Klare Aussagen über ein Katastrophenland

 In FEATURED, GRIECHENLAND, Holdger Platta, Über diese Seite

127. Bericht zu unserer Spendenaktion „Helfen wir den Menschen in Griechenland!„Ein Licht am Ende des Tunnels“ – jeder kennt dieses schöne Sprachbild. Was aber wenn der Tunnel nie ein Ende hat? Ein Alptraum zweifelsfrei. Und einen solchen erleben die Griechinnen und Griechen seit Jahren, auch wenn Schönfärber derzeit gern den Eindruck zu erwecken versuchen, das Land sei aus dem Gröbsten raus. Die Wirtschaft liegt dank europäischer – und an vorderster Front: deutscher – Bemühungen derart am Boden, dass eine Wiederaufstieg auf längere Sicht unwahrscheinlich scheint. Dennoch oder gerade deshalb sollten wir mit langem Atem hinschauen, Anteil nehmen und helfen.

Liebe HdS-Leserinnen und liebe HdS-Leser,

ich weiß, ich weiß: manche mögen der Behauptung etwas skeptisch gegenüberstehen, dass es am 20. August dieses Jahres nicht zuende sein wird mit der westeuropäischen Austeritäts- und Kotrollpolitik gegenüber Griechenland. Ihr erinnert Euch: eine Ansicht, die selbst der Regierungs-Chef der SYRIZA, Alexis Tsipras, vor einigen Wochen in die Welt hinausposaunt hat – und ihn merkwürdigerweise dazu animierte, erstmalig seit Jahren wieder einen Schlips zu tragen, einen „bourdeaux-roten“ Schlips, wie die aufs Wesentliche erpichte Publizistik in der Bundesrepublik ihren LeserInnen mitzuteilen wusste.

Nun ja, meinen – halbbitteren – Scherz dazu habe ich ja bereits gemacht: man möge dieses eher dunkle Rot nicht verwechseln mit dem klassisch helleren Rot der weltweiten Arbeiterbewegung. Bis in diese läppischen Mode-Details hinein hat sich die vormals sozialistische SYRIZA von sich selber verabschiedet. Und dass von einem Ende der Kaputtmacherpolitik gegenüber Griechenland nicht ernsthaft die Rede sein kann, an diesem „magischen“ 20. August, das hat nunmehr auch unser aller Kanzlerin, Angela Merkel, in der letzten Woche noch einmal ganz ausdrücklich bestätigt. Auf ihrer traditionellen Sommer-Pressekonferenz, unmittelbar vor Beginn ihres Urlaubs (der unter anderem mit dem Besuch des neu inszenierten „Lohengrin“ auf dem Grünen Hügel von Bayreuth begann), teilte sie den versammelten Journalistinnen und Journalisten ausdrücklich mit: „Die Fortwirkung der Programme (= gegenüber Griechenland, HP) ist nicht beendet“. Und weiter: auch in Zukunft würde man sich „aufeinander verlassen können“. Heißt konkret: verlassen können darauf, dass die griechische Regierung auch weiterhin an der Politik des Herunterwirtschaftens des eigenen Landes festhält – und an der Katastrophenpolitik für ihre Bevölkerung.

Sehr präzise hat das in einem ausführlichen Artikel auch der Mediendienst „German Foreign Policy“ (GFP) noch einmal dargestellt und durchanalysiert, am Dienstag der vergangenen Woche, am 24. Juli diese Jahres 2018 – ein linker Mediendienst, das wohl, aber keine Mediendienst, der als „links-doktrinär“ bezeichnet werden kann. Aus diesem Bericht (der ohne Autorenbenennung erschien) möchte ich im Folgenden doch einige Hauptthesen zitieren und referieren. Allesamt zeigen sie, dass von einseitiger Berichterstattung unsererseits nicht die Rede sein kann!

Unumwunden stellt GFP fest, bereits im ersten Absatz ihres Artikels, dass der „deutsche ‚Reformdruck‘“ die Wirtschaft in Griechenland – so wörtlich! – „ruiniert“ habe. Deutschland, so „German Foreign Policy“, habe in Griechenland „die Staatsverschuldung um fast 50 Prozent auf 180 Prozent des Bruttoinlandprodukts in die Höhe getrieben, zudem Massenarmut und Massenarbeitslosigkeit hervorgebracht und Hunderttausende zur Arbeitsemigration gezwungen“.

