«Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen», Teil 1/2

 In Allgemein, FEATURED, Gesundheit/Psyche, Politik

„Schichtwechsel“ – Filmszene aus Fritz Langs „Metropolis“

Zur Sub- und inneren Kolonialgeschichte der Arbeitsgesellschaft. „Mit dem Bürgertum steigt eine Klasse zur Herrschaft auf, die sich über Arbeit definiert und sich durch eine um Leistung zentrierte, methodische Lebensführung von der Aristokratie abgrenzt. Die Selbstdisziplin, die sich das Bürgertum auferlegt, schlägt um in und vollendet sich als Fremddisziplinierung. Aus der Härte gegen sich selbst leitet man das Recht, ja beinahe die Pflicht ab, unnachgiebig gegen die unproduktiven und lasterhaften Unterschichten vorzugehen.“ Dieser Text stammt aus dem Jahr 1990 und ist ursprünglich in einer doppelt so langen Fassung in der Zeitschrift „psychosozial“ erschienen. Lange vor Einführung des Verelendungs- und Disziplinierungsprogramms Hartz IV analyiserte der Autor den allgegenwertigen Terror der Arbeit treffend und mit vielen aufschlussreichen historischen Belegen. (Götz Eisenberg)

»Denn das Leben und die Zeit des Menschen sind nicht von Natur aus Arbeit, sie sind Lust, Unstetigkeit, Fest, Ruhe, Bedürfnisse, Zufälle, Begierden, Gewalttätigkeiten, Räubereien etc. Und diese ganze explosive, augenblickhafte und diskontinuierliche Energie muss das Kapital in kontinuierliche und fortlaufend auf dem Markt angebotene Arbeitskraft transformieren.« — Michel Foucault

 

»Mensch sein heißt Kämpfer, Arbeiter sein; köstlich wird unser Leben erst dann, wenn es Mühe und Arbeit gewesen ist«, heißt es in Emil Kraeplins Schrift »Zur Hygiene der Arbeit«, die 1896 erschien. 1883 schrieb August Bebel in »Die Frau und der Sozialismus«, einem der meistgelesenen Bücher der deutschen Arbeiterbewegung: »Der Sozialismus stimmt mit der Bibel darin überein, wenn diese sagt: Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen«, und Sartre stieß Ende der vierziger Jahre in Warschau auf Plakate, auf denen »Die Tuberkulose hemmt die Produktion« stand. »Die Arbeit bekommt immer mehr alles gute Gewissen auf ihre Seite: der Hang zur Freude nennt sich bereits Bedürfnis der Erholung und fängt an, sich vor sich selber zu schämen«, stellt Friedrich Nietzsche in »Die fröhliche Wissenschaft« fest und erinnert daran, dass diese nahezu einhellige Wertschätzung der Arbeit neueren Datums und anderen Kulturen durchaus fremd ist.

Sie ist, genauer gesagt, bürgerlicher Herkunft. Mit dem Bürgertum steigt eine Klasse zur Herrschaft auf, die sich über Arbeit definiert und sich durch eine um Leistung zentrierte, methodische Lebensführung von der Aristokratie abgrenzt. Der soziale Narzißmus des Bürgertums beruft sich darauf, sauberer, anständiger, gebildeter und vor allem nützlicher, weniger korrupt und ausschweifend zu sein als der parasitäre und schmarotzende Adel. Sein Aufstieg ist mit einem enormen Zuwachs an Triebkontrolle, Selbstbeherrschung und kalkulierender Voraussicht verbunden. Die zwischen den Extremen schwanken den Affektlagen werden auf eine mittlere Linie gedämpft. Man hält an sich, nimmt sich zusammen und bemüht sich um Distinktion. Die aufsteigenden bürgerlichen Schichten praktizieren die Tugenden der Sparsamkeit, Askese und der Arbeitsamkeit nicht nur, weil Protestantismus oder Utilitarismus es ihnen nahelegen. Der Bürger beschneidet seine Bedürfnisse und unterwirft sich der »innerweltlichen Askese« (Weber), weil die Konkurrenz ihn bei Strafe des Untergangs zwingt, zu investieren und die Gewinne nicht unproduktiv zu verschwenden. Der Teil des Profits, der dem Konsum entzogen und reinvestiert wird, entspricht dem »verfemten Teil« (Bataille) des Bürgers.

Die Selbstdisziplin, die sich das Bürgertum auferlegt, schlägt um in und vollendet sich als Fremddisziplinierung. Aus der Härte gegen sich selbst leitet man das Recht, ja beinahe die Pflicht ab, unnachgiebig gegen die unproduktiven und lasterhaften Unterschichten vorzugehen: Die Unterschichten sind im Bürger anwesend in Gestalt seines Körpers und seiner Begierden. Denn die ihre Gelüste befriedigenden und faulenzenden Unterschichten verkörpern das, was der Bürger so mühsam und verbissen in sich niederhält. Der Puritaner und Arbeitsfanatiker Thomas Carlyle hat diesen Zusammenhang gesehen und den arbeitenden Menschen zu einem regelrechten Kreuzzug gegen den »Erzfeind Selbstsucht und Müßiggang« aufgerufen: »Was unmethodisch und wüste ist, wirst Du methodisch und urbar machen. Überall, wo Du Unordnung findest, da ist Dein ewiger Feind. Greif ihn rasch an und bezwinge ihn; mach Ordnung daraus, die nicht dem Chaos, sondern der Intelligenz, der Gottheit und Dir untertan ist. … Arbeit ist die Mission des Menschen auf dieser Erde. Es kämpft sich ein Tag herauf, es wird ein Tag kommen, an dem der, welcher keine Arbeit hat, es nicht für geraten halten wird, sich in unserem Bereich des Sonnensystems zu zeigen, sondern sich anderwärts umsehen mag, ob irgendwo ein fauler Planet sei. … Nicht ‚Waffen und der Mann‘, ‚Das Werkzeug und der Mann‘ sollte heute unser Epos heißen. Was ist unser Werkzeug … anderes als Waffen, mit welchen wir die Unvernunft drinnen oder draußen bekämpfen … «

Der »faule Planet« wurde später in Auschwitz eingerichtet und trug über dem Eingangstor die Inschrift: »Arbeit macht frei«. Arbeit ist Krieg von Anfang an, ein Vernichtungsfeldzug gegen das »Unkraut« drinnen und draußen.

