Fukushima, Japan und die USA (2/2)

 in Politik (Ausland), Umwelt/Natur
Kind mit Dosimeter (Gerät zur Messung der Strahlendosis)

Kind mit Dosimeter (Gerät zur Messung der Strahlendosis)

Am 11. März jährte sich zum fünften Mal die furchtbare AKW-Katastrophe von Fukushima. Anlaß auch für uns, zurückzublicken auf diesen Tag. Mehr noch aber, nach den Hintergründen dieser Katastrophe zu fragen. Nun, mit unserem heutigen Gast-Autor, dem Tokyoter Wissenschaftler Kazuhiko Kobayashi, konnten wir einen in jederlei Hinsicht hochkompetenten Gastautor für diesen Rückblick gewinnen. Kobayashi, von Hause aus eigentlich Philologe und Wirtschaftswissenschaftler, viele Jahrzehnte lang auch tätig gewesen in der Bundesrepublik, zeigt in seiner Untersuchung auf, was hinter Fukushima stand und steht, was sich hinter der japanischen AKW-Politik verbarg und verbirgt, welche internationalen Zusammenhänge am Beispiel Fukushima aufzuzeigen sind. Holdger Platta, der im letzten Jahr, im November, Kazuhiko Kobayashi für einen Vortrag in Göttingen gewinnen konnte, hat den Text des engagierten japanischen Kämpfers gegen die AKW-Politik seines Heimatlandes behutsam ins Deutsche übertragen. Kobayashi, mittlerweile 69 Jahre alt, der sich vor allem für die japanischen Kinder engagiert, die von der Fukushima-Katastrophe betroffen sind, wird voraussichtlich auch in diesem Jahr wieder nach Deutschland kommen, um auf einer längeren Vortragsreise für die zumeist an Schilddrüsenkrebs erkrankten Kinder aus Fukushima und Umgebung Spendengelder zu sammeln. Wir werden zu gegebener Zeit auf diese Vortragsreise hinweisen. (Artikel: Kazuhiko Kobayashi, Vorspann: Holdger Platta, erster Teil des Artikels hier: https://hinter-den-schlagzeilen.de/2016/03/11/fukushima-japan-und-die-usa-12/)


Keine gerechte Justiz in Japan, Kein einziger Verantwortlicher von Tepco wurde vor Gericht gestellt!

Die Bürger in Fukushima werden ihrer Rechte beraubt, ihr gesundheitliches, finanzielles Recht gegen die Regierung und Tepco geltend zu machen. Es gibt keine neutrale Gerichtsbarkeit in Japan. Die Bürger sind gezwungen, alles zu akzeptieren, was von der Regierung, dem Ministerium und Atommafias gesagt wird.

Zum Beispiel: ein Richter in der Präfektur Fukushima, der wegen der radioaktiven Unfallgefahr die Wiederinbetriebnahme des stillgelegten AKWs Takahama – Reaktor 3 und 4 – vorerst nicht zugelassen hatte, wurde vom japanischen Justizministerium
seines Postens enthoben und in eine unbedeutende Position nach einem anderen Ort versetzt.

Zum Beispiel Druck gegen die Atomprotestierenden: die Stadtverwaltung Tachikawa/Tokyo wollte auch meinen Vortragsabend im März 2015 im städtischen Kulturveranstaltungshaus verhindern.

Die Stadtverwaltung wollte den von dem Veranstalter ordnungsgemäß angemieteten Vortragsraum im städtischen Kulturveranstaltungshaus kurz vor Beginn meines Vortrags sperren lassen, und zwar mit dem Argument, daß ich angeblich von einem Bürger per Email als eine atomkritische, daher von der Stadt unerwünschte, Person kritisiert worden sei. Daraufhin stellte ich dem Stellvertreter des Bürgermeisters eine kurze Frage: „Wird Eure Stadt überhaupt demokratisch geführt?“ Darauf antwortete er:
„Entweder hören Sie mit Ihrer atomkraftwerkkritischen Äußerung auf, dann dürfen Sie den Raum benutzen, wenn nicht, dann steht ihnen eben kein Raum zur Verfügung.“ Ich mußte fast lachen. Ich sagte ihm, ich werde sowohl die atomkritische Rede halten als
auch den Raum benutzen, der allen Bürgern im demokratischen Sinne zur Verfügung stehen muß. Schließlich konnte ich ohne Probleme vor vielen Bürgern in dem Vortragsraum meine Anti-Atom-Rede halten.


