Kämpfen wir weiter für ein demokratisches und soziales Griechenland – jetzt erst recht!

 in FEATURED, GRIECHENLAND, Holdger Platta, Über diese Seite

312. Bericht zu unserer Spendenaktion „Helfen wir den Menschen in Griechenland!“ Immer unerbittlicher schlagen die Verhältnisse in Griechenland zu. Verarmung und Verelendung schreiten immer grausamer voran. Immer rigoroser schafft die griechische Politik auch die Pressefreiheit in Griechenland ab. Immer verzweifelter deshalb auch die Lage für uns, für die kleinen Helfer, die sich den großen Problemen in Griechenland in den Weg zu stellen versuchen. Oder zumindest die richtigen Fragen zu stellen versuchen angesichts einer Politik in Griechenland, die verheerend falsch ist. Und schon wieder einmal fast mit leeren Händen dastehen. Holdger Platta

 

Liebe HdS-Leserinnen und liebe HdS-Leser,

Ihr wisst: wir hatten in der letzen Woche Gutes zu berichten. 1.090,- Euro waren an Neuspenden auf unserem Konto eingegangen, überwiesen von neun UnterstützerInnen an uns. Nunja: übersehen durften wir nicht, dass vor allem zwei GroßspenderInnen für dieses hervorragende Ergebnis sorgten: Renate H. mit 500,- Euro und Dr. R. mit 350,- Euro.

Nun, die letzten sieben Tage bescherten uns leider wieder eine große Enttäuschung: vielleicht beeindruckt von diesem guten Resultat aus der Vorwoche, mochte während der vergangenen sieben Tage kein weiterer Spender, keine weitere Spenderin, diese Glückssträhne fortsetzen: Erneut war also – nicht zum ersten Mal in diesem Jahr – eine Nullwoche zu registrieren: keine weitere Spende also, kein neuer Spender, keine neue Spenderin. Ja, ich gebe zu, dass damit böse Vorahnungen bestätigt worden sind. Und: Im bösen Kontrast zu den anwachsenden Hilfserforderlichkeiten in Griechenland steht dieses Nullergebnis zudem. Ich zitiere hiermit einen längeren Ausschnitt aus dem ersten Bericht, den mir Tassos Chatzatoglou über seine Griechenlandreise zugeschickt hat:

„Lieber Holdger,

ich bin verzweifelt. Ich habe zwei Anträge bzw. Spendenanfragen. Die Sozialstation von Korydallos und der Verein der Kinderreichen Familien in Piräus bitten uns um Hilfe. Auch von Andros  habe ich eine Anfrage für einen querschnittsgelähmten Jungen. Die Lage der Bedürftigen in Griechenland hat sich verschlechtert. Von der Regierung ist keine Änderung ihrer sozialen Politik zu erwarten. Die Zahl der verarmten Griechen nimmt zu.

Im griechischen Parlament sprach Selenskyj flankiert von zwei Kämpfern der Asow. Die Griechen sind vor den Kopf gestoßen. Kaum sind Nazis aus dem griechischen Parlament entfernt, sprachen Nazis des Asow-Bataillons via Live-Übertragung im Parlament. Trotzdem zeigen die Umfragen Mitsotakis weit vorne in der Gunst der Griechen.

Die Inflationsrate beträgt bereits 9,8%. Ein Besuch im Lebensmittel-Geschäft überzeugte mich von der Teuerung  bei Grundnahrungsmitteln. Die Preise sind zumindest so hoch wie bei uns in Österreich. Hygieneartikel sind um 20 % teurer als in Österreich. Wenn sich nichts ändert, erwarte ich eine weitere Verelendung der Massen in Griechenland. Ich habe mit mehreren Menschen gesprochen. Das größte Problem zurzeit ist die Stromrechnung. Zusätzlich zu den verbrauchten Kilowattstunden erhebt die DEH Gebühren, die viermal höher sind als der Verbrauch. Mir wurde eine Quartals -Rechnung gezeigt: der Stromverbrauch machte 132,- € aus, die Gebühren beliefen sich auf 505,- €!!!!!!

Ich besuche Panagiota Anfang nächster Woche.  Ich ahne nichts Gutes. Am Samstag treffe ich Alexander in Athen. Er wartet noch immer auf seine Pension. Einen kleinen Auftrag für eine Fernsehproduktion musste er ablehnen! Die Berechnung der Pension nach dem Auftrag hätte Alexander um Jahre zurückgeworfen. Seine Pension würde er nach seinem Tod ausbezahlt bekommen. Das sind seiner Worte.

