Helfen wir den Menschen in Griechenland! – Siebter Bericht 2016

 In Holdger Platta, Über diese Seite

GriechenlandhilfeLogoMan könnte meinen, Griechenland habe genug gelitten und die EU würde ihr Terrorregime über Europas ärmstes Land lockern. Tatsächlich lautet die Devise aber: Auf jemanden, der am Boden liegt, kann man wunderbar treten. Immerhin berichtet Holdger Platta ihn diesem Artikel über eine positive Entwicklung: Viele Griechinnen und Griechen werden laut Parlamentsbeschluss wieder in eine reguläre Krankenversicherung aufgenommen. Aber wer nun meint, alles sei wieder gut, kennt die Situation schlecht. Vielleicht sind die Menschen dann berechtigt, sich bei Verletzungen verarzten zu lassen, aber in den Kliniken fehlt Verbandsmaterial. Hilfe ist weiterhin bitter nötig. Und ob die EU-Zwingherren es erlauben werden, dass es sich die Griechen dermaßen „gut gehen“ lassen, steht in den Sternen. Zudem ist Griechenland eines der Länder, die am stärksten vom Flüchtlingszustrom betroffen sind – als könne man einem „Nackten“ noch Kleiderspenden abverlangen.

Liebe HdS-Leserinnen, liebe HdS-Leser,

wegen persönlicher Überlastung konnte ich erst heute, am Freitag, den 26. Februar, meinen siebten Bericht über unsere Hilfsaktion für die Menschen in Griechenland erstellen. Ich bitte um Verständnis, füge aber hinzu: selbstverständlich blieb von der erzwungenen Schreibpause die eigentliche Helferarbeit unberührt. Vor wenigen Tagen erst kehrte Tassos Chatzatoglou mit seiner Ehefrau Evelin von seiner Hilfsfahrt aus Griechenland zurück. Und mittlerweile ist bereits unser anderer Helfer, Karl-Heinz Apel, auf neuer Hilfsfahrt in Griechenland unterwegs, gemeinsam mit seiner Ehefrau Ursula.

Nicht auszuschließen ist allerdings, daß wegen des Berichtausfalls in der letzten Woche der Spendeneingang während der vergangenen sieben Tage stark zurückgegangen ist. Doch der Reihe nach:

In der Vorwoche – also vom 12. bis zum 18. Februar – waren 8 neue Spenden hinzugekommen, in der Gesamthöhe von 1.190,- Euro (davon, worüber wir OrganisatorInnen uns besonders gefreut haben, 500,- Euro für die schwerkranke Katerina K. aus Piräus). In der vergangenen Woche – vom 19. Februar bis gestern, Donnerstag, den 25. Februar – gingen hingegen nur 3 weitere Spenden auf unser Hilfskonto ein, in der Gesamthöhe von 185,- Euro. Gleichwohl gilt natürlich allen Spenderinnen und Spendern unser Dank!

Und dennoch, liebe HdS-Leserinnen und HdS-Leser, gibt es auch gute Nachrichten – trotz der Misere, die in Griechenland anhält (und sich von Tag zu Tag sogar dramatisch verschärft, doch dazu am Schluß dieses Berichtes noch mehr!). Die wichtigste Nachricht in dieser Hinsicht kommt dabei aus Griechenland selbst:

Vor einer Woche beschloß das griechische Parlament, daß alle – rund 2,5 Millionen – Griechinnen und Griechen, die nicht mehr krankenversichert waren, zurückgeholt werden in das staatliche Gesundheitssystem. Heißt: wenn es gut geht, müßte es bald ein Ende haben mit den furchtbaren Einzelschicksalen erkrankter und verarmter Menschen, über die wir wieder und wieder zu berichten hatten. Aber Vorsicht:

Rückkehr aller Griechinnen und Griechen in den Krankenversicherungsschutz, das bedeutet keineswegs auch Wiedergesundung des Krankenversicherungssystems selbst! Der Umstand, daß der griechische Staat für viele verarmte Griechinnen und Griechen die kostenfreie Krankenversorgung wieder gewährleisten will, ist nicht zu verwechseln damit, daß es dadurch mit dem medizinischen Versorgungsnotstand insgesamt in Griechenland ein Ende hätte. Konkret für uns, die AußenhelferInnen, bedeutet das also nur: zukünftig werden die Adressaten unserer Hilfe im Gesundheitssektor weniger die einzelnen betroffenen Patientinnen und Patienten sein, sondern die nach wie vor notleidenden (medizinisch-komplettierten) Sozialstationen und die Krankenhäuser.