Wie leben die Bürger in Fukushima und welche Probleme haben sie?

Einwohnerzahl: 2.028.752 im Jahr 2010, 1.928.086 zum Zeitpunkt 1.5.2015, Abnahme der Einwohnerzahl: 100.666

Die meisten Bürger in Fukushima unterdrücken ihre Angst und Frustration und wollen sich selbst mit der Illusion trösten, die Staats- und Landesregierung würden sie doch nicht in Stich lassen, also, es müsste schon stimmen, was die Regierung sagt: „Alles ist in Ordnung und keine gesundheitlichen Schäden.“ Denn die meisten sehen ja keine Möglichkeit, zum Beispiel eine neue Existenz außerhalb von der Präfektur Fukushima aufzubauen. Vor allem fehlen ihnen die finanziellen Mittel dazu und die beruflichen Perspektiven.

Daher werden sie auch neidisch auf diejenigen Bürger, die trotz der finanziellen Schwierigkeiten aus der Gefahrenzone von Fukushima fliehen konnten. Gewöhnlich distanzieren sie sich von solchen „Flüchtlingen“ und bezeichnen sie sogar als Feiglinge oder Verräter.

Es gibt aber auch solche Mitbürger, die zwar aus finanziellen Gründen in Fukushima bleiben, aber öffentlich gegen die Regierung protestieren und versuchen, finanzielle Kompensation als Recht zu beanspruchen. Folge: Jene Bürger in Fukushima, die sich von der Regierungsseite einschüchtern ließen, brechen dann ihre Beziehungen zu den Atomkritikern ab und grenzen ihre regierungskritischen Mitbürger aus.

Typisch für die meisten Flüchtlinge aus der Präfektur Fukushima ist, daß sie über eine höhere Bildung verfügen, zumindest aber intellektuell wach geblieben sind und gewohnt darin, selbstständig und kritisch zu denken. Ein kleiner Teil der Flüchtlinge aus Fukushima gehörte zu den Wohlhabenden dort, hatte daher relativ wenig Probleme mit den finanziellen Folgekosten ihrer Umsiedlung. Die meisten Flüchtlinge stammen aber aus der Mittelschicht und sind oft noch junge bzw. relativ junge Ehepaare mit kleinen Kindern, die am Fluchtort oft mit großen Finanzproblemen konfrontiert worden sind. Aus diesen Gründen bleiben die Väter aus solchen Familien oft alleine und gezwungenermaßen in Fukushima zurück, um ihren Job dort behalten zu können. Nur auf diese Weise sind sie in der Lage, ihre Familie auch weiterhin über Wasser zu halten. Allerdings ist inzwischen fast die Hälfte dieser Familien auseinandergebrochen, die Eltern haben sich scheiden lassen, und besonders die geschiedenen Frauen sind nunmehr mit dem zusätzlichen Problem konfrontiert, unter großen finanziellen Schwierigkeiten ihre Kinder alleine aufziehen zu müssen.

Die genaue Zahl von solchen Flüchtlingsfamilien ist nicht oder extrem schwierig zu bekommen, weil viele sich nicht wohnamtlich ummelden, aus Angst, am neuen Fluchtort als Flüchtlinge aus Fukushima abgestempelt zu werden, aber auch weil die Bezirksbehörden, unter dem Druck der Regierung, meistens keine Daten über solche Flüchtlinge veröffentlichen.

Olympia 2020 in Tokyo auch ein gezieltes Ablenkungsmanöver!

Die olympischen Spiele 2020 sollen auch als eines von idealen Ablenkungsmanövern von der radioaktiven Katastrophe von Fukushima dienen. Dafür wird auch reichlich Steuergeld ausgegeben, aber nicht für die leidenden unschuldigen Bürger in/aus Fukushima. Unter sich waren die Verantwortlichen schon längst einig, die Opfer in Fukushima, samt der unschuldigen Kinder in Stich zu lassen.