(…)

Ich bin sehr zuversichtlich, dass Du mit deinem Schreiben die HDS Leser zum Spenden für unsere Bedürftigen bewegst. Ich grüße dich und Sybille,

Dein nachdenklicher Tassos“

 

Einige ergänzende Mitteilungen noch von meiner Seite aus dazu:

Erstens: Was den Preisanstieg betrifft, so scheinen – einem Bericht der Griechenland Zeitung (GZ) zufolge – vor allem haltbare Lebensmittel davon betroffen zu sein – Resultat vermutlich des anhaltenden Ukraine-Kriegs: Dosenfleisch mit plus 64,8 Prozent, Teigwaren mit plus 43,6 Prozent, Hülsenfrüchte mit plus 20,6 Prozent.

Zweitens: Was die Zunahme rechtsextremistischer Tendenzen in Griechenland angeht, so ist mit der Gründung einer neuen faschistischen Partei zu rechnen (nachdem die Vorgänger-Partei Chryssi Avgi, die Goldene Morgenröte, verboten worden ist): Ein Ex-Parlamentarier der Nea Dimokratia (ND) mit Namen Konstantinos Bogdanos gedenkt, eine solche neue Faschisten-Partei mit dem Namen Nationale Vereinbarung zu gründen. Der 42jährige Bogdanos, ein gelernter Journalist, hatte vor einiger Zeit bereits einmal von sich reden gemacht, als er öffentlich vorgeschlagen hatte, alle Flüchtlinge, die nach Griechenland gelangen, auf unbewohnte Inseln zu verfrachten.

Drittens: Schließlich ist soeben eine europäische Studie über die Pressefreiheit zu dem Ergebnis gekommen, dass diese in Griechenland zunehmend bedroht sei. Das in Leipzig ansässige Institut Media Freedom Rapid Response (MFRR) kam unter anderem zu den folgenden Ergebnissen:

  • die Unabhängigkeit der Medien und journalistischen Berichterstattung sei zunehmend in Frage gestellt;
  • die griechische Regierung würde den Medien deren unabhängige Arbeit zunehmend erschweren;
  • die Regierungspartei ND verwandle Griechenland „in ein problematisches Land für die Pressefreiheit und die Demokratie“;
  • die „Unabhängigkeit der Medien und die Sicherheit der Journalisten“ hätten in Hellas „einen kritischen Punkt erreicht“;
  • für die Regierung unbequeme oder unvorteilhafte Meldungen würden gar nicht mehr erscheinen, das betreffe etwa die Migrationspolitik, die Verletzung von Menschenrechten und die humanitäre Krise, die beim Umgang mit den Flüchtlingen in Griechenland zutage getreten sei;
  • Grund für all das sei unter anderem das Mediengesetz, das vor einiger Zeit von der Mitsotakis-Regierung vorgeschlagen und anschließend dann vom Parlament mit großer Mehrheit beschlossen worden sei, ein Gesetz, das pauschal die „Verbreitung von Fake News“ unter Strafe gestellt habe – mit der Folge willkürlicher Auslegung dieses Gesetzes und mit der Folge der Selbstzensur unter den Journalisten in Griechenland.

MFRR, das seine Studie unter anderem mit Reporter ohne Grenzen erarbeitet hat, wurde beziehungsweise wird bei diesen dramatischen Einschätzungen sogar von der FDP-nahen Friedrich-Naumann-Stiftung in Griechenland unterstützt, außerdem von der englisch-sprachigen Wochenzeitung Politico Europa, die dazu die folgende Stellungnahme veröffentlicht hat: „Die Unabhängigkeit der Medien und die Sicherheit der Journalisten in Griechenland sind in größerer Gefahr als in den meisten anderen EU-Ländern“. Und das paneuropäische Nachrichtenportal Euractiv verglich die Pressefreiheit – besser formuliert: deren Einschränkung! – in Griechenland mit der Situation in Ungarn. Auch ich sprach ja vor einiger Zeit schon einmal von einer Orbanisierung Griechenlands. Nur ungern hat man bei derartigen Einschätzungen Recht! Und muss ich ergänzen – zum x-ten Mal, vermute ich?:

All das interessiert die EU offenbar ebenso wenig, wie es die europäische Medienwelt interessiert (von den oben genannten Ausnahmen abgesehen). Fast könnte man auf den Gedanken kommen, auch im „Rest-Europa“ nähern sich die Verhältnisse allmählich den Verhältnissen in Griechenland an.

