„Nationalismus“ überwinden – bis in unsere Begriffe hinein!

 In FEATURED, Holdger Platta, Politik

Ein Diskussionsbeitrag zu einem langen Wagenknecht-Zitat in einem HdS-Kommentar. Ist Nationalismus immer schlecht? Man könnte differenzieren: „Guter“ Nationalismus befreit von der Übermacht einer Besatzungsmacht (siehe etwa die antikolonialistischen Bewegungen in der Dritten Welt); „schlechter“ Nationalismus wird selbst übergriffig und maßt sich eine grundsätzliche Überlegenheit des eigenen Volkes an. Dennoch: Tat Sahra Wagenknecht gut daran, diesen Begriff in der Ära von Orban, Höcke und Seehofer zu rehabilitieren? Wäre es nicht besser gewesen, das Gemeinte aus dem Verlangen nach Freiheit und Humanität zu begründen? (Holdger Platta)

Zweifellos: ein Begriff wie „Nationalismus“ schillert. Dasselbe gilt für das davon abgeleitete Eigenschaftswort „national“ – und schon gar für das Eigenschaftswort „nationalistisch“. Dabei zeigt ein genauerer Blick auf diese Begriffe sehr schnell: es hängt sehr stark vom historisch-gesellschaftlichen Zusammenhang ab, ob diese Begriffe eher negativ oder positiv zu verstehen sind. Und abhängig sind Definition von „Nationalismus“, „national“  und „nationalistisch“ sowie deren ethisch-psychologische Bewertung auch davon, in welchem Erdteil bzw. in welcher Weltregion dieses Begriffstriade aufzutauchen beginnt. Aber konkret:

Das renommierte Wissenschaftler-Handbuch „Lexikon zur Geschichte und Politik im 20. Jahrhundert“, herausgekommen 1971 im kaum minder renommiert zu nennenden Kölner  Kiepenheuer & Witsch-Verlag, definiert den Begriff „Nationalismus“ zunächst eindeutig negativ. Der betreffende Sachartikel beginnt mit den Worten:

Nationalismus, emotionale Bindung an die eigene Nation oder nationähnliche Gruppe bzw. Institution (Staat, Volk, Volksgruppe, Stamm oder Rasse). Auf Grund der durch ihn hervorgerufenen Konflikte, Kriege, Verfolgungen und Verbrechen wird der N. [= Nationalismus. HP] im allg. negativ bewertet; seine Überwindung zugunsten eines Internationalismus bzw. Kosmopolitismus gilt als moralisches Ziel…“ (Bd. II, S. 550f).

Im weiteren Verlauf dieses Sachbuch-Artikels aus der Feder von Eugen Lemberg, seinerzeit – 1971 – Soziologieprofessor in Frankfurt am Main, wird allerdings dargelegt, dass vor allem in der Dritten Welt und vor allem im 20. Jahrhundert „Nationalismus“ auch Bestandteil antikolonialer Bewegungen war, vor allem in Afrika. Staatswerdung, Nationenwerdung, Befreiung vom kapitalistischen Joch, das den betreffenden Kolonien zum Beispiel von Ländern wie Großbritannien und Frankreich auferlegt war, bildeten eine Einheit, bei der kein Bestandteil vom anderen zu trennen ist. Also halten wir fest:

Dort war „Nationalismus“  identisch mit einem Kampf um Freiheit und Autonomie, mit einem Kampf um Selbstbestimmung, mit einem Kampf um Befreiung von Fremdherrschaft und Ausbeutung durch – vor allem – Industriestaaten der sogenannten Ersten Welt (mit Europa an der Spitze, was Afrika betrifft; mit den USA an der Spitze, was den sogenannten amerikanischen „Subkontinent“ – Mittel- und Südamerika – betrifft), „Nationalismus“, das war in diesem Falle stets das Erkämpfen einer eigenen staatlichen Souveränität, das war antiimperialistischer Kampf, nicht aber Ausdruck eigener Überlegenheitsfantasien oder Expansionsgelüste. Kurz also:

Wer beide Erscheinungsformen von „Nationalismus“ in einen Topf wirft, wer beide Varianten von „Nationalismus“ gleichsetzt – westlichen „Nationalismus“ bis weit in den Faschismus hinein mit „Nationalismus“ der Dritten und Vierten Welt, in Afrika und anderswo, der trägt wahrlich nicht zur Klärung der Fragen bei, die in Europa  mittlerweile wieder auf der Tagesordnung stehen: was ist oder zu was wird „Nationalismus“ im wachsenden Maße wieder bei uns? Wer das betriebe, dieses Ineinssetzen oder dieses Verwechseln der beiden Erscheinungsformen von Nationalismus in Europa und, zum Beispiel, Afrika, der müßte am Ende konsequenterweise einen Mohammad Mossadegh (Persien) auf die gleiche Stufe stellen wie einen Viktor Orban in Ungarn, einen Patrice Lumumba (Kongo) gleichbewerten wie eine Marine Le Pen (Frankreich), einen Salvador Allende (Chile) gleichsetzen mit einem AfD’ler wie Björn Höcke bei uns.

Ich denke, man wird mir zustimmen können: bei diesem Verwechseln und Ineinssetzen würden alle Katzen grau!  Tendenziell setzte man sämtliche Befreiungsbewegungen der Welt gleich mit allen – zumindest potentiell – faschistischen Bewegungen der Welt. Absurd! Positiv heißt dieses jedoch:

Wer hierzulande, hier in Europa, über „Nationalismus“ spricht, der sollte das auch im bundesdeutschen oder europäischen Kontext tun. Und in diesem Kontext ist „Nationalismus“ eindeutig definiert, seit langem schon, nämlich eindeutig negativ, und zwar ganz so, wie im zitierten Sachbuch-Artikel aus dem eingangs erwähnten „Lexikon zur Geschichte und Politik im 20. Jahrhundert“ nachzulesen ist. Und ausdrücklich zuzustimmen ist insofern der Kommentatorin „Heike“ bei uns (vom 15. August 2018):

„Ein Nationalismus, der sich über andere Völker stellt, führt sicher zu nichts Gutem“.

Doch was hat es dann auf sich mit dem langen Zitat, das Kommentatorin „Heike“ dieser Feststellung folgen lässt, mit den Aussagen von Sahra Wagenknecht in ihrem Buch „Reichtum ohne Gier“ (dort auf Seite 36)? – Hier zunächst (leicht korrigiert) das relativ lange Zitat:

„Bezeichnenderweise gehören im ärmeren Teil der Welt ausschließlich solche Länder zu den Gewinnern der Globalisierung, deren Politik nach den heute üblichen Denkschemata nationalistisch genannt werden müsste, weil sie sich der Freihandelsideologie der Globalisierung eben nicht unterworfen, sondern – wie China, Südkorea, seit den Neunzigern auch Vietnam – ihre Wirtschaft geschützt, den Kapitalverkehr reguliert und ihre Entwicklung in die eigenen Hände genommen haben.

In vielen Entwicklungsländern dagegen ist die Lage heute hoffnungsloser als noch vor drei oder vier Jahrzehnten. Denn einem ärmeren Land nach dem anderen wurden von selbst ernannten (sog.) Internationalisten ‚Freihandelsabkommen‘ aufgezwungen, die ihre heimische Produktion vernichtet und ihre Märkte zur Beute westlicher Agrarmultis und Industriekonzerne gemacht haben. Millionen Kleinbauern und Gewerbetreibende wurden auf diese Weise um ihre Existenz gebracht. Wenn sie sich dann auf den Weg in wohlhabendere Länder machen, spricht man verächtlich von Wirtschaftsflüchtlingen.“

Feststellung eins: selbstverständlich zeigt dieses Zitat, dass – wie „Heike“ uns schrieb – der Begriff „Nationalismus“ in „verschiedener Bedeutung verwendet“ werden kann und – natürlich – mit höchst unterschiedlicher Bewertung auch.

Feststellung zwei: ebenso deutlich wird allerdings, dass Sahra Wagenknecht sich bei ihrer Positiv-Verwendung des Begriffes „nationalistisch“ – ich hätte freilich den Begriff „national“ für präziser gehalten – genau auf jene Weltregionen und politökonomischen Zusammenhänge bezieht, die auch von mir – wie von meinem Gewährsmann Professor Eugen Lemberg –  in den Mittelpunkt gestellt worden sind: auf die Selbstbefreiungskämpfe antikolonialistischer Staaten und Bewegungen in der Dritten Welt.

