Die Corona-Pharisäer

 in FEATURED, Politik, Spiritualität

In der Krise haben die christlichen Institutionen auf ganzer Linie versagt und ihre eigenen Werte verraten. Dem Herrn dienen und nicht dem Mammon. Gott mehr gehorchen als den Menschen. Den Bedrängten und Verfolgten, den Leidenden und Ausgegrenzten beistehen… All das sind — oder wären eigentlich — Positionen der christlichen Kirchen, die sich unmittelbar aus den Evangelien ableiten würden. In der Corona-Krise wäre Gelegenheit gewesen, damit ernst zum machen, die Händler aus den Tempeln zu vertreiben, aus dem Glauben heraus den Ungehorsam zu proben, sich nicht das Singen und den Besuch bei Armen und Alten verbieten zu lassen, die Querdenker und andere, die man heute erniedrigt und beleidigt, im Geist der Versöhnung zu sich einzuladen. Wie so oft in der Geschichte, blieb von dem ganzen Reichtum christlicher Weltanschauung aber vor allem ein Satz übrig, dem man ohne Einschränkung treu geblieben ist: „Jedermann sei Untertan der Obrigkeit, die Gewalt über ihn hat.“ Wieder sehen die Kirchen-Oberen den Balken in ihrem eigenen Auge nicht. Wieder haben sie eine Chance vertan, Glaubwürdigkeit zurückzugewinnen. Josef Thoma

 

An Corona hatte ich am allerwenigstens gedacht bei der Lektüre des Buchs „Die 10 größten Irrtümer des Neuen Testaments“ von Gernot Beger. Es versucht den historischen Wahrheitsgehalts der vier sogenannten Evangelien kritisch zu prüfen, die Grundlage, Ausgangs- und Endpunkt dessen, was protestantische und katholische Kirche den Gläubigen auferlegt. Mich hat die Frage nach der Trennung von historisch bezeugter Begebenheit, Dichtung und frommer Legende in diesen Schriften immer fasziniert.

Was, so fragt man sich immer wieder, hat ausgerechnet diesem unentwirrbaren Gemenge aus tatsächlich Erlebtem und bloß Geglaubten, aus Lebensweisheiten, Lebensregeln und Religion zu solch einem kometenhaften Aufstieg, zu solch weltumspannender Anerkennung auch bei denen verholfen, die mit Kirche so gar nichts am Hut haben?

Was von alledem glaubt eigentlich der, der nicht glaubt?, fragen der Jesuit Carlo Maria Martini und der Schriftsteller Umberto Eco in einem berühmt gewordenen Briefwechsel.

Entkleidet man das sogenannte Neue Testament, vor allem die vier Evangelien, all dessen, was die Kirchen später daraus gemacht haben, so bleibt auch für den, der nicht glaubt, immerhin noch ein atemberaubendes Ethik-Gebäude: unüblich, weil in dieser Unerbittlichkeit noch nie da gewesen — unlogisch, weil nicht erklärbar — widernatürlich, weil gegen alle menschliche Gewohnheit.

Es ist eine Ethik im wahrsten Sinne nicht von dieser Welt. Eine Ethik, die oben und unten ins glatte Gegenteil verkehrt:

Sie erhebt den Knecht über den Herrn, den Versager über den Erfolgreichen, den Gequälten über seinen Peiniger, den Gestrauchelten über den Tugendhaften, den Verlierer über den Sieger, einen Gekreuzigten über seine Richter. Die Kreuzigung war zur Römerzeit übrigens die schmachvollste aller Hinrichtungsarten. Die Leichen ließ man, einer Bestattung unwürdig, meist am Kreuz verwesen, um den Rest später zu verscharren.

Es ist eine Ethik, die keine Fragen stellt, keine Schuld und keine Rache kennt: Die Tatsache des Leidens alleine genügt, um zu helfen.

Da es immer schon viel mehr von denen da unten als jenen da oben gegeben hat, ist diese Ethik die letzte und wohl die trostreichste Zuflucht all derer, die sich von dieser Welt nichts mehr erwarten, erwarten dürfen. Das erklärt, zumindest teilweise, ihren Siegeszug um die Welt seit nunmehr über 2.000 Jahren.

Sind das wirklich die tragenden Säulen der beiden großen Kirchen, die sich von Beginn als Beauftragte, Hüter und Wächter eben dieser Ethik ausgeben? Ist in den Kirchen gerade zu Zeiten von Corona das drin, was drauf steht?