Das Umschlagen der Selbstdisziplin in Fremddisziplinierung verflocht sich mit dem Zwang, die Imperative der neuen bürgerlichen Produktionsweise durchzusetzen, und gab dem epochalen Projekt der inneren Kolonialisierung seine grausame Dynamik und Durchschlagskraft.

Der industrielle Kapitalismus braucht die Menschen als variables Kapital, als lebendiges Arbeitsvermögen. Es steckt nur zunächst in untauglichen Körpern und ist in traditionelle Lebensformen und Gewohnheiten eingebunden. Der deshalb eingeleitete Feldzug gegen die plebejischen Unterschichten ist, wie Marx schrieb, »in die Annalen der Menschheit eingeschrieben mit Zügen von Blut und Feuer«.

Es begann im 16. und 17. Jahrhundert damit, dass man gegen die Massen von Bettlern vorging, die der Zerfall der ständisch-feudalen Ordnung hervorgebracht hatte. Die traditionelle mittelalterliche Fürsorgesittlichkeit und Caritas geriet in Verruf: Die Leichtigkeit, mit der man ein Almosen erlangen könne, verleite zum Müßiggang und demoralisiere die Menschen. Man erließ Verordnungen gegen das Betteln und die Landstreicherei. Wer bei einer Razzia aufgegriffen wurde, wurde ausgepeitscht, kahl geschoren und über die Grenze abgeschoben. Im Wiederholungsfall drohten Brandmarkung (das Einbrennen eines Buchstabens in die Schulter), Folter, Verkauf auf die Galeere, Verstümmelung oder Hinrichtung. Hans-Ulrich Wehler schreibt in seiner »Deutschen Gesellschaftsgeschichte: »In dem kleinen bayrischen Rentamt Burghausen, das alles andere als ein zentraler Ort und kein Mittelpunkt des Gaunerunwesens war, wurden allein in der Spanne zwischen 1748 und 1776 1100 solcher Personen hingerichtet« (Wehler 1987, S. 176). Unterm Absolutismus ergänzte man diese Ausschlussmaßnahmen um Internierungspraktiken. Seit dem 17. Jahrhundert richtete man auch in Deutschland Zucht- und Arbeitshäuser ein, in die man die Vagantenbevölkerung einsperrte, um sie zur Arbeit anzuhalten und moralisch aufzurüsten. Während man spinnen, Holz raspeln oder Körbe flechten musste, bekam man aus der Bibel oder frommen Traktaten vorgelesen. Die merkantilistische Wirtschaftspolitik des Absolutismus sah in einer fleißigen Arbeitsbevölkerung die beste Garantie für die Mehrung des nationalen Wohlstands und die Sicherung und Erweiterung der Einnahmequellen des Monarchen. Also brachte man die Manufaktur ins Zucht- und Arbeitshaus oder vermietete die Insassen an deren Leiter. Weil die Faulheit und der Müßiggang zur Sünde und zur absoluten Form der Revolte geworden waren, zwang man die Menschen mit aller Gewalt zur Arbeit. Im Amsterdamer Arbeitshaus sperrte man hartnäckige Faulenzer in einen Raum, der langsam voll Wasser lief. Der Inhaftierte konnte sich dann entscheiden: Entweder er ertrank, oder er begann kontinuierlich zu pumpen, das heißt zu arbeiten. Weitere Strafen waren: Kostschmälerung, Arrest, Fesselung, körperliche Züchtigungen mit Rute, Stock, Tauende oder Peitsche.

Mit physischer Gewalt zwang man die Menschen, ihre schädlichen Neigungen aufzugeben und Arbeit als Lebensinhalt zu akzeptieren (vgl. Marzahn o. J.; Geremek 1988; Foucault 1969; Rühle 1971; Sachsse/Tennstedt, 1986). Der Sozialdisziplinierung waren nicht nur die Insassen der Zucht- und Arbeitshäuser unterworfen, sondern tendenziell die ganze Bevölkerung, sofern deren Lebensweise und Arbeitsrhythmus quer lagen zu den Anforderungen der kapitalistischen Produktion. Diese benötigt die Menschen als Lohnarbeiter, deren Arbeitskraft der Unternehmer kauft, um sie möglichst produktiv zu nutzen. Kapital ist Herrschaft der toten Arbeit über die lebendige. Kommando über Zeit, Muskel, Hirn und Bewegung von Menschen, die als variables Kapital in seinen Verwertungsprozeß eingehen, wobei die Höhe der Profitrate davon abhängt, wie intensiv die vom Kapital gekaufte Arbeitszeit genutzt wird und wie geschickt man die lebendige Arbeit mit der Maschinerie kombiniert, die ihr den Rhythmus diktiert.

Die Imperative und Verhaltenszumutungen der Lohnarbeit, unabhängig von biologischen und klimatischen Rhythmen Tag für Tag dieselben monotonen Handgriffe zu wiederholen, pünktlich in der Fabrik zu erscheinen und sie nicht vor Feierabend zu verlassen, waren den vorindustriellen Menschen fremd. Ihr Leben folgte einem anderen Rhythmus und kannte die strikte Trennung von Arbeit und Leben noch nicht. Solange man überwiegend für den eigenen Bedarf produzierte, also Gebrauchswerte herstellte, herrschte ein aufgabenorientierter Arbeitsrhythmus und eine entsprechende Zeiteinteilung. Kontakt- und Geselligkeitsbedürfnisse mischten sich in die Arbeitsvollzüge ein und unterbrachen sie, der Arbeitstag verkürzte oder verlängerte sich je nach der zu erledigenden Aufgabe, zahllose Feste und Feiertage lockerten das Arbeitsjahr auf und sorgten für periodische Enthemmungen und Entregelung. Solange die Menschen für den Eigenbedarf produzierten, konnten sie ihren Arbeitsrhythmus weitgehend selbst bestimmen, und es herrschte »ein Wechsel von höchster Arbeitsintensität und Müßiggang« (E. P Tompson). Ein und derselbe Mensch ging im Laufe eines Tages ganz verschiedenen Tätigkeiten nach, deren Gesamtheit er wahrscheinlich trotz aller punktueller Mühsal und Plage nicht einmal als »Arbeit« empfand: Es war einfach seine Lebensweise.

