Alexanders CD-Tipp der Woche: Claudia Wołoszyn – Such mich

 In Alexander Kinsky, CD-Tipp

Was so besonders bewegt bei dieser im Oktober 2017 im Label Drei Wege erschienenen CD ist die vollkommen harmonische Einheit von Einklang mit der Natur, inniglichster empfindsamster Menschlichkeit, inspirierter und intelligenter Liedkomposition in feinfühligen kammermusikalischen Arrangements und genauso inspirierter wie in sich völlig stimmiger sprachlicher Liedpoesie. Eines wird dabei ganz deutlich – das Wunder der Natur und das Wunder der Musikpoesie gehören zusammen. (Alexander Kinsky)

Die Liedermacherin und Singkreisleiterin Claudia Wołoszyn lebt in Frankfurt an der Oder und begleitet ihre selbst geschriebenen Lieder mit der Gitarre. Ihre Liederprogramme bestreitet sie oft zusammen mit der Liedermacherkollegin Heike Mildner

Das Lied „Mittagskind“ schaffte es schon bis in die Liederbestenliste.

Die zwölf Lieder der CD sind lebensweise, aber unaufdringlich, durchdacht aber leicht, gleichnishaft, aber nicht belehrend, musikalisch schwebend und doch ganz geerdet.

Die Seriosität dieser Produktion ist beschämend selbstverständlich, jeder kleinste Ansatz kommerzieller Zielrichtung, eines Schielens in Marklücken, wird vermieden, womit durchgehend eine umso überzeugendere Authentizität gewahrt bleibt. Hier wird nicht an Radiotauglichkeit gedacht, hier werden einfach nur (wie beglückend ist das doch!) nachdenkenswerte musikpoetische Lieder vorgetragen.

Viel Natur spielt mit, Aufgehobensein in der Natur, Leben in der Natur, menschliches Miteinander oder der Rückzug ins Innere, das Aufeinanderzu in der Natur, der Fluss, die Haselnuss, die Schnecke, Wölfe, der Kienapfel, der Winter, Lieder voller berückend intelligenter Schlichtheit, die Sängerin, die selbst Gitarre spielt, eine angenehm unaufdringliche Liederzählerin, dazu Violine, Mandoline, Gitarre, Saxophon, Klarinette, Bass, Conga, Cajon, Cello und Viola, also auch in den Arrangements, musiziert mit feinfühligen Mitmusikantinnen und -musikanten, der Natur Liebe und Achtung zollend.

Sich etwa in eine Schnecke versetzen, eines der berührendsten Lieder überhaupt, ihre Jahreszeiten mitempfinden, wie sie den Boden spürt, wo und wie sie sich bewegt, „als Genie der Langsamkeit“ – was für ein wichtiges Bild in Zeiten der ständig präsenten so stillen wie brutalen Zeitanzeige am PC.

Oder der „Herbst 2050“, „…ihr eigener Vogel singt sein Lied“, ist es sie selbst, die sich als alte Frau sieht, ist es eine Freundin, es ist ur-liebende, einfühlsame Liedpoesie pur.

„Und wenn sie ins Land ihrer Träume reist,
wenn sie Träume wie Briefe liest,
dann vergisst sie, wie sie heißt,
dann weiß sie endlich, wer sie ist.“

Alle Zeilen aller Lieder dieser CD sind so, das Tanzlied einer die sich zurückzieht („Durch die Spiegel“), die beiden Traditionals („Gesucht“ und „Winterlied“), das Titellied „Such mich“, auch „Elli“ und das Lied vom „Mittagskind“. Es lohnt jede Sekunde, diese Lieder selbst hörend, mitlebend, mitseiend zu erspüren.

Die Homepage von Claudia Wołoszyn: http://claudia-woloszyn.de/

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