Wenn ein Ferkel sprechen könnte…

 In FEATURED, Monika Herz, Umwelt/Natur

Monika Herz hört Stimmen. Ein Krankheitssymptom? Krank ist eher, dass die meisten anderen Menschen Augen und Ohren verschließen vor dem Leiden der Tiere. Und auch Pflanzen und die ganze Erde haben eine Stimme. „Ja hörts ihr uns denn ned schrein? Ihr hörts uns bloß nimmer, weils koaner mehr aushoitn dad“, sang Konstantin Wecker in seinem Lied „Der Baum“. Besonders traurig: das Schicksal der Ferkel. Ihren „Besitzern“ ist es weiterhin gesetzlich erlaubt, sie betäubungslos zu kastrieren. Sie bräuchen ein Medium, eine Vermittlerin, die ihrem Anliegen gelten verschafft – eine gute Anwältin, um Tierrechte endlich einzuklagen.  Monika Herz

Die Frage, ob Ferkel eigentlich Rechtspersonen sind, lässt mich nicht mehr los. Da Ferkel eine Sprache sprechen, die gewöhnliche Menschen nicht verstehen, können sie nicht zum Amtsgericht gehen und eine Klage zu Protokoll geben. Und sie können nicht beim Polizeihauptwachmeister anrufen und Anzeige erstatten. Die meisten Tiere sind Gefangene, die sowieso nicht machen dürfen, was sie lieber machen würden. Daraus folgt: Wo kein Kläger, da auch kein Täter. Halt. Da stimmt was nicht. Es heißt doch: wo kein Kläger, da kein Richter. Denn dass es Täter gibt, die gegen das Tierschutzgesetz verstoßen, ist ja ein offenes Geheimnis.

Vorhin hab ich zufällig hier ein Diagramm gesehen: Verteilung der Verfahren im Bereich der Organisierten Kriminalität (OK) nach Kriminaltitäts-Bereichen im Jahr 2017.

Ganz frische Zahlen. Demnach sind Rauschgift-Handel und Schmuggel Spitzenreiter mit 36,2 % und „Umweltkriminalität“ einsames Schlusslicht mit 0,2 % Anteil. Das schaut so aus, als wäre Deutschland ein Land der Drogensüchtigen, die in einem Paradies lebt. Es gibt so gut wie keine Umweltkriminalität bei uns. Jubel! Höchstens Einzeltäter. Ganz selten. Keine kriminellen Organisationen.

Und ich frage mich, ob das vielleicht daran liegt, dass bei Umweltkriminalität zu wenig Gesetze in Kraft sind, so dass z.B. die organisierte und systematisierte CO2-Vermüllung der Atmosphäre völlig legal ist. Oder die betäubungslose Kastration von kleinen unschuldigen Ferkeln. Deswegen sind wir Deutschen so „gut“ im Kampf gegen das organisierte Verbrechen beim Umweltschutz!

Was das jetzt mit der Frage zu tun hat, ob ein Ferkel eine Rechtsperson sein kann? So viel ich weiß, gibt es das bei uns nicht. Dass ein Ferkel klagen oder anzeigen darf. Verbandsklagen werden diskutiert, da wir aber ein Rechtssystem haben, das das Individuum schützen soll, klappt das meistens nicht mit den Verbandsklagen. Ein einzelnes Ferkel ist nämlich kein Individuum. Sagt die Rechtsprechung. Und alle Ferkel zusammen? Der „Geist der Ferkel“. Ist das nicht so was wie ein Individuum?

Da höre ich plötzlich diese Stimme in meinem Kopf:

„Ich bin der Geist der Ferkel, ein Geistwesen. Man könnte mich die Jugendorganisation eines größeren Geistes, nämlich des Geistes der Schweine, nennen. Der Geist der Schweine ist wiederum ein Teil eines noch größeren Geistes, nämlich des Geistes der Tiere, der ein Teil des Geistes der Erde ist. Ich übersetze die Stimmen der Ferkel in menschliche Sprache über ein Medium. Ich bin eine (zukünftige) Rechtsperson und statte das Medium mit der Vollmacht aus, im Namen der Ferkel Klage zu erheben und Anzeige zu erstatten.“

