Eine große, unbeugsame Antifaschistin

 in Politik (Inland)

Foto: Sven Teschke, Lizenz Creative Commons

Esther Bejarano: Wie keine Zweite hat die Holocaust-Überlebende auf Kontinuitäten zwischen NS-Staat und BRD hingewiesen.

https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/eine-grosse-unbeugsame-antifaschistin

 

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  • Ulrike Spurgat
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    Erich Mühsam geht durch meine Gedanken, und lässt meiner Trauer um Esther Bejarano mit seinem Gedicht, vertont von dem Kommunisten Ernst Busch freien Lauf: „Wollt ihr denen Gutes tun, die der Tod getroffen, Menschen, laßt die Toten ruhn, und erfüllt ihr Hoffen.“ (Geschrieben auf den grausamen ersten Weltkrieg)

    Ein gewagter Zusammenhang ? Nein, das denk ich nicht.

    Esther Bejarano, ach wer da alles wieder über sie schreibt. Selbst in ihrer Wahlheimat Hamburg lassen es sich die Schmeißfliegen Politiker, wie der Scholz und der Bürgermeister T. nicht nehmen zu sülzen, bis die Schwarte kracht.

    Als Kommunistin und Antifaschistin stand sie aufrecht, dem Leben zugewandt, voller Lebensfreude nach einer grauenvollen Zeit sie sich dem Kampf gegen den aufkommenden Faschismus in Deutschland zur Lebensaufgabe gemacht.

    Ein lebendige Frau, die bis ins hohe Alter sich gegen Rassimus, gegen Faschismus und Krieg kämpfte. Sie unterstützte die BDS Bewegung, das Palästina das Recht auf einen eigenen Staat hat. Sie wurde Mitglied der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes, und später dann der DKP.

    Esther Bejarano stellte früh den Zusammenhang zwischen Faschismus und Kapitalismus her.

    Sie überlebte Auschwitz und den „Todesmarsch“. Die sogenannten „Antideutschen“, eine Gruppe bei der Partei: Die Linke  beschimpfte sie, als eine „Antisemitin“, weil sie die Bewegung BDS unterstützte, die für Palästina einsteht.

    Esther war Jüdin. „Ich habe Auschwitz und den Todesmarsch überlebt“, und ich lasse mich nicht als eine „Antisemitin“ beschimpfen.“

    1982 trat sie in Bochum bei dem Konzert „Künstler für den Frieden“ auf. Über 200 000 Zuschauer waren dort dabei.  Ich kann mich gut daran erinnern.

    1986 gründete sie mit anderen Überlebenden aus Auschwitz das „Auschwitz Komitee“, der Ehrenvorsitzende sie bis zu ihrem Tod gewesen ist.

    2004 kam es zu einem Eklat, als die Staatsgewalt das Auto in dem Esther Bejarano saß mit Wasserwerfern attackierte, und sie mit brutaler Gewalt daran hinderte  per Lautsprecher auf einer Demo gegen Neonazis zu sprechen.

    Mit 94 Jahren stand sie mit Konstantin Wecker auf der Bühne der Künstlerkonferenz „Melodie & Rhythmus“, denn sie war ja bekannt für ihren Elan und Schwung auf den Bühnen der Welt, immer den Frieden und die Menschlichkeit im Gepäck dabei.

    Gemeinsam sangen sie das alte Lied der Partisanen „Bella Ciao“

    Konstantin Wecker…Wo bist du ???

    Chris Jarret, der wunderbare Pianist und Komponist, dessen „Köln Konzert“ mich immer wieder aus den roten Socken haut war auch auf der Künstlerkonferenz zu hören.

    Wecker ist wie einer, der mit einer Tarnkappe unterwegs ist. Er hat alle Glaubwürdigkeit verloren, und ist letztendlich nun Einer von Vielen.

    Wir brauchen dich so, wie du damals in deinem Willi Lied gefleht hast …..

    Über diese quirlige, leidenschaftlich kämpfende Frau gibt es zu schreiben und zu schreiben……

    Selbst die, die sie letztendlich bekämpft haben, nämlich all die Schwätzer und Heuchler, die aus der Politik sich wieder an dem bedienen wo sie nichts aber rein garnichts mit zu tun haben zeigt , dass sie elende Parasiten und Schmarotzer sind und bleiben.

    Sie klauen all das, was andere erkämpft haben, weil sie sich schmücken mit fremden Federn, weil sie nichts eigenes, außer Zerstörung, Gier und Unterdrückung besitzen Sie sind wie eine leere Hülle, die mit dem verinnerlichten faulendem Gedankengut nicht überleben könnte. Sie brauchen das Lebendige, sie brauchen unsere Liebe und unser Mitgefühl. Sie brauchen das, was uns zum Menschen macht . Ohne das alles wären ihre Tage gezählt, und wir würden sie vom Hof jagen, und sie landeten dort, wo sie hingehören: Auf dem Müllhaufen der Geschichte.

    Kürzlich las ich an anderer Stelle…. „Möge dir die Erde leicht sein, liebe Esther“.

    „Weil ich den Holocaust überlebt habe und weiß was uns bevorsteht, wenn wir nicht alle gemeinsam gegen diese menschenverachtende Ideologie kämpfen: Nie wieder Faschismus ! Nie wieder Krieg ! Nie wieder Schweigen!

     

     

     

     

    • Piranha
      Antworten
      Liebe Ulrike,

      Du hast schon viele sehr lesenswerte Kommentare geschrieben.

      Dieser hier geht mir ans Herz durch soviel Liebe und Ehrerbietung und Menschlichkeit.

      Danke, P.

  • Gabriel Müller-Huelss
    Antworten
    Ein sehr schöner knapper Nachruf von Roland Rottenfußer auf eine erstaunliche Person, die der Gesellschaft künftig sehr fehlen wird.

    Darüber hinaus ist auch der ausführliche Beitrag von Ulrike Spurgat eine Bereicherung.

    Danke für Beides!

  • Holdger Platta
    Antworten
    Dem Dank von Gabriel Müller-Huelss schließe ich mich sehr gerne an!

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