Die Schönheit des Alten und Einfachen

 In FEATURED, Gesundheit/Psyche, Wirtschaft

Wer bei Wabi Sabi an den grünen Meerrettich denkt, den man zu Sushi serviert, liegt rein geografisch gesehen nicht ganz falsch. Wabi-Sabi ist die Grundlage japanischer Ästhetik und tief in seiner Zen-Kultur verwurzelt. Die Prinzipien dieser Ästhetik sind: mono no aware (das Pathos der Dinge), Wabi (die Schönheit der Armut), Sabi (die Schönheit des Alterns), yugen (geheimnisvolle Tiefe), iki (Verfeinerung) und kire (Beschneiden/Grenze). Sie können uns helfen, unsere Haltung den Dingen gegenüber zu überdenken und zu verstehen. (Quelle: Zeitpunkt)
http://www.zeitpunkt.ch/index.php/wabi-sabi-die-schoenheit-des-alten-und-einfachen

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    ert_ertrus
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    Die Schönheit alter Spielsachen – der abgeknutschte Teddybär, das Matchboxauto mit Sandkastenabrieb, die ruckelig fahrende verkratzte alte Modellbahnlok, …

    Die Schönheit alter Werkzeuge und Gerätschaften – der alte Hobel aus Opas Werkstatt, alte Holzmeißel (mit abgegriffenen Heften, vom Schweiß und den Schwielen vieler fleißiger Handwerker gezeichnet), die Gusseisengugelhupfform aus Urgroßmutters Küchenengerätschaften, …

    …und alles noch immer im Gebrauch, …

    Schaut euch mal in eurem Ambiente um, wäre schön wenn ihr diese Liste fortführen mögt 😀

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    Prima Artikel oben, eine sehr wertvolle Anregung! – Gut so, daß das hier zu lesen ist!
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      Nachtrag zu meinem Kommentar oben: Schade nur, daß solche wertvollen Anregungen so schnell wieder vom Bildschirm verschwinden, und das oft wohl, ohne von den vielen Lesern in seiner Bedeutung richtig wahrgenommen worden zu sein!

      Sind hier viele Leser etwa nur darauf aus, ihnen bereits Wohlbekanntes vorzufinden und sich damit dann in ihrer Meinung bestätigt zu sehen?!?

      Ich möchte dann gerne empfehlen, sich – nicht immer nur um das äußere Tagesgeschehen oder momentan gerade aktuell Angesagtes zu kümmern, sondern immer wieder gerade auch – sich selbst und die eigene Geisteshaltung zu all dem zu erforschen, denn – zu unserem Weltkulturerbe und zu dessen sorgsamer Pflege gehört immer auch – die sorgfältige Kultivierung und Pflege des eigenen Selbstes.

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    ert_ertrus
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    Wäre es nicht längst an der Zeit, das Selbst an sich zum immateriellen Weltkulturerbe zu erklären?

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    heike
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     ert_ertrus, bei Deiner Liste geht es um liebgewordene Erinnerungen – das macht die Dinge für Dich schön.

    Bei Wabi Sabi geht es um Ästhetik, die man ganz unabhängig von persönlichen Erinnerungen wahrnimmt. Der Koffer auf dem Bild ist Wabi Sabi – der Teddybär nicht. Beides rührt unser Herz – aber die Wabi Sabi – Gegenstände entfalten ihre Wirkung auf uns aufgrund der Materialien, die mit der Zeit „reifen“ (das Fell des Teddys reift nicht), ihrer Gestaltung (stimmige Linien), ihrer Einfachheit (die Schönheit der Armut), die Bedeutung des Gegenstandes an sich (das Pathos der Dinge)

    „Die Prinzipien dieser Ästhetik sind: mono no aware (das Pathos der Dinge), Wabi (die Schönheit der Armut), Sabi (die Schönheit des Alterns), yugen (geheimnisvolle Tiefe), iki (Verfeinerung) und kire (Beschneiden/Grenze).“

     

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    ert_ertrus
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     ert_ertrus, bei Deiner Liste geht es um liebgewordene Erinnerungen – das macht die Dinge für Dich schön.

