Helfen wir den Menschen in Griechenland! – 7. Zwischenbericht

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Mit den Sozialarbeiterinnen – Soziale Einrichtungen Korydalos

Mit den Sozialarbeiterinnen – Soziale Einrichtungen Korydalos

In diesem Bericht kommen vor allem die Griechenland-Reisenden und Vor-Ort-HelferInnen, Evelin und Tassos Chatzatoglou, zu Wort. Ihr erschütternder Bericht zeigt nicht nur viele Einzelfälle von in erbärmlichem Zustand lebenden GriechInnen auf; er ist auch eine flammende Anklage gegen das federführend von Merkel und Schäuble vorangetriebene Massenverelendungsprogramm. Erst recht wird nun deutlich, wie wichtig unser Griechenland-Spendenaufruf war – flankiert von anderen, unabhängig davon entstandenen Initiativen. „Statistisch“ werden solche im Volumen relativ kleinen Aktionen wenig bewirken können. Für eine Reihe von einzelnen Menschen können sie aber den entscheidenden Unterschied ausmachen, der ihnen ein Stück ihrer Würde und Lebensqualität zurückgibt. Nicht zuletzt ist es ein Beitrag zur Verständigung zwischen zwei Völkern, deren Verhältnis durch die destruktive Politik der deutschen – von vielen ja gewählten – Regierung stark belastet wurde. In einem solchen Fall ist Menschlichkeit auch Protest – und Protest ist Menschlichkeit.

Liebe HdS-Leserinnen, liebe HdS-Leser,

ich möchte mich mit meinem eigenen Berichtsteil heute darauf beschränken, lediglich den aktuellen Spendenstand mitzuteilen.

Er lag heute Mittag, am Donnerstag, den 10. September, bei 64.087,- Euro (das entspricht einem Anstieg der Spendensumme gegenüber der Vorwoche von 982,81 Euro). Die Zahl der SpenderInnen ist angewachsen auf 452 (Vorwoche 437), darunter inzwischen 15 DauerspenderInnen.

Wir sind zuversichtlich, daß aufgrund der Konzerttournee, die Konstantin Wecker in diesen Tagen wiederaufnimmt, das Spendenvolumen in den nächsten Wochen erneut aufs deutlichste anwachsen wird. Was auch von dringender Notwendigkeit ist, wie der nachfolgende Spenden- und Reisebericht unserer beiden HelferInnen aus Österreich, des Grazer Ehepaars Evelin und Tassos Chatzatoglou, zeigt (den entsprechenden Spenden- und Reisebericht von Karl-Heinz Apel, unserem Helfer aus Rosche bei Uelzen/Niedersachsen, werdet Ihr ab Freitag nächster Woche auf HdS lesen können).

Doch ehe ich das Wort weitergebe an Evelin und Tassos Chatzatoglou, noch eine Bemerkung von mir:

Für mich hat ihr Bericht nicht nur gezeigt, welches Elend in Griechenland herrscht, sondern auch, daß die sogenannten Euro-Staaten diesem Land gegenüber eine Politik betreiben, die längst schon vor den Internationalen Gerichtshof der Vereinten Nationen in Den Haag gehörte: Hier geht nicht „einfach nur“ ein Land kaputt, hier wird ein Land kaputt gemacht – von einem Staatenverbund, der sich gerne als „Wertegemeinschaft“ bezeichnet. Wir schulden den gepeinigten Menschen in Griechenland nicht nur unsere Hilfe, sondern auch unseren Zorn – unseren Zorn den europäischen PolitikerInnen gegenüber, die für dieses Elend verantwortlich sind, darunter Merkel und Schäuble, die sich beide derzeit vor allem als „Flüchtlingsengel“ der Öffentlichkeit gegenüber zu präsentieren versuchen.

Doch damit zu Evelin und Tassos Chatzatoglous Spenden- und Reisebericht:

Wer nur ein einziges Leben rettet, rettet die gesamte Welt!