In der Coronakrise wimmelt es geradezu von Leid und von Verlierern:

Denken wir an die Alten in den Seniorenheimen, die während der seelenlosen monatelangen Lockdowns nicht an Corona, sondern an Einsamkeit und an menschlicher Vernachlässigung gestorben sind, weil es eine außer Kontrolle geratene entmenschlichte Bürokratie so geschehen ließ.

Denken wir an die Kranken, Dementen, Fürsorgebedürftigen, die in ihren Einrichtungen unter massiver Einschüchterung, ja zuweilen gewaltsam, ohne Möglichkeit der Gegenwehr zu einer bis zu diesem Zeitpunkt kaum erforschten Impfung getrieben wurden und dann, alleine gelassen und totgeschwiegen, die Folgeerscheinungen bis hin zum Tod zu tragen hatten.

An die Hundertausende von Kindern, die plan- und ziellos ihrer wertvollsten Kinder- und Schuljahre beraubt werden, die — das ist inzwischen unwidersprochen — dadurch mehr Schaden nahmen als durch irgendein Virus.

Denken wir an die Zehntausende Gewerbetreibender, die durch völlig willkürliche Maßnahmen und Anordnungen um ihr Lebenswerk gebracht wurden, und an die tausendfachen Versuche einer um ihr Überleben kämpfenden Regierungsjunta, die Wahrheit in Wissenschaft, Medizin und in den Medien mittels Gewalt, Diffamierung, Rufmord bis hin zur Existenzvernichtung zu unterdrücken.

Nicht zuletzt auch an die Mutigen, die sich friedlich dieser Welle aus Gewalt, Halbwahrheiten, Lügen und purer Machtdemonstration entgegenstellen und von eigens dafür zusammengestellten polizeilichen Prügelschwadronen gnadenlos zusammengehauen und wie in Berlin noch am Boden liegend misshandelt werden.

All das ergäbe ein überreiches Betätigungsfeld für die Kirchen, das, was sie von den Kanzeln predigen, tatsächlich zu praktizieren und mit Leben zu füllen. Man muss nicht für oder gegen die gegenwärtige Coronapolitik sein, um das ständig wachsende Ausmaß an Leid und Verzweiflung in unseren Tagen zu sehen, zu hören und zu fühlen.

Doch wer von den großen Kirchen, der protestantischen wie der katholischen, Trost für die Verlierer dieser Krise, Beistand für die Zusammengeschlagenen, Fürsprache für die Verurteilten, Hilfe für die Wehrlosen erwartet, der wird, wie schon so oft in der Vergangenheit, bitter enttäuscht. Statt zu helfen — einfach nur deshalb, weil jemand Hilfe braucht — zieht es die Kirchen wieder einmal in die heimelige Nähe der Mächtigen, um ihre Privilegien nicht zu gefährden, und kritiklos machen sie sich deren Argumente zu eigen. Bestenfalls ziehen sie es — wieder einmal — vor zu schweigen in dem irrigen Glauben, wer nichts tut, könne auch nichts falsch machen.

Welch ein Irrtum: Eine Kirche, die nichts tut, macht alles falsch!

In einer Zeit, in der das halbe Volk, wie etwa die 40 Millionen Ungeimpften, Zuflucht vor Nötigung, Gewalt und Demütigung sucht, bieten die Kirchen, selbstverliebt statt selbstvergessen, in tadellos sitzende Amtstracht, golddurchwirkten Brokat und Brüsseler Spitze gehüllt, weitgehend sinnentleerte Gesten, unverbindliche Phrasen und überkommene Riten anstelle von tätiger Hilfe, von gelebter Barmherzigkeit, von gespendetem Trost und Widerstand gegen offensichtliches Unrecht und Widerspruch gegen offensichtliche Unwahrheit.

Kirche zu Coronazeit: Fünfte Kolonne der Machthaber — denkmalgeschützte, ihrer tragenden Stützen beraubte Ruinen ihres eigenen Anspruchs.

Warum, fragen sich viele, warum werden die Priester immer seltener, die Kirchen immer leerer, das Kirchenvolk immer gleichgültiger? Darum!

 

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Dank an den Rubikon, www.rubikon.news, wo dieser Artikel zuerst erschienen ist.
Showing 9 comments
  • Hope
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    • Hope
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      Der Pastor hat ja hier bereits die Rotzfrechheit der Politik erläutert, dass man nach der 2. Impfung für 2 Wochen erst mal als ungeimpft (asymtomatisch) gilt. Das heißt, wenn man innerhalb diese 2 Wochenfrist nach der 2. Impfung verstirbt, kann ein doppelt Geimpfter nicht an der doppelten Impfung verstorben sein.

