Alexanders CD-Tipp der Woche: Buelow – Von Pop-Poeten und Moneten

 In Alexander Kinsky, CD-Tipp

Wer ausgefeilt produzierten Deutschrock und Deutschpop mag, für den ist Buelow vielleicht eine Entdeckung wert. Und es lohnt sich, das ganze im Mai 2019 bei Tap-Water Records erschienene Album durchzuhören, denn das Beste kommt zum Schluss. (Alexander Kinsky)

Der Darmstädter Singer-Songwriter Frank Buelow, geboren 1967, möchte schon Musik machen und Songs präsentieren die zunächst einmal gut ins Ohr gehen. Provozieren und aufrütteln möchte er nicht vordringlich.

Was zunächst auffällt, ist die solide, ambitionierte Produktionsarbeit an den elf Liedern des Albums. Das ist aufwendig produziert, auch mit ausgefeilten Bläsersätzen. Da wollte es einer wissen.

Thematisch gibt es eine breite Palette, Buelow will mehr als allerlei, beziehungsmäßig passt man gut auseinander, arbeitet lebenslang am großen Ding und kann dabei auf privaten Halt bauen, weiß sich mehrfach gut selbst zu beschreiben, hat zwischendurch Lebensweisheiten des Schriftstellers Ulrich Plenzdorf parat, rät auch, sich (wohl aus leidvoller Erfahrung) vor besten Freunden in acht zu nehmen, liefert dazu ein persönliches Gutewünschelied und überzeugt den Liedermacherfan überraschend mit dem letzten Lied „Ewig Leben?“, das ins Universelle reicht.

Die meisten Lieder hat Buelow selbst komponiert und getextet.

Die markante Lebensbekenntnisnummer „Das nächste große Ding“ gemahnt etwas an Klaus Lage („Faust auf Faust“). Das ist klassischer Deutschrock, und der Sänger dreht es mit dir und sagt das sind wir.

„Panamamond“ ist die Coverversion eines Stefan Waggershausen Reggae-Klassikers aus dessen Erfolgsalbum „Fang mich auf“, eine würdige Reverenz.

Von der 1978 in Dillingen geborenen Musikerin, Sängerin und Songwriterin Dania König stammt die ambitionierte Ballade „König ohne Land“, ein weiteres Highlight der Produktion.

Textlich überrascht auch „Wenn ein Mensch lebt“, denn das ist eine Vertonung eines Textes des DDR-Schriftstellers Ulrich Plenzdorf. Vertont hat das der Komponist Peter Gotthardt, und das Original ist ein DDR-Klassiker der Puhdys, zu hören gewesen im DEFA-Spielfilm „Die Legende von Paul und Paula“ (1973).

Mit den Pop-Poeten wird man auch auf die deutsche Chanson-, Pop- und Soulsängerin und Liedermacherin Regy Clasen aufmerksam, die auch schon mit Christina Lux zusammen aufgetreten ist und deren Ballade „Kann ich bleiben heute Nacht“ Bülow im Stil der Neuen Deutschen Welle der 80er Jahre eingespielt hat. Auf youtube findet sich übrigens eine bemerkenswerte Version der Komponistin selbst, solo am Piano. Das hat durchaus die Intensität etwa von Ulla Meineckes „Tänzerin“.

Das tiefgehendste Lied kommt am Schluss. „Ewig Leben?“, geschrieben von Buelow selbst, hinterfragt den Liedtitel und regt zum universellen Weiterdenken an. Mit Sax- und E-Gitarrensolo ist es auch noch einmal sehr sorgfältig produziert. Musikalisch überrascht hier speziell das Ende, wenn nach einem fade out noch ein kurzer Klavierballadennachsatz folgt, ein stimmiger abrundender Effekt.

Die Buelow Homepage: http://www.buelowmusic.de/

Teaser:

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