Feststellung drei: Und dieses bedeutet, mit aller Klarheit gesagt: mit nationalistischen Entwicklungstendenzen in Europa hat diese ganz spezifische Positivbewertung des Begriffes „nationalistisch“ (oder auch „Nationalismus“) nichts, aber auch gar nichts zu tun. – Freilich:

Feststellung vier: ob es sonderlich erkenntnisfördernd ist, Selbstbefreiungskämpfe antikolonialistischer Staaten und Bewegungen in der Dritten Welt den Stempel „nationalistisch“ aufdrücken zu wollen, das halte ich zumindest für sehr diskussionsbedürftig. Mir jedenfalls scheint: Missverständnisse sind bei der Verwendung dieses schillernden Begriffs – siehe Anfang dieses Artikels! – nahezu vorprogrammiert. Präzise gesagt: wer – wie Sahra Wagenknecht an der zitierten Stelle – den Begriff „nationalistisch“ sozusagen mit der Wortbedeutung „antikapitalistisch“ aufzufüllen (und damit aufzuwerten!) versucht, läuft zumindest Gefahr, seinen eigenen Antikapitalismus nationalistisch umzuinterpretieren.

„Irgendwie“ werden im Gesamtzitat der Sahra Wagenknecht „Nationalismus“ und „Antikapitalismus“ miteinander gleichzusetzende oder miteinander zu verwechselnde Begriffe. Das tut mit Sicherheit der Verständigung zwischen allen Diskussionsteilnehmern nicht gut. Wagenknecht zieht fast zwangsläufig den Verdacht „nationalistischer“ Denktendenzen auf sich – und ein Konstantin Wecker (auf und gegen den sich „Heikes“ Kommentar mit ihrem langen Wagenknecht-Zitat bezog) wird, im Umkehrschluss, dem Verdacht ausgesetzt – wegen seiner Aussage „Nationalismus wird uns immer ins Elend führen“ –, er gäbe mit dieser Aussage den Antikapitalismus auf. Nichts allerdings wäre falscher als das! Doch andersherum, positiv, formuliert:

Mir scheint, viel besser wäre es gewesen (viel besser auch für unsere zukünftigen Debatten zu diesem Themenkomplex), Sahra Wagenknecht hätte von „einzelstaatlichen“ Aktionen gegen „Freihandelsabkommen“ gesprochen, nicht von „nationalistischer“ Politik. Sahra Wagenknecht hätte auch besser daran getan, den Selbstbefreiungs- und Menschenrechts-Charakter all dieser Bewegungen gegen den globalisierten Kapitalismus zu betonen statt den vermeintlich „nationalistischen“ Charakter derselben. Und schließlich: Sarah Wagenknecht hätte besser daran getan, den internationalen – meinetwegen auch: internationalistischen – Charakter all dieser einzelstaatlichen Bewegungen gegen den Weltkapitalismus zu akzentuieren, statt abzuheben auf den Umstand, dass  weltweite Bewegungen sich selbstverständlich stets und überall auf dem Globus in Einzelstaaten geltend machen! Wie sollte das auch anders sein? Aber konkret:

Dass während des Vietnamkrieges „nationale“ Bewegungen in den USA und in Frankreich, in England und Deutschland aufbegehrten gegen diesen völkerrechtswidrigen Krieg mit den Merkmalen eines Völkermordes (Stichwort „Agent Orange“), machte aus diesen Bewegungen doch keine „nationalistischen“ Bewegungen, wie man, wenn man Wagenknecht folgen wollte, retrospektiv zu formulieren hätte! Das waren, jeweils eigenständig in den jeweiligen Ländern aufgekommene, Friedens- und Menschenrechtsbewegungen, die uns junge Menschen damals weltweit auf die Straße brachten, selbst wenn die einen das in Washington taten und die anderen in Paris, die einen in London und die anderen in Berlin. Anders gesagt:

Wagenknechts Begriff des „Nationalismus“ bzw. des „Nationalistischen“ verengt Prozesse wie den soeben kurz skizzierten auf eine einzige Dimension (ich meine sogar: auf eine nahezu unerhebliche!), nämlich auf die vermeintlich „nationale“ oder gar „nationalistische“ Dimension. In Wahrheit aber handelt es sich bei all diesen Freiheits-, Friedens- und Menschenrechtsbewegungen um Widerstandsaktionen, die grundlegend doppelten Charakter haben: sie realisieren sich allesamt in einzelnen Ländern und stellen insofern „nationale“ Bewegungen dar; sie realisieren sich aber gleichzeitig weltweit – und sind demzufolge auch als „internationale“ Bewegung zu werten!

