Neubeginn in Griechenland?

 in FEATURED, GRIECHENLAND, Holdger Platta

 111. Bericht zu unserer Spendenaktion „Helfen wir den Menschen in Griechenland!“

Liebe HdS-Leserinnen und liebe HdS-Leser,

wie erwartet: nach dem eher kleinen Spendenbetrag im der Vorwoche – 37,50 Euro, überwiesen von lediglich 2 UnterstützerInnen an uns – gingen zu Beginn des neuen Monats April erheblich mehr Hilfsgelder auf unserem Konto ein. 765,- Euro durften wir als Neuzugang verzeichnen, 17 Helferinnen und Helfer sorgten für diesen Zuwachs. Natürlich danke ich allen UnterstützerInnen sehr, und selbstverständlich tue ich das im Namen des gesamten OrganisatorInnenteams.

Von neuen Hilfsaktionen ist in diesem Bericht nichts mitzuteilen (ich erinnere freilich daran, daß bereits in wenigen Wochen unsere ‚Außenteamer‘ Uschi und Karlheinz Apel sowie Evi und Tassos Chatzatoglou erneut in Griechenland unterwegs sein werden). Doch vielleicht stehen in Hellas selber die Zeichen auf Neubeginn? Erforderlich ist das ja, wenn man sich vor Augen hält, daß die Regierung der SYRIZA mehr und mehr als gehorsamer Diener der Eurostaaten-Politik fungiert – heißt: Löhne kürzt, Renten kürzt, Sozialausgaben kürzt, „Privatisierungen“ vorantreibt, Arbeitnehmerrechte abbaut. Und manchmal sind sogar in diesem Bereich noch Zahlenangaben nachzukorrigieren, ‚selbstverständlich‘ zum schlechteren hin. Ein Beispiel:

Die ‚offizielle‘, die staatliche, Statistikbehörde  ELSTAT teilte für das dritte Quartal 2017 eine Arbeitslosenquote von 20,2 Prozent der Öffentlichkeit mit. Doch das Institut für Arbeit des Gewerkschaftsverbandes für die Privatangestellten (INE-GSEE) korrigierte diese Zahl nun aufs deutlichste. In einer eigenen wissenschaftlichen Studie – ungleich umfassender als das ELSTAT-Erhebungsmaterial – ermittelte das Forscherteam der INE-GSEE eine tatsächliche Arbeitslosenquote von sage und schreibe 27,52 Prozent, gut sieben Prozentpunkte mehr als die Staatsbehörde. Ursache für diese immense Differenz in der Größenordnung von über 36 Prozent: INE-GSEE bezog realistischerweise auch die sogenannten „entmutigten Arbeitslosen“ mit ein, jene Betroffenen also, die sich gar nicht mehr als Jobsucher registrieren lassen bei den staatlichen Stellen. Außerdem nahm das gewerkschaftsnahe Forschungsinstitut auch die Teilzeitbeschäftigten in ihre Untersuchung mit auf, die eigentlich angewiesen wären auf einen Vollzeitjob und dementsprechend  – ‚unangemeldet‘ – auf der Suche nach einem ‚richtigen‘ Arbeitsplatz sind. Im übrigen: lediglich 13 Prozent der Erwerbslosen in Griechenland erhalten Arbeitslosengeld (das erklärt auch die niedrigeren Zahlen der ELSTAT), 70 Prozent der von Arbeitslosigkeit betroffenen Griechinnen und Griechen sind Langzeitarbeitslose – 948.934 Menschen von 1.355.620 Erwerbslosen insgesamt. Und: die meisten Arbeitslosen sind junge Menschen und Frauen. Doch zurück zum Thema „Neubeginn“:

Yanis Varoufakis, vom Januar bis Juli 2015 Finanzminister der SYRIZA, hat am Montag der vergangenen Woche eine neue Partei in Griechenland gegründet, die „MeRA25“ (die Abkürzung steht für das griechische Wort „mera“ = Tag und stellt, in deutscher Übersetzung, das Kürzel dar für „Bündnis für realistischen europäischen Ungehorsam“). Auf einem Gründungskongress, an dem auch Prominente teilnahmen wie die Antikapitalistin Naomi Klein aus Kanada, der Anarchosyndikalist und Linguistikprofessor aus den USA Noam Chomsky sowie Vassilis Vassilikos, Autor des weltberühmten Romanes „Z“, beschlossen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer einen „Sieben-Punkte-Plan“, der unter anderem die folgenden Veränderungen vorsieht: Steuersenkungen, vor allem ganz unten, Umwandlung des Privatisierungsfonds TAIPED in eine Entwicklungsbank, Aufbau einer Zahlungsinstitution, die getrennt von den etablierten Banken funktioniert. Dies alles, so Varoufakis auf einer Pressekonferenz, solle geschehen selbst dann, wenn die Euro-Staaten nicht einverstanden seien damit, dies alles müsse geschehen, weil Griechenland einen „vierfachen Bankrott“ hinter sich habe: des Staates, der Banken, der Haushalte und der Unternehmen. Griechenland könne nicht durch Sparprogramme gerettet werden, so Varoufakis, nicht durch das „Weiter-so“ einer Regierungspolitik, die nach dem Muster einer „Schulden-Diener-Kolonie“ funktioniere, nicht durch ein Regime, das die junge Generation ins Ausland treibe („braindrain“ = Talentabwanderung) oder mit Niedriglöhnen dahinvegetieren lasse. Sein Land sei „mit der schlimmsten Bedrohung nach dem Bürgerkrieg“ konfrontiert, so Yanis Varoufakis, und er fügte hinzu: einem Ausschluß Griechenlands aus der EU befürchte er gleichwohl nicht, da dieses mit „hohen finanziellen Kosten“ für die europäische Staatengemeinschaft verbunden wäre. Allzuviel Optimismus? Allzuviel Schwarzmalerei? – Nun, letzteres, was die Zustände in Griechenland betrifft, ganz gewiß nicht. Ersteres wird abzuwarten sein, denn Europa setzt seine Herrschaftsinteressen gerne auch mal um jeden Preis durch. Ansonsten gilt, zunächst jedenfalls: längst nicht alles leuchtet bei dieser Programmatik auf den ersten Blick ein oder ist bereits jetzt rundum verstehbar – zum Beispiel das Votum von Varoufakis für ein „kreatives Unternehmertum“ sowie die Forderung nach einem „Umschuldungsprogramm“. „Umschuldungsprogramm“? Nun, sogenannte „Umschuldung“ läuft für Griechenland seit Jahren schon, seit dem sogenannten ersten „Hilfs-“ oder „Rettungspaket“ und bedeutet nichts anderes als immer teurer werdende Neuverschuldung zwecks partieller Beseitigung der Altverschuldung. Was also meint Varoufakis konkret? Wie soll ‚seine‘ Umschuldung beschaffen sein? Und nicht zuletzt: was plant diese neue Partei, die bereits im kommenden Jahr zu den Parlamentswahlen antreten will, was plant „MeRA25“, um zuallererst und vor allem Elend und Armut zu beseitigen in diesem gepeinigten Land mit seinen gepeinigten Menschen? Hat wenigstens Yanis Varoufakis begriffen, daß erfolgreiche Wirtschaftspolitik nur möglich ist in der Gestalt einer erfolgreichen Sozialpolitik – in Griechenland wie überall sonst auf diesem Erdball? Daß Konjunkturaufschwung nur möglich ist durch drastische materielle Menschenhilfe ganz konkret? – Wir werden sehen.

Und damit zu meinen Schlußhinweisen:

Wer uns bei unserer Hilfe für Menschen in Griechenland unterstützen will, unter dem Stichwort „GriechInnenhilfe“,  oder wer auch uns Akteure wieder mal mit Organisationsgeldern helfen will (dann bitte unter dem Stichwort „IHW“), der überweise uns bitte Spendengelder auf das folgende Konto:

Inhaber: IHW

IBAN: DE16 2605 0001 0056 0154 49

BIC: NOLADE21GOE

Und hier nochmal die Kontaktdaten von Peter Latuska, an den Ihr Euch wenden könnt, wenn Ihr Patenschaften übernehmen wollt oder eine Spendenbescheinigung benötigt (für Spendenbeträge bis 200,- Euro genügt fürs Einreichen beim Finanzamt Kopie oder Original Eurer entsprechenden Kontoauszuges):

Peter Latuska

Theodor Heuss Str. 14

37075 Göttingen

Email: latuskalatuska@web.de

 

Mit herzlichen Grüßen wie stets

Holdger Platta

Euer Holdger Platta

 

 

 

 

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