Ach lasst mich doch in Frieden! Ein Burnout-Erlebnisbericht

 In Gesundheit/Psyche

Zugegeben, manchmal mag ich mich selbst nicht. Das liegt daran, dass ich mich zuweilen wie ein Arschloch benehme. Aber ich kann nicht aus meiner Haut. Ich glaube, ich brenne aus – und das arschige Benehmen ist ein Symptom. Roberto J. De Lapuentes Burnout-Erlebnisbericht. (Quelle: Neulandrebellen)
https://www.neulandrebellen.de/2019/04/burnout-ach-lasst-mich-in-frieden/

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    Volker
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    Andererseits, das war so ein SUV-Kinderwagen.

    Die Dinger sind deshalb so wuchtig, damit die Kleinen hineinwachsen können, bis zum achtzehnten Lebensjahr, danach wechseln sie die PS-Klasse und schnullern stressmäßig über Autobahnen – dank SUV-Eltern gehobener Preisklasse.

    Jeder Joghurtkauf ist heute eine Entscheidungsfrage.

    Genau. Sollte bio sein, ohne Gentechnik, keine Plastikverpackung, klima- wie tierfreundlich und preislich auf Grundsicherungs-Niveau. Schon der Gedanke, ein Veganer könnte mich beobachten, verursacht mir schädlichen Stress.

    Arbeit war immer ungesund.

    Sah Evolution auch nicht vor. Aber, im Laufe der Zeit entwickelte sich Mensch zum Untertan, weil sich in Schöpfungsprogrammierung Bug einschlich, ein gefräßiges, gottloses Monster mit KI, später Kapialismus, sogar Raubtierkapitalismus genannt.

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      Piranha
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      Ja, „Arbeit war immer ungesund“.

      Nein, Arbeit war noch nie ungesund.

      Natürlich sind beide Positionen nicht haltbar. Vielmehr sind sie zwei Pole eines Kontinuums.

      Also müssten wir die intrinsischen und extrinsischen Bedingungen ausloten, wann jemand durch Arbeit krank wird, und wann jemand  gesund bleibt.

      Angelehnt an Antonowskys salutogenetischem Modell sind wir jedoch niemals ganz krank oder ganz gesund, sondern stehen – um eine Metapher zu bemühen – immer mitten im Fluß:

      Kein Mensch steht sicher am Ufer des Flußes, wir alle befinden uns mitten im Fluß. Und jeder Mensch befindet sich sozusagen in einem anderen Fluß, je nach nationalen, ethnischen, sozialen oder geschlechtlichen Zugehörigkeiten oder Umständen haben wir alle mit unterschiedlichen Strömungen, Strudeln und Gefahren zu kämpfen. „Kein Fluß ist sehr friedlich“.

      Das heißt, durch die unüberschaubare Anzahl an Faktoren, die eine Bewegung zu einem der beiden Pole bewirken, ist es nicht vorhersehbar, wie sich der Organismus verhalten wird. Antonwsky nennt dies die Kraft der Entropie. (1)

      Eines der Probleme unserer Schulmedizin besteht also in der Fragestellung nach Gesundheit und Krankheit: „Was hat dich krank gemacht und kann ich es reparieren?“ fragt die pathogenetische Sichtweise.

      „Was hält dich gesund?“ fragt das salutogenetische Modell, denn welche Kräfte sorgen dafür, daß sich einige Menschen trotz aller Pathogene und widriger Umstände auf der gesunden Seite der Skala halten können oder sich darauf zu bewegen?

      Es gab vor 25 oder 30 Jahren einen interessanten Artikel im Mabuse: „Was hält Pflegekräfte gesund?“ Darin wurde untersucht, wie einige Pflegende unter den exakt gleichen Bedingungen krank wurden, wohingegen andere gesund blieben. Er endete mit keinem Ergebnis im Sinne eines Rezeptes oder einer Verfahrensanweisung für das Management; das wäre zu schön gewesen, nicht? Aber es konnte durch strukturierte Interviews mit den Pflegekräften gezeigt werden, wie vielfältig die psychischen, physischen, sozialen und gesellschaftlichen Bedingungen sind, die an Gesundheit/Krankheit der Mitarbeiter beteiligt sind. Immerhin zogen Gesundheitsbetriebe aus dieser und anderen (auch früheren) Studien doch einige Konsequenzen: Führungsverhalten wurde auf Mitarbeiterorientierung untersucht, es wurden interne Fort- und Weiterbildungen ermöglicht, die früher oft belächelten „soft kills“, wie Kommunikationstraining, Konfliktbewältigung, Stressbewältigungsseminare, Motivationstage, Umgang mit schwierigen Situationen, Supervision und Coaching … eingeführt. In großen Krankenhäusern sind Stabsstellen zur Personalentwicklung eingerichtet worden.

      Aber das alles hilft Roberto nicht. Vielleicht zieht er sich eine Weile zurück mit Hilfe eines Arztes und forscht bei sich, wo er seine gesunden Anteile findet.

      Wir alle schwimmen in einem Fluß mit Untiefen, Strömungen und anderen Gefahren. Sicher ist, daß wir alle unausweichlich auf einen nicht zu überlebenden Wasserfall zusteuern. Die pathogenetisch orientierten Praktiker beschäftigen sich mit den Menschen, die in einen Strudel geraten sind, sich im Schilf verfangen haben, mit einem Fels kollidiert sind, von anderen Menschen unter Wasser gehalten werden oder von Krokodilen angefallen wurden. Im Übrigen versuchen sie uns davon zu überzeugen, möglichst gar nicht zu schwimmen. Die salutogenetische Orientierung versucht ganz einfach gesagt, die Menschen zu ausgezeichneten Schwimmern zu machen. (Antonowsky)

       

      (1) dazu siehe Leschs Kosmos, der dies hier recht gut erklärt: https://www.br.de/mediathek/video/alpha-centauri-18032019-was-ist-entropie-av:5af94986901d560018f8d663

      … auch wenn er die Übertragung in andere Gebiete außerhalb der Physik kritisiert. 😉

       

       

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