An diesem – übrigens: auch sehr ermutigenden! – Doppelcharakter geht Wagenknechts reduktionistische Begrifflichkeit, die ausschließlich mit dem Eigenschaftswort „nationalistisch“ zu hantieren versucht, also völlig vorbei, und sie verkennt oder verfehlt damit auch den Grundcharakter linker – nämlich menschenrechtsorientierter, freiheitsorientierter, friedensorientierter – Bewegungen schlechthin, deren immer zugleich auch internationalen Charakter! Heißt konkret (am Beispiel von Wagenknechts Thema „Freihandelsabkommen“ dargelegt):

Unser, der Deutschen, Widerstand gegen TTIP war lediglich in geografischer Hinsicht ein deutsches Geschehen. In Wirklichkeit war dieser Widerstand gegen TTIP ein internationaler Prozess, der sich auch in Deutschland abspielte, aber nicht nur bei uns. Gleichzeitig, wir wissen es, standen auch Menschen in zig anderen europäischen Ländern gegen dieses TTIP-Monster auf, gleichzeitig war es also auch französische, britische, niederländische, schwedische Bewegung undundund, gleichzeitig war es demzufolge auch internationales bzw. internationalistisches Geschehen.

Und mehr noch: es zeigte sich darin, in diesem Internationalismus über die vielen Staatsgrenzen hinweg, eine Verbundenheit von Millionen von Menschen im gesamten Europa, es zeigte sich ein Vorschein jener Welt, von der Konstantin Wecker in seinem Lied „Ich habe einen Traum“ – in der Gestalt einer poetischen Vision – wieder und wieder zu singen pflegt: der Vorschein einer „grenzenlosen Welt“. Manchmal, bei manchen Bewegungen für Frieden und Freiheit und Menschenrechte, trat diese Verbundenheit und trat dieser Vorschein damals schon zu Tage, zu Zeiten der APO-Zeit;  manchmal, bei manchen Bewegungen dieser Zielsetzung und Art, zeigt sich das auch heute noch! Und tatsächlich, mein Eindruck ist:

Der „revolutionäre“ Mensch, von dem viele von uns träumen, angesichts der vielen Weltprobleme, vor denen wir stehen, dieser „revolutionäre“ Mensch wird deshalb auch eines vor allem sein: ein über eigene Grenzen hinausgelangender kooperationsfähiger Mensch! Anders gesagt: für eine Welt, die besser aussehen möge als heute, bedarf es nicht nur klarer politischer Programme und vieler Menschen, die sich mit Verstand darauf verständigt haben. Es bedarf auch der Sympathie und Empathie unter den Menschen! Denn sonst scheitert bereits im Kleinen, was im Großen gelingen soll!

„Nationalismus“-Begriffe  hingegen machen schon in der Sprache kaputt, was in der Realität erst noch entstehen soll: eine Welt der freien und gleichberechtigten Menschen, die geschwisterlich miteinander verbunden sind – über all die trennenden und idiotischen Nationen- und „Nationalismus“-Grenzen hinweg. Wir haben uns nicht von unserer Nationalität her zu definieren – in unserer Identität nicht und nicht in unserem Verhalten –, sondern von unserer Mitmenschlichkeit her, die keinen Menschen auf diesem Erdball ausnimmt von dieser Solidarität und Mitmenschlichkeit.

 

Anzeige von 6 kommentaren
  • waldgängerin
    Antworten
    Meine Definition des Nationalismus ist anders, als eingangs zitiert. Mein Eindruck ist: Hier wird bewußt eine Begrifflichkeit („Nationalismus“) negativ definiert, wenn möglich, in Lexika, damit das Volk auf jeden Fall kapiert, wie es über die „Nation“ zu denken hat: nämlich negativ. Damit keiner mehr auf die Idee kommt, überhaupt das Wort „Nation“ oder „nationalistisch“ in den Mund zu nehmen.