Verschweigen will ich nicht: hie und da regt sich in Griechenland selber auch Widerstand gegen diese Veränderungsprozesse. So fand, zumindest das, am Mittwoch, den 4. April, ein ganztägiger Generalstreik statt – getragen von der Dachgewerkschaft der Angestellten im Privatdienst (GSEE), der Gewerkschaft Öffentlicher Dienst (ADEDY)sowie der kommunistischen PAME (= Panergatiko Agonistiko Metopo, zu Deutsch etwa Kampffront aller Arbeiter). Diese Proteste hatten sich vor allem gegen die Teuerung gerichtet und vor allem für einen Inflationsausgleich bei den Gehältern plädiert (in der nächsten Woche hoffe ich ausführlicher darüber berichten zu können).

Aber ob solche Eintagsproteste  ausreichen werden? Und ob es klug ist, solche Proteste auf derart bescheidene Gehaltsanpassung an die Preissteigerungsraten zu reduzieren? Wieder und wieder vermisse ich, gerade bei den Gewerkschaften (nicht nur in Griechenland!), dass nicht auch – zumindest das! – eine neue, eine soziale, eine humane Politik für die Verarmten, für die Verelendeten, für die Menschen ohne Arbeit in Griechenland gefordert wird. Ebenso – x-mal von mir an dieser Stelle bereits angesprochen! – die seit langem aufs dringlichste überfällige Sanierung des total-kaputten Gesundheitssystems in Griechenland! Aber warten wir ab! Vielleicht liegen mir derzeit ja in dieser Hinsicht nur höchst unvollständige Berichte über die Streikaktionen in Griechenland vor!

Was uns jedenfalls betrifft, muss korrigierende, ergänzende, an die Wurzel der Probleme gehende Kritik und Berichterstattung unsere Aufgabe bleiben und sein – und nach wie vor Hilfe, Hilfe, Hilfe in jedem Einzelfall, von dem wir erfahren. Das aber können wir, die HelferInnen, nur mit Eurer Hilfe tun! Bleibt also auch heute nur, Euch mit meiner Schlussbitte zu konfrontieren: lasst die notleidenden GriechInnen nicht im Stich – und damit auch uns HelferInnen nicht! Wie immer also:

Wer von Euch uns Gelder für unsere Hilfe für Menschen in Griechenland zukommen lassen will, der überweise uns diese bitte unter dem Stichwort „GriechInnenhilfe“  auf das Konto:

 

IBAN: DE16 2605 0001 0056 0154 49

BIC: NOLADE21 GOE

Inhaber: IHW

 

Wer eine Spendenbescheinigung benötigt – ab 201,- Euro erforderlich –, wende sich bitte an Volker Töbel, entweder unter der Postanschrift Tewaagstraße 12, 44141 Dortmund, oder unter der Mailadresse vtoebel@web.de.

 

Mit herzlichen Grüßen

Euer Holdger Platta

Comments
  • Volker
    Antworten

    Mir wurde eine Quartals -Rechnung gezeigt: der Stromverbrauch machte 132,- € aus, die Gebühren beliefen sich auf 505,- €!!!!!!

    … und, und und …

    … mir kommt gerade die Bezeichnung Völkermord in den Sinn, ganz spontan halt, weil es für mich so aussieht, die griechische Bevölkerung langsam aber sicher aussterben lassen zu wollen …  neue europäische Normalität halt, mit oder ohne Gemetzel, je nach Marschrichtung des mörderischen Großkapitals aus dem Hause Europas … abgemerkelt, verschäubelt, verraten und verhökert …

    Im griechischen Parlament sprach Selenskyj flankiert von zwei Kämpfern der Asow.

    Alleine würde er sich sicherlich in die Hosen machen, dabei hat er das Glück doch, deutschmäßig als Top-Nazi gehätschelt zu werden, was sicherlich nicht verwundern sollte, bei all den netten, schwergewichtigen Vorzeige-Nazis unter dem brüchigen Dach Europas.

    Immerhin steigt die Spendenbereitschaft zur atomaren Selbstvernichtung auf Raten – Finanzierung gesichert.

     

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