Solange die menschlichen Tätigkeiten noch nicht der ökonomischen Rationalität unterliegen, schreibt Gorz, »fallen sie mit Zeit, Bewegung und Rhythmus des Lebens zusammen« (Gorz 1989, S. 156). Die Gebrauchswertproduktion kennt die Kategorie des »Genug«. Mehr zu produzieren, als man zur Befriedigung der eigenen Bedürfnisse benötigt, gilt als sinnlos und darüber hinaus als unmoralisch. Produktion und Tausch, wo er, wie im städtischen Zunfthandwerk, bereits vorkam, waren eingebunden in tradierte Vorstellungen vom richtigen Leben.

Aus der Perspektive des industriellen Kapitals waren das alles Borniertheiten, die es zu sprengen, von denen es sich im Namen schrankenloser Akkumulation zu emanzipieren galt. Während der ganzen Frühphase der Industrialisierung rissen die Klagen von Unternehmern über den »traditionalistischen Schlendrian«, über die Unbeständigkeit und die müßiggängerischen Neigungen der Menschen nicht ab. »Der Müßiggang ist in der Stadt wie auf dem flachen Lande so groß«, heißt es in einem Schreiben an den französischen Finanzminister Colbert, »dass es keine Kleinigkeit sein wird, die Leute zu geregelter Arbeit zu bewegen« (zitiert nach Rühle 1971, S. 59f.). Auch wenn man sie endlich in das Joch der Manufaktur oder Fabrik eingespannt hatte, konnte man keineswegs sicher sein, daß sie dort auch blieben und täglich wiederkamen. »In der Phase der ursprünglichen Akkumulation«, schreibt Hans-Jürgen Krahl, »kam es durchaus vor, dass Lohnarbeiter zu arbeiten aufhörten, wenn sie ausreichend verdient hatten, und den Rest des Tages oder der Woche versoffen, verspielten oder verhurten« (Krahl 1971, S. 76).

Den aus handwerklichen oder agrarischen Lebenszusammenhängen stammenden Menschen war die neue Arbeits- und Zeitdisziplin so zuwider, dass viele Fabrikanten sich außerstande sahen, Leute zu finden. Und wenn sie welche fanden, waren die Abwesenheitsquoten hoch; oft kündigten die Arbeiter nach wenigen Wochen bereits wieder oder verschwanden einfach. Die Unternehmer klagten über den nomadenhaften Wandertrieb der Arbeiter. »Einige Gruppen verweigerten sich der neuen Fabrikdisziplin en masse. Die Bauern der schottischen Highlands konnten nicht leicht dazu gebracht werden, den neuen Zeitrahmen zu akzeptieren. Ein Beobachter bemerkte: ‚Ein Highlander sitzt nie zufrieden am Webstuhl; es ist, als spannte man einen Hirsch vor den Pflug!’« (Rifkin 1988, S. 119). Die ersten Unternehmer verzweifelten daran, dass die Arbeiter keinerlei »Erwerbssinn« hatten und noch über einen Begriff vom »Genug« verfügten. Geld war, wie Freud bemerkte, nicht nur kein Kinderwunsch, es reizte auch den noch in Kategorien der moralischen Ökonomie denkenden Menschen nicht über ein gewisses Maß hinaus. Er dachte gar nicht daran, so Werner Sombart, »Geld und möglichst viel Geld zu verdienen. Er will nicht erwerben um des Erwerbens willen, sondern will gerade so viel erwerben, um davon in gewohnter Weise leben zu können. Er will nicht einmal immer besser leben. Hat er im Lohnverhältnis diesen Betrag erreicht, so denkt er nicht daran, weiter zu arbeiten, sondern er hört einfach zu arbeiten auf: das ist die Erfahrung, die alle Unternehmer, zu ihrem nicht geringen Leidwesen, bei der Beschäftigung unerzogener Arbeiter gemacht haben, die sie heute noch machen in allen Gegenden, in denen der Geist des Kapitalismus die Masse noch nicht erfasst hat« (Sombart 1928, S. 426). Auch durch eine Erhöhung des Akkordlohns konnte man die Arbeiter nicht zu größerem Arbeitseifer anspornen. Die erste Arbeitergeneration hatte ziemlich starre Ansichten darüber, wann ein angemessener Lebensstandard erreicht war, und man zog ab einem bestimmten Punkt die Freizeit der Steigerung des Einkommens vor. Je höher der Lohn war, um so weniger musste man leisten, um diesen Punkt zu erreichen (vgl. Landes 1973, S. 67; Weber 1969, S. 49f.).

Um dieser Form von Absentismus Herr zu werden, senkte man die Löhne auf ein absolutes Minimum, in der Hoffnung, dass das nackte Elend die Arbeiter in die Fabriken treiben würde. Damit nicht genug: In der Manufaktur oder Fabrik wachte ein strenges Fabrikreglement darüber, dass die Arbeiter auch wirklich arbeiteten und die vom Unternehmer gekaufte Zeit nicht reine Zeit war, sondern die einer produktiven Arbeitskraft. Man errichtete eine regelrechte »Diktatur der Pünktlichkeit« und eine »Mikrojustiz der Zeit« (Foucault). Zu spät Kommende wurden bestraft, es gab Geldbußen und Lohnabzüge für Bummelei und unerlaubtes Sichentfernen vom Arbeitsplatz, man führte die Fabriksirene ein, die Arbeitsbeginn, Pausen und Feierabend anzeigte. In englischen Industriestädten schrillte morgens um fünf Uhr eine Dampfpfeife, um die Leute aus dem Schlaf zu reißen. Mancherorts stellten die Unternehmer »Wachklopfer« an, die von Wohnung zu Wohnung gingen und mit Stangen an die Fenster der Arbeiterquartiere klopften. Einige dieser Wachklopfer zogen gar an Schnüren, die aus den Fenstern hingen und am Zeh des Arbeiters befestigt waren (vgl. Rifkin 1988, S. 120).

