Noch einmal: Reparationszahlungen an Griechenland

 In FEATURED, GRIECHENLAND, Holdger Platta, Über diese Seite

161. Bericht zu unserer Spendenaktion „Helfen wir den Menschen in Griechenland!“ Die Forderung Holdger Plattas nach Reparationszahlungen für Griechenland hat bei einigen unserer Leserinnen und Leser Irritationen ausgelöst. Diese betrafen allerdings nicht die Forderung selbst, sondern die Frage der Bezahlbarkeit derart hoher Summen für die deutsche Volkswirtschaft. Auch hierauf gibt der Autor kompetent Antwort.  Holdger Platta

Liebe HdS-Leserinnen und liebe HdS-Leser,

wie schon gewohnt, zunächst einmal die neuesten Spendenzahlen vorweg: in der letzten Woche gingen 195,- Euro an Hilfsgeldern auf unserem IHW-Konto ein, überwiesen von 7 UnterstützerInnen an uns. In den sieben Tagen davor – mit dem Monatswechsel darin (von März auf April) und infolgedessen mit den Überweisungen zahlreicher DauerspenderInnen – waren das 580,- Euro gewesen, und 8 SpenderInnen hatten uns in der Vorwoche mit Hilfsgeldern bedacht. Erneut sage ich im Namen des gesamten Organisationsteams Dank für Hilfe!

Und füge heute – ausnahmsweise an dieser Stelle bereits – einen Hinweis bzw. eine Bitte hinzu: Auch bei den Kosten, die unvermeidbar bei unserem Trägerverein der GriechInnenhilfe entstehen, der „Initiative für eine humane Welt (IHW) e.V.“, um unsere sozusagen „ganz normale“ Vereinsarbeit leisten zu können, wären wir für Eure Unterstützung sehr dankbar. Diese Spendengelder bitte auf dasselbe Konto überweisen wie Eure Direktspenden für GriechInnenhilfe auch, aber unter dem Stichwort „IHW“. Selbstverständlich können auch für diese Hilfsgelder Spendenquittungen ausgestellt werden, da es sich bei unserer „Initiative für eine humane Welt (IHW) e.V.“ um einen Verein mit Gemeinnützigkeitsstatus handelt. Ganz zum Schluss dieses Berichtes findet Ihr – wie gewohnt – die entsprechenden Bankangaben dazu!

Wie erwartet, hat mein letzter Bericht – zum Thema der Überfälligkeit von Reparationszahlungen an Griechenland – einige Fragen ausgelöst. Nicht im Kommentarteil von HdS, aber in direkten Mails an mich. Die Hauptfrage möchte ich heute noch einmal aufgreifen (obwohl ich in meinen Rückmails diese Frage bereits persönlich beantwortet habe), die Frage nämlich, ob Erfüllung der griechischen Reparationsansprüche die Bundesrepublik Deutschland nicht volkswirtschaftlich zugrunderichten würde. Vorher aber gestattet mir zwei andere kurze Hinweise noch! Und der erste davon hat ebenfalls mit einem meiner letzten Berichte zu tun.

Nun, Costa-Gavras, der griechisch-französische Filmregisseur und mehrfache Oscarpreisträger, hat bereits mit seinem Film zur Krise Griechenlands begonnen. Auf der Basis des Buches „Adults in the room“ von Yanis Varoufakis, dem ersten Finanzminister der Regierung SYRIZA (Buchtitel wörtlich übersetzt: „Erwachsene im Raum“; der deutsche Buchtitel lautet: „Die ganze Geschichte. Meine Auseinandersetzung mit Europas Establishment“) will Costa-Gavras die dramatischen Geschehnisse nacherzählen, die im ersten Halbjahr 2015 zum Scheitern der Versuche von Yanis Varoufakis geführt haben, Griechenland vor der sogenannten „Rettungspolitik“ der Troika zu retten. Die Rolle von Wolfgang Schäuble wird Ulrich Tukur übernehmen. Man darf gespannt sein. Und der andere Hinweis:

Etwa sieben von zehn Griechinnen und Griechen, 71 Prozent, sind nach wie vor der Ansicht, dass sich in ihrer Heimat immer noch kein Wirtschaftswachstum abzuzeichnen beginnt. So das Ergebnis einer Umfrage, die das griechische Meinungsforschungsinstitut Alco für den privaten Fernsehsender Open durchgeführt hat. Nimmt man hinzu, dass einer OECD-Studie zufolge über acht von zehn GriechInnen – präzise: 82 Prozent – der Ansicht sind, dass sie vom Staat für ihre steuerlichen Abgaben zu wenig Gegenleistung erhalten – ganz vorne rangiert dabei die Vernachlässigung des griechischen Gesundheitssystems mit 40 Prozent –, so zeigt auch dieses Umfrageergebnis, dass die SYRIZA-Propaganda vom großen Befreiungsschlag für Griechenland seit dem sogenannten Ende der sogenannten „Rettungspolitik“ Ende August 2018 die griechischen Wählerinnen und Wähler noch immer nicht einzulullen vermochte. Wie nicht selten, so auch hier sind die BürgerInnen klüger als die Politiker, die ihnen einen Gehirnschaden aufschwatzen wollen.

Doch damit zurück zum avisierten Thema am Anfang meines Berichts: Würde die seit langem überfällige Auszahlung von Reparationsgeldern an Griechenland die Bundesrepublik Deutschland nicht heillos überfordern? Würde Rückerstattung des sogenannten „Reichskredits“, den Griechenland während der deutschen Besatzungszeit an die Nazis zu zahlen hatte – im heutigen Wert von rund 11 Milliarden Euro –, würde vor allem der Reparationsbetrag von rund 270 Milliarden Euro unsere bundesdeutsche Volkswirtschaft nicht binnen kurzem zugrunderichten?

Berechtigte Fragen sind das durchaus! Und keinesfalls waren diese Nachfragen vom Unmut geprägt, solche Entschädigungszahlungen leisten zu wollen. Deswegen, der Reihe nach, die folgenden Antworten darauf:

Erstens: Wie ich schon in meinem letzten Bericht schrieb, war von mir (oder würde von anderen) keinesfalls daran gedacht, dass derartige Riesenbeträge auf einen Schlag zurückgezahlt werden sollten oder auch zurückgezahlt werden könnten. Ich darf an dieser Stelle nochmal aus meinem letzten Bericht zitieren (Hervorhebung im Fettdruck jetzt von mir. HP): „Man stelle sich nur einen Moment lang vor, was kontinuierliche Auszahlung dieses berechtigten Reparationsbetrages für das kaputtsanierte Griechenland bedeuten würde!“ – „Kontinuierliche“ Auszahlung, das ist nicht Rückerstattung des gesamten Betrages auf einen Schlag, sondern meint – aber selbstverständlich! – Vereinbarung eines Abkommens, bei dem sich die beiden Seiten auf Ratenzahlung verständigen, die für beide Seiten – für die Deutschen und für die Griechen – Realisierbarkeit dieses Reparationsbetrages absichern würde. Denn in der Tat: 281 Milliarden Euro von jetzt auf gleich an Griechenland zurükzuerstatten, das hieße, fast in der Größenordnung eines jährlichen Bundeshaushaltes insgesamt diesen Schuldenbetrag tilgen zu wollen. Kurz also: die jährlichen Reparationszahlungen an Griechenland sollten für die Empfänger durchaus spürbar sein, sie sollten für die Bundesrepublik Deutschland aber auch verkraftbar sein!

Zweitens: Ich bin dabei an einem Punkt, wo sich durchaus ein Rückblick auf deutsche Geschichte lohnt: Selbst im Gefolge des „Versailler Friedensvertrages“ aus dem Jahre 1919 wurde am Ende der Verhandlungen über die Reparationszahlungen Deutschlands an die Alliierten als Zahlungszeitraum eine Frist bis sage und schreibe 1988 gesetzt (Stichwort „Young-Plan“) – und dieses Abkommen betraf – ungleich der heutigen Bundesrepublik! – ein Deutschland, das nach dem Ende des Ersten Weltkrieges am Boden lag, ökonomisch und finanziell, und auch die Interimszeit zwischen „Versailler Friedensvertrag (Juni 2019) bis zur Verabschiedung des „Young-Planes“ (Juni 1929) hatte die Weimarer Republik nicht in einem Maße sanieren können – Stichwort „Hyper-Inflation“ 1921ff. –, das auch nur im entferntesten vergleichbar wäre mit der Wirtschafts- und Finanzkraft des heutigen Deutschland. Im übrigen:

Drittens: Durchaus könnten und sollten in einem baldmöglichst mit Griechenland abzuschließenden Reparationsvertrag sogenannte „Moratoriumsklauseln“ eingebaut werden – die Möglichkeit also, Reparationszahlungen zeitweilig auch aussetzen zu können, im Falle von Konjunktureinbrüchen etwa. Auch dafür können wir der Geschichte Deutschlands in Verbindung mit den Alliierten seinerzeit das Vorbild bereits entnehmen: nach dem sogenannten „Ausbruch“ der Weltwirtschaftskrise am 29. Oktober 1929 ließ sich die US-amerikanische Regierung im Jahr 1931 auf eine Stundung aller Kriegsschulden ein – Stichwort „Hoover-Moratorium“ (= benannt nach dem damaligen Präsidenten Herbert Clark Hoover in den USA). Ich kenne niemanden, auch auf griechischer Seite nicht, der unwillens wäre, solche Aussetzungsklauseln mitunterzubringen in den überfälligen Reparationsvertrag! Aber ein letztes Argument noch:

Viertens: Ist denjenigen, die über „allzuhohe“ Reparationsforderungen der Griechen jammern, bewusst, dass sie derlei Gejammere bei einer anderen Geldforderung – ich möchte behaupten: typischerweise! – vermissen lassen? Versteht sich von selbst, dass ich hier nicht von meinen Mailpartnern spreche!

Ich rede vom Ansinnen des US-amerikanischen Präsidenten und Trampel mit Namen Trump, dass doch bitteschön die europäischen NATO-Staaten – an der Spitze die Bundesrepublik – binnen kürzester Frist ihre Militärausgaben auf 2 Prozent des Bruttoinlandproduktes BIP erhöhen sollen. Das entspricht derzeit einem Betrag von roundabout 74 Milliarden Euro pro Jahr, die urplötzlich für Kriegszwecke zur Verfügung gestellt werden sollen – wohlgemerkt: jährlich und ohne Befristung bzw. Rückstufung irgendwann demnächst!

Natürlich, hin und wieder gab’s und gibt‘s dagegen Gemurre, auch bei „unseren“ Regierungsparteien CDU, CSU und SPD! Aber schon jetzt schreitet die Groko „Seit an Seit“ auf Erfüllung dieser Trump-Forderung zu (erneut von besonderer Kläglichkeit dabei die Rolle der bundesdeutschen Sozialdemokratie). Für solch einen Mist wie Rüstung und dergleichen soll das Geld im Bundesetat vorhanden sein, für symbolische, rein materielle Wiedergutmachung zugunsten der NS- und Kriegsopfer in Griechenland aber nicht? – Wer das behauptet, kann nicht nur nicht rechnen und übt sich in doppelter Buchführung, wer das behauptet, der weiß auch seine historischen und humanen Prioritäten nicht richtig zu setzen und übt sich stattdessen in doppelter Moral. Der gibt an griechischen Gräbern sentimentale Selbstbeschuldigungssprüche von sich – wie unlängst Bundespräsident Walter Steinmeier in Griechenland, im Oktober des letzten Jahres –, der will von echter Schuldübernahme aber nichts wissen. Moral ist das, was gratis ist, und – ich wiederhole das vom letzten Mal – Verantwortung ist das, was nichts, aber auch gar nicht kosten darf! Traurig nur, dass sich auch die SYRIZA auf dieses schäbige Spielchen eingelassen hat, bislang jedenfalls.

An dieser Stelle bringe ich aber auch noch einen letzten Gedanken ins ungute Spiel:

Fünftens: Wurde jemals in diesem unseren Nachkriegsdeutschland darüber nachgedacht, dass man die Kriegsgewinnler von einst, die auch heute wieder ihre Riesenprofite erzielen, mit heranziehen könnte, wenn es um das Bezahlen von Reparationskosten geht? Die Rede ist – unter anderem – von VW und Siemens, von Bayer und den Nachfolgern der Rhein-Ruhr-Schwerindustrie, prominent vertreten ausgerechnet in den Bereichen der heutigen Rüstungsindustrie! Ich spreche von einer Reparationssteuer, die ganz speziell diesen Großkonzernen auferlegt werden könnte, im Blick auf Geschichte und Gegenwart! Auch da, aber selbstverständlich, dürften beim Errechnen dieser historisch mehr als gerechtfertigten Reparationssteuer Belastbarkeitsgrenzen mitberücksichtigt werden (solange wir im Kapitalismus leben…).