Was bedeutet „Fukushima“ für die Japaner, die außerhalb wohnen?

Trotz all der aktuellen und auch in Zukunft noch lange dauernden radioaktiven Verseuchungen ist das Thema „Fukushima“ bei den meisten Japanern längst „Vergangenheit“.

Der japanische Premierminister Abe beteuert nach der Fukushima-Katastrophe, es gebe nach wie vor keine Gesundheitsgefahren!

Der japanische Premierminister Abe beteuert nach der Fukushima-Katastrophe, es gebe nach wie vor keine Gesundheitsgefahren!

Japanische Mentalität und ihre verhängnisvollen Folgen:

Die japanischen Naturverhältnisse zwangen das Inselvolk seit uralter Zeit zu einer Mentalität, daß kollektives Interesse stets vor den individuellen Interessen zu rangieren hätte. Diese ohnehin vorhandene Mentalität wurde von dem ersten Shogun der Tokugawa-Dynastie (1603 – 1867) zwecks der Verewigung seiner Macht über ganz Japan ausgenutzt, nämlich das japanische Volk zu einer der Macht stets bedingungslos folgenden, gehorsamen Volksmentalität zu erziehen, und zwar durch die sehr gezielte, systematische und sich über ganz Japan erstreckende intensive Gehirnwäsche im Namen der japanischen Tugend des Gehorsams bzw. der Selbstopferungsbereitschaft (auf japanisch: messhi-hookoo 滅私奉公). Diese sogenannte japanische Tugend besteht darin, sein eigenes Interesse zu unterdrücken und sich selber zum Wohl der Gemeinschaft bzw. der existierenden kollektiven Macht zu opfern oder sich mit unbedingter Achtung und mit blindem Gehorsam den Älteren und Ranghöheren zu unterwerfen.

Diese während der 264 Jahre unter der Macht der Tokugawa-Shogun-Dynastie andauernde Versklavungspolitik hat beim japanischen Volk eine leicht steuerbare, erpressbare und unterwürfigen Mentalität erzeugt.

Daher nutzen die japanischen Staatsführungen diese seither gezielt erzeugte Volksmentalität rigoros für ihre eigenen Interessen aus, zum Beispiel beim „Kamikaze“, der Selbsttötungsbereitschaft zahlreicher japanischer Piloten während des Zweiten
Weltkrieg, oder, diesesmal eben, nach der „Fukushima-Katastrophe“.

Auch die im vorangegangenen Abschnitt geschilderte Reaktion der gutmütigen älteren Japanerinnen weist in typischer Weise darauf hin.

Diese Mentalität beantwortet auch die Frage, wieso gerade jene Partei mit Mehrheit gewählt wird, sogar von den Bürgern in Fukushima, die trotz höchste Super-GAU-Gefahr ausgerechnet im erdbebenreichsten Land der Welt Atomkraftwerke errichten ließ, somit die politische Hauptverantwortung für die Fukushima-Katastrophe trägt und dennoch alle sonstigen Atomkraftwerke wieder in Betrieb nehmen will. Diese Partei regiert seit dem Ende des 2. Weltkrieges bis heute fast monopolistisch als größte Partei Japans und vertritt vorrangig das Interesse der Industrie- und Wirtschaftsgroßkonzerne. Sie hat es am besten verstanden, diese japanische Mentalität zu ihren Gunsten ausnutzen.

Im übrigen legt die japanische Führungselite in Regierungspartei und japanischen Staatsministerien gegenüber einer noch mächtigeren Instanz selber diese unterwürfige Mentalität an den Tag: gegenüber den USA. Fast kritiklos und beinahe hündisch
gehorcht die japanische Elite der US-amerikanischen Wirtschaftspolitik und ihren globalen Militärstrategien – fast schon eine ironisch zu nennende Paradoxie.

Globales Nuklearproblem und das größte Verbrechen der Politik und Wirtschaft:

Setzt sich das Verbrechen der japanischen Atompolitik unbestraft fort? Die japanische Regierung ist sich mit den betreffenden Ministerien und Tepco längst einig, die durch radioaktive Strahlungen bereits erkrankten und auch später noch erkrankenden Bürger, darunter vor allem viele unschuldige Kinder in der Präfektur Fukushima und Umgebung, wegen der eigenen wirtschaftlichen
Und machtpolitischen Interessen eiskalt in Stich zu lassen.

