Felix Meyer: Der Mensch dem Menschen

 In MUSIKVIDEO/PODCAST

Der auch in kalter Zeit sensibel gebliebene Mensch und die heutige Welt – die sich groß aufschwingende vehement mahnende Anklage des Menschen an den Menschen, ergänzend zum CD-Tipp der Woche (ak)

Anzeige von 2 kommentaren
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    Bettina
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    Wundervoll! Ergreifend, das Lied.
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    Vielleicht, passt mein heutiges Erlebnis dazu- vielleicht auch nicht.
    Ich schreibe die Geschichte heute nieder, warte nicht auf morgen.
    Heute ist die Erinnerung noch frisch und unverstellt.
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    Das analoge Geständnis
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    Es war doch nur ein Versehen. Ich vergaß mein Handy- Aufladekabel bei meiner Mama. Ich bemerkte es erst , nachdem ich Abends müde nach Hause gekommen war. Gestern Abend schaltete sich mein Handy aus, es schien mir ähnlich müde zu sein, wie ich.

     

    Abends:
    Kurz geht mir ein Schrecken durch die Glieder. Ein Tag ohne Handy? Werde ich das überstehen? Und überhaupt, wer weckt mich am Morgen? Unruhig schlafe ich ein.

     

    Der Morgen:
    Sachte klopfen die Regentropfen an mein Fenster und wecken mich sanft auf. Ich liebe das Klopfen an das Fenster, es erinnert an Zelten, das frische Gras, den Duft des Morgentaus, die Morgen zwitschernden Vögel, den Flor, die Geborgenheit in der Freiheit. Eine wohltuende Ruhe umgibt mich. Da ist nichts, was mich drängt, kein surrendes Handy, keine vermeintliche Nachricht ‚du hast was verpasst‘, keine Katastrophe, die polternd, ohne anzuklopfen in mein Zimmer stürzt, da ist einfach nur die wohltuende Morgenruhe.

    Ich habe Zeit, für meinen morgendlichen Espresso, in Seelenruhe gerührt, Zeit für unsere Momo- Katze, für ein ausgiebiges ‚guten Morgen-Gespräch unter vier Augen‘, Zeit für einen kräftigen Atemzug im Garten, unter den herbstlich sich tönenden Blättern, Zeit, am Tage anzukommen.

    Heute komme ich pünktlich ins Büro, entspannt und ausgeruht.

     

    Der späte Nachmittag: Nach der Arbeit begebe ich mich, auf die Suche nach einem Ersatz- Aufladekabel. Es soll schnell gehen, das nächstgelegene technische Kaufhaus liegt in der Shopping- Mall, ein für mich ungeübtes Unterfangen. Ich betrete den Kristallpalast. Eine Luftschleuse saugt mich hinein. Glimmer, Glitzer, Hintergrundmusik, Warenmassen, lange Gänge, Rolltreppen, gläserne Aufzüge, Warenfenster ganz im Spiegelglanz, Young Fashion, Old Fashion, Sonderangebote, neue Ware, Schnäppchen Ware, Neonwerbung, Waffelgeruch… fast stolper ich über einen jungen Mann. Ich habe ihn im grellen Licht fast übersehen.

    Endlich! Gefunden, technisches Kaufhaus. Schwer atmend trete ich durch die Scan-Geräte am Eingang, vorbei an langen Gängen, Regale, soweit, das Auge reicht, voll bestückt mit technischen Geräten, Gänge Weise, hier ein Angebot, da ein Reißer, dort das Neueste der Technik- ja, all das brauchen wir zum Leben…

     

    Ich möchte doch nur ein Aufladekabel für mein Handy….

     

    Ich finde einen Verkäufer, eine gezielte Frage, ein passendes Kabel. Preisvergleich? Nein bitte nicht! Ich nehme das erst beste mit. Wo ist die Kasse? Ein analoger Wecker findet im Vorübergehen noch den Weg zu mir, für morgens, zum Aufstehen. Endlich… wieder draußen.

     

    Danach, unterwegs in der Bahn, auf dem Weg nach Hause:
    Noch sehe ich die Einkaufstasche der Frau, die auffällig rot und elegant gekleidet, im Eingang der U-Bahn steht, mit der Aufschrift: „Ich liebe Shoppen“.

    Ich schauer kurz und kehre zu meinen Gedanken zurück. Was für ein Vorstellung! Künftig kein morgendliches Surren und Piepen mehr vom Handy, keine Ankündigung vermeintlich verpasster Nachrichten!

    Meine Welt wird wieder analog, ein Hoffen. Im Keimen des Frühjahrs der Lockruf des Vogels, im Blühen des Sommers das Surren der Bienen, im Frühherbst das Klopfen der Tropfen, im Spätherbst das Heulen des Sturms, die fallenden Blätter die zur Ruhe sich legen, im Winder der weiche Flockengesang.
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    Ich atme tief durch. Ich spüre ihn wieder, lange vermisst, den lockenden Flockengesang, mit dem die Gänse in den Norden ziehen, er klingt hinter jedem klopfenden Tropfen. Zart kündigt er sich an, aus der Ferne.

     

    Hörst du ihn auch,

    den Ruf der Stille, federleicht getupft?
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    Jenseits der Stille – Wie klingt der Schnee?
    https://youtu.be/9ROhr3Mwmy4
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    (19-09-23/ BB)

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      Volker
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      Sachte klopfen die Regentropfen an mein Fenster und wecken mich sanft auf.

      Von wegen sachte. Ist purer Lärm, wenn Regentropfen mit 200 km/h tornadolike Doppelglasfenster perforieren, fühlt sich an und dröhnt wie Krieg ++ rattatatawummsplitter ++.
      Guten, sanften Weckruf, wenn frühe Vögel Höllenlärm verbreiten, einfach loszwitschernd wüten, ab Sonnenaufgang bis Untergang? Dazu noch das Wispern fallernder Blätter im Herbst, vom Winde verweht, Hahnenschrei zur Einstimmung des Tages, fallende Zapfen sterbender Bäume und, und…

      Ein analoger Wecker findet im Vorübergehen noch den Weg zu mir, für morgens, zum Aufstehen.

      Konstantin wird es freuen, quatsch, kleiner Scherz am Rande. ++glucks+++ Analoge Kampfwecker mit Uhrwerksfunktion sind Höllenmaschinen, dafür konstruiert, schläfriges Malochervolk auf Trab zu bringen, brutale Technik kapitalorientierter Brutalis – Methode Holzhammererwachen mit Schädeltrauma.

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