Wieso bringen wackere Sozialdemokraten – selber mit ihren Vorfahren Opfer gewesen des Dritten Reichs! – nicht solche Ideen auf? Wieso das ganz große Schweigen dazu im bundesdeutschen Blätterwald (als hätten wir’s mit einem Ganghofer-Roman zu tun)? Gilt demnach als „seriös“ lediglich das, was im Interesse bundesdeutscher Großkonzerne liegt und was an Gedanken- und Gefühlsschrott von zig humanitätsfreien Geldsackdenkern in unsere Köpfe  hineingemüllt werden soll, an der Spitze dieser Selbstentsorgungstruppe von sogenannten Christ- und sogenannten Sozialdemokraten?

Ich frage ja nur!

Und damit zu meiner neuerlichen Bitte um Spenden zugunsten unserer Hilfsaktion „Helfen wir den Menschen in Griechenland!“:

Wer uns Gelder für unsere Hilfe für Menschen in Griechenland zukommen lassen will, der überweise uns diese bitte unter dem Stichwort „GriechInnenhilfe“  auf das Konto:

Inhaber: IHW

IBAN: DE16 2605 0001 0056 0154 49

BIC: NOLADE21GOE

Wer eine Spendenbescheinigung benötigt – ab 201,- Euro erforderlich –, wende sich bitte an unseren Kassenwart Henry Royeck, entweder unter der Postanschrift Sültebecksbreite 14, 37075 Göttingen, oder unter der Mailadresse henryroyeck@web.de.

Und wer noch etwas mehr tun will: auch unser gemeinnütziger Verein, die „Initiative für eine humane Welt (IHW) e.V.“, ist immer wieder erneut auf neue Hilfsgelder angewiesen, zur finanziellen Absicherung unserer Arbeit ganz generell. Diese Spenden bitte dann an dasselbe Konto, wie oben angegeben, jedoch mit dem Stichwort „IHW“ versehen. Wir würden uns riesig auch über diese Unterstützung freuen.

Mit herzlichen Grüßen wie stets

Euer Holdger Platta

Anzeige von 2 kommentaren
  • Avatar
    Peter Boettel
    Antworten
    Dass „die Frage nämlich, ob Erfüllung der griechischen Reparationsansprüche die Bundesrepublik Deutschland nicht volkswirtschaftlich zugrunderichten würde“ zwingt, obgleich es um traurige Tatbestände geht, leider zum Lachen.

    Wenn Deutschland p.a. über 40 Milliarden Euro für Rüstung ausgeben kann und dieser Kriegsetat noch fortlaufend über mehrere Milliarden Euro gesteigert wird,

    und wenn Deutschland trotz vielfacher Kritik aus der Bevölkerung, trotz Versprechen vor den Wahlen, trotz mahnender Berichte des Bundesrechnungshofes  auf angemessene und gerechte Steuern (wie Vermögenssteuer, Steuer auf Veräußerungserlöse von Kapitalanteilen, Erbschaftssteuern, die den Namen verdienen, Finanztransaktionssteuer u.ä.) verzichtet und wenig bis nichts gegen Steuerhinterziehung unternimmt,

    dann ist natürlich wenig, aber immer noch genügend Geld vorhanden, um die berechtigten, überfälligen Reparationsansprüche endlich zu befriedigen.

    Und eine Reparationssteuer, die den Konzernen, die an der Rüstung und damit dem Morden in der Welt am meisten verdienen, abzuverlangen, wäre eine vernünftige Lösung, wird aber am politischen Willen derjenigen scheitern, die nicht einmal bereit sind, die oben erwähnten Steuern zu erheben bzw. einzuziehen.

  • Avatar
    Holdger Platta
    Antworten
    Lieber Peter Boettel,

    Danke für Deinen unterstützenden Kommentar – mit einer ganzen Reihe zusätzlicher Fakten und Argumente!

    Herzlich

    Holdger

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