Die Impfapartheid

 in FEATURED, Gesundheit/Psyche, Politik

Israel und Großbritannien sind schon weitgehend durchgeimpft — dort können wir studieren, was uns in naher Zukunft blüht. Wenn mal ein Großteil der Bevölkerung geimpft ist, wird alles gut — dann verschwindet das Virus. So wird es uns von den Medien vermittelt, und darauf hoffen noch immer viele. Andere denken, die Pharmaindustrie und die mit ihr eng verbundenen politischen Parteien würden Ruhe geben, wenn genügend Impfdosen verkauft sind — dann würden sie beim renitenten Rest der Menschen vielleicht ein Auge zudrücken. Denn schließlich könnten sich Impfverweigerer nur noch gegenseitig anstecken, und das liegt allein in deren Verantwortung. Aber spekulieren wir nicht zu viel, schauen wir uns an, was in vergleichbaren Ländern, wo der Impfprozess schon weiter fortgeschritten ist, Realität ist. Israel und Großbritannien sind die vielfach bestaunten und beneideten Vorreiter. Dort bahnen sich Entwicklungen an, die den schlimmsten Befürchtungen deutscher Corona-Skeptiker entsprechen: Hartnäckig wird Druck auf Impf-Unwillige ausgeübt, setzt sich eine Mentalität durch, die es in Ordnung findet, dass es für diese Gruppe immer mehr Nachteile gibt. Für „Verweigerer“ schließen sich im öffentlichen Leben immer mehr Türen. Die Schreckensvision einer Impfapartheid ist dabei, Gestalt anzunehmen. Jonathan Cook

 

In den beiden Staaten, in denen die Impfung am weitesten fortgeschritten ist, Israel und Großbritannien, entwickelt sich eine völlig absehbare, aber unheilvolle politische Atmosphäre. Derzeit lebe ich in dem einen, Israel, bin jedoch in dem anderen geboren und habe dort den Großteil meines Lebens verbracht.

Während jedes Land sich dem Ziel nähert, die Mehrheit seiner Bevölkerung zu impfen, drehen sich die gesellschaftspolitischen Diskussionen zunehmend um die Frage, was mit denjenigen geschehen soll, die noch nicht geimpft wurden oder sich weigern, sich impfen zu lassen.

Israel hat bereits im Eiltempo einen sogenannten „Grünen Pass“ eingeführt — seine Version des „Immunitätspasses“. Zum Teil ist es ein zynischer Schachzug von Premierminister Benjamin Netanjahu, um seine Aussichten bei den Parlamentswahlen in diesem Monat zu verbessern, indem er einen Vorwand findet, um die Wirtschaft schnell wieder anzukurbeln und der israelischen Öffentlichkeit das Gefühl zu geben, dass die Dinge „zur Normalität zurückkehren“.

Israel ist dabei, die Impfung als Voraussetzung für Aktivitäten wie einem Kinobesuch, ein Essen im Restaurant, ein Training im Fitnessstudio oder einen Hotelaufenthalt zu machen. Die Debatte weitet sich auch schnell dahingehend aus, dass einige Jobs von einer Impfung abhängig gemacht werden sollten.

Der „Nanny-Staat“

Nichts von alledem ist überraschend. Israel ist eine weitgehend konformistische Gesellschaft, in der man sich gegen vermeintliche Feinde immer auf ein solidarisches Gemeinschaftsgefühl verlassen kann — sei es der traditionelle, generische „Araber“ oder ein neuerer Eindringling wie ein bedrohlicher Virus.

In jenen Teilen der israelischen Gesellschaft, in denen das Vertrauen in die staatlichen Behörden am geringsten ist, hat die Impfkampagne Mühe, Fuß zu fassen: bei Israels großer Minderheit palästinensischer Bürger — die Palästinenser in der Besatzungszone haben übrigens keinerlei Einfluss, da ihnen die Impfung von Israel verweigert wird — und bei Israels religiöser ultra-orthodoxer Gemeinschaft, die auf Gott und nicht auf säkulare Vertreter vertrauen.

Vielleicht ist es doch etwas überraschender, dass die britische Regierung in Erwägung zieht, dem Beispiel Israels zu folgen, obwohl sich die Konservative Partei seit jeher die „Freiheiten des Engländers“ auf die Fahnen geschrieben hat und traditionell gegen einen sich einmischenden „Nanny-Staat“ ist. — Dieser Widerstand gilt natürlich nur, wenn sich die Forderungen an den Staat darauf beziehen, den Armen und Ausgegrenzten zu helfen und nicht etwa den Großkapital.

Boris Johnson, der Populist schlechthin, will die britische Öffentlichkeit bei der Stange halten, die gerne wieder in den Pub zurück möchte, während die Tory-Partei im Allgemeinen die Wiederankurbelung der Wirtschaft und die Beschwichtigung ihrer Firmensponsoren braucht, wenn ihr Anspruch, die Partei des privaten Unternehmertums und des Wirtschaftswachstums zu sein, weiterhin plausibel klingen soll.

Impfapartheid

Die Ethik von Immunitätspässen wird auch auf den Seiten meiner alten Zeitung, dem liberalen Guardian heiß diskutiert — wenn auch in etwas ernsthafterer Hinsicht.

Nick Cohen, ein Kolumnist, den zu zitieren ich unter normalen Umständen peinlichst vermeiden würde, schreibt von einer drohenden „Impfapartheid“ und merkt an — in vage zustimmenden Worten — dass „es nur eine Frage der Zeit ist, bis wir uns gegen die Ungeimpften wenden“. Was wir brauchen, so argumentiert er, ist ein noch härteres Durchgreifen gegen die freie Meinungsäußerung, gegen „Fake News“, um das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Regierung zu stärken und die Impfbereitschaft zu erhöhen.

Cohens einzige Sorge ist, dass die schwarzen und asiatischen Bevölkerungsgruppen, da sie dem britischen Staat am wenigsten vertrauen und sich impfen lassen, dann die Hauptleidtragenden jeglicher Reaktion der Öffentlichkeit gegen die Nichtgeimpften sein würden. Das, so fürchtet er, werde das Gewissen von identitätsbewussten Liberalen wie ihn auf die Probe stellen.