In Deutschland erhielten die Fabrikherren und Manufakturbesitzer mitunter vom jeweiligen Landesherren die niedere Gerichtsbarkeit, womit die Arbeiter dem Gesinde auf einem Gutshof gleichgestellt waren. H.-U. Wehler berichtet, dass es in süddeutschen Betrieben eine Art »Schandsäule« gab, an die Arbeiter angekettet wurden, die gegen irgendwelche Regeln verstoßen hatten. Als wirkungsvollste Methode, die neue Zeitdisziplin und einen regelmäßigen Arbeitsrhythmus durchzusetzen, erwies sich schließlich die Einführung der Maschinerie, die dem Arbeiter das Tempo diktierte und alle lebensweltlichen Beimischungen aus dem Arbeitsprozess herauspreßte.

 

(Am Montag finden Sie auf dieser Stelle den 2. Teil von Götz Eisenbergs Artikel. U.a. zu den Themen Kinderarbeit, Pathologisierung und Kriminalisierung von „Arbeitscheuen“)

 

Götz Eisenberg ist Sozialwissenschaftler und Publizist. Er arbeitete mehr als drei Jahrzehnte lang als Gefängnispsychologe im Erwachsenenstrafvollzug. In der „Edition Georg Büchner-Club“ erschien im Juli 2016 unter dem Titel »Zwischen Arbeitswut und Überfremdungsangst« der zweite Band seiner »Sozialpsychologie des entfesselten Kapitalismus«. Der erste Band „Zwischen Amok und Alzheimer“ ist 2015 im Verlag Brandes & Apsel erschienen.

Anzeige von 37 kommentaren
  • Piranha
    Antworten
    „Und da wir bei euch waren, geboten wir euch solches, daß, so jemand nicht will arbeiten, der soll auch nicht essen.“ (Fettdruck von mir)

    Das ist der korrekte Inhalt des 2. Paulusbriefes.

    Und weiter heißt es:

    „So aber jemand nicht gehorsam ist …. haltet ihn nicht als einen Feind, sondern vermahnet ihn als einen Bruder.“ (Fettdruck von mir)

    .

    Müntefering und bis heute andere mit ihm, – diese großen Humanisten – haben das Gebot des Paulus ins Gegenteil verkehrt.

    Implizit sind sie gar einen Schritt weiter gegangen auf der Demütigungsskala:

    „wer nicht arbeiten kann, soll auch nicht essen“.

    Oder – wie Volker es sinngemäß ausdrückte: ‚auf Knien zur Tafel rutschen und auch noch dankbar sein.‘ Und nicht selten Menschen „hinter der Theke“ zu treffen, die begierig lechzen nach dieser minimalsten Macht über andere.

    Neben so vielem anderen,  trägt auch die Tafel zum Gesichtsverlust von Menschen bei. Es ist erstaunlich, wie vielen Menschen dieser Zusammenhang nicht klar ist.

    Da höre ich manchmal Sätze wie: „sollen doch froh sein, bekommen etwas umsonst“ und so weiter.

    Das ist ähnlich zynisch wie der am vergangenen Dienstag gehörte Satz: „wenn wir nicht die Kleidung kaufen, hätten die in Bangladesch überhaupt keine Arbeit“

    Und das von einer mit abgeschlossenem Studium.

    .

    Nein, ich war noch nie arbeitslos.

    Vor ein paar Jahren habe ich ca 18 Monate als externe Beraterin in 50+ Projekten mit arbeitslosen Menschen gearbeitet, bis 50+ wieder abgeschafft wurde.

    Diese Erfahrungen waren sehr wertvoll für mich, und eine meiner Aufgaben bestand für mich unbedingt darin, Selbstwertgefühl zu stabilisieren, aber auch Durchsetzungswillen.

    Viele Geschichten sind mir erinnerlich, viele schmerzliche Erfahrungen, von denen berichtet wurde.

    Manchmal treffe ich den einen oder anderen Teilnehmer zufällig; es ist immer eine freundliche Begegnung und wenn nötig, nehme  ich mir Zeit.

    • Holdger Platta
      Antworten
      Liebe Piranha,

      ich kann noch eins draufsetzen: der 2. Brief von Paulus an die Thessalonicher, dem der von Dir zitierte Satz (mit zutreffender Korrektur von Dir) entstammt, ist eine Fälschung!

      Mit herzlichen Grüßen

      Holdger

      • Piranha
        Antworten
        Danke, lieber Holdger,

        ja, ich hörte vor Jahren von dieser Kontroverse (es gab, soweit ich mich entsinne, durchaus unterschiedliche Stimmen), hatte mich aber – Asche auf mein Haupt –  nie tiefergehend damit beschäftigt.

        Wenn dem jedoch tatsächlich so sein sollte, wärs doppelter Betrug von einem der bekanntesten Köpfe  der sog. Arbeiterpartei und  ein bitterer Verrat sowieso, denn dafür ist sich die SPD schon lange nicht mehr zu schade  🙁

         

      • Roland
        Antworten

        Bitte Vorsicht mit dieser Aussage! Es gibt Religionswissenschaftler, die das behaupten. (Bart D. Ehrman). Bewiesen ist diese Auffassung damit noch nicht! Letztendlich ist das für mich in diesem Zusammenhang auch ohne Bedeutung.

      • Martin S.
        Antworten
        Paulus, wie auch das restliche NT haben natürlich einen anderen Arbeitsbegriff als die Industriegesellschaft. Wenn er von Arbeit spricht, meint er die Mitarbeit am Leibe Christi zu dessen Wachstum, welche das Evangelisieren in den Mittelpunkt stellt (1. Korinther 9,14). Es wird ihm untestellt, dass er die finanzielle und wirtschaftliche Unabhängigkeit predigt (1. Thessalonicher 4,11-12), allerdings spricht er hier im Plural, appeliert also an die Solidarität der Gemeinde, und nicht an ein Unabhängigkeitsnarrativ einzelner Individuen (> 2. Korinther 8,13-14 ; Apostelgeschichte 2,44-45 + 4,34-35).
        • ert_ertrus
          Antworten

          Klingt plausibel und ich würde es unterstreichen – also wer nur im stillen Kämmerlein seinem Glauben nachgeht ohne ihn zu propagieren, der soll dann auch nicht am Abendmahl teilhaben dürfen, da er sich als Einzelner der von Jesus gebotenen Gemeinschaft von mindesten Zweien oder Dreien verweigert.

