Heinz Ratz: Was will ich sein?

 In FEATURED, Poesie

Heinz Ratz, Gründer der Band „Strom & Wasser“ und bekannt für seine vielseitigen sozialen Aktivitäten, schreibt Gedichte, die zarter wirken als es man es angesichtes der rauhen Stimme und der oft harten Rhythmen in seinen Liedern vermuten würde. Das Spannungsfeld zwischen dem „Harten“ und dem „Zarten“, das Ratz in seinen Liedern und in seiner Seele austrägt, ist charakteristisch für ihn. Die Vaterschaft hat Heinz ganz offenbar eine neue Dimension des Erlebens erschlossen, wie dieses Gedicht aus dem Band „…um da zu sein für Deine Widerstände“ zeigt.

Was will ich sein?

für Luca

Was will ich sein?
Dein Spielzeug wohl in manchen Stunden,
wenn du so selbstvergessen spielst.
Oder das Heilen einer deiner Wunden,
klein (aber toll!), weil du vom Roller fielst.

Und will auch sein:
streichelnder Luftzug nachts in deinen Haaren.
Oder im Traum sein, der dir Lachen bringt.
Oder in Augenblicken, die voll Staunen waren,
wie schön das Lied der Amsel klingt.

Und ich will sein:
im Wurf, wenn du den Stein ins Wasser,
den Stock, den Ball und Mamas Schuhe wirfst.
Im Trotz, wenn du dich dreckiger und nasser
machst und triefend durch die Wohnung schlürfst.

Will sein:
im erste Zögern und Bezweifeln,
wenn du dein Wissen gegen unsres stellst.
Im Willen, immer unabhängiger zu reifen.
In den Entscheidungen, die du im Stillen fällst.

So lieb‘ ich dich,
dass ich als Glück empfände,
Schutzschild zu sein für alles das Gemeine
und da zu sein für deine Widerstände
und bis zum Ende
mein Leben aufzulösen für das deine.

Heinz Ratz: …um da zu sein für Deine Widerstände, Verlag Edition AV, 130 Seiten

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