Spendenbericht aus Griechenland von Evelin und Tassos Chatzatoglou

„Als wir am 30. August 2015 mit Kalle und Uschi Apel, dem befreundeten Ehepaar aus Uelzen, das einen Teil der Hilfslieferungen auf die Peloponnes brachte, zusammen saßen, war die Welt für uns noch in Ordnung. Wir hätten uns an diesem sonnigen Tag in Strava –zwischen Athen und der Peloponnes gelegen -niemals träumen lassen, dass bereits am kommenden Tag dunkle Wolken unsere naiven Vorstellungen, das griechische Sozial- und Gesundheitswesen betreffend, hätten trüben können. Am nächsten Tag, dem 31. August, einem sonnigen und besonders heißen Tag in Athen, tauchten wir ein in eine Welt der Armut und Hilflosigkeit, des Elends und des Schmerzes. In den nächsten Tagen machten wir wiederholt viele ähnliche Erfahrungen, die uns zeitweise an unsere psychischen Grenzen brachten. Wir hatten zuvor bereits den Tierschutz in Griechenland aktiv unterstützt. Als wir uns vor rund einem Monat bereit erklärten, uns in dieses Hilfsprogramm einzubringen, konnten wir uns noch nicht vorstellen, auf welche substanzraubende, aber gleichzeitig notwendige Tätigkeit wir uns einlassen würden und auf wieviel Leid in einem Mitgliedsstaat der Europäischen Union im 21. Jahrhundert. Wir wissen, dass wir mit unserem Hilfsprogramm nur einen Bruchteil dieser verarmten, aber immer noch stolzen Menschen erreichen, doch gerade dies und das Zusammentreffen mit vielen freiwilligen Helferinnen und Helfern in Griechenland, die über ihre Grenzen hinaus in diesem Bereich tätig sind, bestärkte uns, weiter zu machen. Gerade die Begegnung mit Spiros – siehe unten! –, der, obwohl selber krank, mithilft, wo er kann, zeigte uns, wie wichtig diese Arbeit ist.

Unser Dank, aber auch der Dank der Bedürftigen gilt den vielen Spendern in Deutschland und in Österreich, die diese Hilfsaktion erst möglich machten. Wir sind erst am Beginn unserer Arbeit und hoffen, wir können auch in naher Zukunft mit unser ALLER Unterstützung den Menschen in unserem geliebten Griechenland weiterhin tatkräftig helfen.

Hilfe für Familien

Athen, 31.08.2015

Familie M. (Chara ist 34 Jahre alt, ihr Mann 37 Jahre alt), beide Elternteile sind arbeitslos, der Vater der Kinder ist herzkrank. Er hatte seinen Job bei einer Security-Firma aufgrund der Erkrankung verloren.
Die Familie hat 3 Kinder: Andreas, 6 1/2, Diamantia 5, Dionyssis 1 ½ Jahre alt. Dionyssis leidet an schwerer Lebensmittelunverträglichkeit, vielleicht an Zöliaki, einer durch Gluten verursachten Entzündung der Darmschleimhaut. Außerdem leidet Dionyssis noch an anderen, derzeit noch nicht sicher diagnostizierten, Lebensmittelunverträglichkeiten. Wenn er falsche Nahrungsmittel bekommt, hat er sofort offene Wunden am ganzen Körper und benötigt eine ganz spezielle Ernährung. Allein die Kosten dafür belaufen sich auf rund € 170/Monat. Die Familie lebt in einer 2-Zimmer-Wohnung in Athen.

Aufgrund der prekären Situation der Familie (von Seiten der übrigen Familie gibt es noch die notwendigste Unterstützung, Milch für die Kinder wird stark verdünnt, damit sie reicht), Fleisch und Fisch gibt es höchstens 1x die Woche, die Kinder und die Mutter erscheinen stark unterernährt, entschieden wir auf Holdgers Anraten hin, diese Familie mit € 1.200 für 3 Monate zu unterstützen.