          Klingt schon viel menschlicher …

          • Martin S.
            Richtig, ich denke es geht beim „essen“ im Kontext von 2. Thessalonicher 3,10 um einen Zusammenhang mit dem Abendmahl, und nicht um die Grundbedürfnisse des Menschen. Nur so wäre der Vers 12 erklärbar, der ansonsten eher sonderbar und unlogisch wäre. Paulus stellt die „ordentliche“ Teilnahme am Abendmahl als wesentlich dar > 1. Korinther 11,20 ff

            Wenn man Paulus nicht von den Worten Jesu und seinem Evangelium her versteht, begeht man grobe Fahrlässigkeit und trifft so immer wieder auf Widersprüche. Was sagt Jesus noch ?

            Johannes 6,27 Wirket nicht für die Speise, die vergeht, sondern für die Speise, die da bleibt ins ewige Leben, welche der Sohn des Menschen euch geben wird; denn diesen hat der Vater, Gott, versiegelt.

            Beachte : im griechischen Text des NT ist „wirket“ in Johannes 6,27 das gleiche Verb wie „arbeiten“ in 2. Thessalonicher 3,10

            Und bei der wundersamen Brotvermehrung hätte Jesus selber ja gegen eine angebliche Arbeits-Agenda des Paulus verstoßen.

  • eulenfeder
    Antworten

    …als ob das ‚Essen‘ irgend etwas mit Arbeit zu tun hätte, zu tun haben dürfte !

    – so wie das Trinken.

    “ Mogst nix oawan ? na geh her, nacha iss wenigstns wos Gscheids… „

    das ist Oberpfälzer Weisheit, Humanismus pur.

     

    • andreas
      Antworten
      eulenfelder, völlig richtig, der Staat muss immer ein Minimum garantieren! Essensgutscheine usw. sollten nicht in Belieben des Amtsträgers gestellt werden dürfen! Jeder hat ein Recht auf Leben dies ist absolut zu sehen! Die Frage nach Sanktionen ist eine andere!!
      • Palantir
        Antworten
        Oh Mann

        wenns es deine Meinung ist, dass der Staat ein Minimum garantieren muss (was das Verfassungsgericht übrigens bestätigt hat), dann darf dieser Staat keinerlei – nicht eine einzige – Sanktion verhängen.

        .

        In welcher Welt lebst du denn?

        • andreas
          Antworten
          palantir: Dem Staat steht es frei, so die herrschende Meinung- wie er dieses Minimum garantieren soll. Warten wir ab, wie das Bundesverfassunsggericht entscheidet!Entscheidung ist dringend notwendig!!
          • Palantir
            Ich hoffe, dass Holdger Platta dir was schreibt, der ist wohl hier der sachkundige Kenner der Materie

            außerdem find ich, dass das hier: „wie er dieses Minimum garantieren soll“

            als Soll-Aussage Quatsch ist

          • Holdger Platta
            @ andreas

             

            Vorweg: mir scheint, Du hast den Kommentar von „Plantir“ nicht genau gelesen. Er hat geschrieben, „daß“ der Staat ein Minimum garantieren müsse, nicht, „wie“ dieses zu gesschehen habe, so Du in Deiner Antwort auf ihn. So kann man auch aneinander vorberreden. Aber damit zur Sache:

             

            Der Staat steht in der Verpflichtung, allen Bürgerinnen und Bürgern ein „menschenwürdiges Existenzminimum“ sicherzustellen. Das haben bereits die sogenannten „Väter“ und „Mütter“ des Grundgesetzes so festgelegt, und zwar – vor allem – in den Grundgesetzartikeln 1, 20 und 28. Artikel 1 dürfte auch Dir bekannt sein: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Und weiter: „Sie zu wahren und zu schützen ist die Aufgabe aller staatlichen Gewalt.“ In den Artikeln 20 und 28 wird das dann mit dem „Sozialstaats“-Charakter unseres Gemeinwesens zusätzlich abgesichert. By the way: Artikel 1 bis 20 unseres GGs haben sogenannten „Ewigkeits-Charakter“ – sie dürften nichtmal mit 100-Prozent-Zustimmung in Bundestag und Bundesrat abgeschafft werden. Und zweitens: dieses „wahren und schützen“ in Absatz 2 des Artiekels 1 unseres GGs ist nicht feiertägliches Doppelgemoppel, sondern faßt zwei Verpflichtungsbereiche aller staatlichen Gewalt in dieser Formulierung zusammen: das „Wahren“ stellt die Verpflichtung des Staates dar, stets im eigenen Handeln das menschenwürdige Existenzminimum usw. aller zu gewährleisten, das „Schützen“ meint die Handlungsspflicht des Staates, uns BürgerInnen davor zu schützen, wenn andere unsere Menschenwürde verletzen oder verletzen wollen. Und drittens noch: „aller staatlichen Gewalt“, das meint, daß der Staat mit allen seinen drei Gewalten – Legislative, Judikative, Exekutive –  dieser Verpflichtung nachzukommen hat. Soweit das Grundgesetz.

             

            „Abwarten“, wie das Bundesverfassungsgericht dieses alles sieht, ist eigentlich nicht mehr erforderlich (obwohl Nachpräzisierungen vielleicht angebracht sind). In seinem berühmt gewordenen Hartz-Vier-Urteil vom 9. Februar 2010 hat das BVG wieder und wieder dieses Rechtsstaats-Verpflichtungen gemäß GG-Artikel 1 und 20 (und 28) betont. Es hat dabei, in Randnummer 135, nochmal das „menschenwürdige Existenzminimum“ mit allen seinen fünf Aspekten definiert (= Absicherung der physischen Existenz des Menschen, soziale, kulturelle, politische Teilhaberechte, Gewährleistung der Möglichkeit „Pflege zwischenmenschlicher Beziehung“, und zwar unter ausdrücklicher Berufung auf die genannten GG-Artikel.

             

            Wenn nun durch Sanktionen die Gewährleistung des menschenwürdigen Existenzminimums nicht mehr gesichert ist, sind diese Sanktionen verfassungswidrig. Ich sehe diesen Tatbestand gegeben und stehe damit ohne Einschränkung auf der Seite von „Palantir“, weil der sogenannte „Regelsatz“ – gerne auch als „Grundsicherung“ bezeichnet – derart eng berechnet worden ist, daß schon kleinste Abzüge von diesem Betrag den betroffenen Menschen das Recht auf ein menschenwürdiges Existenzminimum wegreglementieren.