Ein anderer Kommentator des Guardian zitiert unverfroren den Philosophen John Stuart Mill, um zu argumentieren, dass der Entzug von Grundrechten für Ungeimpfte — also wieder Impfapartheid — salonfähiger gemacht werden kann, wenn er positiv als „Anreiz“ und nicht negativ als Bestrafung dargestellt werde. Hilfreich ist, dass uns gesagt wird: „Das Ziel mag dasselbe sein, aber die moralische Rechtfertigung ist eine völlig andere.“ Was für eine Erleichterung!

Auch hier regt sich das Gewissen des Autors nur in der Befürchtung, dass schwarze und asiatische Bevölkerungsgruppen als Kollateralschäden dieser Zwangs- oder Ausgrenzungsmaßnahmen enden könnten.

Eine Zukunft als „Schnipfen“

All diese Bedenken werden unter dem Strich von den Lesern des Guardian untermauert, die ihre eigenen Versionen des „gesunden Menschenverstands“ anbieten. Beliebte Beispiele sind die Entlassung von Ungeimpften aus ihren Jobs, um andere zu schützen, und die Verweigerung von medizinischer Behandlung in einem überlasteten Gesundheitssystem — anscheinend sogar, wenn sie ein Leben lang ihre Beiträge gezahlt haben.

Die Zukunft, zumindest die, die sich diese Liberalen ausmalen, erinnert an die Geschichte von Dr. Seuss über die Verachtung der blankbäuchigen Schnipfen durch die hochnäsigen Schnipfen mit dem Sternchen auf dem Bauch (1):

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Hatten die sternbäuchigen Schnipfen Frankfurter Braten, oder Picknicks oder Partys oder Marshmallow-Toasts, luden sie die blankbäuchigen Schnipfen nie ein. Sie ließen sie kalt außen vor, in der Dunkelheit der Strände. Sie hielten sie fern. Sie ließen sie niemals in ihre Nähe kommen. Und so haben sie sie Jahr für Jahr behandelt (2).

Das Pandemiedrama

Lassen Sie uns für einen Moment innehalten; Dies ist kein Beitrag für oder gegen die Impfung. Das überlasse ich anderen, nicht zuletzt deshalb, weil die Polarisierung dieser Diskussion völlig ablenkt und von dem wegführt, was ich für tiefer gehende Zusammenhänge in Bezug auf das Vertrauen in die Covid-Impfstoffe halte, die wiederum allgemeinere Probleme des Vertrauens in unsere staatlichen Institutionen und die von ihnen vertretenen Werte, widerspiegeln.

Ich möchte diesen Raum wie schon zuvor nutzen, um unsere Aufmerksamkeit, wenn auch nur kurz, von der Debatte, die jeder führt, auf eine Debatte zu lenken, die fast niemand führt.

In der Tat möchte ich die Debatte komplett auseinandernehmen und sie neu strukturieren. Sind Sie stark in die Argumente der Impfbefürworter und Impfgegner eingebunden — oder in die oft übersehenen Bedenken der Impfverweigerer —, ist dieser Artikel vielleicht nicht das, was Sie sich erhofft haben.

Stattdessen ist dies ein Aufruf, uns von dem Drama der Pandemie wegzubewegen, um das Virus im Gesamtzusammenhang zu betrachten, das uns — wenn wir zuhören würden — eine Warnung offeriert, dass wir falsch liegen könnten.

Eine Scheindebatte

Das Problem bei der Debatte darüber, ob wir Menschen zu einer Covid-Impfung zwingen können sollten, ist eigentlich, dass es gar keine Debatte ist. Es ist eine Scheindebatte, denn eine echte Debatte braucht zwei Seiten. Wie so oft bei diesen von den Medien inszenierten moralischen „Dilemmas“ ist es nur eine Seite der Debatte, die sich für beide Seiten ausgibt.

Die ethischen Aspekte von Immunitätspässen oder Impfstoffapartheid hängen von einer breiteren Debatte darüber ab, was unsere Gesellschaften meinen — und was sie verschleiern — wenn sie Fragen des Vertrauens, des öffentlichen Wohls und der sozialen Solidarität diskutieren. Eine echte Diskussion dieser Themen, nicht die verlogene von Politikern und Guardian-Autoren vorgetragene, sollte im Mittelpunkt stehen, wenn es darum geht, wie wir Bedenken hinsichtlich Privatsphäre, persönlicher Entscheidungen, sozialem Druck und Mob-Tyrannei behandeln.

Wenn Kolumnisten, Politiker und liberale Zeitungsleser argumentieren, dass wir uns alle bei der Teilnahme an der Impfung am Gemeinwohl orientieren sollten, legen sie plötzlich einen ethischen Maßstab an, den sie bei der Abwägung anderer Fragen nur selten zugrunde legen. Die plötzliche Sorge um das Wohl der Gesamtbevölkerung klingt hohl und eigennützig, wenn sie von denen geäußert wird, die normalerweise nur das oberflächlichste Interesse am Gemeinwohl und an sozialer Solidarität bekunden.

Hinter der Clownsmaske

Die Realität ist, dass wir in einer Gesellschaft leben, die seit mindestens vier Jahrzehnten ausschließlich im Interesse einer winzigen Konzernelite geführt werden. Diese Unternehmerklasse — die alle unsere großen Medien besitzt und betreibt und unseren gekauften Politiker eine Drehtür bietet — ist nicht nur darauf aus, Geld zu verdienen. Konzerne sind Wirtschaftsunternehmen, die von einer psychopathischen Besessenheit angetrieben sind, Gewinne zu maximieren und Kosten zu externalisieren — das heißt, das schmutzige Erbe ihrer Geschäftsmodelle auf diejenigen abzuwälzen, die außer Sichtweite sind: die Armen im Inland, die Armen im Ausland und die zukünftigen Generationen.