Familie Panagiota K., 40, mit 5 Kindern im Alter von 2-17 Jahren

Die Familie lebt abgeschieden außerhalb von Megara in einem stark renovierungsbedürftigen Haus. 2 Mädchen, Theodora und Georgia (16 und 17 Jahre alt) arbeiten im Service in Athen. Die Mutter ist seit längerer Zeit arbeitslos, der Vater der 4 älteren Kinder ist zu Beginn der Krise verschwunden, der Vater von Raphaela (2 Jahre alt) ist ein Flüchtling aus Pakistan und zur Zeit auf Arbeitssuche auf der Peloponnes.
Die Mutter hat Stromschulden bei der staatlichen Stromgesellschaft. Da der Strom auf den Namen der Großmutter läuft und für uns nicht nachvollziehbar war, wer die offenen Schulden verursacht hatte, entschieden wir, hier kein Geld einfließen zu lassen. Stattdessen gingen wir mit Olga Maria und Angeliki (9 und 13 Jahre alt) sowie deren Großmutter einkaufen. Die Mutter blieb beim jüngsten Kind, das schlief. Wir besorgten primär notwendige Schulartikel wie Hefte, Stifte, Malfarben, Pinsel, etc., aber auch Kleidung für die 3 jüngsten Kinder sowie einige Spielsachen.
Kostenpunkt: € 636,43

Treffen mit Spiros K., wohnhaft in Argyroupoli
(Tassos hatte ihn bereits in einem früheren Bericht erwähnt):

Spiros ist 52 Jahre alt, arbeitslos und leidet seit 2008 an multipler Sklerose. Als Besitzer einer Sozialkarte wird er, obwohl er z. B. als erster in der Ambulanz wartet, als letzter behandelt. Dies ist in Griechenland – wie uns mehrere Leute berichteten – Standard. Er ist derzeit auf die sozialen Arztpraxen angewiesen, die seine spezielle Krankheit aufgrund mangelnder Infrastruktur jedoch nicht betreuen können. Sein Wunsch ist eine spezielle Therapie durch einen kompetenten, leider nur für Privatpatienten zugänglichen Neurologen. Kosten: ca € 120 pro Arztbesuch, € 480/Quartal für Magnetresonanzuntersuchungen, ca. € 200 für diverse andere Untersuchungen. Wir übergeben Spiros € 1.000, die ihm den für ihn einzig möglichen Zugang zu einer adäquaten Behandlung ermöglichen werden.
Spiros selbst ist Freiwilliger der Bewegung „Solidarität“ in Argyroupolis. Er nimmt auch aktiv an der Verteilung von Lebensmitteln teil.

Prothesen für Laura S. , 5, wohnhaft auf der Insel Andros

Laura wurde vor 2 Jahren mit schwerer Meningoenzephalitis, einer Entzündung des Gehirns und der Hirnhäute, per Helikopter nach Athen gebracht. Warum es aber dadurch zu einem Absterben des Gewebes an den Füßen gekommen ist, wissen wir nicht. Laura wurde jedenfalls per Helikopter nach Athen gebracht. Dort wurden aufgrund einer Sepsis mit Nekrotisierung beide Füße ab dem Knöchel amputiert.

Auf der Insel wurde Geld für ihre Protesen gesammelt (€ Gesamtkosten: € 5.000), € 2.060 waren noch offen. Diese Kosten beglichen wir am 31.08.2015 direkt bei der orthopädischen Facheinrichtung in Athen.
Laura bekam zuvor schon einmal Prothesen, die teilweise von der Krankenkasse (IKA) gezahlt wurden. Diese passten jedoch nicht. Statt dass die IKA beim Fachinstitut reklamiert hätte, wurde ein neuer Auftrag erteilt. Die Kosten blieben an der Familie hängen, die diese mit Hilfe der Bewohner von Gavrion teilweise begleichen konnte.

Laura muss alle 2 Wochen zur psychologischen Betreuung nach Athen. Auf Intervention der Hafenbehörde in Gavrion, die die Reederei dazu zwang, Laura und ihrer Mutter kostenfrei die Seereise zu ermöglichen, reisen beide gratis aufs Festland. Der Vater als zweite Begleitperson zahlt 1/3 des Preises (Vollpreis pro Fahrt derzeit € 19). Diese Freikarten wurden auf Androhung eines Hafenbediensteten, die Schiffe vorschriftsmäßig auf deren Sicherheit zu überprüfen, erwirkt. In diesem Fall hätte kein Schiff mehr den Hafen verlassen.

Laura werden in Zukunft alle 2 Jahre neue Prothesen angepasst, bis sie ausgewachsen ist.
Laura möchten wir in Zukunft – sofern sich in Griechenland bzw. in der Familie nichts zum Positiven ändert und uns dann noch finanzielle Mittel zur Verfügung stehen sollten, vorrangig unterstützen, damit für sie auch weiterhin die Versorgung mit neuen Prothesen gesichert ist.

