Alexanders CD-Tipp der Woche: Blattgold. Ecco Meineke. Chansons. Andy Lutter

 In Alexander Kinsky, CD-Tipp

Die im Februar 2019 bei GLM Music veröffentlichte CD bringt niveauvolle deutschsprachige Chansons, klug gedichtet und musikalisch akustisch ambitioniert gestaltet. (Alexander Kinsky)

Der 1961 in Kaufbeuren geborene Ecco Meineke ist Soul-, Jazz- und Chansonsänger, er ist auch Ecco DiLorenzo, bildete zusammen mit Werner Schmidbauer das Duo „Jedermann“, ist Gründer der Soul-Formation „Innersoul“, textete für den Kinofilm Der Schuh des Manitu, steht auch für „Die Shtetlmusikanten“, wirkt als Singer-Songwriter, war sieben Jahre im Ensemble der Münchner Lach- und Schießgesellschaft und macht noch so mancher- bis vielerlei, vom Jazzgesang bis zu einem Projekt für die Münchner Pinakothek der Moderne, vom Kabarett bis zur Regie „Der Watzmann ruft“.

Zu hören sind deutschsprachige und auch ein französisches Chanson in der ehrenwerten Brel-Tradition. Musikalisch fein jazzig arrangiert, setzt es fort was Piaf und Brel, Moustaki usw. an Niveau und Anspruch vorgaben und im deutschen Sprachraum etwa Robert Long versucht hat und Klaus Hoffmann vermittelt, textlich auch an Werner Schneyder gemahnend, und alles sehr sorgfältig produziert.

Stimmungsbilder stehen neben sanft Zeitkritischem und leicht Parodistischen, die Stimmung im Sonnenlicht von St. Nic wie an einem sinnlosen Tag, das Blattgold der Zeit wie das Altern heute, die selbsterfüllenden Prophezeiungen wie der dritte Montag, der Tormann wie die im März 2017 schon auf HdS vorgestellte Pastinaken-Polka, die so vordergründig heiter wie erschreckend, ja furchtbar aktuell ist. Da bleibt einem das Lachen im Halse stecken.

Stimmlich facettenreich (dem jeweiligen Liedcharakter angepasst, vom verschmitzten Chanson-Unterspielen bis zum Udo Jürgens Pathos) und musikalisch exzellent mit erlesenen Mitmusikantinnen und Mitmusikanten eingespielt ist das alles – mit der Posaunistin und Tubistin Marion Dimbath, dem Bassisten und Gitarristen Alex Haas, dem Vibrafonisten und Drummer Tim Collins und dem Orchestergeiger Ludwig Müller.

Der Münchner Pianist und Komponist Andy Lutter hat als musikalischer Leiter das großartig jazzig angehauchte Album musikalisch hauptverantwortet. Er steht auch am Cover gleichberechtigt neben dem Hauptinterpreten.

Poesie und sanfter Biss und ein Schuss Humor wechseln einander facettenreich ab.

Das Lied „Sie“, das die CD abrundet, ist eine würdige wunderbar pathetische Reverenz an den großen Charles Aznavour.

Der vorletzte Titel, der vielleicht schönste der CD, ein großes deutschsprachiges Chanson, heißt „Melancholie“, und ein bisschen melancholisch wird man schon beim Durchhören der CD, nachdenklich melancholisch. Das schadet ganz und gar nicht hin und wieder.

Die Homepage von Ecco Meineke: https://www.ecco-meineke.de/

Kommentare
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    Ecco Meineke
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    Lieber Alexander, ich bin sprachlos und natürlich , genauso wie mein Partner Andy,
    unglaublich glücklich, dass das einfache Lied, als Lied gemeint und nicht als blosse „Produktion“ noch berühren kann. Danke für Deine  warmen Worte und möge das eine oder andere Chanson die Zeiten überdauern und auch noch von späteren Generationen gesingen werden!

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