       

      In der Praxis sieht das so aus:

      https://t.me/TraugottIckerothLiveticker/46656

  • Hope
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    Die Koalitionsverhandlungen werden ca. 1 Jahr dauern. Da kommt nicht eine/r auf die Forderung, wenn ihr euch bis zum Ende des Jahres nicht einig werdet, wird neu gewählt.

    Das ich dann so lange noch diese Witzfigur hier ertragen muss, ist erbärmlich:

    https://de.rt.com/inland/124594-fast-wie-bei-hitchcock-merkel-und-die-voegel/

     

    Man hat ja sonst nichts zu tun außer sich mit Koalitionsgesprächen und Machtansprüchen selber zu bedienen und den Bürger noch nebenbei zu quälen.

     

    Und dass die FDP noch einmal aus ihrem Grab erwacht und jetzt den Lauten macht, das ist auch erbärmlich:

    https://www.youtube.com/watch?v=x0qcytXTHbU

  • Volker
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    Wieder sehen die Kirchen-Oberen den Balken in ihrem eigenen Auge nicht.

    Von dem bekannten Brett vor dem Kopf einmal abgesehen, warum sollte Kirche sprudelnde Kirchensteuer riskieren?

    Warum, fragen sich viele, warum werden die Priester immer seltener, die Kirchen immer leerer, das Kirchenvolk immer gleichgültiger?

    Zu Glaubens-Kontrolleuren: Priester sind Menschen wie du und andere, wollen sündigen, dürfen aber nicht, je nach Arbeitgebervertrag und Regeln. Vor paarhundert Jahren gings lockerer zu, deshalb wohl.

    Zu altem Gemäuer: Weil in verstaubten Chefetagen weltfremde Tattergreise regieren, deren Sünden jeden Kleinsünder erblassen lässt. Bete und arbeite, jo, am Fließband wirds schwierig werden, wir sind doch nicht … oha.

    Zu sündigen Schafen: Weil sie es merkwürdig finden, als Schafherde bellenden Hirten hinterher zu laufen, die selbst einem sündigen Lamm an die Wolle gehen würden. Oder an die Wäsche … oha.
    Und, weil die Speisung der Armen ein Märchen ist, niemand trockenen Fußes auf einem Meer herumspazieren kann, Erde und Hölle eins sind, und jeder mit abweichender Meinung ans Kreuz genagelt wird.

    Sonstiges: Weil die Welt, mit oder ohne Kirche, in sieben gottlosen Tagen untergehen könnte.

  • Juergen Wehrse
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    Mich hat die Kirche geprägt. Ich war gerne Teil dieser Gemeinde. Seit Corona hat sich offenbart, dass „Kirche“ Teil des Systems ist, Teil eines bürokratischen Monsters. Barmherzigkeit ist in solchen Mega-Strukturen nicht zu finden. Aber im Kleinen: Es gibt sicher unzählige Gläubige, die die Corona-Maßnahmen von Anfang an kritisch gesehen haben und es gibt unter Christen sicher auch Netzwerke, z.B. Christen im Widerstand. Klar ist jedenfalls: Die Kirche als solche hat komplett versagt. Peinlichere und auch heuchlerische Wortmeldungen, als von den repräsentierenden Oberlehrer-Christen, waren während dieser Corona-Zeit schwer zu finden. Da fiel die Maske! Was haben die alle für einen Quatsch erzählt.
  • Freiherr
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    “ Lobet den Herren der alles so herrlich regieret
    der dich auf Adelers Fittichen sicher geführet,
    der dich erhält,
    wie es dir selber gefällt;
    hast du nicht dieses verspüret? “

    Das Kirchentum ist eine Geschichte der Unterwerfung und des Gehorsams, der Moralapostel von der Kanzel, der Seelenkäufer, strengster Diktatur unter dem Pontifex Maximus oder sonstigen direkten Abgesandten des Herrn.

    Darunter herrschen Kardinäle, Bischöfe wie Fürsten in prächtigen Gewändern und Häusern, tragen Monstranzen vor sich her und zelebrieren sich selbst und ihre weltliche Macht.

