Uniklinik Düsseldorf: Patienten solidarisieren sich mit streikendem Klinikpersonal

 In Politik (Inland)

Dabei wird auch das neue Gesicht der Arbeiterbewegung in Zeiten nach dem Ende der großen Fabriken deutlich: Es ist nicht mehr weiß und männlich. (Quelle: Telepolis)
https://www.heise.de/tp/features/Uniklinik-Duesseldorf-Patienten-solidarisieren-sich-mit-streikendem-Klinikpersonal-4137235.html

Anzeige von 2 kommentaren
  • Piranha
    Antworten

    Aus Personalnot vor das Bett gepinkelt

    Im Gespräch mit Telepolis nennt Axel Köhler-Schnura ein prägnantes Beispiel, wie die desolate Personalsituation die Rechte der Patienten beeinträchtigt.

    Wenn, wie eine mitunterzeichnende Patientin berichtete, dass sie dringend auf die Toilette muss, aber wegen der Krankheit nicht kann, und niemand in angemessener Zeit auf den Notruf reagiert, und dann vor das Bett urinieren muss, was kann denn dann sonst noch passieren?

    Axel Köhler-Schnura

     

     

  • Piranha
    Antworten
    Sarah Menna, eine Krankenschwester, die vor einiger Zeit frustriert den Pflegeberuf verlassen hat, aber bei weitem nicht desinteressiert am Schicksal der Pflege in der BRD ist, hat es auf den Punkt gebracht:

    Ich denke, dass der Beruf einfach generell total verklärt ist. Das merkt man auch schon in der Kommunikation. Man hört immer, wir sind stille Helden des Alltags oder so was. Ich möchte kein Held sein; ich möchte meinem Beruf nachgehen, und zwar meinem professionellen Beruf, und das nicht aus altruistischen Gründen, sondern ich möchte Geld dafür verdienen und auch Wertschätzung dafür empfangen. Es ist immer noch so, dass viele Menschen meinen, dass Pflege einfach jeder kann. Die Leute verwechseln immer Pflege mit Betreuung und meinen, sie sind alles Pflegekräfte, weil sie schon mal der Oma ein Brot geschmiert haben, und es ist ja doch schon ein bisschen mehr in unserem Beruf. Das sehen die Leute aber nicht. Die Leute sehen uns beim Kaffee austeilen und beim Brote schmieren oder beim Wässerchen bringen (oder bei der Hilfe zum Toilettengang) und meinen dann, das wäre Pflege. Das geht aber weit darüber hinaus und die Leute verstehen einfach nicht, dass das ein professioneller Beruf ist.     (Einfügung von Piranha)

    Axel Köhler-Schnura kann seine Frage (s.o.)

    was kann denn dann sonst noch passieren?

    nur rhetorisch gemeint haben.

    Es ist ohne Zweifel demütigend für jemanden, keine rechtzeitige Hilfe beim Toilettengang zu bekommen. Dennoch ist ihr körperlich kein Leid geschehen.

    Das aber kann bei einer Bettenstation mit 36 Patienten, die teils frisch operriert sind, oder schwerstpflegebedürftig oder krankenhausbehandlungsbedürftig und zugleich dement, und nur 1 Pflegekraft in der Nacht noch ganz anders aussehen.

    Es ist weder für Patienten, noch für die Krankenschwester zumutbar. Letztere steht nicht selten in der Pflicht eine  „unterlassene Hilfeleistung“ erklären zu müssen. Deshalb kann ich nur jeder Pflegekraft empfehlen, rechtzeitig eine Überlastungsanzeige zu schreiben, auf die jeder (!) Arbeitgeber reagieren muss. Er haftet bei Pflegefehlern durch das sog. Organisationsverschulden auf jeden Fall mit.

    Noch dramatischer zeigt sich das Bild in Einrichtungen der Altenpflege. Hier ist eine Kraft für die doppelte (eher mehr, als weniger) Anzahl von Pflegebedürftigen verantwortlich. Und so kann es passieren, dass eine Bewohnerin längere Zeit nach einem Sturz hilflos auf dem Boden liegt, weil sie sich den Oberschenkelhals gebrochen hat. Die Folgen sind nicht selten: sie muss operativ im Krankenhaus versorgt werden und bekommt (ebenfalls nicht selten) wegen ihrer zwangsläufigen Inaktivität eine Pneumonie und stirbt.

    In Einrichtungen der Altenpflege ist auch kein Arzt zur Hand, wie das in Krankenhäusern der Fall ist. Hier wird einer angepiept und ist 5 Minuten später da. Im Altenheim kann das dauern bis man einen Diensthabenden erreicht hat und der dann vor Ort ist.

    Wer das ganze Interview mir Sarah Menna lesen möchte:

    https://www.deutschlandfunk.de/notstand-in-der-pflege-an-diesem-beruf-ist-momentan-nichts.694.de.html?dram:article_id=418881

     

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