Nun ist ihr unbedingtes Interesse an der Fortsetzung der japanischen Atompolitik ohne den Zusammenhang mit den globalen Atommächten und Mafias und deren nuklearen Waffen- und Kraftwerksgeschäften überhaupt nicht zu verstehen. Denn dieses globale Atomgeschäftsbündnis mit seinem Netzwerk, zu dem auch die japanischen Atommafias gehören, steuert und übt hinter der Atompolitik Japans ständig Druck aus.

Die Entwicklungsgeschichte der ersten Atombomben und die gewissenslosen Wissenschaftler, die nur ehrgeizig, machthungrig und
geldgierig waren.

Im Grunde ist die Menschheit seit der Entwicklung der ersten Atombomben in das gefährlichste, verhängnisvollste Zeitalter hineingeraten. Die USA waren bereits vor dem zweiten Weltkrieg mit dem Versuch beschäftigt, die atomare Kraft für die Waffen zu benutzen, starteten aber erst im Jahr 1942 unter dem Namen „Manhattan Project“ die Entwicklung der Atombomben mit dem größten
staatlichen Einsatz.

Die Entwicklungsgeschichte der Atombomben ist nichts anderes als das größte Verbrechen, das die Menschheit mit bestimmten Waffen begangen hat, und zwar im vollen Bewußtsein ihrer höchst unmenschlichen Zerstörungsfolgen: nämlich der Vernichtung unzähliger Menschen und unersetzbarer Umwelt – Tatsachen, die zum größten Teil von den Täterstaaten stets verheimlicht bzw. verharmlost worden sind.

Streng geheime Menschenversuche in den USA mit Radionuklideinspritzungen im staatlichen Auftrag

Die unmenschlichen Greueltaten begannen schon während der ersten Entwicklungsphase in den USA vor dem Abwurf der beiden Atombomben über Hiroshima und Nagasaki – für das „Manhattan Project“ nämlich, an dem nicht nur Atomphysiker bei der Entwicklung von Atombomben beteiligt waren, sondern auch Mediziner, die vor allem – ebenfalls aus militärischen Gründen – die Auswirkungen von radioaktiven Nukliden auf den menschlichen Körper erforschten. Erst nachträglich wurde entdeckt, daß dabei führende Mediziner im Staatsauftrag, ab 1945 bis Ende dieses Projektes, an 18 US-amerikanischen Bürgern Menschenversuche durchgeführt hatten, geheim natürlich, und zwar durch Direkteinspritzung von hochgefährlichem Plutonium. Schließlich wurde sogar aufgedeckt, daß im Zeitraum zwischen 1945 und 1989 insgesamt 1200 US-Amerikaner Opfer solcher Menschenversuche mit Radionukliden geworden waren.

Stafford Leak Warren, Mediziner und Hauptverantwortlicher der medizinischen Abteilung des Manhattan-Projektes. Er hat die Menschenversuche mit der Plutoniumeinspritzung an den 18 us-amerikanischen Bürgern eingeleitet. Er hat auch die Stadt Hiroshima und Nagasaki besichtigt, um die Bombenauswirkungen auf die unzähligen zivilen Menschenopfer zu erforschen.

Hiroshima und Nagasaki: bewußte Massenvernichtung Hunderttausender von Zivilisten zwecks militärischer Machtdemonstration und zugleich ein gigantischer Menschenversuch, entgegen allen Regeln der „Genfer Konvention“

Im Jahr 1945 war der Krieg für Japan ohnehin schon total verloren, das ganze Land war zum großen Teil verbrannt und kaum noch imstande, den Krieg weiterzuführen. Alle Luft- und Seewege Japans waren bereits unter der Herrschaft der amerikanischen Militärmacht. Die US-Amerikaner waren daher auf weitere militärische Angriff nicht mehr angewiesen, und schon gar nicht auf den Einsatz von Massenvernichtungswaffen wie der Atombombe. Japan stand, so oder so, kurz vor der Kapitulation.

