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Durch die Lockdown-Politik werden die Menschen krank, sogar lebensmüde, weil man ihnen die Eigenverantwortung für ihr Leben raubt. Depressionswelle — ja, eine solche räumen jetzt sogar jene Medien ein, die durch ihre regierungstreue Berichterstattung mit schuld daran sind. Noch immer aber wird das Leiden Tausender von Menschen bagatellisiert. Es gebe Menschen, denen es noch schlechter geht — das beschied Wilfried Kretschmann vor kurzem bei einem Treffen depressiven Menschen. Die Betroffenen müssten da eben durch und sich zusammenreißen. Das sind überfliegerhafte Pauschalurteile. Hört man den Erkrankten wirklich zu, dann zeigt sich: Ihre von der Politik völlig unnötigerweise hervorgerufenen Seelenzustände sind bedrohlich, oft sogar lebensbedrohlich. Und sie haben eine klare Ursache: die verantwortungslose Lockdown-Politik der Regierung, die den Menschen nicht nur buchstäblich keine Luft mehr zum Atmen lässt, sondern ihnen sogar noch jede Möglichkeit raubt, ihren Lebensunterhalt selbst zu verdienen. Doris Peczar
Ich bin krank. Sehr krank, und wahrscheinlich werde ich bald sterben. Begonnen hat das alles vor einem Jahr, als es losging mit dieser Seuche. Da hieß es, dass eine lebensgefährliche Krankheit ihren Siegeszug um die Welt antrete und ihren Weg mit Leichen pflastere. Angst und Schrecken waren die Folge, die von der Bundesregierung erlassenen Maßnahmen schienen nötig.
Ich war Unternehmerin, hatte ein kleines Geschäft, das gerade so gut ging, dass ich mit meinen Lieben davon zu leben vermochte. Dieses Geschäft musste ich zusperren. Hilfen wurde versprochen. Doch leider blieb es bei den Versprechen.
Seitdem sitze ich zuhause. Eingesperrt. Sozialkontakte bei Strafe verboten. Kein Ausgehen, kein Theater, keine Oper, kein Urlaub, kein Restaurantbesuch mit Freunden.
Stattdessen sitze ich zuhause. Und warte. Weiß nicht worauf, sehe, höre und spüre nichts von dieser Seuche, außer den schauderhaften Berichten aus Fernsehen und Zeitung.
Kenne niemanden, der diese Seuche hat. Dafür weiß ich nicht, was wir morgen essen sollen. Wovon ich die Miete zahlen soll. Wir sitzen alle zuhause. Können einander schon nicht mehr ertragen. Sind aggressiv auf einander und auf die Welt.
Es schnürt mir den Hals zu, wenn ich daran denke, wie erfüllt mein kleines Leben gewesen ist. Freundliche Kunden im Geschäft, denen ich ihre Wünsche zu erfüllen vermochte, ihr Dank war meine Seelennahrung. Dies verlieh mir die Haltung, mit der ich die Rolle des Oberhauptes meiner kleinen Familie mit Freude getragen habe. So stolz war ich auf mein Leben. Es war nicht großartig, aber es war in Ordnung. Und es war mein Leben. Ich hatte es für mich und meine Lieben so eingerichtet. Bis es mir genommen wurde.
Jetzt ist alles anders. Keine Perspektive, kein Ende in Sicht.
Ich bin es leid. Und ich bin müde. Nicht körperlich. Ich bin das Leben müde. Dieses Leben, das ich führe, das so wenig für mich übrig hat. Es ist zu viel. Zuviel Mühsal, das wie zäher Schleim über allem liegt und jegliche Aktivität bleischwer und im Eigentlichen unmöglich erscheinen lässt. Kein Gedanke scheint verlockend, nichts erstrebenswert. Die Zentnerlast jedes Tages lastet auf mir, erdrückt mich, macht mich unbeweglich, starr, ich vegetiere und warte.
Agonie ist die Antwort auf all das, leer, kalt, leblos kriecht sie in mir empor, nimmt mich ganz langsam mit grausamer Bestimmtheit in Besitz.
So gerne wäre ich lebhaft, würde gern lachen und mich freuen, aber es gibt nichts zu lachen und nichts, worüber ich mich freuen könnte. So gerne würde ich schöne Dinge mit meiner Familie erleben, aber es gibt nichts, was sich zu erleben lohnt.
Der Schwarze steht wie ein dunkler Bote im Türrahmen und wartet darauf, dass ich seinem Ruf folge. Grinst sein breites Grinsen, lockt mich, streckt mir seine knochige Hand entgegen.
Noch ist es nicht so weit, noch halte ich mich mit letzter Kraft aufrecht, aber ich weiß, dass ich diese Kraft nicht lang erhalten kann. Ich weiß, dass ich mich von ihm bei der Hand nehmen und in die tiefen dunklen Abgründe, die sein Zuhause sind, entführen lasse. Dorthin, wo es keine Zeit mehr gibt, keine Sorgen, keinen Schmerz, keine Seuche, die uns heimsucht. Bald werde ich ihm folgen. Sobald die Kraft nachlässt.
Denn ich bin krank. Sterbenskrank. Für diese Krankheit gibt es keine Prognose. Diese Krankheit, die die wahre tödliche Seuche ist, auf ihrem Siegeszug um die Welt.
Redaktionelle Anmerkung: Dieser Artikel erschient zuerst unter dem Titel „Ich bin krank“ auf dem Blog „Kein Zustand“.
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Dank an den Rubikon, www.rubikon.news, wo dieser Artikel zuvor erschienen ist.