Insel Andros, 02.09.2015

Frau Irini M., 43, wohnhaft auf der Insel Andros, Mutter von 4 Kindern: Zoi 15, Miltiadis und Nektaria 14, Marinos 8

Die Frau leidet an schweren Depressionen und ist kaufsüchtig. Das wenige zur Verfügung stehende Geld wird sofort in nicht benötigte Dinge umgesetzt. Aufgrund der finanziellen Misere hatten die 4 Kinder oft nur eine einzige Dose Thunfisch zu essen. Die Mutter kochte auch nicht für ihre Kinder. Die älteren Kinder versorgten die jüngeren.
Die Kinder wurden in weiterer Folge auf Empfehlung der Sozialarbeiterin mit Hilfe der Polizei aus den desolaten Familienverhältnissen geholt, in orthodoxen Internatsschulen in Athen untergebracht und werden nun von der Kirche betreut. Wir übergaben der Sozialarbeiterin, die die Kinder bisher mit persönlichem Engagement betreut hatte, € 200, um die Kinder deren Wunsch entsprechend einmal im Monat zusammenzubringen. Dieses Geld dient ausschließlich zur Deckung der Fahrtkosten für die Kinder.

Ioannis H., 59, wohnhaft auf der Insel Andros

Ioannis hat nach einem Sturz mit komplizierter Oberarmfraktur 2 Operationen hinter sich. Es wurde eine Schiene zur Fixierung befestigt. Auf der Insel Andros hat er keinerlei Möglichkeit zur weiteren Behandlung. Seinem Antrag auf Pensionierung müsste eine Untersuchung in Athen vorangehen. Auf der Insel Andros ist dies nicht möglich. Er hat kein Einkommen und lebt von der Fürsorge.
Mit € 250 ermöglichen wir Ioannis die Fahrt nach Athen, Aufenthalt, Untersuchungskosten sowie die Chance auf Erlangung einer Invalidenrente.

Maria D., 68, wohnhaft auf der Insel Andros

Maria hat einen Hirntumor und lebt mit ihrem Mann von € 435 Rente. Sie selbst wurde mit 80 % Invalidität eingestuft. Sie wartet seit 3 Jahren auf die Genehmigung ihrer Rente. Sie benötigt dringendst eine Chemotherapie in Athen, kann sich jedoch die Fahrt nicht leisten. Sie kann nicht mehr alleine gehen und benötigt Hilfe beim Aufstehen.
Mit € 300 ermöglichen wir ihr und ihrem Mann wenigstens bis auf weiteres die Fahrten nach Athen, für wie lange das reichen wird, müssen wir sehen. Wir bleiben aber dran. Die Frau war in einem derart schlechten Zustand, daß wir beide weinen mussten.

Begleichung von offenen Stromrechnungen auf Empfehlung der Sozialarbeiterin der Insel Andros, Frau Maria Alexaki:

€ 22,00 für Herrn Michael N., wohnhaft auf der Insel Andros
€ 149,86 für Herrn Michael N., wohnhaft auf der Insel Andros
€ 296,21 für Frau Eleni M., wohnhaft auf der Insel Andros
€ 404,00 für Herrn Ioannis Ch., wohnhaft auf der Insel Andros
€ 724,00 für Frau Evfrosini S. wohnhaft auf der Insel Andros

Alle oben genannten Stromschuldner werden vom Solidaritätsverein „Apikion Androu“ betreut. Obfrau des Vereins ist Frau Polyxeni Giavridou. Frau Giavridou finanziert persönlich das Studium und den Aufenthalt zweier jungen Menschen. Sie betreut des Weiteren die bedürftige Bevölkerung auf der Insel Andros, darunter ca. 60 Familien in den Bergdörfern, vorwiegend ältere Leute. Die Finanzierung des Vereins erfolgt durch Spenden aus der Bevölkerung sowie aus der Hinterlassenschaft eines Reeders namens Moraitis. Aus diesem Erbe erhält sie € 20.000 – € 30.000/Jahr.