Und auch in anderer Hinsicht ist Vorsicht geboten: Wie wird das menschenrechtsentfremdete Euro-Europa auf diesen Beschluß des griechischen Parlaments reagieren? Mit vollem Bewusstsein gebe ich hier meine Befürchtung zu Protokoll: dieses Euro-Europa, das Griechenland in den Abgrund getrieben hat, dürfte auch imstande sein, Griechenland sogar im Abgrund selber noch vor sich her zu treiben! Und gestattet mir an dieser Stelle auch noch einen zweiten Kommentar:

Daß in der vergangenen Woche die Schwesterpartei der bundesdeutschen CDU, die konservative Nea Demokratika, im griechischen Parlament gegen die Wiederaufnahme aller Griechinnen und Griechen in die Krankenversicherung stimmte: geschenkt! – Geschenkt auch, daß die Pasok, die Schwesterpartei der bundesdeutschen Sozialdemokraten, sich bei der Abstimmung über das neue Gesundheitsgesetz nur zu einer „Duldung“ entschließen mochte, zur Stimmenthaltung mithin. Daß aber selbst die griechischen Kommunisten diesem neuen Gesetz nicht zustimmen mochten, ist lachhaft und furchtbar zugleich. Es zeigt sich leider wieder einmal: nicht überall, wo „Kommunismus“ draufsteht, ist auch Kommunismus drin. Wann endlich begreifen auch die griechischen Kommunisten der KKE: Marxismus ohne Menschlichkeit ist kein Marxismus mehr, sondern nur noch dessen Perversion. Da helfen auch vermeintlich revolutionäre „Verelendungstheorien“ nicht.

Die anderen guten Nachrichten, liebe HdS-Leserinnen und HdS-Leser, sind naturgemäß von kleinerem Format (sehen wir einmal von so manchen – sehr anrührenden! – Dankesbriefen aus Griechenland ab!). Sie betreffen allesamt unsere kleine – gemessen an den Problemen doch allzu bescheidene (gleichwohl wichtige!) – Hilfsaktion. Ich zähle mal kurz die Fakten auf:

• Professor Dr. mult. Athanassios Giannis aus Leipzig bleibt weiter aktiv für uns bei den Versuchen, so bald wie möglich für die nierenkranke Katerina K. eine OP zu ermöglichen. Er bereitet außerdem, in Kooperation mit uns, eine eigene Hilfslieferung mit diversem medizinischen Gerät usw. für Thessaloniki vor. Dank für diese Unterstützung schon jetzt!
• Voraussichtlich im April wird uns eine weitere, eine Duisburger Herstellerfirma von medizinischen Hilfsgütern mit kostenlosen Materialien versorgen. Dank auch dafür schon jetzt!
• Wir selber können voraussichtlich in knapp zwei Wochen beim Göttinger Stadtradio, einem nichtkommerziellen, selbstverwalteten Sender, unsere Hilfsaktion ausführlicher vorstellen – selbstverständlich mit der Hoffnung, weitere Spenderinnen und Spender gewinnen zu können.
• Und schließlich – jawohl, auch eine solche „Kleinigkeit“ gehört in den Wochenbericht über unsere Hilfsaktion: Peter Latuska arbeitet weiter den Berg an Bitten um Spendenbescheinigungen ab (zur Erinnerung: erst ab 200,- Euro erforderlich; bei Beträgen unterhalb 200,- Euro genügt fürs Finanzamt der Überweisungsbeleg!). Dank auch an Peter Latuska!

Damit, zum Abschluß dieses Berichtes, noch ein Wort zu den Zusatzbelastungen, denen Griechenland seit einiger Zeit ausgesetzt ist, und zwar in immer stärker anwachsendem Ausmaß, zu Problemen, die nahezu ausschließlich zurückzuführen sind auf das Totalversagen Gesamteuropas beim Thema Flüchtlingspolitik. Im Grunde sind ja die meisten Fakten bekannt – oder sollten es wenigstens sein. Allerdings kommt die Frage nach den Leistungsgrenzen Griechenlands bei der Lösung dieser Probleme meistens zu kurz – wenn sie überhaupt vorkommt:

Allgemein bekannt ist, daß für die meisten Flüchtlinge die europäischen Grenzen mehr und mehr dicht gemacht werden. Mit dem brutalen Beispiel Ungarn fing es mal an, inzwischen gibt es ein nahezu einiges Europa, das den bedrängten, an Leib und Leben bedrohten, Menschen aus Syrien und anderswo den Zutritt zu Europa verwehren will. Besonders dramatisch stellen sich dabei seit einiger Zeit die Verhältnisse an der griechischen Grenze zu Mazedonien dar. Konkret: mindestens 4.000 Menschen harren derzeit dort aus, campieren unter freiem Himmel, ohne Nahrung oft und zumeist ohne jede sanitäre Minimalversorgung. Doch weiter:

160.000 Flüchtlinge warten in Griechenland und Italien auf ihre Weiterverteilung auf die anderen europäischen Länder – die sogenannten „Kontingent-Flüchtlinge“ –, aber erst 598 Betroffene kamen bisher in den Genuß dieses „Privilegs“. Doch weiter:

Täglich kommen, von der Türkei aus, Tausende neue Flüchtlinge ins Land. Geschätzt wird, daß Griechenland in wenigen Wochen mehr als 70.000 weitere Flüchtlinge versorgen muß. Der sogenannte „Rückstau“ wird größer und größer. Und was hatte Europa Griechenland versprochen? Was tut Europa inzwischen?

Nun, am Rande des jüngsten europäischen Gipfels hatten Merkel und Hollande Tsipras zugesagt, daß die sogenannte „Balkanroute“ offen bleiben würde, zumindest bis zum nächsten EU-Türkei-Migrationsgipfel am 7. März. Doch diese offene Balkanroute existiert inzwischen nicht mehr. Sie ist zu, nicht zuletzt dank der Politik Österreichs. Und eben dasselbe Österreich droht Griechenland nun auch noch mit dem Ausschluß aus dem sogenannten „Schengen-Raum“, so vorgestern die österreichische Innenministerin Johanna Mikl-Leitner. Heißt: Gesamt-Europa würde, dieser „Logik“ zufolge, die Grenzen dichtmachen gegenüber Griechenland. Mitmachen bei der sogenannten „Westbalkankonferenz“ vor einigen Tagen in Wien durfte Griechenland eh schon nicht mehr.

„Griechenland wird es nicht hinnehmen, Europas Libanon zu werden“, sagte dazu der griechische Innenminister Ioannis Mouzalas am Mittwoch. Recht hat er. Denn wie könnte das Armenhaus Europas Heimstatt werden für unzählige weitere Arme? Und Recht hat auch Tsipras, der sich vor einigen Tagen bei Merkel und Hollande über die Nichteinhaltung ihrer Zusagen beschwert hat. By the way: keine Antwort bislang. Und deswegen sage ich es auch an dieser Stelle nochmal: Nein, diesen PolitikerInnen reicht es nicht, Griechenland in den Abgrund getrieben zu haben, selbst im Abgrund geht das Niedermachen Griechenlands weiter! Und zu leiden darunter haben nicht irgendwelche Abstraktionen oder Zahlen, sondern die Menschen, und nicht irgendwelche Menschen, sondern die Ärmsten der Armen unter diesen Menschen: die verelendeten Griechinnen und Griechen sowie die im Elend lebenden Flüchtlinge in Griechenland! – Stärker als je betrachte ich daher unsere Hilfsaktion auch als Protest gegen diese Verrohung der europäischen Politik.

Liebe HdS-Leserinnen und liebe HdS-Leser, diesmal fällt mir deshalb der Übergang zu den obligaten Schlußhinweisen auch besonders schwer. Aber damit unser Zorn auch weiterhin Anlaß für Hilfe bleibt, für wirksame Hilfe, seien alle wichtigen Daten hiermit erneut genannt:

Unser Konto, auf das Ihr unter dem Stichwort „GriechInnenhilfe“ spenden könnt und – es sei daran erinnert! – unter dem Kennwort „Katerina K“ auch für die schwersterkrankte junge Patientin aus Piräus, die eine neue Niere benötigt, ist unter den folgenden Angaben für Eure Spenden erreichbar:

Inhaber: IHW
IBAN: DE16 2605 0001 0056 0154 49
BIC: NOLADE21GOE

Und hier nochmal die Kontaktdaten von Peter Latuska, an den Ihr Euch wenden könnt, wenn Ihr Patenschaften übernehmen wollt oder eine Spendenbescheinigung benötigt (für Spendenbeträge bis 200,- Euro genügt fürs Einreichen beim Finanzamt Kopie oder Original Eurer entsprechenden Kontoauszuges):

Peter Latuska
Theodor Heuss Str. 14
37075 Göttingen
Email: latuskalatuska@web.de

Mit herzlichen Grüßen
Euer Holdger Platta

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