    Fünf Milliarden in Gold und Wertpapieren liegen in der Vatikanbank, das Privatvermögen des Päpstlichen Stuhles kommt gesondert noch dazu, wird auch in dieser Höhe geschätzt, Kunstgegenstände, Reliquien, Grund und Bodenspekulationen….

    Schwarzkonten und Geldwäsche –

    über Jahrhunderte erschlichen und erschwindelt durch Ablaßprediger, geraubt durch Missionare und Kreuzzügler,

    bis heute Hand-in-Hand mit politischen Systemherrschern, Segnung der Kriege gegen die Ungläubigen – zum Schaden des Heiligen Stuhles soll es nicht sein.

    Nein – da ist kein Widerstand zu erwarten !

     

     

     

     

     

     

     

     

     

  • Bartolomé de Las Casas
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    Warum sollte es bei kirchlichen Institutionen anders als bei Anderen sein? Die Kirchenfürsten hatten doch seit je einen Hang zum Wasser predigen und Wein saufen:

    „Mit Gott und den Faschisten“ – Die Lateranverträge
    Von Karlheinz Deschner

    Das Wort am Sonntag: „Mit Gott und den Faschisten“
    Folge III: Die Lateranverträge
    Karlheinz Deschner zur Politik der Päpste im 20. Jahrhundert

    In zwölf Folgen zu je knapp zehn Minuten unter dem Serientitel „Mit Gott und den Faschisten“ beweist Deutschlands bedeutendster Kirchenkritiker, daß die „Stellvertreter Gottes“ im Vatikan, von Leo XIII. bis Pius XII. wesentlich zur Herrschaft des Faschismus in Italien, Spanien, Deutschland und Jugoslawien und damit zu den politischen Katastrophen und zum Völkermord im 20. Jahrhundert beigetragen haben.

    http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=11589

    Letztendlich zeugt der Ausspruch, „sprach der König zum Priester: Halte du sie dumm, ich halte sie arm,“ von einem Erkennen der Sachlage. Befreiungstheologen waren stets in der eigenen Institution Renegaten.

  • Hope
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    Ökumenischer Gottesdienst zum Tag der Deutschen Einheit

    „Das Wort zum Sonntag“ spricht am Samstag, 2. Oktober 2021, um 23:45 Uhr Wolfgang Beck aus Hildesheim. Sein Thema: „Vom Wert des Streitens

    Streit ist für kaum einen Menschen angenehm. Aber weitaus schlimmer ist es, sich nur noch anzuschweigen. Wenn Auseinandersetzungen vermieden werden, gibt es keine Entwicklung. Wenn wir lieber nichts ändern, um Streitereien aus dem Weg zu gehen, ändert sich alles ohne uns, in der Politik genauso wie in der Kirche. In seinem Wort zum Sonntag lobt Pfarrer Wolfgang Beck aus Hildesheim deshalb den Streit.

    Am Gottesdienst teilnehmen werden der Bundesratspräsident, der Bundestagspräsident, der Präsident des Bundesverfassungsgerichts, der Bundespräsident und die Bundeskanzlerin, außerdem zahlreiche Vertreter aus Politik und Gesellschaft sowie Bürgerdelegationen aus anderen Bundesländern.

    Nicht alle Plätze im Kirchenschiff dürfen coronabedingt besetzt werden, deshalb wird es für weitere Ehrengäste eine Übertragung in die Ulrichskirche in Halle geben. Auch bei der musikalischen Gestaltung dürfen nur ausgewählte, kleine Ensemble mitwirken.

    https://www.finanznachrichten.de/nachrichten-2021-09/54071180-kirchliche-sendungen-am-wochenende-2-3-oktober-2021-im-ersten-007.htm

     

    Anmerkung:

    Verlogen und verkommen ist diese Brut. Wer von denen ließ denn den Streit um die Coronamaßnahmen seit 2020 zu. Wer sich um die Coronamaßnahmen seit 2020 genau mit dieser Brut streiten wollte, wurde gnadenlos genau von dieser Brut niedergemacht.

  • Freiherr
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    Papst Franziskus nennt die „Impfungen“ einen Akt der Liebe !

    Leck mich am Arsch ! – das traut er sich zu verkünden, als Abgesandter Gottes ! –

    trotz inzwischen weltweit mehr als 2 Millionen durch die Spritze Ermordeter.

    Und damit gibt er ja seinen  “ Segen “ zum weiterso.

    Mit dem Teufel im Bunde, der “ Heilige Stuhl „, nix Neues freilich.

     

     

     

     

     

     

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