    Nur weil ein Verlag „renommiert“ ist, heißt das noch lange nicht daß er die Wahrheit verkündet. Ich zitiere die schwammige Aussage von oben:

    „„Nationalismus, emotionale Bindung an die eigene Nation oder nationähnliche Gruppe bzw. Institution (Staat, Volk, Volksgruppe, Stamm oder Rasse). Auf Grund der durch ihn hervorgerufenen Konflikte, Kriege, Verfolgungen und Verbrechen wird der N. [= Nationalismus. HP] im allg. negativ bewertet; seine Überwindung zugunsten eines Internationalismus bzw. Kosmopolitismus gilt als moralisches Ziel…“ (Bd. II, S. 550f).“

    In dieser Passage werden mehrere Begriffe durcheinander gewürfelt. Eine Nation ist nicht unbedingt mit einem Volk, einem Stamm oder einer Volksgruppe, oder gar einem Stamm oder einer Rasse gleichzusetzen. Wer so etwas definiert, nieder schreibt, den Leuten zum Lesen gibt (noch dazu für Geld, schließlich muß man solche Bücher kaufen), betreibt bewußt oder unbewußt Begriffsverwirrung. Eine Nation ist etwas anderes als ein Volk, ein Stamm, eine Rasse oder eine Volksgruppe, das müßte aber eigentlich auch jeder wissen.

    „Aufgrund der durch ihn hervorgerufenen Konflikte wird N. als negativ bewertet.“

    Hä? Der Konflikt kommt doch nicht durch Staaten. Das ist völliger Unsinn. Der Konflikt kommt durch das Geld, durch die Bonzen, Multinationalen Konzerne und denen von ihnen mehr oder weniger gesteuerten Medien. Jeder weiß wer auf der Welt das Sagen hat. Aber Kiepenheuer und Witsch wissen das nicht?

    Das kann ich nicht glauben!

    Man will es nicht wissen und man will es auch nicht klar benennen, das ist meine Vermutung. Statt die Dinge klar zu benennen, verbreitet man medial die Mär vom bösen Nationalstaat. Klar kann ein Nationalstaat mißbraucht werden. Wie so viele Dinge, die auch gut sein können.

    Und natürlich hat sich Wagenknecht getraut, das böse N-Wort zu benutzen, das geht ja gar nicht.

    Ich habe auch Weckers Interview hier gelesen. Ich mag den Wecker, aber was er sagt, verstehe ich nicht. Mir ist durch das Lesen dieses Interviews nicht klar geworden, wieso der Nationalstaat immer in den Untergang führt, was er ja sagt. Gut, das ist seine Meinung, die kann man ja so stehen lassen.

    Wenn man allerdings bewußt annimmt, daß ein Nationalstaat bzw. dessen Bevölkerung sich IMMER über andere Nationen stellt, geht man von völlig falschen Voraussetzungen aus.

    Dieses bewußte „sich über den anderen stellen“ ist nicht gleichbedeutend mit der Existenz eines Nationalstaates, das eine, der Nationalstaat, führt nicht zwingend zum anderen, dem bewußten „sich über den anderen stellen“. Ich jedenfalls lehne das ab, ganz entschieden. Trotzdem bin ich der Meinung, ohne Nationalstaat funktioniert kein Sozialstaat.

    Ich würde das Wort auch nicht unbedingt benutzen, aber ich setze mit „Nation“ immer noch eine gewisse Identität gleich, die ich nicht automatisch höher stelle als andere Identitäten, aber bewahren will. Dies geht nur innerhalb gewisser Grenzen.

     

     

  • Daniel
    Antworten
    Vielleicht sollte man, um Sarah Wagenknecht besser zu verstehen das Ganze von der anderen Seite her betrachten:

    Der Internationalismus hat die Fronten gewechselt

    https://www.youtube.com/watch?v=63EwJDiwD5s

    Vorsicht ! Beim Betrachten des Videos entsteht automatisch eine Kontaktschuld !