Die auf Andros lebenden Reedersfamilien finanzieren seit Februar 2015, seit Amtsantritt der Syriza-Regierung, kein Sozialprojekt auf der Insel Andros mehr.

Chrysoupoli, 04.09.2015

Wir besuchen Herrn Haralambos X., den Mann mit Parkinson, Alzheimer, amputiertem Arm nach einem Sturz vor 10 Jahren in der Toilette unter Einfluss von Stalevo, einem Medikament gegen Parkinson. Haralambos ist 77 Jahre alt, lebt mit seiner Familie in sehr bescheidenen Verhältnissen und leidet seit 37 Jahren an Parkinson sowie seit ca. 3-4 Jahren an Alzheimer. Er stürzte im Juni d. J. und zog sich eine Schenkelhalsfraktur zu, die eine Beckenverschraubung notwendig machte. Seitdem ist er bettlägerig, da er aufgrund des fehlenden Armes auch nicht mit Krücken gehen kann. Er ist inkontinent und benötigt ohne Unterbrechungen ein großes Kontingent an Windeln und Medikamenten. Seine Frau und seine beiden Söhne versorgen ihn aufopfernd, so gut sie können. Ihr Wunsch ist es, dass ihr Mann und Vater wieder gehen kann.
Wir beauftragen Herrn Kyriakos K., einen Physiotherapeuten, Herrn Haralambos alle ihm möglichen Therapien zukommen zu lassen. Dazu übergeben wir ihm € 1000 mit der Auflage, alles direkt mit der Familie abzurechnen.

Medizinische Einrichtungen

Warenübergabe in den sozialen Einrichtungen Korydalos. Lambrini Manu und Tassos

Warenübergabe in den sozialen Einrichtungen Korydalos. Lambrini Manu und Tassos

31.08.2015
Soziales Gesundheitszentrum mit Apotheke und Armenküche

Die Gemeinde Korydalos hat ca. 64.000 Einwohner, davon sind ca. 60 % arbeitslos. Die sozialen Einrichtungen entstanden aufgrund einer Initiative des Bürgermeisters Herrn Stavros Kasimatis und sind beispielhaft in ganz Griechenland.

Die Vizebürgermeisterin und Beauftragte für Soziales, Frau Lambrini Manu, führte uns persönlich durch die Einrichtungen. Die Bedürftigen werden in Listen aufgenommen. Die meisten Bedürftigen werden von Sozialarbeitern betreut. Ein ganzes Team von Sozialarbeitern, Physiotherapeuten, Psychologen und Ärzten betreut die Leute vor Ort oder zu Hause. Für Behördenwege war dringend ein Rollstuhl notwendig. Diesen übergaben wir zusammen mit der Lohmann-Palette, den Medikamenten laut Wunschliste sowie mit diversen anderen Artikel wie Blutdruckmessgeräte, Blutzuckermessgeräte und Insulin-Pens (letzteres eine Art von Spritzenersatz zur leichteren Injizierung von Insulin).

Neu für uns war, dass die sozialen Einrichtungen auch ein Bad und Toiletten sowie eine Waschmaschine und einen Wäschetrockner für Obdachlose und Flüchtlinge anbieten. Sie machen keinen Unterschied zwischen der Bevölkerung und den Flüchtlingen. Auch Kleider-, Spielzeug- und Möbelspenden werden angenommen.

Wert der Verbandsstoffe: rund € 3. 000 (Warenspende Deutschland)
Wert der Medikamente: € 1.253,83
Wert des Rollstuhl: € 350
Wert der Blutzucker- sowie Blutdruckmessgeräte: rund € 3.500 (Warenspende Österreich)

01.09.2015
Einkaufen für die Armenküche in Korydalos

Besorgung von Lebensmitteln bei Supermarktkette „Sklavenitis“: 50 Hühner, 25 kg Rindfleisch, 25 kg Schweinefleisch, 5 Packungen á 48 Stück haltbare Kindermilch, 5 Kartons Teigwaren ( á 12 kg), 5 Kartons Reis á 10 kg. Warenwert: € 965,92
Wir möchten die Armenküche in Korydalos auch weiterhin mit Lebensmitteln versorgen. Dazu wurde bei der Supermarktkette „Sklavenitis“ in Piräus ein eigenes Kundenkonto für Korydalos eröffnet.