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Mein aktueller Beitrag: Die zunehmend verzweifelte Aufgabe der Wahrnehmungsmanager des Kapitalismus ist es, unser Wirtschaftssystem von der sich abzeichnenden Umweltkrise zu distanzieren — um unser Verständnis für den kausalen Zusammenhang zu brechen: https://t.co/S4Aby314FX — Jonathan Cook, 25. Oktober 2020.

In unserer Gesellschaft gibt es Menschen, viele, die das anscheinend nicht verstehen. Nach einer Kindheit mit Werbung für Ronald McDonald fällt es ihnen schwer, hinter die Clownsmaske zu schauen, zu den verlorenen Wäldern, die einst die Lungen des Planeten waren und jetzt riesige Verarbeitungsanlagen sind, in denen viele Millionen eingesperrter Rinder mit Maisabfällen statt mit Gras zwangsgefüttert werden und diese armen Tiere dann mit Medikamenten versorgt werden müssen, um sie mit ihrer unnatürlichen Ernährung am Leben zu erhalten. Das ist es, was zur Herstellung eines High-Street-Cheeseburgers wirklich nötig ist.

Die sichtbaren Milliardäre, Leute wie Rupert Murdoch, Jeff Bezos und die Koch-Brüder, sind nicht besser als die gesichtslosen Konzerne, mit denen sie konkurrieren. Sie haben enormen Reichtum angehäuft, nicht weil sie außergewöhnliche Geschäftsvisionäre wären, sondern weil sie begabte Narzissten und Psychopathen sind, deren extreme Gier und rücksichtsloses Streben nach Eigennutz sie an die Spitze gebracht hat. Und weil sie an der Spitze unserer sozialen Hierarchien stehen, können sie sowohl die politischen als auch wirtschaftlichen Ideologien rationalisieren, die diese Hierarchien aufrechterhalten, als auch die sozialen Werte formen, nach denen der Rest von uns leben muss.

Mangel an Vertrauen

Seit Jahrzehnten betet unsere Gesellschaft einen einzigen Wert mit zwei Seiten angebetet: Geld und Macht. Aber plötzlich wird uns von genau den Leuten gesagt, die unsere Gemeinschaften atomisiert haben, die ein gnadenloses Wirtschaftssystem geschaffen haben, die den Planeten mit ihrer Gier zerstört haben — diesen Leuten, die aus der neoliberalen Orthodoxie eine Religion gemacht haben —, dass wir darauf vertrauen müssen, dass sie während der Pandemie unsere besten Interessen im Sinn haben.

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Der neue BBC-Chef Richard Sharp ist nicht nur ein Großspender der konservativen Partei, sondern er hat auch geholfen, eine Firma zu finanzieren, die der „Menschenlagerhaltung“ bezichtigt wird, weil sie Sozialhilfeempfänger in „Kaninchenstall-Wohnungen“ stopft, um von einem Programm der konservativen Regierung zu profitieren: https://t.co/nR4wOeZozv — Jonathan Cook, 26. Februar 2021.

Bis dato kümmerten sie sich keinen Deut um das Gemeinwohl. Doch plötzlich, nach vielen Monaten wirtschaftlicher Kontraktion, wenn die Konzerne endlich wieder die Chance haben, schnelles Geld zu verdienen — entweder durch die Produktion und den Verkauf von Impfstoffen an verzweifelte Regierungen und deren Bevölkerungen oder durch die Forderung nach einer eiligen Rückkehr zum „business as usual“ durch erzwungene Impfprogramme —, sind die Konzerne und ihre pflichtbewussten Diener in den Medien und der politischen Klasse schockiert, dass ein Teil der Öffentlichkeit, die am meisten betrogen wurde, einen Mangel an „Vertrauen“ signalisiert.

Nick Cohen liefert ein interessantes Umfrageergebnis: In Birmingham — der einzigen Stadt, für die detaillierte Statistiken erstellt wurden — akzeptierten nur 60 Prozent der über 80-Jährigen den Impfstoff in Alum Rock, einem benachteiligten und rassisch gemischten Viertel der Innenstadt, während es in Sutton Four Oaks, einem überwiegend weißen Pendlervorort, 95 Prozent waren.

Warum sollte das so sein? Warum sollten wohlhabende weiße Menschen, die das System immer begünstigt hat, einem System, das sich um sie kümmert, schneller vertrauen als die Armen und ethnischen Minderheiten, die von diesem System immer mit Verachtung behandelt wurden?

Die Frage zu stellen, bedeutet sie zu beantworten. Wohlhabende Liberale wie Cohen verstehen das auch. Deshalb hoffen sie, gesellschaftliche Überwachungsmechanismen zu reaktivieren, die Informationen, die ihren Vorstellungen nicht entsprechen, streng kontrollieren oder zensieren, sodass sie wieder das alleinige Recht haben, den Armen und Ausgegrenzten zu diktieren, was die Wahrheit ist, um für sie zu bestimmen, was in ihrem Interesse ist.

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Fünf Treffer und du bist raus: Twitter geht gegen Covid-Impfstoff-Fehlinformationen vor: https://t.co/4V0jpEfhH5 — Jonathan Cook, 2. März 2021.

Hüter der Gesundheit?

Ein Außerirdischer, der die westliche Gesellschaft im vergangenen halben Jahrhunderts aus dem All beobachtet hat, könnte das Problem besser erklären als Cohen. Die Menschen werden geradezu aufgefordert, der Pharmaindustrie, den Konzernmedien und den Politikern zu vertrauen, die vom Wohlwollen profitbesessener Konzerne abhängig sind, dass sie entscheiden, was das Beste für uns ist, und zu glauben, dass die Konzernelite dieses Mal keine Abstriche machen wird, dass sie keine Informationen verheimlichen wird, dass sie keinen Schaden anrichten wird, dass sie die Kosten nicht auf uns, die Öffentlichkeit, abwälzen wird, — dass es dieses Mal anders sein wird.

Das sind genau dieselben Konzerne und ihre Funktionsträger, die in der Vergangenheit die verarbeitende Industrie zerstört haben, die das Rückgrat der jetzt dezimierten Gemeinden war; die die verstärkte Militarisierung der institutionell rassistischen und korrupten Polizeikräfte gebilligt und sie in innerstaatliche Armeen verwandelt haben; und die an der Plünderung und Zerstörung des Planeten beteiligt sind, von dem wir alle abhängen.