Warum warf dennoch die US-amerikanische Militärmacht die beiden Atombomben über Hiroshima (am 6.8.1945) und über Nagasaki
(am 9.8.1945) ab, im vollen Bewußtsein, daß dadurch Hunderttausende von Zivilisten, darunter unzählige Frauen und Kinder, getötet würden.

Der Grund ist eindeutig klar. Die US-amerikanische Regierung und die Militärs wollten die einmalige Gelegenheit nutzen, ihre neuen Atombomben direkt an der Zivilbevölkerung testen zu können, und sich gleichzeitig der gesamten Welt als das einzige Land präsentieren, das über eine neuartige und unmenschlich verheerende Wunderwaffe verfügt. Aber man sollte auch nicht vergessen, daß all die Physiker und Mediziner begeistert mitgemacht hatten, ohne irgendwelche moralischen Skrupel und ohne irgendeinen Gedanken daran, daß unzählige Zivilisten, Frauen und Kinder auf grausamste Weise bei diesem Waffeneinsatz sterben mussten. Längst wussten sie, welch verheerende gesundheitliche Folgeschäden, über zig Generationen hinweg, radioaktive Strahlung auf die betreffenden Menschen habe würde – aber es interessierte sie nicht.

Im September 1945, also kurz nach der bedingungslosen Kapitulation Japans, erließ General Douglas MacArthur in Japan eine mündliche Anordnung, die bis 1952 ihre offizielle Gültigkeit behielt, und zwar mit folgendem Inhalt:

1. Alle japanischen Strahlenopfer sollten als streng geheime Objekte des US-amerikanischen Militärs behandelt werden. Heißt: alle japanischen Atombombenopfer, ob tot oder lebendig, unterlagen einzig und allein der Kontrolle der US-amerikanischen Militärmacht; sie galten als Objekte streng geheimer radioaktiver Menschenversuche.

2. Allen japanischen Strahlenopfer und allen japanischen Ärzten, die sie behandelten, wurde verboten, über die gesundheitlichen Auswirkungen der Atombombenabwürfe berichten zu dürfen; selbst interne Dokumentationen oder Aufzeichnungen waren mit Strafe belegt.

3. Die Verstrahlten durften von ihrem körperlichen Zustand nicht Dritten gegenüber berichten, auch den eigenen Familienmitgliedern und Verwandten gegenüber nicht.

4. Die japanischen Ärzte durften nicht miteinander über die therapeutischen Behandlung der Verstrahlten sprechen.

5. Die Japaner durften generell nicht die Auswirkungen radioaktiver Strahlen auf den menschlichen Körper erforschen.

6. Die Japaner durften keine schriftlichen Arbeiten über radioaktive Verstrahlung veröffentlichen.

Bei diesen Anordnungen hatte die japanische Regierung keinerlei Mitspracherecht, sie sollte nur für deren strikte Einhaltung sorgen.

Das ist der Grund dafür, daß kaum japanische Mediziner nach dem Zweiten Weltkrieg die radioaktive Strahlung zu ihrem Forschungsthema gemacht haben und daher nur sehr wenige japanische Experten auf diesem Gebiet zu finden sind.

Diese Anordnung hatte dann aber auch über ihre Laufzeit hinaus noch enorm große Auswirkungen auf die Politik der japanischen Regierung gehabt. Sie führte dazu, daß es zu einer fast totalen Unterwerfung der japanischen Politik unter die US-amerikanische kam – was auch für die japanischen Mediziner galt, deren Verband ein sehr enges Verhältnis zur LDP (Liberal-Demokratische Partei Japans) pflegte und immer noch pflegt, zur auch derzeit immer noch stärksten Partei in Japan, und damit zu einer Partei, die sich stets für das Bündnis mit den USA eingesetzt hat und stets auch für eine Pro-Atom-Politik. Auch nach der Fukushima-Katastrophe zeigte sich das wieder aufs deutlichste, und kaum ein Mediziner wagte es, sich atomkritisch gegenüber der japanischen Regierung zu äußern.