             

            Traurig, lieber Andreas, daß über diese Tatsache ernsthaft gestritten werden kann! Aber vielleicht eint uns diese Einschätzung ja sogar.

          • andreas
            Palantir: Es geht darum, dass es dem Staat obliegt, wie er dieses Minimum gewährleistet, auch gegen Gutscheine spricht juristisch nichts- politisch natürlich schon!!
    • Piranha
      Antworten
      Lieber eulenfeder,

      was heißt das: „Mogst nix oawan“ ?

      • eulenfeder
        Antworten

        hallo Pyra –

        “ magst du nichts arbeiten ? “ 

        oder für dich speziell:

        ‚ tu ne veux pas travailler ‚ ( ob grammatisch richtig ? interpunktionell, satzstellerisch ) – owa host me, oda ?

         

         

         

        • Piranha
          Antworten
          🙂

          Alles gut

          🙂

  • Bettina
    Antworten
    Im Grunde genommen hat sich an dem einstigen Leistungsprinzip, mit dem das fremd bestimmte und selektierte Arbeiten begann, bis heute nichts geändert, mit dem einen Unterschied, dass sich inzwischen das Prinzip Leistung durch alle Schichten zieht. Zeigst du Leistung, dann bist du wer, versagst du in der Leistungsschiene, dann gilst du als uneffektiv und unwirtschaftlich und wirst ausgesourct. Die Methoden der Ertänkens werden nicht mehr angewendet, und doch ertrinken viele Menschen in Arbeit, um den Leistungsanforderungen gerecht werden zu können. Langfristige Folgen: man bekommt irgendwann keine Luft mehr zum Atmen, der Essenz des Lebens. Folgeerkrankungen: Burn- Out und Depressionen, Volkskrankheit Nr. 1.

    .

    Die Maschinen sehen nicht mehr aus, wie zu Beginn der Industrialisierung, sie sind unscheinbarer und windiger geworden. Heute sind es nicht die großen Maschinen in der Werkshalle, sondern der PC, der uns in Griff hat. Die digitale Industrialisierung bestimmt das Tempo unserer Zeit. Wehe dem, du hälst nicht mit ihr Schritt. Digitalität und Schnelllebigkeit sind die heutigen Machtworte, die uns  in Einzelteile zerlegen und uns von unserem analogen ursprung entfremden. Effizienz verspricht uns die Digitalität, doch sie macht uns zum Sklaven von Programmen, sie bestimmen die Marschroute. Wieveil Zeit raubt uns die digitale Technik, bis wir sie endlich bis zur Perfektion anwenden können? Der digitale Sektor greift inzwischen in alle Lebensbereiche ein, bis hin zum Herd, Kühlschrank, Telefonanlage und dem „Boardcomputer“ in neuen Autos. Der PC und das Smartephone sind aus dem Leben nicht mehr wegzudenken. Die Büros arbeiten mit einer Vielzahl an digitalen Programmen und Datenverwaltungsprogrammen. Was passiert eigentlich bei längerem Stromausfall? Werden wir dann alle wieder analog? Ist das der Augenblick, wo wir wieder echtes Lebensgefühl erleben können, so, wie die Menschen es noch im Mittelalter taten?

    .

    Aus meinem Job als Architektin ist der digitale Prozess nicht mehr wegzudenken. Die Rationalisierung des Bauens geschieht im Programm, getaktet von einer Vielzahl an Programmen, vom I-Tüpfelchen des ersten Entwurfstriches bis zur Lieferung des Stahlträgers vor Ort. Zum Glück sind wenigstens die Handwerker vor Ort authentisch, greifbar und fühlbar. Die analoge Baustelle holt den verlust durch die digitale Prozesssteuerung wieder ein. Die schert es nicht, ob ein Datensatz im Nirwana versehentlich verschwindet oder ob ein Datenverknüpfungsprogramm an einer Stelle aus dem Ruder läuft. Die Baustelle stört es nur, wenn der Architekt auf seinem beruflich digitalen Weg sein Hirn abgeschaltet hat und angesichts der Zerlegungen der Baustellenhandgriffe den Überblick über Bau als Ganzes mit all seinen analogen Abhängigkeiten verloren hat. Ich halte so gut wie ich es eben kann mit den notwendigen Programmen irgendwie mit, aber mein Herz schlägt nach wie vor für das analoge und ganzheitliche Denken, ob in meinem privaten oder in meinem beruflichen Leben. Damit stehe ich mit beiden Beinen auf dem Boden, damit laufe ich nicht gefahr zu ertrinken und bewahre mir die Unabhängigkeit bei Stromausfall. Stift und Zettel, dreidimensionale Skizzen, räumliches und konstruktives Denken sowie das Erkennen von Zusammenhängen funktionieren bei mir auch ohne Strom. 🙂

    .

    Eine Welt ist zum Glück seit Jahrhunderten konstant und fern der Digitalisierung geblieben: die klassische Musik. Ein klassisches Konzert wird auch noch in hundert Jahren analog besetzt sein. Klassische Konzerte sind ein Lebensgefühl, das vor jeglichem Ertrinken bewahrt. Jeder im Orchester übernimmt einen analogen Arbeitspart, jeder übernimmt eine Stimme. Den Takt gibt der Dirigent vor. Die Melodie erschafft sich in der Harmonie des Zusammenspiels von der Pauke über den geiger bis zum Dirigenten. Vielleicht ist das Bild eines Orchesters ein Geheimrezept für eine gelungenen Betriebsführung.

    .
    W.A. Mozart: Symphony No. 40, K. 550 (HD/1440p)
    https://youtu.be/CDzxKJkU21s

    • Piranha
      Antworten
      Hallo Bettina,

      bezüglich „Leistung“ habe ich teilweise eine andere Sichtweise genau so wie in Bezug auf die „Digitalisierung“.

      Beim erstgenannten stehen sich „Theorie X“ = „der Mensch ist von Natur aus faul“ und „Theorie Y“ = „der Mensch ist ehrgeizig und sieht Arbeit als Quelle der Zufriedenheit„, gegenüber. (vergl. Mc Gregor 1960)

      Ich gehe eher von der grundsätzlichen Annahme aus, jeder Mensch möchte arbeiten, dies entspricht meiner Erfahrung.

      Wenn er jedoch mehr soll als er kann, wird er überfordert sein.