Viele Menschen sehen die Verwüstung, die wir als Spezies dem Planeten zugefügt haben, auf dem wir wohnen, und bezweifeln, dass denselben Psychopathen zugetraut werden kann, dass sie sich um das besser kümmern, was in unseren Körpern vorgeht, als sie in der Welt außerhalb von uns getan haben. Diese beiden Welten — die innere und die äußere — sind schließlich eng miteinander verbunden. Kann man denjenigen, die in ihrem Job als Hüter des Planeten versagt haben, wirklich zutrauen, als Hüter unserer Gesundheit zu dienen?

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Mein Aktuelles: Die Kampagne zur Diskreditierung der Vitamin-D-Forschung ist völlig losgelöst von der evidenzbasierten Medizin. Es ist „Innungs“politik in ihrer schlimmsten Form. Medizinischer Protektionismus. Diese Angriffe haben nichts mit der öffentlichen Gesundheit, der Bekämpfung von Covid oder der Rettung von Leben zu tun: https://t.co/YK7OplO5nc — Jonathan Cook, 22. Februar 2021.

Dschungel für die „Stärksten“

Umgekehrt wurden diejenigen, die sich eine weniger egoistische Gesellschaft wünschten — Orte, an denen soziale Solidarität und das Gemeinwohl die Schwächsten und Verletzlichsten wirklich schützen würden —, ignoriert, herabgesetzt und verleumdet. Ja, wir haben nicht vergessen, was der Guardian und andere Liberale mit Jeremy Corbyn und seinen Anhängern gemacht haben.

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Mein Aktuelles: Der Guardian posiert immer noch als hilfloser Zuschauer in den erbitterten Fehden, die die Labour-Partei spalten, während er in Wirklichkeit ein aktiver Teilnehmer bei der Sabotage von Corbyns Bemühungen war, die britische Politik ehrlicher und rechenschaftspflichtiger zu machen: https://t.co/CLCxPzERO9 — Jonathan Cook, 10. August 2020.

Diejenigen, die wollten, dass sich unsere Gesellschaft wie eine Gemeinschaft verhält, anstatt als Dschungel zu fungieren, in dem nur die „Stärksten“ gedeihen dürfen, waren nicht einmal eine Minderheit. Sie waren die Mehrheit. Aber sie hatten und haben immer noch keine Macht, Einfluss zu nehmen.

Sie sind nicht die Milliardäre, denen die Zeitungen gehören, die die gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Maßstäbe für Gut und Böse diktieren. Sie sind nicht die Milliardäre mit Stiftungen und Denkfabriken, die in der Lage sind, sich in das Herz der Regierung einzuschleichen und heimlich die politische Agenda zu verzerren und zu korrumpieren. Sie sind nicht die Milliardäre, die drohen, das ganze System zum Absturz zu bringen, es sei denn, sie werden jedes Mal mit öffentlichen Geldern gerettet, wenn ihre eigene Gier die Wirtschaft ruiniert.

Nach Jahrzehnten dieses psychopathischen Egoismus, der durch die Adern unserer Gesellschaften fließt, will plötzlich eine liberale Elite über soziale Verantwortung sprechen. Sie wollen, dass wir eben jenen Konzerninteressen vertrauen, die alles zerstört haben, was uns lieb und teuer ist. Zu zweifeln, zu zögern, aufgrund langer Erfahrung ängstlich zu sein, ist nur ein Beweis dafür, dass man ein Spinner ist, ein Verschwörungstheoretiker, Wissenschaftgegner, ein Trump‘scher Populist.

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Hmm. Eine neue Umfrage stuft eine große Anzahl von Briten (und Europäern) als „Verschwörungstheoretiker“ ein, weil sie glauben, dass ihre Regierung Covid ausnutzt, um die Überwachung zu verstärken — während Großbritannien sich darauf vorbereitet, trotz Datenschutz- und ethischer Bedenken Impfzertifikate einzuführen: https://t.co/lS4CgMX4s4

— Jonathan Cook, 23. Februar 2021.

Dieselben alten Muster

Als Covid-19 vor einem Jahr auftauchte, schrieb ich einen populären Beitrag über die Lehren, die wir aus dem Virus ziehen könnten. Traurigerweise scheinen wir nichts gelernt zu haben. Tatsächlich machen wir in den gleichen, vertrauten Mustern von Wettbewerb, Habgier und Verachtung für die natürliche Welt weiter. Die Impfstoff heilung wird uns nicht vor der wirklichen Krankheit retten, die uns ums Leben bringt.

In der Tat, während reiche Länder arme Länder übers Ohr hauen, um schneller an bessere Impfstoffe zu kommen; während Staaten das Virus ausnutzen, um die heimischen Überwachungsprogramme zu intensivieren, die schon lange vor Covid entwickelt wurden; während „Fake News“ über das Virus und die Impfstoffe zum Vorwand werden, um den Vorhang vor dem Fenster zu ziehen, durch das wir kurz einen Blick auf die reale Welt geworfen haben, in der wir leben, und nicht auf die mythische, die die Herrschaft der Plutokraten stützt, gehen wir zurück zur schlimmsten Art von Normalität: das „Normal“ der Ignoranz, der Spaltung, des Kolonialismus.

Menschen dazu zu zwingen, den Covid-Impfstoff zu nehmen — sei es durch Anreize oder Bestrafungen — ist keine soziale Solidarität oder soziale Verantwortung. Es ist eine selbstgefällige liberale Anmaßung, die sich als solche maskiert.

Wollen wir wirklich einen sozialen Konsens, wollen wir wirklich das Gemeinwohl, wollen wir wirklich, dass jeder auf das Miteinander vertraut, dann müssen wir unsere Gesellschaften neu gestalten. Wir müssen uns entscheiden, die engstirnige, selbstsüchtige, nicht rechenschaftspflichtige Elite zu bekämpfen, die über uns herrscht. Wir müssen uns ein für alle Mal entscheiden, das Gemeinwesen, die Allmende, das öffentliche Wohl zu schätzen — und nicht am Altar des Profits und der Gier zu beten.