     

    Trägt dazu bei – aber es bleibt ein Wahrnehmungsexzess über persönliche Wertschätzung hinaus.

    Im Übrigen brauche ich keine Nachhilfe in Wabi Sabi-Rezeption. Ich habe mich schon etwas länger damit auseinandergesetzt, bin somit nicht zum 1. Mal damit in Berührung gekommen. Auch ist es keine ostasiatische Spezialität – mono no aware entspricht den lacrimae rerum in vielen Aspekten (Sunt lacrimae rerum et mentem mortalia tangunt, s. Vergil) 

    Nächster Vorschlag: Wabi Sabi muss immaterielles Weltkulturerbe werden, sofern dies nicht schon geschehen ist …

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      Piranha
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      Tatsächlich dachte ich direkt an „wasabi“ , aber mehr noch als an den Meerettich an Jean Reno, der während eines Gesprächs mit seinem Freund Momo in einem japanischen Restaurant ein Schälchen wasabi futtert – völlig unbeeindruckt von der Schärfe des wasabi. (Wasabi – ein Bulle in Japan)

      Hallo ert-ertrus,

      Deine Anregung fine ich interessant, da ich einiges einordnen kann, was dem Konzept im weiteren Sinne entsprechen könnte.

      Da ist bspw. mein 30 Jahre alter Kurzmantel aus schwarzem Leder, den ich inzwischen nur noch liebevoll meinen „Columbo-Mantel“ nenne und den ich in jedem Frühjahr und jedem Herbst trage, der Alterspuren hat und mir deshalb nur noch wertvoller geworden ist.

      Da ist aber auch eine kleine Uhr mit hölzernem Gehäuse, die ich vor langer Zeit von einer Tante geerbt habe, die ihrerseits die Uhr von ihrer Mutter erhielt; sie funktioniert noch, wenngleich auch sie deutliche Gebrauchsspuren aufweist. Und ebenso ein 10×6 cm großes Gebetbuch, perlmutt- und messingbeschlagen mit einer wunderbar silberziselierten Schließe, das die Tante in den 20ern  zur Erstkommunion bekam, usw. Es gibt Dinge, von denen trennt man sich nicht, man vererbt sie weiter.

      Und klar: Konsum kann man befeuern u.a. mit der Kurzlebigkeit von Dingen, oder indem man Leuten einredet, Dinge zu brauchen.

      Mir begegnete in einer Gruppe einmal eine Frau, die wöchentlich Unterhosen bei kik kauft, weil sie, statt zu waschen, die benutzten wegwirft. Ihr Argument: so billig kann ich nicht waschen. Da half es auch nicht, ihr den Weg von der Produktion bis zum Müllberg aufzuzeigen.

       

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    Piranha
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    Tatsächlich dachte ich direkt an „wasabi“ , aber mehr noch als an den Meerettich an Jean Reno, der während eines Gesprächs mit seinem Freund Momo in einem japanischen Restaurant ein Schälchen wasabi futtert – völlig unbeeindruckt von der Schärfe des wasabi. (Wasabi – ein Bulle in Japan)

    Hallo ert-ertrus,

    Deine Anregung fine ich interessant, da ich einiges einordnen kann, was dem Konzept im weiteren Sinne entsprechen könnte.

    Da ist bspw. mein 30 Jahre alter Kurzmantel aus schwarzem Leder, den ich inzwischen nur noch liebevoll meinen „Columbo-Mantel“ nenne und den ich in jedem Frühjahr und jedem Herbst trage, der Alterspuren hat und mir deshalb nur noch wertvoller geworden ist.

