ganz schön blöd schauen, wenn sie merkt, als was sie wiedergeboren worden ist in ihrem nächsten Leben.

 

Comments
  • Jonathans Schicht
    Antworten
    Gut ist ja auch das Comic „Asterix bei den Schweizern“. Wenn wir das etwas weiter spinnen, kommen wir der Wahrheit näher. Denkbar wäre zB folgendes Szenario: Beim großen  Käse-Fondue der Transhumanisten  ist es ausgerechnet Dr. Schwabbel passiert, dass sein Brot-Stückchen abgebrochen und in der Tunke versunken ist. Zur Strafe muss er jetzt mit einem „Professor“ von der Charité  und dem Chef einer großen Pharma-Unternehmens  täglich Harfe spielen, 3 Stunden lang, bis ans Ende seiner Tage, in einer Einkaufs-Passage in Kaiserslauitern. Und die Erlöse kommen mildtätigen Zwecken zugute. Gute Nacht und viel Glück.

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