Niemand bezahlt Jonathan dafür, diese Blogbeiträge zu schreiben. Wenn Ihnen dieser oder einer der anderen von ihm gefallen hat, können Sie hier spenden

 

Jonathan Cook ist ein preisgekrönter britischer Journalist, der seit 2001 als freiberuflicher Berichterstatter in Nazareth, Israel, lebt. Er hat einen Abschluss in Philosophie und Politik von der Southampton University sowie in Journalistik von der Cardiff University und absolvierte ein Masterstudium in Nahoststudien an der School of Oriental and African Studies University of London. Cook gewann den Martha Gellhorn Special Prize für Journalismus und ist Autor von drei Büchern über den israelisch-palästinensischen Konflikt.
Weitere Informationen finden Sie auf seiner Homepage.


Redaktionelle Anmerkung: Dieser Text erschien am 5. März 2021 unter dem Titel „Immunity passports: Does social solidarity only count when it gets us back to the pub?“. Er wurde von Sabine Amann aus dem ehrenamtlichen Rubikon-Übersetzerteam übersetzt und vom ehrenamtlichen Rubikon-Korrektoratteam lektoriert.


Quellen und Anmerkungen:

(1) In seinem Bilderbuch „Die Schnipfen und andere Geschichten“
(Originaltitel: The Sneetches and others Stories) aus dem Jahr 1961 stellt der US-amerikanische
Kinderbuch-Autor und Cartoonzeichner Theodor Seuss Geisel, genannt Dr. Seuss, zwei Gruppen von Schnipfen vor: Die einen haben einen Stern auf ihrem Bauch, die anderen nicht. Die blankbäuchigen Schnipfen wollen unbedingt Sterne bekommen, da mit Tragen eines Sterns auf dem Bauch Privilegien verbunden sind. Aber nur der Mann, dessen Maschine „Sterne auf den Bauch“ macht, profitiert
davon … In Europa ist Dr. Seuss vor allem bekannt als Erfinder des weihnachtshassenden Grinch.
(2) Originaltext:
When the Star-Belly Sneetches had frankfurter roasts
Or picnics or parties or marshmallow toasts,
They never invited the Plain-Belly Sneetches.
They left them out cold, in the dark of the beaches.
They kept them away. Never let them come near.
And that’s how they treated them year after year.

 

Dieses Werk ist unter einer Creative Commons-Lizenz (Namensnennung – Nicht kommerziell – Keine Bearbeitungen 4.0 International) lizenziert. Unter Einhaltung der Lizenzbedingungen dürfen Sie es verbreiten und vervielfältigen.
Dank an den Rubikon, www.rubikon.news, wo dieser Artikel zuvor erschienen ist.
Showing 6 comments
  • Die A N N A loge
    Antworten
    Ich glaube nicht, dass Impfen hier zur Pflicht wird. Eher denke ich, dass ein negativ Test künftig bindend sein wird zum Besuch von Geschäften, Restaurants, Friseur, kultureller Veranstaltungen etc. Das Netz der Testzentren wird mehr und mehr ausgebaut und es gibt die Selbsttests inzwischen im Handel zu kaufen. Ich finde den Schritt zur Ausweitung der Tests sehr vernünftig. Es ist einer von vielen  Schritten, um die hohen Infektionszahlen wieder zu drosseln.

    Ich hoffe, dass wir die neue Infektionswelle gut überstehen.

    • Freiherr
      Antworten
      Zum Glück begreifen ja immer mehr Leute – jedenfalls diejenigen wo noch bischen Hirn vorhanden ist – dass dieses ständige Testen die Ursache allen Übels ist, nicht etwa ein Grippevirus.

      Diese Tests die keine Infektionen feststellen können, liefern zu 97 % Falschpositive, von den verbleibenden 3 % dann noch mindestens 2 % Cold-Infections – vom RKI und ARD/ZDF dann als “ Infektionszahlen “ verkündet !

      Mit diesen also völlig falschen Zahlen, Infektionen betreffend, werden dann diese kriminellen Maßnahmen “ gerechtfertigt “, eine “ Pandemie “ erfunden, weitere “ Bedrohnungslagen “ erfunden, “ Mutationen “ als Gefahren herbeigezaubert u.s.w…

      Das ist alles was man begreifen muss, sollte, auch weil wissenschaftlich längst bewiesen !

      Aber wie könnte man es den wirklich Dummen, die diese Lügen und vorsätzlichen Falschberichte weiterhin glauben oder glauben wollen, noch erklären ?

      Sehr schwierig, weil sie in dieser Angstblase festsitzen, dieser gezielten sozial-psychologischen Massenhypnose, völlig unvernünftiger Weise auch.

      Aber vor allem auch weil sie der Propaganda weiterhin glauben, sich den wirklichen Fakten verschliessen, wollen sie gar nicht hören und wissen, würde ihnen ja vor Augen führen dass sie sich haben täuschen lassen.

      Und so hängen sie den Nachrichtensprechern weiterhin an den Lippen, glauben jeden Mist der da verkündet wird.

      In diesen Zeiten wird überdeutlich wie stark psychologisch sich Propaganda auswirkt.

      Das kann sie aber nur wenn die Leute sich weigern mal selbst nachzudenken, sich selbst mal zu überzeugen, zu hinterfagen –

      und es ist der geradezu blinde Glaube an das was diese Nachrichtensprecher so verkünden, auch das eine psychologische Irreführung.

      Bei diesem nun stattfindenden Psychokrieg als historischer Schwindel angewandt, würde es aber schon genügen wenn man die Grundrechenarten beherrscht, bis drei kann Jeder zählen, eigentlich.

       

       

       

       

       

       

       

       

       

       

       

       

       

       

       

      • Die A N N A loge
        Antworten
        In welcher Blase lebst du eigentlich?
        • Freiherr
          Antworten
          Die Pandemiegläubigen waren vor diesem strategisch psycho-sozialen Blendwerk schon diejenigen die von der Realität so gut wie keine  Ahnung hatten, vom System und dessen Propaganda systemkonform-blind-gehirngewaschen unter einer IQ-Schwelle  die man noch als Geistesgegenwärtigkeit bezeichenen könnte mehr dahinsiechten als wenigstens halbwach zu sein.