    Da ist aber auch eine kleine Uhr mit hölzernem Gehäuse, die ich vor langer Zeit von einer Tante geerbt habe, die ihrerseits die Uhr von ihrer Mutter erhielt; sie funktioniert noch, wenngleich auch sie deutliche Gebrauchsspuren aufweist. Und ebenso ein 10×6 cm großes Gebetbuch, perlmutt- und messingbeschlagen mit einer wunderbar silberziselierten Schließe, das die Tante in den 20ern  zur Erstkommunion bekam, usw. Es gibt Dinge, von denen trennt man sich nicht, man vererbt sie weiter.

    Und klar: Konsum kann man befeuern u.a. mit der Kurzlebigkeit von Dingen, oder indem man Leuten einredet, Dinge zu brauchen.

    Mir begegnete in einer Gruppe einmal eine Frau, die wöchentlich Unterhosen bei kik kauft, weil sie, statt zu waschen, die benutzten wegwirft. Ihr Argument: so billig kann ich nicht waschen. Da half es auch nicht, ihr den Weg von der Produktion bis zum Müllberg aufzuzeigen.

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    Piranha
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    Tatsächlich dachte ich direkt an „wasabi“ , aber mehr noch als an den Meerettich an Jean Reno, der während eines Gesprächs mit seinem Freund Momo in einem japanischen Restaurant ein Schälchen wasabi futtert – völlig unbeeindruckt von der Schärfe des wasabi. (Wasabi – ein Bulle in Japan)

    Hallo ert-ertrus,

    Deine Anregung fine ich interessant, da ich einiges einordnen kann, was dem Konzept im weiteren Sinne entsprechen könnte.

    Da ist bspw. mein 30 Jahre alter Kurzmantel aus schwarzem Leder, den ich inzwischen nur noch liebevoll meinen „Columbo-Mantel“ nenne und den ich in jedem Frühjahr und jedem Herbst trage, der Alterspuren hat und mir deshalb nur noch wertvoller geworden ist.

    Da ist aber auch eine kleine Uhr mit hölzernem Gehäuse, die ich vor langer Zeit von einer Tante geerbt habe, die ihrerseits die Uhr von ihrer Mutter erhielt; sie funktioniert noch, wenngleich auch sie deutliche Gebrauchsspuren aufweist. Und ebenso ein 10×6 cm großes Gebetbuch, perlmutt- und messingbeschlagen mit einer wunderbar silberziselierten Schließe, das die Tante in den 20ern  zur Erstkommunion bekam, usw. Es gibt Dinge, von denen trennt man sich nicht, man vererbt sie weiter.

    Und klar: Konsum kann man befeuern u.a. mit der Kurzlebigkeit von Dingen, oder indem man Leuten einredet, Dinge zu brauchen.

    Mir begegnete in einer Gruppe einmal eine Frau, die wöchentlich Unterhosen bei kik kauft, weil sie, statt zu waschen, die benutzten wegwirft. Ihr Argument: so billig kann ich nicht waschen. Da half es auch nicht, ihr den Weg von der Produktion bis zum Müllberg aufzuzeigen.

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      Volker
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      … haha, hihi, gröhl… wie kann man nur Unterhosen von kik … und ungewaschen gleich anziehen, mit allen Giften und so…

      Ich trage meine Unterhosen bis ich durchgucken kann, tausendmal gewaschen, sind schließlich ein Geschenk aus der Sozialkasse und kein Müll. Obwohl waschen nicht gerade öko ist, aber, wenn Armut anfängt zu stinken, steht das gleich in der Bildzeitung: Hartz IV – ungewaschen und verlaust!

      Gut, bei mehr als fünf Löchern und ausgeleiertem Gummi wird’s halt Zeit, ein wenig Eitelkeit sollte schon sein, schließlich spare ich tapfer für Notfälle an, und ein Darlehen für Unterhosen in Hängematte gibt’s eh nicht.

      Über Socken und sonstigen Luxus möchte ich mich gar nicht erst auslassen, weil ich morgen keine stinkende Bildschlagzeile lesen möchte: Hartz IV-Socken gehen uns an die Wäsche!

      Meine teilhabende Zukunft hängt somit an Unterhosen wie Socken ++glucks++, Menschenwürde sogar an einem dehnbaren Gummiband.

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