Wie bitte? Was soll ich tun? Gegen wen geht’s? Was willst Du? Frage ich die Stimme in meinem Kopf. Dass es sich nicht um eine psychotische Geistesstörung handelt, weiß ich. Die Stimme ist eine echte Stimme. Den Geist der Tiere und den Geist der Erde, die gibt’s wirklich. Der Geist der Erde ist zum Beispiel in Bolivien ein Rechtssubjekt von Verfassungsrang, die Pacha Mama. Außerdem braucht man nur die nächstbeste Schamanin fragen. Viele Leute wissen das, auch Künstler. Ob dieses Wissen aber schon im kollektiven Geist der Menschen angekommen ist? Ich fürchte nein. Naja, „jemand“ müsste mal nachfragen. Vorhin hab ich gelesen, dass 25 % der Deutschen Angst davor haben, von einem Wolf angefallen zu werden. Diese Angst ist völlig absurd. Die Wahrscheinlichkeit von einem Haustier verletzt zu werden, ist deutlich höher. Aber haben die Deutschen deswegen Angst vor ihren Haustieren? Na also.

Die Stimme redet weiter: „Ich bitte das Medium, beim nächst gelegen Amtsgericht vorzusprechen und Klage wegen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz zu erheben. Wir Schweine sind empfindungsfähige, intelligente und soziale Lebewesen. Auf diesem Planeten werden wir seit langem von Menschen als Eigentum benutzt und gefangen gehalten. Das Leid, dass wir jedoch in den letzten Jahrzehnten erduldet haben, ist unbeschreiblich. Eine der grausamsten Foltermethoden in den Gefangenenlagern ist die Kastration junger Ferkel. Diese Kastrationen sollten nun nach dem 1. Januar 1019 eine Straftat sein, wenn sie auch noch ohne Betäubung durchgeführt werden. Dies wurde uns versprochen. Obwohl diese Sache nur die Spitze eines Eisberges von Grausamkeiten darstellt, hatten wir doch auf das Versprechen der Regierung vertraut. Deshalb erheben wir nun Klage gegen alle Schweine-Besitzer, und allgemein kann man sagen, je größer die Bauern, desto mehr haben wir zu beklagen.“

Puh, sage ich. Weißt du, wieviel Überwindung mich das kostet? Als Verrückte im Amtsgericht auftreten? „Die Kunst ist frei.“ Sagt der Geist der Schweine. „Und du auch.“

https://www.youtube.com/watch?v=hWIyRuFa-7Q

 

Monika Herz

 

Anzeige von 3 kommentaren
  • ert_ertrus
    Antworten

    Hierzulande har leider DER MARKT Verfassungsrang – die Pacha Mama wäre wohl nicht nur mir unendlich lieber …

    Übrigens können leider viele Ferkel sprechen, aber die sind nicht klein und rosig und stehen auf vier Pfoten, sondern stehen auf halb so vielen Extremitäten, tragen edles Gewand und oft Roben …

  • Die wahre Menschlichkeit
    Antworten
    „Schwein gehabt“…, so gibt es denn auch für den Verlierer als Trostpreis nur ein Schwein.
    .

    Ach wie gut, das Schweine so intelligent sind! Das QUÄLEN und ABSCHLACHTEN wäre sonst zu langweilig.

     

  • Volker
    Antworten
    Hatte gekochte Kartoffeln vom Vortag, dachte, dass Kartoffelsalat funzen könnte, lebe sehr bescheiden halt und spar an allen kantigen Ecken, aber nicht an Kartoffeln, nö, sonst spiele ich bald Rippenklavier auf Armutsbody.
    Echt. Kochen traumatisiert mich jedesmal, nachts knurrt mein Magen, träume vom großen Fressen, vier Gänge halt – exklusiv – inklusive Sternekoch sowie mindestgelöhntes Küchenpersonal.

    Psychologen würden mir wohl eine handfeste Depri attestieren, mir gut zureden, ich sollte mich nicht stressen, weil jeder einzelne Gedanke an Essen meine empfindliche Seele zernagt, ich mich sozusagen selbst verdauen würde. Schrecklich, könnte somit in einem Klärwerk enden.

    Beim Anblick zermatschter Kartoffeln, Essig, Öl und Gürkchen, kurz vor Panikstimmung, folgte ich meiner inneren Magenstimmung, grübelte über Kartoffelsalat, fragte mein nagendes Gewissen, ob es mir ein Würstchen gestatten würde, schließlich sei ich kein Ferkel, eher eine arme Hartz IV-Wurst, weder Rind noch Schwein, allerdings schlachtbar.

    Knolle pur oder angereichert, traumatisch wird es enden… ++glucks++

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