Vorsorglich gekeult

 In FEATURED, Umwelt/Natur

Leichenentsorgung im Film „Contagion“

„Vogelgrippe: 3800 Gänse gekeult“ – „NRW: Massentötung von 50.000 Schweinen.“ Solche Nachrichten gingen in den letzten Jahren häufig durch die Presse und lösten nur unwesentliche Entrüstung innerhalb der Herrenspezies aus. „Als sie die Schweine zu tausenden ermordeten, habe ich geschwiegen, ich war ja keine Schwein“ (höchstens hatte ich noch ein Stück Schwein vom letzten Braten im Magen). „Keulen“ klingt allemal schöner als Ermorden. Und wir Menschen sind ja von Massentötungen zwecks Seuchenprävention nicht betroffen. Noch nicht. V.C. Herz spinnt den Gedanken noch ein bisschen weiter…

„Hatschi!“

„Gesundheit!“. ruft meine Frau aus der Küche.

„Hatschi!“

Verdammt, ich glaube ich habe mir wieder irgendetwas eingefangen. Meine Nase läuft und läuft, und ich muss ständig ….

„Hatschi!“
Es hilft ja nichts, also ab zum Arzt. Im Wartezimmer angekommen, setze ich mich auf den letzten freien Platz zwischen einem älteren Mann und einer jungen Dame. Ich blättere in einer der vielen Zeitschriften, aber die Zeit will nicht vergehen.

In einer Zeitung stoße ich auf einen Artikel über die Vogelgrippe. Hier steht, dass diese für den Menschen sehr gefährlich ist. Hunderttausende sind der Grippe bereits zum Opfer gefallen. Man geht davon aus, dass die Viren sich in unseren Geflügelställen so drastisch ausbreiten konnten. Früher hielt man die Übertragung auf den Menschen für unwahrscheinlich, aber wir wurden eines besseren belehrt.

Plötzlich wird mein Name aufgerufen und ich werde von der jungen Sprechstundenhilfe in ein Behandlungszimmer gebracht. Wenige Minuten später kommt der Arzt ins Zimmer. Ich erzähle ihm von meinen Beschwerden, während er mich untersucht. „Merkwürdig“, grummelt der Arzt, während er einen Teststreifen aus einer Schublade holt. Mit diesem nimmt er eine Speichelprobe, kurz darauf verfärbt sich der Streifen orange.

„Das ist gar nicht gut“, murmelt der Arzt, während er sich auf seinen Chefsessel sacken lässt und entschlossen auf einen roten Knopf drückt, der auf seinem Schreibtisch montiert ist.

„Es tut mir sehr leid, aber Sie haben sich die Vogelgrippe eingefangen“, meint er.

„Und nun?“, frage ich den Arzt verwirrt.

„Jetzt heißt es abwarten. Ich kann leider nichts für Sie tun, aber die Behörden sind informiert. Man wird uns gleich hier abholen.“

Also bleibe ich im Arztzimmer hocken und warte. „Möchten Sie keine anderen Patienten behandeln, während ich warten muss?“, frage ich den Arzt. Dieser lacht nur: „Nicht nötig! Ich passe lieber auf Sie auf.“

Nach einer halben Stunde klopft es an der Tür, und zwei Menschen in großen weißen Schutzanzügen betreten den Raum. Der Arzt zeigt auf mich und erklärt, dass bei mir der Teststreifen angeschlagen habe. Einer der Männer packt mich, während der andere eine Pistole zieht und den Arzt in die Brust schießt. „Wir haben ihn!“, ruft einer der beiden in den Flur. Ich höre mehrere Schüsse, dann bringen mich die beiden Männer nach draußen. Im Flur liegt die junge Sprechstundenhilfe blutüberströmt am Boden. Ich erhasche einen Blick ins Wartezimmer, auch dort liegen alle leblos auf der Erde.

Was ist hier los? Werde ich entführt? Draußen angekommen, stoßen mich die Männer in einen schwarzen Transporter, auf dem „Seuchenschutzbehörde“ aufgedruckt ist. Der Wagen wird von Militärfahrzeugen gesichert, die Soldaten tragen ebenfalls weiße Schutzanzüge.

Einer erklärt mir, dass ich in ein Forschungszentrum gebracht werde, wo die Vogelgrippe an mir weiter untersucht wird. Man wird mehrere Tests an mir durchführen und einige experimentelle Heilmittel ausprobieren. Mehrfach erklären mir meine Bewacher, dass ich meine Frau nicht anrufen kann.

Als ich aus dem Fenster blicke, sehe ich, wie Soldaten mit Gasmasken und Schutzkleidung die Menschen aus ihren Häusern zerren und auf der Straße exekutieren. Überall liegen Leichen am Boden. Am Ortsausgang hat sich ein großer Stau gebildet, viele Menschen scheinen aus der Stadt flüchten zu wollen. Unser Konvoy ist auf der Gegenfahrbahn unterwegs. Mehrere Polizisten gehen die Fahrzeuge ab, ziehen die Menschen aus den Autos und erschießen diese dann auf der Straße.

„Eine reine Vorsichtsmaßnahme“, erklärt mir einer der Männer im Wagen. „Eine weitere Verbreitung der Seuche hätte verheerende Folgen. Deshalb werden die Einwohner hier vorsorglich gekeult.“

Wir kommen an eine Straßensperre, ein großer Panzer steht quer auf der Fahrbahn und hindert so die Menschen am Verlassen der Stadt. Für uns fährt er ein Stück zur Seite, und wir passieren. Dann kommen wir zum Stehen. Mehrere Menschen in Schutzanzügen sprühen unser Fahrzeug mit einer Desinfektionsflüssigkeit ab, um sicherzugehen, dass der Erreger nicht ungewünscht das Gelände verlassen kann.

Nach einer halben Stunde Fahrt erreichen wir das Forschungszentrum, es sieht aus wie ein Militärstützpunkt. Menschen in Schutzanzügen zerren mich aus dem Fahrzeug, dann werde ich auf ein Krankenbett gefesselt. Ein Arzt injiziert mir etwas, ich werde schläfrig.

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