Besuch beim Bürgermeister von Korydalos Herrn Stavros Kasimatis,
gemeinsam mit Vizebürgermeisterin Lambrini Manu am 01.09.2015

Der Bürgermeister von Korydalos bedankt sich bei den deutschen und österreichischen Spendern auf das Allerherzlichste.

Er wünscht sich weitere Hilfe durch uns, um das soziale Zentrum aufrechterhalten zu können, zumal es immer mehr Bedürftige gibt. Nach seinen Worten verursacht das sogenannte 3. „Hilfspaket“, zu dessen Annahme Tsipras im Zuge der letzten Euro-Group-Sitzung am 12. Juli gezwungen wurde, eine weitere massive Verelendung der Menschen in Griechenland.

Besuch beim Bürgermeister von Korydalos, Stavros Kasimatis

Besuch beim Bürgermeister von Korydalos, Stavros Kasimatis

Frau Manu wird uns in Zukunft (sofern Geld zur Verfügung steht) ihre Einkaufslisten zuschicken. Wenn sie von uns abgesegnet sind, bestellt sie bei „Sklavenitis“. Die Rechnung wird uns per Email zugesandt. Nach Eingang des Geldes auf dem Konto von „Sklavenitis“ wird gratis nach Korydalos ausgeliefert.

02.09.2015
Gespräche mit Frau Dr. Med. Evaggelia Liakopolou, Kinderärztin, sowie dem ehrenamtlichen Vorstand des Aufsichtsrates Herrn Giannis Piperias am einzigen Gesundheitszentrum der Insel Andros.

Es besteht massiver Bedarf an allem. Das Gesundheitszentrum wird vom Solidaritätsverein „Apikion Androu“ sowie dem Verein „Zentrum der Gesundheitsfreunde Andros“ finanziell und materiell unterstützt. Die fehlenden Geldmittel für den Unterhalt des einzigen Rettungsfahrzeuges auf der Insel sowie für den Treibstoff machen dessen Einsatz derzeit unmöglich. Vom Staat gibt es keinerlei finanzielle Unterstützung. Auch die Löhne kommen spärlich. Die einzige Ärztin dieses staatlichen und einzigen Gesundheitszentrums auf der Insel Andros ist Frau Liakopolou.

Es gibt eine Reihe von privaten Ärzten mit modernen Arztpraxen, allerdings sind diese für die nichtversicherten und mittellosen InselbewohnerInnen nicht zugänglich. Diese Privatärzte greifen nur bei bestehender Lebensgefahr ein.

Gespräche mit Frau Dr. Med. Evaggelia Liakopolou, Kinderärztin, sowie dem ehrenamtlichen Vorstand des Aufsichtsrates Herrn Giannis Piperias am einzigen Gesundheitszentrum der Insel Andros.

Gespräche mit Frau Dr. Med. Evaggelia Liakopolou, Kinderärztin, sowie dem ehrenamtlichen Vorstand des Aufsichtsrates Herrn Giannis Piperias am  einzigen Gesundheitszentrum der Insel Andros

Gespräche mit Frau Dr. Med. Evaggelia Liakopolou, Kinderärztin, sowie dem ehrenamtlichen Vorstand des Aufsichtsrates Herrn Giannis Piperias am einzigen Gesundheitszentrum der Insel Andros

Der Zustand dieser desolaten Gesundheitseinrichtung ist absolut deprimierend.

Frau Liakopolou und Herr Piperias ersuchen uns dringend um Unterstützung, auch wenn dies das Gesundheitsministerium verbietet. Dies war schon vor Regierungsantritt der Syriza der Fall und soll vermutlich verhindern, dass im europäischen Ausland der Ruf der öffentlichen Krankenhäuser beschädigt wird. Von Seiten des Gesundheitsministers kommt nichts außer Durchhalteparolen.
Hier möchten wir in naher Zukunft zumindest den Krankenwagen wieder ins Rollen bekommen.

In dieser Woche der Hilfeleistung, die wir persönlich als Woche des Elends und der Hilflosigkeit bezeichnen, haben wir gemerkt, wie vergleichsweise gut es den meisten anderen Menschen in Mitteleuropa geht.