          Das trifft auch auf die vorher vermeintlich als intelligente Überschicht angesehene Garde zu, die dann plötzlich an intellektuellem Stromausfall litten, einem Geistesgegenwärtigkeits-Kurzschluss im Gehirn.

          Und so muss wohl attestiert werden, dass im Land der Denker das Denken systematisch aberzogen wurde – sehr erfolgreich auch – die Manipulation des Geistes eine deutsche Erfolgsgeschichte gar ist, ganz im Gegenteil zur Geistesgeschichte.

          in other words: ich sehe nur noch Deppen herumlaufen !

           

           

           

           

  • c.w.
    Antworten
    SIE tun es, weil SIE es können und wir SIE lassen.

    wie SIE sich selber nennen, als was SIE sich selbst begreifen, wie SIE sich uns darstellen und verkaufen?

    ???

    zurecht werden SIE und ihre handlungen hinterfragt.

    leider noch immer viel zu wenig, gemessen an den widersprüchen, die ihre selbstdarstellungen und ihre handlungen, mit sich bringen:

    3000 superreiche maßen sich an, die geschicke der welt und von über 7 mrd menschen zu lenken?

    SIE, die bisher durch die steigerung der ausbeutung und zerstörung von mensch, tier und umwelt, wegwerfproduktion, systemische manipulation, unterdrückung, korruption, mord, folter und krieg ihre macht- und ihre profitinteressen gnadenlos durchgesetzt haben, wollen MIR jetzt IM NAMEN DES VIRUS weismachen, dass SIE sich mit ihrem GREAT RESET plötzlich für eine bessere welt und unser aller WOHLERGEHEN stark machen?

    ???

    ich müsste an meinem gesunden menschenverstand zweifeln, mich selbst als unmündig erklären, meine selbstverantwortlichkeit und alle bisherige lebenserfahrung ab- oder aufgeben bzw. in die tonne kloppen, würde ich das glauben.

    nein, diese suppe ess‘ ich nicht!

     

     

     

  • anti Panik
    Antworten
    https://viruswaarheid.nl/informeren/gerechtigheid-het-zweedse-model-of-wat-anders-opties-om-een-herhaling-van-de-corona-hysterie-te-voorkomen/

     

    Gerechtigkeit, das schwedische Modell, oder was sonst? Optionen, um eine Wiederholung der Corona-Hysterie zu verhindern.

     

    Vor 2020 gab es in den Niederlanden fast jede erdenkliche institutionelle Barriere, um etwas so Zerstörerisches und Illegales wie Lockdowns zu verhindern. Das Kabinett war im Februar 2020 gut informiert, als es erfuhr, dass nach dem damaligen Stand der Wissenschaft von Lockdowns abgeraten wurde. Die Entwürfe für eine vernünftige Politik waren fertig[1]. Doch die Politiker beschlossen, der Panik nachzugeben, und machten sich damit auch die wirkliche Wissenschaft zum Feind der Regierung[2]. Neben der wissenschaftlichen Barriere gab es eine Verfassung gegen die Beschneidung von Grundrechten. Es gab eine Gewaltenteilung. Es gab auch die langjährige Gewohnheit, „nicht in Panik zu geraten“.

    Alles vergeblich. In der Hysterie des März 2020 kippte das politische Land, und nach dem Sommer 2020 wurde es noch schlimmer, mit enorm negativen Folgen für die Jugend und die gesamte Bevölkerung[3]. Wie kann eine Wiederholung dieser Katastrophe vermieden werden? In der internationalen Opposition machen inzwischen vier ernstzunehmende Vorschläge gegen Lockdowns die Runde.

    Justiz

    Die erste Möglichkeit ist eigentlich die beste, nämlich die Gerechtigkeit[4]. Die Gesetze zu medizinischen Experimenten sollten einfach durchgesetzt werden, und so sollten die Politiker wirklich zur Verantwortung gezogen werden. Es scheint mir offensichtlich, was eine wirkliche Einhaltung erreichen würde, da die Regierung die Vor- und Nachteile von Sperren nicht abwog und damit die Grundregel des Nürnberger Kodex[5] und auch die niederländischen Gesetze über unbewiesene Experimente[6] missachtete.

    Man darf einfach keine Experimente machen, wenn man nicht vernünftig sagen kann, dass der Nutzen die Kosten übersteigt, und diese Überlegung wurde im politischen Raum nie angestellt, obwohl immer wieder deutlich wurde, dass die Kosten enorm sind und es keinen klaren Nutzen gibt[7]. Wenn sich die Politik dafür wirklich vor Gericht verantworten muss, auch wenn es erst in 10 Jahren ist, wäre das ein enorm wichtiges Signal für die Zukunft. Zukünftige Politiker wüssten dann, dass sie für ihre Entscheidungen in Krisenzeiten wirklich verantwortlich sind.

    Leider gibt die Geschichte nur wenig Hoffnung, dass der Gerechtigkeit Genüge getan wird, auch wenn Viruswaarheid sein stinkendes Bestes tut. Die Beispiele sind Legion, wie Spitzenpolitiker mit eindeutig illegalen Entscheidungen davongekommen sind, die Millionen getötet haben. Tony Blair zum Beispiel wird wegen der illegalen Invasion des Irak keinen Tag im Gefängnis verbringen. Amerikanische Politiker sind nie für die Bombardierung Kambodschas zur Rechenschaft gezogen worden. Niederländische Politiker wurden weder für den Zuschlagsskandal noch für die Übergriffe in Afghanistan oder (länger zurückliegend) für die Polizeiaktionen in Indonesien bestraft. Gerechtigkeit ist eine schöne Idee, aber im wirklichen Leben selten.