    Prof. Mausfeld hat bereits mit KenFM zusammengearbeitet. Und der wiederum hat bereits AfDler interviewt. Somit wird auch jeder, der weitere Beiträge von Herrn Mausfeld ansieht, mindestens ein potentieller AfD-Wähler, wenn nicht sogar ein Nazi. Echt jetzt !

  • ebertus
    Antworten
    Der Übersicht wegen …

    Erst kam dieser HdS-Artikel  von Holdger Platta, bei dem ich mir die mittlerweile aufgelaufenen Kommentare angesehen habe. Dann der Text von Konstantin Wecker bei Telepolis, worauf sich diese „Heike“ in ihrem Kommentar bei dem HdS-Hinweis  bezieht. Und nun (abschließend?) ein weiterer HdS-Artikel  von Holdger Platta; der offensichtlich diesen „Heike“-Kommentar zum Aufhänger nimmt.

    Immerhin gesteht der Holdger zu, dass Nationalismus nicht ausschließlich negativ und ohne jeden Blick zurück diskreditiert werden sollte. Aber dann, dann besteht der weitere Text beinahe ausschließlich darin, dass es doch so ist; und der Holdger recht hat.

    Ich habe dahingehend beispielsweise dieses Standardwerk von Frantz Fanon gelesen, auch viel von Pierre Bourdieu, der oft über seine Erfahrungen im französisch besetzten Algerien berichtet.

    Und schließlich: Sarah Wagenknecht hätte besser daran getan, den internationalen – meinetwegen auch: internationalistischen – Charakter all dieser einzelstaatlichen Bewegungen gegen den Weltkapitalismus zu akzentuieren,

    Ne Holdger, weder bei Fanon noch bei Bourdieu habe ich etwas von diesem immer wieder gern beschworenen, beinahe als nostalgische Schimäre durch die Arena getriebenen internationalistischen Charakter erkennen können. Das fantasiest Du Dir jetzt zusammen, um irgendwie doch recht zu haben.

    Schlußendlich und was auch bei Holdger Platta nicht vorkommt, dass ist die Frage nach den Gründen, warum zunehmend viele Menschen jetzt (plötzlich?) wieder für nationale, gar nationalistische Gedanken empfänglich sind; wobei diese, meine Zuweisung vielleicht bereits eine Diffamierung darstellen kann.

    Gut passt dazu der ironische Kommentar dieses Daniel zum letzten Platta Text.

    Der Internationalismus hat die Fronten gewechselt

    Könnte -nicht wenig- gar auf das zutreffen, was Platta hier versucht, sich dabei hinter Konstantin Wecker versteckt.

  • Stören-fried
    Antworten
    Weltbürger können nicht anders als International, -SEIN, das GG suche ich da auch schon lange, finde es nicht bei den Weltbürgern mit Ticket nach überall. Keine Zeit für die persönliche Identitätsfindung? Die braucht der Weltbürger nicht zum überleben, Weltbürger stehen oben, nicht unten, haben Recht auf das Ticket und das Geld dafür.

    Zitat Volker

    (Fraport baut gerade einen neuen Terminal für Billig-Klimakiller, ein paar Millionen pro Jahr sollen es schon sein, Geschäft ist Geschäft und nach uns der Weltuntergang.
    Kapitalismus bring uns um. Bis dahin: MehrWachstum und fröhliches konsumieren.) Zitat Volker

    Arme kommen nicht weit, auf dieser Welt, ohne Geld, ohne Ticket, ist national das was bekannt ist, mehr geht nicht.

    Nationale Arme sind nicht schuld an der Ungleichheit, unsere Politiker des „Rechtsstaates“ haben die Gleichberechtigung/MR aufgegeben, aus wirtschaftlichen Gründen. Von 72 % auf 48 % Rente ist ein politischer Raubzug auf fremde RECHTSGÜTER, den die SPD jetzt fixieren will, den Sozial-Betrug an den national Verwertbaren legitimieren sozusagen, und die Weltbürger erkennen das nicht??? Die Nationalen erkennen die Manipulation schon, oder irren die sich alle??