Corona ist bildlich gesehen wie ein ICE, der mitten auf der Fahrt eine Vollbremsung vollzogen hat und nicht wieder in Gang kommt.
Es ist nicht einfach, klarzukommen. Die Depressionen sind schwer, Auswege gerade alle verbaut. Gibt es irgendwas tröstliches?? Das wäre schön!
es tut mir leid, dass es dir psychisch so schlecht geht. Du scheinst viel durchgemacht zu haben. Depressionen sind eine Ernst zu nehmende Krankheit, die unser Leben vorübergehend aus den Fugen geraten lässt. Mir hilft das soziale Netz aus fachlicher Hilfe, das ich mir aufgebaut habe. Hast du eine fachliche Unterstützung?
Lass dich umarmen, wenn auch nur aus der Ferne.
Liebe Grüße
keiner kommt ohne Narben durchs Leben.
Ich kann und werde dir nur persönlich antworten, denn zu leben ist immer persönlich.
Früher nannte man schwere Zeiten auch Weltschmerz, aber der geht vorüber….. Und es ist egal wie lang es dauern wird bis der ganz große Schmerz vorüber ist. Es dauert solange es eben dauert, denn alles braucht seine Zeit. Wichtig bleibt ihn mit ganzem Herzen anzunehmen.
Und es stimmt, dass es Momente im Leben gibt wo einen nichts und niemanden trösten kann. Auch das ist Teil des Lebens.
Heute schreit man nach „Experten“ und was weiß ich allem.
Aus eigener Erfahrung möchte ich dir etwas sagen: „Nimm dein Leben wieder in die Hand sobald es dir möglich ist. Und ich hoffe sehr, dass du Menschen in deinem Leben hast die deinen Kummer etwas verstehen und an deiner Seite, komme was da wolle, sind.
Selbst in Zeiten wo nichts mehr geht strebt der Mensch zu leben. Und die Not kommt wenn man einfach nicht mehr weiter weiß. Einer der schwersten Kämpfe ist der den man mit sich selber zu kämpfen hat.
Verdränge nichts.. und nehme all das an was dich bedrückt und bekümmert, denn es gehört zu dir. Lass dich auf dein Leben mit allen Unsicherheiten und Ängsten ein. Es geht nicht um die ständige „Bearbeitung und Verarbeitung“ von Problemen oder was auch immer. Man würde ja wieder verdrängen…
Fachliche Hilfe ist nicht immer zielführend. — , wie auch aus der Entfernung heraus etwas sinnstiftendes zu sagen. Nur soviel: Vertraue dir selber, glaube an dich und deine Fähigkeiten. Selbst Zeiten die man in der Rückschau als isolierte und ausgegrenzte Zeiten erlebt hat behalten ihre Bedeutung in der eigenen Existenz und Einzigartigkeit des Lebens.
Sollte ich so ganz daneben liegen verüble es bitte nicht.
Hab dir sehr gerne geantwortet, Ulrike
Dachte ich mir!
..gelesen habe ich es schon, ist aber nicht leicht zu trösten, internetzlich, unpersönlich.
Persönlich würde ich dir raten dein Leben nicht wegzuwerfen, hast nur dieses eine –
gibt immer Auswege auch aus noch so schlimmen Lebenssituationen, es stecken trotzdem immer Kraft und Mut in einem, muss man nur wieder selbst erkennen, wieder freilassen.
Die geballte Faust, der Kampf ist ein Heilmittel: “ ihr macht mich nicht fertig !! “
Daraus wachsen wieder Stolz und aufrechte Haltung, sogar der Humor kommt zurück –
leicht gesagt das – aber ist so, die Depression ist auch eine weil man sich dort “ einrichtet “, letztlich muss man sich selbst an den Haaren rausziehen, nur wer selbst raus will kommt auch raus. Auf Hilfe von aussen warten kann vergeblich sein…
Könnte dich auch provozieren mit harter Konfrontation…
wäre hartes Aufrütteln statt Trost.
Da ist ein gut gefüllter Topf mit Mut und Kraft und Optimismus, auch Humor – hast nur selbst den Deckel drauf gemacht…
Es ist schon schwer, wenn mensch etwas sensibel in dieser harten Zeit/ Raubtierkapitalismus ist. Und nicht das Leid der Anderen (Arme, die Kids und die Jugend, Kranke, flüchtende Menschen, die ertrinken sollen) ausblenden kann. Depresson noch oben drauf.
Und es kann sich ja leider nichts verbessern, weil wir ja wieder nicht die Ursachen angehen.
Wie halten wir das alles aus?
Einatmen, ausatmen.
Wie wir wohl sind, wenn wir nun alles menschliche verlernt haben? Es gruselt mich etwas.
Ich bin auch arm und in Rente. Ich genieße es keine Rolle mehr spielen zu müssen. Wobei ich zum Glück nicht auf Grundsicherung angewiesen bin. Dafür mich jedoch in der Provinz oft sehr einsam fühle.
Helfen tut mir auch ein Trotzkind in mir, das sagt; Hey, das würde „denen“ ja nur in den Kram passen, wenn ich aufhöre leben zu wollen.
Obwohl ich zugegebenermaßen manchmal meine Mutter beneide, die Ende vorletzten Jahres gestorben ist, was mich sehr betrübt hat.
Ich freue mich über Menschen, die noch Schmerz verpüren. Das ist leider wohl nicht mehr so populär.
Danke für deine Offenheit.
Ich wünschte ich könnte dir mehr als das geben.