    Nun, wir sollten nicht zu negativ über die Chance auf Gerechtigkeit denken: Es ist eine einmalige Situation und so wie wir eine Welle der Angst haben, ist auch eine Welle der Gerechtigkeit möglich. Schließlich gibt es in vielen westlichen Ländern Prozesse, und wenn einige dieser Länder ihre eigenen Politiker hinter Gitter bringen, könnte sich das Blatt auch in den Niederlanden wenden. Revolutionen sind nicht umsonst dafür bekannt, dass sie oft ihre eigenen Anführer töten.

    Das schwedische Modell

    Eine zweite Möglichkeit, eine Wiederholung der Coronaramp-Politik zu verhindern, besteht darin, dass wir, wie Schweden, einem separaten Institut die tatsächliche Kontrolle über die öffentliche Gesundheitspolitik übertragen, wenn es um Infektionskrankheiten geht[8]. Das schwedische Institut besteht seit 2015 und hat etwa 600 Mitarbeiter, deren Haupttätigkeit die Kontrolle von Infektionskrankheiten ist. Das Institut untersteht dem schwedischen Gesundheitsministerium, ist aber weitgehend unabhängig und hatte schon zu Krönungszeiten das Sagen. Wissenschaftlich wird das Institut von Anders Tegnell geleitet, unterstützt von einem ganzen Club gleichgesinnter schwedischer Wissenschaftler wie Johan Giesecke.

     

    Der große Vorteil eines solchen unabhängigen Instituts ist, dass es in der Zeit der Hysterie den Rücken gerade halten konnte, auch als klar wurde, dass viele schwedische Politiker ebenfalls auf Abschottung setzen wollten. Aufgrund des politischen und gesellschaftlichen Drucks ist die schwedische Politik zwar zunehmend repressiver geworden, aber sie haben sich immer noch nicht zu den Lockdowns durchgerungen. Also keine geschlossenen Schulen, Zwangsdistanzierungen, Einschränkungen hinter der Haustür oder Reiseverbote. Der Kollateralschaden ist daher in Schweden viel geringer als in der EU[9]. Es ist auch wahrscheinlich, dass das Beispiel Schwedens es Norwegen und Dänemark erleichtert hat, die Sperren im Frühjahr 2020 schnell abzuschaffen, woraufhin diese Länder weniger restriktiv wurden als Schweden selbst.

    Auch die Niederlande könnten dieses Modell kopieren und die gesamte Kontrolle über Infektionskrankheiten an ein separates Institut abgeben, das dann auch für die Politik in Zeiten von Pandemien zuständig wäre. Ein solches Institut könnte die Lehren der letzten 13 Monate an künftige Generationen von Beamten des öffentlichen Gesundheitswesens weitergeben.

     

     

    Ein von einer Jury ernannter Ombudsmann für gesunden Menschenverstand

     

    Eine dritte allgemeine Idee, um eine Wiederholung dieser Katastrophe zu verhindern, ist eine nationale Institution, die dafür sorgt, dass kritische Stimmen in Zeiten der Massenhysterie nicht zum Schweigen gebracht werden. Wir sprechen von einer Institution, die über Infektionskrankheiten hinausschauen und damit auch versuchen würde, über eine vernünftige Politik in Bezug auf Terrorismus, Klimakatastrophen, Meteoriten, Atomwaffen und alles andere nachzudenken, was eine ganze Bevölkerung in Panik versetzen kann.

     

    Der australische Spitzenbeamte Sanjeev Sabhlok, der aus Protest gegen die totalitäre Corona-Politik der Regierung im Bundesstaat Victoria zurückgetreten ist und ihr anschließend ein Buch gewidmet hat[10], schlägt einen „Black Hat Commissioner“ vor. Das ist eine Art Laus im Pelz, die ein Gegengewicht zu allmächtigen Schränken bilden muss. In den Niederlanden könnte man es einen „Gezond Verstand Ombudsman“ nennen, dessen Aufgabe es wäre, gegen Ängste anzugehen. Gerade in dem Moment, in dem sich die Politik im Gruppenwahn zu verzetteln droht, sollte eine solche Institution also einen starken Ton der Opposition anschlagen.

     

    Ein Vorbehalt gegenüber diesem Vorschlag ist, ob wir nicht schon genug Institutionen haben, die eigenständig kritische Töne von sich geben sollten. Wenn sie versagt haben, sollten wir vielleicht darüber nachdenken, die bestehenden Institutionen zu reformieren, anstatt neue zu schaffen. Dafür spricht einiges: In den Niederlanden haben wir bereits einen Ombudsmann, unabhängige wissenschaftliche Räte, Planungsbüros und den Staatsrat, die alle ebenfalls eine solche kritische unabhängige Rolle ausfüllen sollten. Leider hat sich in den letzten 12 Monaten gezeigt, dass sie sich nicht trauen, eine harte Linie gegen die Katastrophenpolitik zu fahren. Ab und zu ließen diese Institutionen sparsam etwas halbwegs Kritisches verlauten, aber ein wirklich harter Gegenton fehlte, was eigentlich darauf hindeutet, dass diese Institutionen nicht wirklich unabhängig sind und auch nicht die nötige Schlagkraft in den Medien haben. Das größte Problem bei all diesen sogenannten unabhängigen Institutionen ist, dass diejenigen, die sie leiten, immer aus dem gleichen Club kommen, nämlich den Insidern. Sie sind nicht unabhängig.

     

    Wenn wir also in Zukunft ernsthafte unabhängige Gegenmaßnahmen von Institutionen wollen, die es wagen würden, gegen die katastrophale Corona-Politik vorzugehen, sollten wir nicht nur über eine Institution nachdenken, die gegen die Massenhysterie vorgeht, sondern auch über die Art und Weise, wie die Spitze einer solchen Institution ernannt wird. Ernennungen direkt durch Politiker haben spektakulär versagt. Was Sie sich wünschen, ist ein Ernennungsverfahren, das eine bessere Chance bietet, sicherzustellen, dass diejenigen, die ernannt werden, wirklich unabhängige Denker sind, denen auch das Wohl des niederländischen Volkes am Herzen liegt.

