Notstand bei einer Familie in Griechenland – ein Fall von Tausenden

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bettinafamiliekaramanoWie notwendig unsere Griechenland-Spendenaktion ist, erkennt man immer wieder vor allem den vielen „Kleinigkeiten“ des Alltags, die verarmte Menschen schmerzen müssen und ihnen ihre Würde rauben. Wenn man z.B. nicht in die Schule fahren kann, weil das Geld für den Bus fehlt. Oder wenn man sich im Winter mangels Heizung notdürftig mit Decken behelfen muss. Bettina Beckröge hat „ihre“ Patenfamilie in Griechenland besucht und berichtet, was sie gesehen und erlebt hat. (Bettina Beckröge)

Vor zwei Wochen habe ich in Griechenland meine ‚Patenfamilie‘ K. besucht. Kurz möchte ich hier deren Wohnsituation schildern, die unerträglich ist. Ich bin der festen Überzeugung, die Familie benötigt zum Winter eine neue Wohnung. Die jetzige Behausung ist eine Zumutung für die siebenköpfige Familie. Die Fenster sind undicht, ebenso in Teilbereichen das Dach, die Wände feucht. Bei Regen tropft es in die kleine Kammer, neben der Küche, die die Küche mit dem winzigen Badezimmer verbindet. Heizkörper gibt es nicht, ein kleiner verrosteter Ofen in der Küche dient der Erwärmung des ganzen Hauses. Der Warmwasserboiler auf dem Dach funktioniert nicht mehr, das heißt, es gibt kein Warmwasser für die Familie zum Duschen oder Haarewaschen. Das Haus verfügt über keinen eigenen Stromanschluss. Eine behelfsmäßige Leitung wurde vom Nachbarn zum Haus verlegt, sodass wenigsten Licht, Kühlschrank, Herd und Fernseher in Betrieb sind. Im Winter wird es so kalt im Haus, dass man sich mit mehreren Schichten übereinander gezogen oder mit wärmenden Decken behelfen muss.

Die Mietsituation ist schwierig. Ohne Hilfe von außen kommt die Familie nicht aus der verzweifelten Situation raus. Konkret stehen der Familie 300,-€ im Monat zur Verfügung. Davon muss sie alles zum Leben bestreiten, das Essen, die Kleidung, die Miete, die Nebenkosten, die Busfahrten zur Schule für die 5 Mädchen und gelegentliche Arztkosten. Das Geld wird von Staat nur einmal im Vierteljahr im Nachhinein ausgezahlt. Die Miete für das Haus beträgt 100,-€ im Monat. Die Miete, so lautet die getroffene Vereinbarung mit dem Vermieter, kann alle Vierteljahr im Nachhinein überwiesen werden. Damit geht der Vermieter eine Ausnahme ein. Normalerweise, das wissen wir aus hiesigem Mietrecht, muss die Miete monatlich im Voraus überwiesen werden. Die Familie K. kann sich selber nicht aus dieser furchtbaren Situation befreien, weil sie kein finanzielles Polster für Vorauszahlungen hat. Eine Miete in einem einfachen Appartement würde sie ca. 150,-€ im Monat kosten, zuzüglich der Strom- und Heizkosten. Das kommt mit der vom Staat geleisteten monatlichen Unterstützung nicht hin, es ergibt monatliche Mehrkosten von ca. 50,-€, zuzüglich der Strom- und Heizkosten, zuzüglich des erforderlichen Mietpuffers von 450,-€, entstehend durch die 3-monatige Verzögerung bei der Auszahlung der Sozialunterstützung durch den Staat.

Martha, eine couragierte und patente Helferin aus Athen des IHW- Netzwerkes „GriechInnenhilfe“, pflegt seit einem Jahr einen guten Kontakt zur Familie und genießt deren Vertrauen. Die Mädchen lieben sie, das merkt man, wenn man sie zusammen sieht. Die Mutter und Olga, die Großmutter, erzählen ihr von all ihren Sorgen und kleinen Freuden. Martha weiß zu erzählen, dass die Mädchen mitunter nicht zur Schule fahren können, weil einfach das Geld für die Busfahrt am Monatsende fehlt. Eine gute Schulausbildung ist jedoch ein wichtiger Ansatz für die Mädchen und die ganze Familie, sich irgendwann im Leben aus ihrer schwierigen Situation zu befreien. Von dem Vater der Kinder ist kein Geld zu erwarten. Er hat seine Frau und fünf Töchter im letzten Jahr sang- und klanglos verlassen. Eine monatliche Unterstützung für die Kinder stände der Familie nach griechischem Gesetz zwar zu, doch eine Klage auf Unterhalt kann sich die Familie K. nicht leisten. Ein kostenloser Anwalt und Prozesskostenbeihilfe, so wie es in Deutschland üblich ist, wird in Griechenland für die Bedürftigen nicht gewährt.

Wie man die Situation auch dreht und wendet, ich sehe die Notwendigkeit, dass diese Familie zusätzliche Hilfe von außen bekommt, eine finanzielle Unterstützung, die es ihr noch vor Wintereinbruch ermöglicht, eine wärmende Wohnung mit Heizung, Warmwasser und gesichertem Stromanschluss zu bekommen. Ich möchte meinen Teil dazu beitragen und meinen Dauerauftrag erhöhen, sodass wenigsten die Aussicht auf eine adäquate Wohnung möglich ist. Martha würde die Familie bei einer Wohnungssuche unterstützen, das gab sie mir mit auf den Weg.

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