Europa verändert sich. Wege zu einer mitmenschlichen Gesellschaft

 in Kultur

Dr. Bernhard Stalla empfiehlt eine Wiederbelebung der „Kultur des Erzählens“.

Europa verändert sich. Die vielen Menschen, die aus unterschiedlichen kulturellen Traditionen, aus persönlichen Gründen und Schicksalen, aus dem Wunsch heraus, dem Grauen des Terrors, des Bürgerkriegs in Syrien, der Diktaturen in Afrika zu entkommen und ein besseres Leben für sich und ihre Kinder zu erhalten, nach Europa kommen, tragen alle eine Lebensgeschichte und die Geschichten ihrer kulturellen Traditionen in sich. Eine vorgelebte „Kultur des Erzählens“ sollte auch in der heutigen Zeit gepflegt werden, sie ist als lebendiger Gegenpol zu der Computer- und Medienwelt, notwendiger denn je. Es reicht nicht aus, dass empirische Bildungsstudien den statistischen Durchschnittswert ermitteln, wie viele Buchstaben ein Grundschulkind in der Minute erfassen und lesen kann, sondern darüber hinausgehend ist es notwendig, Kindern die „Freude am Lesen“ und den kulturellen Wert der Lektüre von Texten und Büchern zu vermitteln. Die „Kultur des Erzählens“ beginnt von früher Kindheit an, beim Vorlesen von Geschichten aus Büchern durch die Eltern, bei den Erzählungen von Großeltern, Onkel und Tanten und ihren Lebenserfahrungen, beim Erhalten von Buchgeschenken und beim eigenen ersten Erzählen von Erlebnissen. Die schulische Bildung sollte das Erzählen der Kinder und Jugendlichen ernst nehmen, Räume für das Erzählen, als Vorübung von Lesen und Schreiben schaffen und ihnen für die Visualisierung und Veranschaulichung in Text- und Bildform gute Rahmenbedingungen innerhalb und außerhalb des Unterrichtes geben. Die Kultur des Bildes und die Vielfalt einer digitalen Bildkultur kann ergänzt werden mit den Erzählungen, die mit den Bildern verbunden sind. Für Erwachsene gibt es heute gute soziale und kulturelle Einrichtungen an Lesekreisen, Buchcafes, Buchpatenschafen etc. doch sollte das freie Erzählen im Rahmen der Erwachsenenbildung mehr eingeübt und gepflegt werden. Zielsetzung einer „Kultur des Erzählens“ ist die Weitergabe von Lebenserfahrungen, die Anregung der persönlichen Phantasie und Kreativität und die Förderung des persönlichen Sprechens und Zuhörens.

Bernhard Josef Stalla
Textrechte beim Autor
Das HdS Team dankt Herrn Dr. Stalla herzlich für die Veröffentlichungsgenehmigung auf HdS.

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