Atombombentests:

Die USA hatten während der Zeit 1946 bis 1958 in Pazifik 67mal Atombombentests durchgeführt. Darunter war auch der Wasserbombentest vom 1.3.1954 auf den Bikini-Atoll-Inseln im Pazifik, der mit seiner 1000fach größeren Explosionskraft als die Hiroshima-Bombe viele Inseln im Pazifik in hohem Ausmaß radioaktiv verseuchte. Die vielen daran erkrankten Inselbewohner wurden von den USA lange Zeit ohne Information und auch ohne Entschädigung einfach in Stich gelassen.

Auch die japanischen Fischer waren Opfer geworden. Im Augenblick der Explosion waren, soweit es offiziell bekannt gemacht wurde, zumindest 992 Fischerboote – in Wirklichkeit werden noch viel mehr vermutet – in der Nähe des Explosionsgebietes. Nachdem der radioaktive Schadensumfang immer größer und deutlicher wurde – am Beispiel unzähliger Mengen von verseuchten Fischen etwa, nicht mehr essbar natürlich, oder am Beispiel der vielen Fischer, die an radioaktiver Strahlung erkrankten, darunter auch die erkrankten und verstorbenen Fischer an Bord des Fischerbootes „Daigo Fukuryuu Maru“-, haben die USA schließlich 7 Monate nach dem Bombentest der japanischen Regierung 2 Mio Dollar Schweigegeld dafür bezahlt, daß Japan
keine radioaktiven Messungen mehr im Pazifik durchgeführt hat, im übrigen auch an den Fischen nicht mehr.

Auch während eines dreiwöchigen Einsatzes im Irakkrieg 2003 wurden von den USA und ihren alliierten Ländern zwischen 1000 und 2000 Tonnen Uranmunition eingesetzt, chemisch hochgiftig und ebenfalls radioaktiv. Obwohl die enorme Anzahl an Strahlenopfer dank weltweit tätiger Nichtregierungsorganisationen, sogenannter NGOs, aufgedeckt wurden – betroffen waren Zigtausenden von Kindern sowie werdende Mütter, die behinderte Säuglinge zur Welt brachten -, verhinderten die USA mit ihren Alliierten jede wissenschaftliche Untersuchung dieser Folgeschäden und Zusammenhänge.

Und nicht nur USA, sondern auch die anderen Atommächte, wie Rußland, England, Frankreich, China usw., verfuhren nach demselben Prinzip: sämtliche Staaten, die Atombombentest durchgeführt hatten, verschwiegen die Auswirkungen ihrer Versuche und teilten weder das Ausmaß der nuklearen Verseuchungen noch die Anzahl der Menschenopfer mit.

Atombomben und Atomkraftwerke

Die USA haben in den 40er Jahren des vorigen Jahrhunderts mit großem Einsatz von Wissenschaftlern und staatlichem Geld die Atombomben entwickelt und damit nicht nur ihre militärische Vormachtstellung in der Welt aufgebaut, sondern den
US-amerikanischen Industriekonzernen mit staatlichen Geldern auch neue riesengroße monopolistische Geschäftsmöglichkeiten im Bereich der Atomwaffenproduktion verschafft. Die Umsätze waren gigantisch. Es entstand ein neues Bündnis zwischen Politik und Wirtschaft in den USA: das Atomwaffen-Bündnis.

Nur standen die USA in den späteren 40er Jahren des vorigen Jahrhunderts zwei Problemen gegenüber: das eine Problem war die wachsende Feindseligkeit vieler japanischer Bürger gegenüber den USA wegen ihrer massenhaften Vernichtung von unschuldigen Zivilisten in Hiroshima und Nagasaki und wegen der furchtbaren Folgeschäden dort. Hinzukam die Feindseligkeit anderen Länder, die in Asien gegenüber den USA aufzukommen drohte und deren militärische Vormachtstellung in dieser Weltregion hätte gefährden können. Die Nutzung der Atomenergie zur Stromerzeugung bot sich deswegen als ideales Propagandamittel an, um den friedlichen Charakter dieser neuen Technologie herauszustellen und das beschädigte Image der USA wieder aufzupolieren. Dabei war den US-amerikanischen Wissenschaftlern und Ingenieuren längst schon auch die Gefährlichkeit dieser neuen, sogenannt-friedlichen, Nutzung der Atomkraft bekannt, die unverantwortbare über Generationen andauernde radioaktive Verseuchungsgefahr im Falle eines Super-GAUs. Egal: der US-amerikanischen Atomindustrie winkte ein riesengroßes Zusatzgeschäft, außerdem konnte Plutonium, das für die Atombombenproduktion erforderlich ist, mithilfe dieser Atomkraftwerke gleich mithergestellt werden.