      Will er mehr, als er soll, könnte man von ‚Arbeitssucht‘ sprechen.

      Kann er mehr, als er will, wird er vermutlich irgendwann resignieren, bzw. kann er mehr als er soll, sich unterfordert fühlen.

      Will er jedoch mehr als er kann, besteht die Gefahr eines sog. Burnouts.

      Das ist meiner Ansicht nach das Spannungsfeld, in dem wir arbeiten und das richtige individuelle Maß hinzubekommen, dürfte für viele nicht leicht sein.

      Die Digitalisierung verteufle ich nicht grundsätzlich

      Ich schätze bspw. sehr, einen PC und Laptop zu haben, also nicht mehr auf einer Schreibmaschine rumzuhacken, bei jedem Vertipper eine ganze Seite neu schreiben zu müssen oder mit Tip-Ex …

      Ich schätze meine Musiksammlung auf CD’s ebenso, wie viele meiner DVD’s.

      Und auch wenn ich mein Navigationsgerät liebevoll „Betreutes Denken“ nenne, würde ich ungern darauf verzichten, denn Straßenkarten waren für mich wie ein Nähmuster, das ich auch nie verstand.

      Und so weiter …

      Wovor ich mich fürchte ist, dass die sog. „digitale Revolution“ und gläsern werden  lässt bis ins privateste Privatleben hinein.

      Darüber – über die Gefahren – wurde an anderer Stelle von HdS schon mehrfach berichtet.

      Viele Grüße,

      P.

      .

      PS: ich gehe selbstverständlich davon aus, dass die Zusammenhänge zwischen unseren „Spielzeugen“ Smartphone, Tablets, etc., mit dem dafür benötigten Tantal und Kobalt, mit den Ländern Kongo und Sambia (um nur 2 zu nennen) und den Zuständen dort bekannt sind.

       

       

      • Bettina
        Antworten
        Liebe Piranha,

        .

        Zu deinen zwei angesprochenen Punkten:

        .

        Arbeit – Leistung:
        Die erwartete Arbeitsleistung geht stets von zwei Seiten aus, Vom AN und vom AG. Selten geht ein Arbeitnehmer ohne Vorstellungen vom Ergebnis an sein Arbeitswerk, selten überlässt ein Arbeitgeber das Ergebnis einem Zufall. Anspruch und Leistungsanforderungen sind kongruent.
        Ein Burnout entsteht meist aus Überforderung, wenn der Anspruch zu hoch gesetzt ist, was sich z.B. im Ableisten von massenhaften Überstunden ohne Freizeitausgleich niederschlägt. Der dahinterstehende Druck entsteht aus der lauernden Gefahr, seinen Arbeitsplatz zu verlieren. Der AN stellt sich seiner Überforderung nicht freiwillig, meist entsteht sie aus betriebsimmanenten Mängeln, wie z.B. schlechtes Zeitmanagement. Effizienz und Wirtschaftlichkeit für Druck ausüben sind die geläufigen Argumente einer AG.

        .

        2.: Digitalisierung:
        Wir benötigen die Digitalisierung, ohne sie kommen wir nicht mehr aus. Doch wir sollten die Digitalität nur in unseren Dienst stellen und uns unsere analoge Autarkie bewahren. Kein digitales Programm wird je unser ganzheitliches, Zusammenhänge erfassendes Denken ersetzen. Ein Programm arbeitet nur selektiv und vermag nicht mehr, als ich ihm eingebe.

        Ich habe früher neben meinem Job als Architektin im Büro Praktikanten betreut. Die meisten wollten gleich an ihr Lieblingsspielzeug, an den PC. Ich habe sie am anderen Ende angepackt. Bei mir mussten sie zunächst mit Zollstock, Zettel und Stift ein kleines Aufmaß erstellen. Auch die erste Entwurfsübung sah zunächst eine Skizze oder Handzeichnung vor:  den Ausbau eines Zirkuswagens zu einer provisorischen Familienunterkunft. Erst im letzten Schritt durften sie endlich an ihr geliebtes Spielzeug, den PC mit der entsprechenden CAD- Software. Die ersten manuellen Schritte sind wichtig, um das ganzheitliche konzeptionelle Denken anzukurbeln. Erst im zweiten Schritt ist es sinnvoll die Idee mithilfe digitaler Werkzeuge in Teilschritte zu zerlegen. So steht uns die Digitalität zu unseren Diensten und nicht umgekehrt.

        Ich fahre noch heute ohne Navi und zähle somit zur Sorte altertümlich. Einen immensen Vorteil hat meine Altertümlichkeit: ich lerne mich schnell zu orientieren und begreife eine Stadt kennen über Sichtbezüge, bauliche Merkmale und Exoten. Außerdem muss ich mir nicht ständig von einer sonoren Stimme vorbrabbeln lassen, ob ich nun abzubiegen habe oder nicht. Die Nachverfolgung meines Bewegungsradius wird für Meister Google schwer sein. Aber du hast Recht, die digitale Revolution lässt uns gläsern werden, bis in unsere Wohnstuben hinein.

        .

        Herzlichen Gruß,
        Bettina

      • ert_ertrus
        Antworten

        Der Mensch möchte eine seinen immer vorhandenen Fähigkeiten angemessene Arbeit tun – sei es als Unternehmer oder Angestellter. Zwängt man ihn in eine völlig Unangemessene hinein, dann trägt er eine Zwangsjacke und in der ist man ja bekanntlich besonders flexibel, oder? 😉

        • Piranha
          Antworten
          Hallo ert_ertus,

          es reicht doch schon, wenn Du 50 der 60 belastbare Stunden in der Woche arbeitest, also Stunden, die einem Kunden in Rechnung gestellt werden können, wobei  dann brutto bis zu 70 – 75 rauskommen 🙁

          Es ist selbst das kein Problem, wenn der Arbeitnehmer damit einverstanden ist und sich angemessen entlohnt fühlt.

          Anders verhält es sich bei sog. „prekär“ Beschäftigten oder solchen, die wegen der bekannten Gierhälse 2 – 3 Jobs machen müssen.

          Diese sollten wegen (fast) absoluter Flexibilität Boni über Boni bekommen!

          In Krankenhäusern gibt es Vergleichbares: sog. „Springer“, die überall, d. h. in allen Fachbereichen einsetzbar sind. Denk nicht, dass sie auch nur einen geringen Zuschlag für die Rund-um-Professionalität erhalten.