Der Mediendienst GFP spricht von einem „sozioökonomisch verwüsteten“ Mittelmeerland, konstatiert, dass selbst der Internationale Währungsfonds, der IWF, aus der „deutschen Austeritätspolitik“ ausgestiegen sei, und zählt noch mal, mit entsprechender Schlussfolgerung, einige dieser Kaputtmacher-„Reformen“ auf: Rentenkürzungen, Lohnsenkungen, Deregulierungen des Arbeitsmarktes und Einsparungen bei Staatsausgaben (unerwähnt bleiben lediglich die sogenannten „Privatisierungen“, das Verscherbeln von griechischem Staatseigentum aus dem Bereich der öffentlichen Daseinsvorsorge an ausländische Konzerne, durchweg zu Schleuderpreisen!). Um so klarer demgegenüber die Bewertung dieser Politik: nun fehlten dem „austeritätsgeplagten Land“ die Möglichkeiten, „den Transformationsprozess in Richtung einer investitionsgetriebenen Ökonomie“ einleiten zu können.

Dem – der bundesdeutschen Industrie nahestehenden – „Forschungsinstitut“ DIW, dem „Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung“, wirft GFP vor, immer noch festzuhalten an der ideologischen Märchenerzählung, „Griechenland sei reformunwillig oder reformunfähig“, und kommentiert: „Mit diesen Behauptungen wurden die desaströsen sozioökonomischen Folgen der Berliner Austeritätspolitik in dem Mittelmeerstaat rationalisiert“ (= gemeint: mit scheinvernünftiger Begründung versehen. HP). Und den folgenden Abschnitt aus dem GFP-Artikel „Kein Licht am Ende des Tunnels“ sollte man doch vollständig zitieren:

„Die in immer neuen Schüben insbesondere vom ehemaligen deutschen Finanzminister Wolfgang Schäuble oktroyierten ‚Sparprogramme‘ haben in dem Land immer wieder neu eine verheerende deflationäre Abwärtsspirale angefacht, von der es sich in absehbarer Zeit kaum erholen wird. Dabei führen die verordneten Kürzungs- und Sparmaßnahmen zu einem Einbruch der Binnennachfrage, zu Rezession und wachsender Arbeitslosigkeit, was wiederum die staatlichen Steuereinnahmen schrumpfen lässt und zugleich die Sozialausgaben erhöht. Die Folge: Trotz ‚Sparpolitik‘ bleibt das Haushaltsdefizit bestehen, während die Pauperisierung (= Verarmung. HP) der Gesellschaft voranschreitet. Mit diesen Folgen ihrer Austeritätspolitik konfrontiert, haben die Berliner Funktionseliten – unter Verweis auf das obige Narrativ vom angeblich ‚faulen Südländer‘ – mit der weiteren Zuspitzung ihrer ‚Spar‘-Forderungen reagiert, sodass Griechenland in den vergangenen zehn Jahren etliche extreme Austeritätsprogramme verkraften musste, die das Land sozioökonomisch grundlegend zerrüttet haben.“

Entsprechend dieser Analyse verweist „German Foreign Policy“ auch die ‚Erfolgsmeldung‘ der minimalen Wirtschaftsbelebung in Griechenland in den Bereich der Schönfärberei: „Das anämische Wachstum von 1,4 Prozent im Jahr 2017 (EU-Durchschnitt: 2,3 Prozent), die laut Schätzung  (!!! HP); von Experten in diesem Jahr auf voraussichtlich 2,1 Prozent steigen könnte (!!! HP) wird auf absehbare Zeit nicht den krisenbedingten Einbruch des griechischen Bruttoinlandsprodukts (BIP) kompensieren können, das um rund ein Viertel einbrach“ (= Fettdruck: HP!). Und mit wünschenswerter Deutlichkeit weist der Autor dieses Artikels auch auf die verheerenden sozialen Auswirkungen dieser brutalen Euro-Staaten-Politik gegenüber Griechenland hin:

„Infolge der Wechselwirkung aus Sozialstaatsabbau und explodierender Arbeitslosigkeit haben sich Hunger und Unterernährung ausgebreitet. Betroffen von Mangelernährung waren oftmals Kinder aus verarmten Gesellschaftsschichten: 2013 sahen sich rund zehn Prozent der Schüler in Griechenland mit ‚Nahrungsmittelunsicherheit‘ konfrontiert, sie mussten Mangelernährung oder Hunger verkraften. Im Jahr 2015 galten rund 22 Prozent aller Griechen als extrem arm – sie waren nicht mehr in der Lage, ihre grundlegenden Bedürfnisse selbst zu befriedigen.“

Dass Euro-Staaten-Politik gegenüber Griechenland identisch ist mit inhumaner Zerstörungspolitik gegenüber den Menschen in Griechenland, das könnte angesichts solcher Sätze auch ich nicht unverstellter formulieren. Und wenn GFP seinen Bericht mit den Worten beschließt, dass die Menschen in Griechenland „kein Licht am Ende des Tunnels“ sehen, weil sie auch weiterhin zu leben haben unter Verhältnissen, die als „dramatische soziale Situation“ zu bezeichnen ist, dann fällt auch mir an dieser Stelle kaum ein schärfere Formulierung ein. In den Worten des GFP-Artikels gesagt (gleichzeitig Schlusssatz in diesem Bericht): die GriechInnen sehen sich mit einer Katastrophenlage konfrontiert, in der „Elendslöhne, Suppenküchen, Mangelernährung und Obdachlosigkeit zum Alltag geworden sind“.

Und aus dieser Verelendungssituation heraus, in der immer mehr Menschen in Griechenland immer weniger Geld zur Verfügung haben, um ein noch einigermaßen menschenwürdiges Leben leben zu können, aus dieser politisch-verordneten Nachfragevernichtung heraus soll „Wiederaufschwung“ entstehen, soll „Konjunktur angekurbelt“ werden, soll ein Land sich wieder herausarbeiten können aus seiner Not? – Das ist nicht nur schlimmste Inhumanität (ach ja: der „Gutmensch“ empört sich hier!), das ist auch, volkswirtschaftlich betrachtet, eine nur noch als wahnwitzig zu bezeichnende Idiotie! Wer daran glaubt, muss schließlich dran glauben!

Keine guten Worte „in Sachen Griechenland“? – Nein, leider ein weiteres Mal nicht! Und auch in anderer – ungleich bescheidenerer – Hinsicht muss ich heute enden mit unguter Nachricht: Nein, während der letzten sieben Tage gingen keinerlei Spenden auf unserem Hilfskonto für die notleidenden Griechinnen und Griechen ein. Auch insofern ist dieses Mal das Wort „leider“ angebracht. Allerdings bin ich sicher, dass ich in der nächsten Woche – des Monatswechsels wegen – bereits wieder mit einer besseren Mitteilung aufwarten kann, dank der vielen DauerspenderInnen unter Euch!

Trotz allem also wieder einmal zu meinen obligaten Schlusshinweisen:

Wer uns bei unserer Hilfe für Menschen in Griechenland unterstützen will, unter dem Stichwort „GriechInnenhilfe“,  der überweise uns bitte Spendengelder auf das Konto:

Inhaber: IHW

IBAN: DE16 2605 0001 0056 0154 49

BIC: NOLADE21GOE

Wer eine Spendenbescheinigung benötigt – ab 200,- Euro erforderlich -, wende sich bitte an unseren neuen Kassenwart Henry Royeck, entweder unter der Postanschrift Sültebecksbreite 14, 37075 Göttingen ,oder unter der Mailadresse henryroyeck@web.de.

Und wer noch etwas mehr tun will: auch unser gemeinnütziger Verein, die „Initiative für eine humane Welt (IHW) e.V.“, wäre eigentlich sehr dringend mal wieder auf neue Hilfsgelder angewiesen, zur finanziellen Absicherung unserer Arbeit ganz generell. Diese Spenden bitte dann an dasselbe Konto, wie oben angegeben, jedoch mit dem Stichwort „IHW“ versehen. Wir würden uns riesig auch über diese Unterstützung freuen.

Mit herzlichen Grüßen wie stets

Euer Holdger Platta

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