Wegen dieser politischen und wirtschaftlichen Vorteile haben bis jetzt alle Betreiberstaaten von Atomkraftwerken sowie sämtliche Weltkonzerne, die mit dieser Technologie ihre Geschäfte machen, die Gefahren der sogenannt-friedlichen Nutzung
von Atomenergie vertuscht oder kleinzureden versucht.

Das zweite Problem, mit dem die USA Ende der vierziger Jahres im vorigen Jahrhundert zu tun bekamen, war die Tätigkeit der Weltgesundheitsorganisation, der WHO (= World Health Organization of UN). Denn die WHO war ja in der Lage, die Weltöffentlichkeit auf die enorme gesundheitliche Gefahr, die von den Atomkraftwerken im Falle eines Super-GAUs für
die Menschen ausgehen würde, hinzuweisen und sich somit der amerikanischen Atompolitik in den Weg zu stellen.

Daher sorgten die USA gezielt dafür, daß die WHO in Sachen Atomenergie entmachtet und dafür eine neue Organisation geschaffen wurde, die angeblich die Überwachungs-bzw. Kontrollfunktion über die Sicherheit der Atomenergienutzung übernehmen sollte: die IAEA.

1957 wurde deswegen zu einem ein Jahr der Niederlage für die WHO, denn 1957 hatte sie ihre wichtigste Aufgabe, als eine von jeglicher politischen Macht unabhängige, einflußreiche Überwachungsorganisation die Gesundheit aller Bürger in der Welt zu
schützen, an die IAEO offiziell und vertraglich bindend abgetreten, an eine Organisation mithin in direkter Abhängigkeit von den USA und den weltweit agierenden Atomkonzernen.

Die IAEO ist weder neutral noch interessiert daran, für den Schutz der Menschen zu arbeiten. Sie ist nichts anders als ein verlängerter Arm der Atommächte und Atomindustrien, und ihre Aufgabe besteht lediglich darin, die Nukleartechnik zu fördern und weltweit so viel Atomkraftwerke wie möglich zu bauen.

Bis heute gibt es keine wirklich weltweit einflußreiche neutrale Überwachungsorganisation mit einer entsprechend politisch wirksamen Handlungsmacht, die das Leben aller Bürger in der Welt gegen die gesundheitlichen Gefahr der Atomtechnik, unter anderem der Atomkraftwerke, schützen soll und kann.

Schlußwort

Die Gefahr von weltweit radioaktiven Verseuchungen und Massenerkrankungen nimmt aus all diesen Gründen zu, ebenso die Gefahr radioaktiv erzeugter Erbgutveränderungen. Atomkraftwerke werden weiter gebaut, trotz Tschernobyl und Fukushima. Die Atomkonzerne werden niemals von sich aus auf Ihre profitablen Geschäfte mit Atomkraftwerken verzichten. Super-GAUs sind für sie kein Hindernis, denn sie wissen ganz genau: in solchem Fall tritt immer Vater Staat als Retter auf, zahlt alle Schäden aus dem Steuergeld. Die Atomkonzerne können gewiß sein: der Staat braucht sie. Sie haben Geld und Macht, und mehr noch: sie sind oft stärker als der Staat.

Unterdessen ist eine weitere Gefahr betreffs der sogenannten friedlichen Nutzung von Atomenergie noch hinzugekommen: die Gefahr terroristischer Angriffe auf die im Betrieb befindlichen AKWs.

Noch nie ist die Aufgabe für uns so groß gewesen wie heute, unsere unschuldigen Kinder und die zukünftigen Generationen vor allen unverantwortlichen Techniken, insbesondere vor den Atomwaffen und Atomkraftwerken, zu schützen.

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