    Zitat von Waldgängerin

    Meine Definition des Nationalismus ist anders, als eingangs zitiert. Mein Eindruck ist: Hier wird bewußt eine Begrifflichkeit („Nationalismus“) negativ definiert, wenn möglich, in Lexika, damit das Volk auf jeden Fall kapiert, wie es über die „Nation“ zu denken hat: nämlich negativ. Damit keiner mehr auf die Idee kommt, überhaupt das Wort „Nation“ oder „nationalistisch“ in den Mund zu nehmen.

    Zitat Ende

    Die Manipulateure und Einflussnehmer gegen „Nationale“ Gemeinschaften sollten bedenken das sie den eigenen Ast absägen auf dem sie sitzen! Die EU liebt die Steuer-OASEN , die Banken lieben diese auch, na dämmert es??

    Und sie verunglimpfen diejenigen die sich nicht Weltbürger nennen können, sich in ihren Ortsnahen Gemeinschaften organisieren weil ihnen das Geld für`s Ticket nach überall fehlt.

    Das Geld ist die GRENZE  und entscheidet über  SEIN  oder nicht-SEIN, über Recht HABEN oder Schuldig  SEIN, über würdig – SEIN , oder un-würdig-sein.

    Die EU  als akzeptable Gemeinschaft zu betrachten ist ein Fehler, die EU hat es versemmelt, ist nicht legitimiert !!! Sie ist eine Wirtschafts-Gemeinschaft, eine Gemeinschaft von freien Rechts-Staaten kann ich nicht mehr erkennen, eher eine Wettbewerbs-Zwangsgemeinschaft die Billiglöhner für den Schröderschen Niedriglohnsektor  generiert, aus der schwer rauszukommen ist aufgrund von undefinierbaren „Verträgen“, Willkür und GEWALT.

    Das ist international übrigens auch so,  Geld und GEWALT  bestimmen in diese Welt! Mit Geld kauft man sich in einer ruhigen Steuer-Gegend, schön und warm, ein Haus. Und die Sorgen um die Steuern und die deutschen Finanzämter sind wie weg geflogen….

    National ist nicht generell BÄBÄ, es ist für einige die einzige Chance, manchmal auch auf Gemeinschaft!

    Die Gemeinschaft der Weltbürger ist exclusiv und limitiert, die Suche nach Gemeinschaft liegt im Menschen, auf Augenhöhe mit Gleichberechtigung eine zu finden ist ein Glück, selten und rar.

     

    Kritik stört, die Störlampe von Dieter Hildebrand soll Euch erinnern!

     

     

     

  • Manfred
    Antworten

    In Österreich gibt es auch schon #aufstehn. Das heißt, es geht jetzt über Grenzen hinweg und das aus gutem Grund. Man muss den Neoliberalen (sounds of europ) und den Rechten (AfD, le pen, wilders …) einfach was entgegensetzen.

    #Aufstehen, für mehr Frieden und soziale Gerechtigkeit!

  • Achim
    Antworten
    Der Artikel enthält wichtige Gedanken zum Thema, die ungemein wichtig sind, wenn solche Begriffe, wie „Nationalismus“ diskutiert werden. Das größte Problem sehe ich darin, dass die politische Rechte so tut, als besitze sie die alleinige Deutungshoheit über den Begriff. Da müsste auch öffentlichkeitswirksam mehr Aufklärung in der Breite der Bevölkerung geleistet werden. Was den deutschen/europäischen Nationalismus angeht, muss notwendigerweise die sogenannte völkische Ideologie, insbesondere ihre rassistischen Vorläufer in den Focus gerückt werden. Anders kann man nicht verstehen, weshalb es heute Rechte gibt, die behaupten keine Nazis zu sein oder sich in die rechte Ecke gestellt zu sehen oder sich wundern angeblich etwas nicht sagen zu dürfen. Es bedarf einer intensiven und beharrlichen Ablehnung dieser Ideologie, die alles enthält, was zum NS führte, wenn man einen positiven Nationalismus definieren möchte, vielleicht wurde  genau das in der Vergangenheit versäumt, statt nur von einem Verfassungspatriotismus zu reden.

    Wie man allerdings Sahra Wagenknecht einen negativen Nationalismus vorwerfen kann, entzieht sich meiner Erkenntnis. Hab ich da was übersehen?

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