          Schöne Freitagsgrüße,

          P.

    • Carlo
      Antworten
      Gäbe es ein gültiges Leistungsprinzip, würden Shareholder und Rentiers verhungern.
  • jens prien
    Antworten
    ein kollektiv braucht immer eine minderheit, um zu überleben.

    früher waren das sklaven oder juden.

    heute sind es die empfänger von staatlichen leistungen.

    es wird immer menschen geben , die keine wertigkeit im kollektiv – sprich herde -haben.

    da nützt auch bildung nichts.

    wenn die herde nicht genug sündenböcke  zur verfügung hat , werden welche gesucht und es gibt krieg.

    ich bin ziemlich gebildet passe aber in keine herde.

    eine herdenfrau hat einmal zu mir gesagt, “ wenn ich sie nur sehe , krieg ich das kotzen“:

    dabei war ich gutaussehend , viele damen können das bestätigen.

    sie muss kotzen , weil ihr mühsam verdängtes hochkommt , wenn sie mich sieht.

    so bin ich dann fast 76 jahre geworden, ohne bankkonto und ohne eine richtige arbeit.

    mit papieren undso.

    ok. mittlerweile habe ich eine handfeste paranoia.

    die wird dann abends weg gespült.l.g. jens

  • andreas
    Antworten
    Lieber Holdger, auch ich schreibe und glaube, dass der Staat ein Existenzminimum zu gewährleisten hat, der palantir geht ja darauf ein! Es tritt aber die Frage auf, inwieweit Sanktionen möglich sind, dazu wurde in dem erwähnten höchstricherlichen Urteil, erinnere an die  Texte von Berlit und Spindler, eben nicht behandelt, sonst würde es keine gezielte Urteilsfindung zu den Sanktionen nötig sein, da diese ja bereits erfolgt wäre! Ich bin aber kein Jurist, Du sicher auch nicht, mal abwarten! Das hohe Richterurteil wäre eben ein Urteil, keine polit. Meinung, man kann sicher politisch zu den Sanktionen stehen- wie es einem beliebt, das Urteil ist entscheidend! Ja, bitte eine Urteilfindung zu diesem Thema, da 2010 nicht ausreichend ist! Wie gesagt, politisch gibt es mehrere Ansichten, geschenkt!Altersarmut, Lage der Behinderten, Gesundheitssystem, es gibt natürlich nicht nur ALG-2 als soziale Baustelle!
  • Ritchie Leo
    Antworten

    an Holdger Platta: Leider ist Ihnen ein Fehler unterlaufen. Nicht die Artikel 1 bis 20 haben „Ewigkeitsgarantie“ sondern die Artikel 1 und 20.

    Nachzulesen im  Artikel 79 GG:

    (3) Eine Änderung dieses Grundgesetzes, durch welche die Gliederung des Bundes in Länder, die grundsätzliche Mitwirkung der Länder bei der Gesetzgebung oder die in den Artikeln 1 und 20 niedergelegten Grundsätze berührt werden, ist unzulässig.

    • Holdger Platta
      Antworten
      Völlig richtig, lieber Ritchie Leo! Es hätte Artikel 1 und 20 an der betreffenden Stelle heißen müssen – wie eigentlich beabsichtigt. Tjaja, FreudFreud…

       

      Danke für Ihre Aufmerksamkeit und diese wichtige Korrektur!

  • A. Wiesengrund
    Antworten

    Hallo 

    In der Debatte ums neue DGB-Grundsatzprogramm gab´s 1996 mal in den „Gewerkschaftlichen Monatheften“ einen klugen Beitrag gegen das Evangelium der Arbeit des Paulus … lang, lang ist´s her, aber sowas gab´s wirklich mal beim DGB.

  • Matti Illoinen
    Antworten

    Artikel 12 die Berufsfreiheit sollte eigentlich jedem in diesem Land bekannt sein. Der ARGE jedenfalls ist sie genauestens bekannt. Deshalb muss auch jeder eine „Eingliederungsvereinbarung“ unterschreiben, wenn er Leistungen beziehen will.  Weigert man sich, ist man schon draußen. 

    Im 21 Jahrhundert fällt mir nur noch Tuchholsky ein, welcher schon 1930 schrieb  „Arbeit als Akt der Gnade“ 

    • Martin S.
      Antworten
      Wo „draußen“ ?
  • Die GULO GULOs...
    Antworten
    im Schweiße ihrer Arbeit!
    .
    Wenn Börsianer, Spekulanten und Investoren Arbeiter sind, dann ist ein Spielsüchtiger in Las Vegas ein Schwerstarbeiten!
    .
    Jetzt verstehe ich, warum all diese, all die Räuber an Mensch, Tier und Natur in Saus und Braus leben.
  • ert_ertrus
    Antworten

    Andreas tritt in anderen Blogs wohl als Anton auf – seine Falschschreibung von eulenfeders Namen entlarvt ihn – mangelhafte Tarnung, verehrter Anton 😉

    U-Boote sollten solche Fehler tunlichst unterlassen …

    • eulenfeder
      Antworten
      …damit hast du dich als mein Geheimdienstchef qualifiziert – Lieber ert_ertrus !

      die letzte Stelle die noch zu besetzen wäre, nach Gelingen des Putsches im Reichstag.

      aber halt, die des Vollstreckers fehlt noch, es werden ja keine Gefangenen gemacht dann…

       

       

       

       

       

      • Piranha
        Antworten
        He – vergiss mich nicht.

        Ich mach auch mit 🙂 🙂 , schließlich hab ich diesen „A“ auch schon entlarvt mit anderen Pseudonymen, die er/sie nutzte.

        .

        Nur –  Chef will ich nicht sein, das darf ert_ertrus gern!

        • eulenfeder
          Antworten
          nein nein – Du bist schon fest im Revo-Team

          muss noch mehr über deine ‚Neigungen‘ wissen – smile

           

           

           

           

           

           

  • ert_ertrus
    Antworten

    Häuptling Eulenfeder, die schicken wir dann in die innere Emigration:

    sie sollen über sich und ihre Mängel nachdenken bis zur Besserung oder – nun ja 🙂

  • andreas
    Antworten
    ert: Wo schreibe ich ihn falsch und wer ist Anton?

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