     

    Eine wichtige Möglichkeit in dieser Richtung ist es, eine Jury, bestehend aus Bürgern, die durch das Los bestimmt werden, die Ernennungen vornehmen zu lassen.[11] Man könnte zum Beispiel 30 niederländische Bürger im wahlberechtigten Alter per Los bestimmen, die darüber entscheiden, wer der Leiter verschiedener unabhängiger Beratungsgremien sein wird. Indem man verschiedene Jurys für verschiedene Beratungsgremien einsetzt, hat man die beste Chance, dass wirklich unabhängige Köpfe irgendwo eingesetzt werden. Ich kann mir vorstellen, dass dieses Verfahren für den Wissenschaftlichen Rat für Regierungspolitik, den Sozial- und Wirtschaftsrat, den Ombudsmann für den gesunden Menschenverstand und auch für die höchsten Beamten der einzelnen Ministerien angewendet werden könnte.

     

    So etwas ist in der Geschichte schon viele Male erfolgreich gewesen. In Venedig und Florenz wurden die Stadtoberhäupter viele hundert Jahre lang auf diese Weise ernannt: Jurys aus Bürgern, die durch das Los bestimmt wurden, entschieden, wer die Leitung dieser Städte übernehmen würde. Auch im alten Rom und Athen wurden viele Ernennungen durch Jurys und Lose entschieden, eben um politische Intrigen und den Verlust des unabhängigen Denkens zu verhindern. Es ist tatsächlich demokratischer als Ernennungen durch das Parlament, weil es die Macht direkt in die Hände von beliebigen Bürgern legt. Es macht die Bürger auch mitverantwortlich für die Regierung ihres Landes.

    Im Prinzip könnten diese per Los bestimmten Jurys selbst entscheiden, wie sie Kandidaten finden und ernennen, unterstützt von einem Sekretariat, das sie ebenfalls selbst ernennen müssten. Es geht also darum, den bestehenden politischen und beamteten Apparat komplett aus der Besetzung der Gremien herauszuhalten, die das niederländische Volk unabhängig beraten sollen, ebenso wie die Spitze des öffentlichen Dienstes selbst. Dies würde auch die Macht des Kabinetts stark reduzieren und dem öffentlichen Dienst mehr Unabhängigkeit geben.

    Natürlich sind auch viele andere Ernennungskonstruktionen denkbar, aber die Grundidee ist deshalb, durch radikal mehr Demokratie, kombiniert mit Institutionen, die das Mandat haben, angesichts der Massenhysterie einen kühlen Kopf zu bewahren, in Zukunft eine viel stärkere Gegenbotschaft in der niederländischen Politik zu erhalten.

    Ein internationales Anti-Hysterie-Büro

    Ein Problem bei allen oben genannten Lösungen ist, dass sie nur in den Niederlanden etwas ändern, nicht aber anderswo. Das hat den Vorteil, dass wir es wirklich machen können, weil wir niemanden außerhalb der Niederlande dafür brauchen, aber es hat auch den Nachteil, dass die Gefahren, die von außen kommen, nicht angesprochen werden. Vor allem die Korona-Hysterie war international: Sie hatte bereits enorme Ausmaße erreicht, bevor sie im März 2020 über die Niederlande hereinbrach. Man kann versuchen, die Hysterie-Dämme im eigenen Land so hoch wie möglich zu ziehen, aber wenn das Problem eine riesige Hysterie-Welle von außen ist, muss man auch überlegen, wie man ihr international begegnen kann.

    Das internationale System hat in dieser Hysterie natürlich spektakulär versagt. Anstatt einen hartgesottenen Sinn für Vernunft an den Tag zu legen und sich an ihre eigenen Ratschläge vor der Pandemie zu halten, machte auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) mit und heizte die Hysterie an[13]. 13] Der Hauptgrund dafür war auch, dass die Führungsspitze dieser Organisation durch und durch korrumpiert war, so dass z. B. die WHO es politisch nicht verantworten konnte, die Politik Chinas offen anzugreifen, obwohl genau das nötig gewesen wäre. Genau wie die angeblich unabhängigen niederländischen Beratungsgremien war auch die WHO nicht mehr unabhängig, sondern ein Teilnehmer am Karussell der Eliten.[14] Zum Versagen der WHO kam noch das massive Versagen der medizinischen akademischen Clubs, die sich nur zu gerne an der Hysterie beteiligten, da es eine nette Möglichkeit war, Punkte zu sammeln.

    Ein Grund, den internationalen Weg nicht als völlig aussichtslos zu sehen, ist das Verhalten von Unicef (dem internationalen Kinderhilfswerk) und der UNO. Sie werden oft, zu Recht, als zahnlose Plaudergruppen angesehen, und doch haben sie versucht, in dieser Hysterie Gutes zu tun, indem sie große Berichte über die gigantischen Kollateralschäden der Corona-Politik veröffentlichten[15]. Sie taten es sparsamer als nötig und stellten nicht ihren gesamten Medienapparat für die gute Sache zur Verfügung, aber dennoch äußerten sie mehr Widerstand als andere. Internationale Organisationen sind also nicht völlig hoffnungslos.

    Die Idee ist also ein neues internationales Institut, das die internationalen Wellen der Hysterie aufgreift und ihnen entgegenwirkt.

    Die Herausforderung besteht darin, nicht nur herauszufinden, wie eine internationale Organisation eine Massenhysterie erkennen und ihr entgegenwirken kann, sondern auch, wie sie ehrlich gehalten werden kann. Die große Gefahr ist, dass eine solche Organisation auch Teil des Problems wird, wie die WHO, die ihre Mission verspielt hat. Ich lade den Leser ein, darüber nachzudenken, wie eine solche Organisation funktionieren und ehrlich bleiben könnte. Meine Vision, wie das gehen könnte, werde ich beim nächsten Mal darlegen, am besten nach ausführlichen Diskussionen mit mitdenkenden Lesern. Das grundsätzliche Ziel ist natürlich klar: mit Liebe und Wahrheit auch der nächsten Hysterie entgegenwirken.“

    übersetzt mit deepL

    Darüber nachzudenken wie wir das stoppen können ist auch ein Weg aus der Schockstarre.

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