Wir haben Verzweiflung erlebt, wir haben Kranke gesehen, die bei uns aufgrund ihrer Erkrankung nicht mehr zu Hause leben würden. Wir haben Menschen kennengelernt, die uns öfters die Frage gestellt hatten, ob es sich wirklich um Deutsche und ÖsterreicherInnen handelt, die die Spendengelder gesammelt haben. Tassos gab – Konstantin Wecker zitierend – immer dieselbe Antwort: Das Geld kommt vom anderen Deutschland, nicht aus dem Deutschland von Schäuble und Merkel. Sogar Arbeitslose haben gespendet.
Wir haben Tränen gesehen, Tränen der Dankbarkeit und Rührung.

Desolate Zustände im Gesundheitszentrum Chora – Andros

Bild links u. rechts: Desolate Zustände im Gesundheitszentrum Chora – Andros

Evi6Wir haben eine absolut desolate und sowohl ärztlicherseits wie auch von Seiten der Behandlungsmöglichkeiten eingeschränkte öffentliche Gesundheitseinrichtung kennengelernt, wo wir uns fragten, ob da Menschen gesund oder noch kränker wieder herauskommen.

Wir mussten auch erfahren, dass Besitzer von Sozialkarten im Falle einer Arbeits-Wiederaufnahme nach Arbeitslosigkeit erst nach 3 Monaten wieder voll versichert sind. In den ersten 3 Monaten ihrer neuen Tätigkeit werden sie weiter wie Sozialkartenbesitzer behandelt.

Wir durften hören, dass es in der griechischen Bevölkerung unzählige Freiwillige gibt, die sich für die Armen und Kranken aufopfernd einsetzen. Obwohl es an allem fehlt, machen sie beharrlich weiter und versuchen mit allen Mitteln, das Unmögliche möglich zu machen. Diese Freiwilligen werden in der Bevölkerung bereits als eigenes Volk – als „Sondermenschen“ – bezeichnet.

Hervorzuheben ist aber auch der Einsatz der Menschen, die noch etwas, wenn auch wenig, besitzen. Sie versorgen die Verarmten heimlich, damit diese nicht ihre Würde verlieren. So stellen Sie z.B. Essenspakete zusammen und deponieren diese heimlich, in der Nacht, vor der Türe der Betroffenen.

Wir erreichten mehr als nur einmal nach unseren Gesprächen mit Armen, Kranken und Kindern unsere psychischen Grenzen.

Um es mit Holdgers Worten wiederzugeben und diese noch zu verstärken:

Bis jetzt wurde der Großteil der griechischen Bevölkerung nicht nur so behandelt, daß er allmählich vor die Hunde geht, sondern mehr noch: er wurde den Wölfen zum Frass vorgeworfen!

Es sollten tagtäglich Bilder und Berichte rund um die Welt getragen werden, die allen zu zeigen vermögen, was die Politik Schäubles und Merkels aus diesen einst so glücklichen Griechinnen und Griechen sowie deren Kindern gemacht hat. Es grenzt tatsächlich an ein Wunder, dass diese Menschen unter derartigen Bedingungen gerade im Sozial- und Gesundheitswesen noch überleben können.

Es ist für uns Mitteleuropäer, die noch von einem einigermaßen intakten Sozialsicherungs- und Gesundheitssystem profitieren, unvorstellbar, wie innerhalb von wenigen Jahren die gesamte Infrastruktur in diesem Bereich systematisch zerstört wurde. Wir können nur wünschen, dass uns anderen dieses in einigen Jahren nicht ebenfalls widerfährt.“

Soweit, liebe HdS-Leserinnen und HdS-Leser, der Reise- und Spendenbericht von Evelin und Tassos Chatzatoglou, den ich mit Erschütterung gelesen habe. Und hier, wie schon gewohnt, nochmals alle Angaben zu unserem Spendenkonto (bei Überweisung Stichwort „GriechInnenhilfe“ nicht vergessen!):

Inhaber: IHW
IBAN: DE16 2605 0001 0056 0154 49
BIC: NOLADE21GOE

Mit herzlichen Grüßen vom gesamten HelferInnenteam
Euer Holdger Platta

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